mini|St. Stephan in Wilna, vor welcher Kirche der erste Mariawitek-Konvent entstand mini|Ehemaliger Mariawitek-Konvent in Tschenstochau, gegenwärtiges Gebäude des IV Liceum Ogólnokształcące im. Henryka Sienkiewicza
Die Ordensgemeinschaft Mariae Vitae, auch Mariawitek-Ordensgemeinschaft (, , ) war die erste und vermutlich wichtigste Missionsinstitution im Polen-Litauen des 18. und 19. Jahrhunderts,E. Keidosiute: Missionary Activities of Mariae Vitae Congregation, S. 57. gegründet von Propst Józef Stefan Turczynowicz von St. Stephan in Vilnius. Gemäß ihren Regeln war sie mit einem neuartigen Sozialprogramm in der Religions-/Laienbildung von (vor allem jüdischen) konvertierten Mädchen tätig. Es schloss finanzielle Hilfe ein und ließ die Neophyten praktische Arbeitsfähigkeiten erlernen, damit sie sich in der katholischen Gesellschaft etablieren konnten. Der Mariawitek-Orden war aktiv von 1737 bis 1773 (Schließung auf Druck der Schtetls) sowie von 1788 bis zum Januaraufstand 1864.
Niederlassungen in Polen-Litauen Der Mariawitek-Orden war in siebzehn Konventen mit Ordensschwestern organisiert; die Nonnen hatten innerhalb des Ordens zur Verrichtung ihrer täglichen Arbeit auch männliche Helfer, was männlichen Nicht-Christen offenbar zeigen sollte, dass auch sie zur Konversion zum Katholizismus herzlich eingeladen sind.E. Keidosiute: Missionary Activity of Mariae Vitae Congregation, S. 68.
Hauptsitz der Mariaviten war das Klasztor Maryawitek in Vilnius.
Von siebzehn Ordensniederlassungen befanden sich fast alle im Großfürstentum Litauen: Kaunas, Witebsk, Mścisław, Minsk, Słonim, Połock, Orsza, Grodno, Nowogródek, Wołkowysk, Mozyrz, Pińsk, Bobrujsk, Krorzy, Hołowczyn und Chołopienicze.
In Polen selbst gab es nur einen Mariae-Vitae-Konvent in Częstochowa.
Geschichte Józef Stefan Turczynowicz, Propst an St. Stephan in Vilnius verspürte 1737 den inneren Drang zur Missionstätigkeit und erwirkte noch im gleichen Jahr unter dem Namen Congregatio Mariae Vitae per Gesetz die Gründung eines Ordens durch den Bischof von Vilnius, Semgallen und Polnisch-Livland.
Die Zustimmung Papst Benedikt XIV. erhielt er am 15. April 1752.
Das wichtigste Ziel des Mariawitek-Ordens war die Konversion der Nichtchristen (Juden, Karäer, Tataren) zum Katholizismus sowie die Ausbildung und Fürsorge für ihre Nachkommen.E. Keidosiute: Missionary Activity of Mariae Vitae Congregation, S. 60. Dabei erreichte er vor allem arme, mittellose Frauen aus dem ostjüdischen Schtetl, Mädchen sowie Waisenkinder. Aus dem Schtetl kamen auch jüdische Mütter mit ihren Kindern; sie wurden dann zusammen mit ihren Kindern getauft. Hielt die Mutter den enormen seelischen Druck ihres Tabula-rasa-Status nach der Taufe nicht durch und wollte ins Schtetl umkehren, so hatte sie ihre Kinder als Katholiken im Orden zurückzulassen.
Dies sowie die karitative Aktivität des Ordens insgesamt verursachte einen starken Konflikt mit den jeweiligen Schtetl der Umgebung, weil man dort wegen des Lebens in der Diaspora in ärmsten Verhältnissen harrte und die römisch-katholische Kirche das nun für sich zu nutzen schien. Beschwerden bei der Römischen Kurie führten 1773 schließlich zur Schließung der Ordensgemeinschaft. Doch die ehemaligen Ordensschwestern wollten sich damit nicht abfinden und brachten eine Supplik persönlich nach Rom vor Papst Clemens XIV., der die Aktivität des Ordens 1788 erneut genehmigte. Seitdem blieb die Mariae-Vitae-Ordensgemeinschaft für 76 Jahre bestehen, ging aber während der Jahre 1842–1850 ihrem Untergang entgegen, als nach der vollständigen Auflösung Polen-Litauens die russischen Behörden viele Mariawitek-Konvente schlossen. Im Rahmen der Repressalien gegenüber dem polnischen Volk wurde die Mariae-Vitae-Ordensgemeinschaft während des Januaraufstandes 1864 von kaiserlich russischen Behörden dann endgültig aufgelöst und ihr Betrieb eingestellt. Alle Vermögenswerte des Ordens übernahm der Fiskus und die Ordensschwestern waren gezwungen, anderen religiösen Ordensgemeinschaften beizutreten.
Literatur Małgorzata Borowska: Dzieje zgromadzenia Mariae Vitae czyli Mariawitek. Nasza Przeszłość 93/2000. Elena Keidošiūte: Mariae Vitae Kongregacijos Misionieriška veikla. In: Lietuvos istorijos studiojos 24/2009, .
Weblinks Elena Keidošiūte: Missionstätigkeit der Mariae-Vitae-Ordensgemeinschaft (englisch) (PDF; 153 kB) Nachruf auf das Kloster Mariawitek Vilnius, in: Tygodnik illustrowany Nr. 202, 8. August 1863 (polnisch)
Einzelnachweise
Mariae Vitae Mariae Vitae Mariae Vitae Kategorie:Gründung einer religiösen Organisation 1737