Die Schlacht von Toba-Fushimi (jap. , Toba-Fushimi no tatakai) vom 27. Januar bis 31. Januar 1868 war eine militärische Auseinandersetzung während des Boshin-Kriegs südlich der Ortszugänge zum damaligen Kyōto, des Toba-guchi (鳥羽口) und des Fushimi-guchi (伏見口). Dabei trafen Truppen des Tokugawa-Shogunats unter dem nominellen Oberbefehl des Shogun Tokugawa Yoshinobu auf Truppen einer Allianz der Han von Satsuma, Chōshū und Tosa unter dem Befehl Kaiser Meijis. Die Schlacht endete nach viertägigen Kampfhandlungen mit einer vollständigen Niederlage der Shogunatstruppen.
Vorgeschichte mini|Die französische Militärmission 1867 vor ihrem Aufbruch nach Japan mini|hochkant|Tokugawa Yoshinobu um 1867
Nach Jahrhunderten der Herrschaft erlebte die Tokugawa-Dynastie während der Zeit des Bakumatsu ihren Niedergang, der unter anderem durch die 1852 erzwungene Öffnung Japans durch ausländische Mächte nach zwei Jahrhunderten Isolation ausgelöst wurde. Das Shogunat war gezwungen worden, eine Reihe Ungleicher Verträge zu unterzeichnen, was sein Ansehen im Inland untergrub, da es seine Legitimität aus der Gewährleistung von Frieden und Sicherheit ableitete. Außerdem warf die Ankunft der Ausländer viele ungeklärte innen- sowie außenpolitische Fragen auf.Conrad Totman: The Collapse of Tokugawa Bakufu 1862–1868. Honolulu 1980. S. 459–461.
1867 war die Macht des Shogunats so weit geschwunden, dass es gezwungen war, weitgehende Zugeständnisse zu machen. Am 29. Oktober 1867 übergab ein Vertreter Tosas einen Vorschlag zur zukünftigen Verteilung der politischen Macht in Japan an Rōjū Itakura Katsukiyo. Dieser beinhaltete die Rückgabe der Autorität an den Kaiser und die Bildung einer unter kaiserlicher Aufsicht stehenden Regierung aus Daimyōs, deren Vasallen und Kuges. Am 7. November 1867 nahm Yoshinobu Tokugawa den Vorschlag Tosas an und beendete damit die seit 264 Jahren bestehende, uneingeschränkte Herrschaft seiner Familie.Conrad Totman: The Collapse of Tokugawa Bakufu 1862–1868. Honolulu 1980. S. 381. Der Vorschlag hatte keine Auswirkung auf die Autonomie der Han und wies große Ähnlichkeit mit der bereits zuvor vom Shogunat betriebenen Politik des Kōbugattai auf, die eine gemeinsame Abstimmung zwischen Kaiserhaus und Shogunat vorsah.Conrad Totman: The Collapse of Tokugawa Bakufu 1862–1868. Honolulu 1980. S. 383, 385.
Die Gründe für die Annahme waren vielfältig, so entwickelte Satsuma zeitgleich einen weitreichenderen Plan. Dieser sah vor, die Tokugawas ihrer Regierungsgewalt zu entheben und mit militärischer Gewalt ihren direkten Herrschaftsbereich zur Kapitulation zu zwingen, um ihnen die Grundlage ihrer Macht zu entziehen. So erschien der Vorschlag Tosas als das kleinere Übel.
Im Oktober 1867 kam es zu Truppenbewegungen Satsumas und Chōshūs, die in Verbindung mit dem bekannt gewordenen Plan Satsumas bedrohlich wirkten. Auch der Daimyō von Hiroshima wandte sich am 1. November 1867 an den Shogun und sprach sich für eine Übergabe der Macht an den Kaiser aus. Drei Tage später, am 4. November, erhielt Yoshinobu Tokugawa Berichte über einen für den 10. oder 11. November geplanten Putsch durch Satsuma und Chōshū sowie Rōnin, Tosa und Nakatsugawa sowie Shishi.Conrad Totman: The Collapse of Tokugawa Bakufu 1862–1868. Honolulu 1980. S. 382–383.
Die Shogunatstruppen befanden sich noch in der Umorganisation und Ausbildung durch französische Militärberater, eine Waffenfabrik war im Bau und Waffenlieferungen sowie britische Marineberater auf dem Weg nach Japan, außerdem war die finanzielle Situation schlecht. Shogun Tokugawa und seine Berater sahen den Vorschlag Tosas als kleineres Übel, die Annahme eines Planes, der, wie bisherige Erfahrungen zeigten, zum Scheitern verurteilt war, konnte einen Zeitgewinn bedeuten, der auch den im Jahr zuvor auf den Weg gebrachten Keiō-Reformen eine Gelegenheit bot, noch ihre Wirkung zu entfalten. Darüber hinaus hing Tokugawa Yoshinobu nicht an seinem Amt, er hatte in früheren Jahren bereits seine Ablehnung signalisiert und die Nachfolge Tokugawa Iemochis nur widerstrebend angetreten.Conrad Totman: The Collapse of Tokugawa Bakufu 1862–1868. Honolulu 1980. S. 382–383.
Am 9. November übergab der Shogun offiziell seine Autorität an den Kaiserhof, der ihm im Gegenzug mitteilte, die Wahrnehmung der Staatsangelegenheiten sollte bis zur Einrichtung der neuen Daimyōversammlung erst einmal wie bisher gehandhabt werden. Dies lief darauf hinaus, dass das Shogunat weiterhin alle unpopulären Entscheidungen treffen und verantworten musste, ohne auf den angestrebten breiteren Konsens zurückgreifen zu können. Diese unbefriedigende Situation führte am 22. November zur Abdankung Tokugawa Yoshinobus, die allerdings vorerst ohne Folgen blieb.Conrad Totman: The Collapse of Tokugawa Bakufu 1862–1868. Honolulu 1980. S. 387–388. Der Vorschlag Tosas war somit im Sande verlaufen.
Der Verzicht auf die Vorherrschaft führte zu Unruhe und Widerstand unter den Vasallen der Tokugawa und die Versammlung der Daimyōs wurde von diesen, Fudai und Tozama gleichermaßen, hintertrieben, indem die überwiegende Mehrheit von ihnen dem Befehl, bei Hof zu erscheinen, unter Vorwänden nicht nachkamen und so den Tosa-Vorschlag zum Scheitern brachten. Satsuma steigerte indes seine Anstrengungen zur Vorbereitung einer bewaffneten Revolte und Truppen aller Parteien versammelten sich in Kyōto. Eine militärische Lösung des Konflikts kündigte sich an, worauf auch der stark angestiegene Import von obsoleten und modernen Schusswaffen hindeutete.Conrad Totman: The Collapse of Tokugawa Bakufu 1862–1868. Honolulu 1980. S. 394–396.
Am 26. Dezember landeten Chōshū-Truppen unweit von Osaka an der Küste Settsus und rückten auf Kyōto vor. Das Shogunat entschied sich, eine direkte militärische Konfrontation zu vermeiden, wies seine nahe gelegenen Vasallen an, ihre Grenzwachen zu verstärken und versicherte sich der Rückendeckung durch den Hof, indem es einen kaiserlichen Befehl erwirkte, der die Chōshū nach Osaka umleitete.
Da Osaka am 1. Januar 1868 für ausländische Schiffe geöffnet werden sollte, führte die Anwesenheit so vieler Daimyō-Truppen, insbesondere der fremdenfeindlichen Chōshū, in der Stadt zu zusätzlichem Druck seitens des britischen Gesandten Harry Parkes auf das Bakufu.
Am 31. Dezember setzte der Hof das Bakufu von einem Antrag in Kenntnis, radikale Höflinge zu amnestieren und Chōshū-Samurai wieder den Zutritt zu Kyōto zu erlauben. Das Shogunat antwortete hierauf tags darauf, dass sowohl das Ansinnen Parkes' als auch die Frage der Amnestierung auf einer Versammlung der anwesenden Daimyō besprochen werden sollten. Daraufhin berief der Hof ein Treffen der anwesenden Daimyō für den 2. Januar ein, welches Tokugawa Yoshinobu und seine Berater boykottierten – vermutlich im Glauben, ihr Fernbleiben würde eine Entscheidung verhindern. Dies war nicht der Fall, im Gegenteil wurde nach ganztägigen Verhandlungen entschieden, dem Antrag auf Amnestie und erneuten Zutritt stattzugeben. Darüber informiert erhob Tokugawa Yoshinobu keinerlei Einwand. Die Sitzung zog sich weiter hin und bestand inzwischen auch aus Planern und Anhängern des weitreichenden Satsuma-Vorschlags. Ohne die Anwesenheit von Shogunats-Vertretern gelang es diesen, die kaiserliche Zustimmung zu ihrem Vorhaben zu erhalten, die Truppen des Bakufu und seiner Alliierten aus Kyōto zu entfernen und durch Truppen aus ihren eigenen Han zu ersetzen. Darüber hinaus sollten mit Bakufu-Sympathisanten besetzte Hofämter abgeschafft werden. Verspätete Versuche des Bakufu, diese Entscheidung noch abzuwenden, waren erfolglos. Erbitterte Feinde der Tokugawa hatten nun die Macht über den Kaisersitz Kyōto.Conrad Totman: The Collapse of Tokugawa Bakufu 1862–1868. Honolulu 1980. S. 398–400.
Am 4. Januar wurde Tokugawa Yoshinobu darüber informiert, dass der Hof entschieden habe, er solle in Kyoto erscheinen und Gebiete im Wert von zwei Millionen Koku abgeben sowie als Shogun abdanken, worauf er seine Zustimmung zum Rücktritt gab, aber auf den Landverzicht ausweichend antwortete. Beratungen waren abgehalten worden, in denen die Befürworter eines sofortigen militärischen Gegenschlags gegen Satsuma denen eines Rückzugs auf Osaka unterlagen. Dort sollten Truppen zusammengezogen werden und der Shogun verfasste ein Schreiben an den Hof – den dieser allerdings nicht erhielt –, in dem er noch einmal sein Festhalten am Tosa-Vorschlag bekräftigte sowie die Handlungen der gegnerischen Han verurteilte.
Währenddessen war es in Edo zu vielen Shishi-Aktivitäten, ungeklärten Feuern und Schießereien gekommen. Diese hatten, zusätzlich zum Schreiben des Shogun, die Stimmung angeheizt und so wurden am 19. Januar die Niederlassungen Satsumas und Sadoharas überrannt sowie Verstärkungen nach Osaka gesandt. Dort führten diese Vorfälle zu einer Neueinschätzung der Lage.Conrad Totman: The Collapse of Tokugawa Bakufu 1862–1868. Honolulu 1980. S. 408–414.
Schlachtverlauf mini|Bakufu-Soldaten in westlicher Uniform
An Neujahr 1868 hatte der Shogun ein Schreiben an den Hof verfasst, in dem die Verfehlungen Satsumas Punkt für Punkt aufgeführt wurden. Der Überbringer wurde allerdings von Satsuma-Wachen abgefangen und so erreichte das Schreiben seine Empfänger erst am 29. Januar.Conrad Totman: The Collapse of Tokugawa Bakufu 1862–1868. Honolulu 1980. S. 416–417. Bereits in den Tagen davor war, auch im Lichte der jüngsten Ereignisse in Edo, die Entscheidung gefallen, die politischen Winkelzüge aufzugeben und eine gewaltsame Lösung zu suchen. Bereits im Dezember war das Erscheinen des Shogun bei Hofe gefordert worden und diese Forderung sollte jetzt unter Einsatz einer Armee durchgesetzt werden.
Die einzelnen Regimenter der Shogunats-Truppen waren aus verschiedenen Truppengattungen zusammengesetzt, was ihre Kampfkraft herabsetzte. So waren zum Beispiel die Soldaten gemischt mit Blankwaffen und Schusswaffen ausgerüstet.
Dem Shogunat standen auf dem Papier 13.000 Mann zur Verfügung, 1.000 weitere aus Tsu waren durch Wachdienst in und um Osaka gebunden. 5.500 Soldaten sollten auf Kyōto vorrücken, der Rest Positionen entlang der Straße bis Osaka beziehen. 8.500 Mann sollten dann in den folgenden Tagen tatsächlich an Kampfhandlungen teilnehmen.Conrad Totman: The Collapse of Tokugawa Bakufu 1862–1868. Honolulu 1980. S. 419–420. Auf dem Papier war diese Zahl beeindruckend, jedoch wurden auch unzuverlässige und nicht existente Einheiten aufgeführt. So sollten Truppen aus Hikone die Munitionstransporte bewachen, hatten aber bereits zuvor die Seiten gewechselt, Männer aus Kii waren als Patrouillen in Osaka vorgesehen, waren aber bereits heimwärts abgezogen und Einheiten aus Ogaki sollten nordwärts eingesetzt werden, ihre Anführer sprachen sich aber gegen einen bewaffneten Konflikt aus. Dies geschah bewusst, um diesen Han ohne beiderseitigen Gesichtsverlust den erneuten Seitenwechsel zu erlauben. Theoretisch zumindest waren diese Zahlen aber beeindruckend und führten zu einem falschen Überlegenheitsgefühl auf der mittleren und unteren Befehlsebene.Conrad Totman: The Collapse of Tokugawa Bakufu 1862–1868. Honolulu 1980. S. 420.
Der Vormarsch der Shogunats-Armee begann am 25. Januar 1868. Ihre einzelnen Regimenter zogen auseinandergezogen und geteilt nordwärts Richtung Kyōto. So hingen zum Beispiel die Vorhut bildende Einheiten im Mittelfeld nach. Dies hatte zur Folge, dass als Toba und Fushimi erreicht wurden die Truppenteile nicht kampfbereit aufgestellt waren.
Schlachtverlauf am 27. Januar