Finthen ist ein Ortsbezirk der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz.

Er ist der westlichste Ortsbezirk der Stadt. Seit Finthen 1969 im Rahmen der Gebietsreform eingemeindet wurde, verändert sich das Ortsbild kontinuierlich vom ländlich geprägten Ort hin zum Wohnbezirk. Die Ausweisung großer Neubaugebiete (Katzenberg – Römerquelle – Königsborn) ließ die Einwohnerzahl von ca. 7000 im Jahre 1969 auf mehr als 14.500 im Jahr 2025 ansteigen. In der Landwirtschaft überwiegt der Anbau von Sonderkulturen. Insbesondere durch den Finther Spargel ist der Ort über seine Grenzen hinaus bekannt.

Nachbarstadtteile und -gemeinden mini|Einfahrt aus Richtung Gonsenheim

Folgende Gemeinden bzw. Mainzer Stadtteile grenzen im Uhrzeigersinn an Finthen:

im Norden Budenheim, im Osten Mainz-Gonsenheim, im Südosten Mainz-Drais, im Süden Ober-Olm, im Südwesten Essenheim, im Westen der Ingelheimer Stadtteil Wackernheim und im Nordwesten das ebenfalls zu Ingelheim gehörende Heidesheim am Rhein.

Geschichte mini|hochkant|Glasbild des Erzbischofs Ruthard im Dom zu Mainz

Das heutige Mainz-Finthen wird 1092 erstmals urkundlich als Fundene erwähnt. Der Mainzer Erzbischof Ruthard schenkte den Mainzer Domherren verschiedene Besitzungen und Einkünfte, darunter auch Finthen. Der Ort selbst ist wesentlich älter, der archäologische Nachweis beruht jedoch auf Gelegenheits- und Oberflächenfunden, systematische Grabungen fehlen. Dennoch kann folgendes Bild gezeichnet werden.

Bereits in der Jungsteinzeit finden sich ab 4500 v. Chr. Siedlungsspuren unterschiedlicher Steinzeitkulturen in der Gemarkung, mit Schwerpunkt im oberen Aubachtal. In der Bronzezeit scheint sich der Siedlungsschwerpunkt in das obere Tal des Königsborn zu verlagern, um in der keltischen Eisenzeit den Standort abermals zugunsten des Aubachtals zu wechseln. Mit der beginnenden römischen Okkupation verschwinden die Kelten von der archäologischen Landkarte Finthens. Ob sie in Cäsars Gallischem Krieg vernichtet wurden oder sich in das rechtsrheinische Germanien absetzten, ist unklar.

Unter Kaiser Augustus wurde die Rheinfront um 13 v. Chr. als römische Reichsgrenze ausgebaut. Die heutige Finther Gemarkung wurde von einer römischen Fernstraße durchzogen, deren Trassenführung von Mainz nach Bingen noch heute im Bereich der Saarstraße/Landstraße 419 bzw. der Kurmainz- und Flugplatzstraße nachvollziehbar ist. Im 1. Jahrhundert wurde im Bereich des Katzenbergs ein Tempel errichtet, der Mercurius und Rosmerta geweiht war. Ein römischer Vicus bildete sich nicht aus, die Siedlungsstruktur bestand aus weit auseinander liegenden Einzelgehöften, sogenannten villae rusticae, erneut oder sogar in Kontinuität zur keltischen Siedlung mit Schwerpunkt im oberen Aubachtal. Aber auch im heutigen Ortsgebiet fanden sich Spuren römischer Gehöfte, so beispielsweise in der Bieroth- und der Mühltalstraße. Vom Königsborn aus führte ein Seitenarm der römischen Wasserleitung nach Mogontiacum (Mainz). Deren Überreste wurden von Joseph Fuchs erforscht und beschrieben.

Wann und wie die römische Präsenz in Finthen endete und die fränkische Landnahme begann ist archäologisch nicht nachvollziehbar. Es spricht einiges dafür, dass um die Mitte des 5. Jahrhunderts ein kontinuierlicher Übergang stattfand. Die Bevölkerung des römischen Kulturkreises (Romanen) scheint über Generationen hinweg in der zugewanderten, fränkischen Bevölkerung aufgegangen zu sein. Als Beleg kann die Tradierung der römischen Gebietsbezeichnung (fontanetum) und der sich daraus entwickelnde Ortsname fundene gelten. Als zusätzliches Indiz einer kontinuierlichen Besiedlung kann die Tatsache gelten, dass in unmittelbarer Nähe einer römischen villa rustica ein merowingischer Adelshof mit Gräberfeld (Mühltalstraße/Am Keltenlager) entstand, bzw. dass sich der heutige Ortskern im Bereich einer zweiten villa rustica entwickelte. Letztere ist nur indirekt durch den Fund zweier Sarkophage 1969 in der Bierothstraße nachzuweisen. Die frühmittelalterliche Epoche Finthens ist bis auf das Gräberfeld abseits des Ortsmittelpunkts wenig erforscht. Aufgrund der relativ geringen Belegungsstärke und einiger Grabbeigaben wird es einem fränkischen Adelshof zugeordnet. Dieser könnte in Kontinuität zu der römischen villa rustica stehen, deren Gräber in unmittelbarer Nähe in der Mühltalstraße gefunden wurden.

Wann der eigentliche Ort Finthen, wie er heute existiert, entstand, liegt vorerst im Dunkeln. Es kann nur vermutet werden, dass sich parallel zu dem fränkischen Adelshof eine zweite Siedlungsstelle im Bereich um die heutige Kirche St. Martin entwickelte, die zur Keimzelle Finthens wurde. Ob die Wahl der Örtlichkeit in Zusammenhang mit einer villa rustica steht, deren Gräber in der Bierothstraße gefunden wurden, ist archäologisch zwar nicht nachgewiesen, liegt aber nahe. Spätestens in karolingischer Zeit dürfte sich der Ort an der heutigen Stelle etabliert haben. Aufgrund einiger späterer Urkunden und der Erwähnung des Königsborns bzw. der Königsstraße ist anzunehmen, dass es sich bei der Finther Gemarkung um Reichsgut handelte.

Dieses Reichsgut gelangte im Laufe der Jahrhunderte in den Besitz der Mainzer Erzbischöfe. 1092 wurde es schließlich den Domherren geschenkt. Infolgedessen erlangte der Dompropst die Ortsherrschaft.

Mit der Ausbildung der Territorialstaaten wurde Finthen ein Bestandteil von Kurmainz. 1797 gelangte Finthen infolge des Ersten Koalitionskriegs an Frankreich. Die nunmehr französische Gemeinde lag im Kanton Niederolm, der zusammen mit 37 weiteren Kantonen das Département Donnersberg bildeten.

Nach dem Zusammenbruch der französischen Herrschaft am Rhein 1813/14 und der Neugliederung der deutschen Staaten (Wiener Kongress) wurde Finthen 1816 mit großen Teilen ehemaliger Kurmainzer Gebiete, dem Großherzogtum Hessen eingegliedert. Die auf diese Weise neu geschaffene Provinz erhielt 1818 offiziell den Namen Rheinhessen. Im Jahr 1939 wurde der Finther Wald gerodet, um den Flugplatz Mainz-Finthen zu errichten. Finthen blieb bis zum Zusammenbruch des Dritten Reichs 1945 hessisch.

Nach der Potsdamer Konferenz im August 1945 lag Finthen in der französischen Besatzungszone aus der 1946 das Land Rheinland-Pfalz entstand. 1949 wurde Rheinland-Pfalz Teil der neu gebildeten Bundesrepublik Deutschland.

Die selbstständige Gemeinde Finthen lag im Landkreis Mainz. Am 7. Juni 1969 wurde sie infolge der Durchführung des „4. Landesgesetzes über die Verwaltungsvereinfachung im Land Rheinland-Pfalz“ nach Mainz zwangseingemeindet. Aus Finthen bei Mainz wurde der Stadtteil Mainz-Finthen. Finthen wird seit diesem Zeitpunkt von einem Ortsvorsteher verwaltet; die eigentlichen Entscheidungen werden im Stadtrat von Mainz getroffen.

Am 16. und 17. November 1980 feierte Papst Johannes Paul II. im Rahmen seines ersten großen Pastoralbesuchs in Deutschland auf dem Finther US Army Airfield mit ca. 200.000 Gläubigen die Heilige Messe.

Am 7. September 1991 fand eines der zuschauerstärksten Rockkonzerte aller Zeiten in Deutschland auf dem US Army Airfield statt. Ca. 180.000 Zuschauer wurden beim Konzert der Monsters of Rock Tour mit AC/DC, Metallica, Mötley Crüe, Queensrÿche und The Black Crowes gezählt.

Politik Der 2024 gewählte Ortsbeirat vertritt die Belange des Ortsbezirks gegenüber der Stadt Mainz und besteht aus 13 Mitgliedern. Stärkste Fraktion wurde die SPD mit vier Sitzen, sie löste die CDU in dieser Position ab (Details zur aktuellen Sitzverteilung siehe Infobox).

Ortsvorsteher von Finthen ist seit 2019 Manfred Mahle (SPD). Er löste den zuvor seit 1994 amtierenden Herbert Schäfer (CDU) ab, Allgemeine Zeitung Mainz, der 2019 nicht mehr zur Wahl antrat. Bei der Stichwahl am 23. Juni 2024 konnte sich Manfred Mahle mit einem Stimmenanteil von 57,1 % erneut durchsetzen, nachdem beim ersten Wahlgang am 9. Juni keiner der ursprünglich fünf Bewerber eine ausreichende Mehrheit erreichen konnte.

Wappen Beschreibung mini|Das Finther Wappen vor der Reform und heute In einem rot-weiß geteilten Schild ein Hufeisen in verwechselnden Farben.

Geschichte und Bedeutung Erstmals taucht das Wappen in einem Gerichtssiegel von 1756 auf. Die genaue Bedeutung des Wappens ist unbekannt und kann nur interpretiert werden. Das Hufeisen dürfte als landwirtschaftliches Symbol zu sehen sein. Es steht synonym für das Pferd, dem wichtigsten Arbeitstier der Bauern. In anderen Gemeindewappen weist das Hufeisen direkt auf die bestehende Pferdezucht, auf einen Schmied oder aber auf die Eisengewinnung hin. In Finthen kann ein solch konkreter Bezug nicht hergestellt werden. Das heutige Wappen stammt aus dem Jahr 1965 und ging aus einer Wappenreform hervor. Bis 1965 führte die Gemeinde Finthen ein silbernes Hufeisen auf rotem Grund. Die Farben des Wappens scheinen von den Mainzer Farben und den Farben des Domkapitels, nämlich weiß und rot, beeinflusst zu sein und weisen damit auf die enge geschichtliche Verbundenheit hin.

Sehenswürdigkeiten Rund um die Kirche und den Ortsmittelpunkt mini|hochkant|Die neoromanische, Katholische Pfarrkirche St. Martin mit älterem Turm von Süden

Katholische Kirche St. Martin 1852–1854 war das Langschiff der Kirche als dreischiffige Pfeilerbasilika im neoromanischen Stil an Stelle eines älteren, gotisch/barocken Vorgängerbaus errichtet worden. Einzig der im Grundriss quadratische Turm blieb erhalten. Die Untergeschosse sind spätgotisch, in der alten Glockenstube ist ein Maßwerkfenster mit der Inschrift 1519 datiert. Über sein genaues Alter gibt es keine eindeutigen Erkenntnisse, in einer Festschrift von 1948 werden karolingische Stilmerkmale im unteren Turmteil angesprochen, jedoch nicht näher erläutert. Einzig die typische Lage der Kirche auf einem kleinen, den Ort überragenden Hügel, deutet in eine fränkische Gründungszeit hin. An der südlichen Außenwand des Turmes ist ein hohes Steinkreuz aus dem 18. Jahrhundert errichtet, das ursprünglich mit Darstellungen von Maria und Johannes als Wandgemälde eine Kreuzigungsgruppe bildete. Ursprünglich handelte es sich wahrscheinlich um ein Friedhofskreuz.

Tatsächlich wird erst 1318 ein Finther Pfarrer Starkrad erwähnt, es kann davon ausgegangen werden, dass zu diesem Zeitpunkt ein kleinerer, romanischer Vorgängerbau bestand. Diese Kirche wurde entweder im gotischen Stil überformt oder durch einen gotischen Neubau ersetzt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche stark beschädigt und scheinbar unter Verwendung der noch vorhandenen Substanz im barocken Stil wieder aufgebaut. 1700 erhielt die Kirche einen barocken Chor. 1852 fiel die Entscheidung für einen größeren Neubau aus Hausteinmauerwerk an gleicher Stelle, der am 7. September 1854 eingeweiht wurde. 1910 wurde der Turm um eine Glockenstube im neugotischen Stil aufgestockt. Seit diesem Zeitpunkt präsentiert sich die Kirche nahezu unverändert in ihrem heutigen Aussehen.

Der Innenraum des Langhauses weist eine verbretterte Flachdecke über Unterzügen auf. Der Obergaden des Mittelschiffs wird durch Rundbogenfriese und Lisenen gegliedert, die Seitenschiffe durch Blendarkaden. Über einer dreiteiligen Arkatur befindet sich die Westempore mit Orgel. Die ehemalige Krypta dient heute als Heizungskeller. Im nördlichen Teil befindet sich die Sakristei, im südlichen Teil eine Marienkapelle mit separatem Zugang. Die ursprüngliche Ausmalung des Chores (1854–56) durch August Gustav Lasinsky ist heute stark verändert, aber noch erhalten. Hingegen fiel die 1894 im Stil der Nazarener erfolgte Ausmalung des Langschiffs einer Renovierung von 1963 zum Opfer. In der Kirche befinden sich wertvolle spätgotische und barocke Bildwerke.

Kloster Finthen von 1851 mini|Der Innenhof des Klosters von 1851

Bereits kurz nach seinem Amtsantritt als Bischof von Mainz gründete Wilhelm Emmanuel von Ketteler in Finthen das Kloster. Siehe

mini|links|Das Kriegerdenkmal von 1875 neben dem Seitenportal der Katholischen Kirche St. Martin

Kriegerdenkmal von 1875