mini|300px|Stadtansicht mit Pfarrkirche mini|300px|Naila von Südwesten
Naila [] (fränkisch: NaalaSandra Hüttner in Frankenpost vom 22. Mai 2018, Artikel „Vom 'Niggela vo Naala'“) ist eine Stadt in Oberfranken. Sie liegt etwa 18 Kilometer westlich der kreisfreien Stadt Hof im Frankenwald an der bayerischen Porzellanstraße. Die Stadt ist seit 1993 ein Mittelzentrum→Planungsregion Oberfranken-Ost im Landkreis Hof und war bis 1972 die Kreisstadt des Landkreises Naila.
Geographie Lage Naila liegt im östlichen Frankenwald am Flüsschen Selbitz. Die Höhenmarke am Nailaer Bahnhof zeigt . Der höchste Punkt im Gemeindegebiet liegt auf 710 Meter bei Döbrastöcken am Anstieg zum Döbraberg, der niedrigste auf 488 Meter an der Selbitz am Eingang des Höllentales.
Nachbargemeinden Die Stadt grenzt an folgende Gebiete im Landkreis Hof:
Gemeindegliederung
mini|300x300px|Ortsschild Hölle, Ortsteil von Naila
Naila besteht aus 36 Gemeindeteilen (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Außerdem gibt es die Orte Modelsmühle, Pechreuth-Culmitz und Pechreuth-Lippertsgrün. Die Einöde Ziegelhütte ist wüst gefallen.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Culmitz, Froschgrün, Lippertsgrün, Marlesreuth, Marxgrün, Naila und Forst Schwarzenbach am Wald. Die Gemarkung Naila hat eine Fläche von 12,437 km² und ist in 3460 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3595,52 m² haben. In ihr liegen die Gemeindeteile Dreigrün, Erbsbühl, Finkenflug, Kalkofen, Linden, Marmormühle, Martinsberg, Oberklingensporn, Reutberg, Schleifmühle und Unterklingensporn.
Flächennutzung Von der insgesamt 37,04 km² großen Fläche der Stadt Naila sind 30,37 km² (82 %) Vegetationsfläche, 4,18 km² (11,3 %) Siedlungsfläche, 2,17 km² (5,9 %) Verkehrsfläche und 0,32 km² (0,9 %) Gewässerfläche.Statistik kommunal 2022, Seite 13,
Geschichte
Namensentwicklung In der Vergangenheit kamen folgende Varianten des Stadtnamens vor: Neulins, Newlins und Newlin (von 1343 bis 1429) Neilein (ab 1424) Neylein (ab 1429) Neyla (ab 1478) Naila (ab 1643) Die Entstehung des Stadtnamens ist unklar. Verschiedene Heimatforscher konnten sich nicht auf eine Deutung einigen. Es gibt daher mehrere Deutungsversuche mit diesen Varianten.
Stammt die Bezeichnung Naila aus dem Altdeutschen, lässt sie sich so erklären: Eiförmige Anlage (bezieht sich auf die erste Anlage, welche ei- oder ovalförmig gewesen sein muss); dies würde Eila oder Eilau geschrieben. Das N hätte sich dann wahrscheinlich aus der regionalen Mundart ergeben. Neue kleine Ansiedlung: Die älteste bekannte Schreibweise von Naila, Neulins, bietet das Neu an, während -lins, -lein oder eben später -la eine Verkleinerung zum Ausdruck bringt. Dies ist auch im Einklang mit der heutigen Mundart, wo -la als Verkleinerungs- oder Verniedlichungsform gebräuchlich ist und die wahrscheinlichste Deutung. Neu-Waldsiedlung: Auch hier das ziemlich wahrscheinliche Ursprungswort Neu, das mit relativer Sicherheit im Ursprung des Wortes enthalten ist. -La wird hier allerdings als Loh interpretiert, was damals auch in anderen Quellen anzutreffen war. Loh würde auf Wald hinweisen, was zwar den geografischen Gegebenheiten entspricht, allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass die erste urkundliche Erwähnung der zweiten Silbe -lins war und -la erst später aufgetreten ist.
Legt man die slawische Sprache zu Grunde, ergibt sich folgende Erklärung: Nahly (bedeutet etwa so viel wie „steil“) Na und Glina: von Glina, dem slawischen Wort für Lehm und Na, in etwa Lokal oder Kneipe, zusammengesetzt also Lokal auf dem Lehm
Bis zur Gebietsreform mini| mini| Die frühesten Siedlungsspuren auf dem Gebiet des heutigen Naila sind Keramikscherben, die man auf die Zeit zwischen 600 und 900 nach Christus datieren konnte. Erstmals wurde 1343 ein „Dorf zu Neulins“ urkundlich erwähnt.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 156. Von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts florierte der Eisen- und Kupferbergbau. Mit Beginn der Industrialisierung verschob sich der wirtschaftliche Schwerpunkt hin zur Schuh- und Textilfabrikation.
Zur Realgemeinde gehörten Dreigrün, Erbsbühl, Finkenflug, Kalkofen, Linden, Marmormühle, Mittelklingensporn, Oberklingensporn, Reutberg, Schleifmühle und Unterklingensporn. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Naila aus 150 Anwesen. Die Hochgerichtsbarkeit hatte das bayreuthische Vogteiamt Naila. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatten das Kastenamt Hof und das Vogteiamt Naila gemeinschaftlich. Grundherren waren die Gemeinde: Schule, Rathaus, Brauhaus, Spital; die Kirche: Kirche, Pfarrwohnung; das Kastenamt Hof: 1 Viertel: 15 Häuser; 2 Viertel: 16 Häuser, 8 Tropfhäuser; 3 Viertel: 17 Häuser, 2 Tropfhäuser, 2 Halbhofstätte, 1 Hofstatt, 1 Gut; 4 Viertel: 25 Häuser, 10 Tropfhäuser; 5 Mühlen; das Verwaltungsamt Bernstein am Wald: 3 Tropfhäuser, 1 Wohnhaus; das Rittergut Erbsbühl: 1 Haus; das Rittergut Frosch- und Schneckengrün: 1 Wohnhaus, 8 Häuser, 3 Tropfhäuser; das Rittergut Marlesreuth: 2 Kellerhäuser, 2 Hofstätte, 9 Tropfhäuser, 15 Häuser. Das Vogteiamt, das Bergamt, die Wildmeisterei und die Zollstätte waren herrschaftlicher Besitz des Vogteiamtes Naila.M. Körner: Naila, S. 297.
Das ehemalige Oberamt des seit 1792 preußischen Fürstentums Bayreuth fiel mit diesem im Frieden von Tilsit 1807 an Frankreich und kam 1810 zu Bayern. Von 1797 bis 1810 unterstand Naila dem preußischen Justiz- und Kammeramt Naila. Infolge des Ersten Gemeindeedikts wurde 1812 der Steuerdistrikt Naila gebildet. Zu diesem gehörten Dreigrün, Erbsbühl, Finkenflug, Kalkofen, Linden, Marmormühle, Mittelklingensporn, Oberklingensporn, Reutberg, Schleifmühle, Schottenhammer und Unterklingensporn. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt entstand die Munizipalgemeinde Naila (Magistrat III. Klasse), die mit Ausnahme von Mittelklingensporn deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Naila zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Lichtenberg (1919 in Finanzamt Lichtenberg umbenannt, seit 1955 Finanzamt Naila). Ab 1862 gehörte Untersteben zum Bezirksamt Naila (1939 in Landkreis Naila umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Naila (1879 in Amtsgericht Naila umgewandelt). Die Gemeinde Naila am Wald hatte 1964 eine Fläche von 13,825 km².
Im Zweiten Weltkrieg fielen ca. 200 Nailaer. Anschließend gab es einen großen Zustrom von Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Trotz des Wegfalls wichtiger Absatzmärkte infolge der deutschen Teilung war die weitere wirtschaftliche Entwicklung Nailas nach dem Krieg durchaus positiv.
Eingemeindungen Im Jahr 1920 wurde die Gemeinde Froschgrün eingegliedert. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern kam am 1. Juli 1971 Culmitz hinzu. Am 1. Mai 1978 wurden schließlich Lippertsgrün, Marlesreuth und Marxgrün sowie ein Teil der aufgelösten Gemeinde Reitzenstein eingegliedert. Zum 1. Januar 2026 wurde ein Teil des gemeindefreien Gebiets Forst Schwarzenbach am Wald nach Naila inkommunalisiert.Oberfränkisches Amtsblatt Nr. 11 vom 24. Juli 2025, abgerufen am 5. Januar 2026
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 8560 auf 7684 um 876 bzw. um 10,2 %. Am 31. Dezember 1992 hatte die Stadt 9107 Einwohner.
Gemeinde Naila Jahr 1819 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2000 2010 2015 2022Einwohner 1715 2089 2011 2078 2037 2112 2090 2086 2206 2045 2313 2617 2837 3322 3406 3950 4349 4519 6549 6419 6527 6870 8636 8547 8071 7640 7711HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1799 werden diese als Häuser bezeichnet, von 1871 bis 2022 als Wohngebäude. 214 224 226 262 413 640 929 2207 2370 2408Quelle Für die Gemeinde Naila zuzüglich Dreygrün mit Finkenflug (S. 20), Erbisbühl (S. 24), Linden (S. 71), Oberklingensporn (S. 87), Reutberg (S. 99) und Unterklingensporn (S. 128).
Ort Naila Jahr 1799 1819 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 1139 1536 1851 1870 2010 2405 3512 5663 5748 5863 4989Häuser 171 199 237 360 542 772 1146 Quelle J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 3, Sp. 702.
Religion mini|hochkant|Evangelische Stadtkirche, Sitz des evangelischen Dekanats Naila Im Zuge der Reformation wurde die ehemals katholische Pfarrkirche Naila 1537 protestantisch. Naila ist Sitz des Dekanats Naila der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Das Dekanat umfasst im Wesentlichen den ehemaligen Landkreis Naila. Die evangelische Stadtkirche St. Veit befindet sich am Marktplatz. Es gibt ein Freizeitheim des CVJM, eine Landeskirchliche Gemeinschaft und die evangelische Kreuzbruderschaft. Der Neubau der evangelisch-methodistischen Kirche wurde 1932 geweiht.
mini|hochkant|Katholische Stadtpfarrkirche, Sitz des katholischen Dekanats Hof
Mit dem Bau der katholischen Hofer Stadtkirche erlebte der Katholizismus im Hofer Land eine Neuorganisation. 1899 entstand für die Katholiken in Naila ein Betsaal. 1911 wurde der Neubau einer römisch-katholischen Kirche geweiht. Die katholische Kuratie Naila wurde 1937, bei der Gründung des katholischen Dekanates Hof, zur Pfarrei erhoben. 1962 wurde die katholische Stadtpfarrkirche Verklärung Christi erbaut. Seit 2019 residiert der Dekan des katholischen Dekanates Hof in Naila. Es umfasst die kreisfreie Stadt Hof, den Landkreis Hof und den Landkreis Kulmbach.
Ebenso gibt es eine neuapostolische Kirche und einen Königreichssaal der Zeugen Jehovas in Naila.
Politik Stadtrat Der Nailaer Stadtrat hat einschließlich des Bürgermeisters 21 Mitglieder.
Partei 2026 2020 2014 2008 Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU) 7 5 5 4 Freie Wähler Gemeinschaft Naila (FWG) 4 7 7 8 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 4 3 3 3 Alternative für Deutschland (AfD) 1 Wählerunion Naila (WU) 1 1 1 2 Parteifreie Bürger Marxgrün/Hölle (PBMH) 1 2 2 1 Überparteiliche Wählergemeinschaft Naila (Ü.W.G.) 1 1 1 1 Aktive Bürger Naila (aB) 1 1 1 1
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist Paul-Bernhard Wagner. Der Stadtrat wählt weitere Bürgermeister aus den Reihen des Stadtrates. Zweite Bürgermeisterin ist gegenwärtig Dorothea Hollerbach (CSU), Dritter Bürgermeister Christian Möckel (SPD). Amtszeit Name 1818–1828 Johann Jakob Eichele 1829–1840 Johann Nikolaus Wolfgang Knopf 1841–1846 August Immanuel Zuber 1847–1855 Wilhelm Johann Heckel sen. 1856–1862 Heinrich Johann Klug 1862–1868 Wilhelm Heckel jun. 1868–1875 Ludwig Borger 1876–1887 Heinrich Frühauf 1888–1897 Philipp Heckel Amtszeit Name 1898–1905 Heinrich Findeiß 1906–1919 Wilhelm Hagen 1919–1926 Heinrich Kanzler 1926–1933 Julius Borger 1933–1933 Ludwig Wunner 1933–1945 Karl Jakob Schmidt 1945–1945 Georg Fugmann 1945–1948 Heinrich Lang sen. 1948–1952 Christian Schlicht Amtszeit Name 1952–1953 Georg Fugmann 1953–1956 Karl Otto Zander 1956–1959 Hilmar Jahn 1960–1964 Fritz Jahn 1964–1968 Hans Künzel 1968–1972 Albin Bischoff 1972–1996 Robert Strobel 1996–2001 Hannsjürgen Lommer 2001–2026 Frank Stumpf (FWG)seit 2026Paul-Bernhard Wagner
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist schwarz-weiß.
Kultur Heimatmuseum Seit 1986 gibt es in Naila ein Heimatmuseum, das zuerst im Schusterhof, einer ehemaligen Schuhfabrik, untergebracht war. Seit Dezember 2025 befindet sich das Museum im Bürgerzentrum forum naila.
Bibliotheken Im Bürgerzentrum forum naila befindet sich seit Januar 2026 die Stadtbibliothek, die vorher in einem anderen Gebäude untergebracht war.
Die evangelisch-lutherische Kirche unterhält seit 1954 eine Gemeindebücherei.
Weberhausmuseum Seit 1994 gibt es im Nailaer Ortsteil Marlesreuth das historische Weberhaus, in dem das Leben in einem Weberdorf nahegebracht wird.
Märkte Zu erwähnen sind die beiden großen Märkte, der Frühlings- und der Herbstmarkt, der Rupperichmarkt in der Adventszeit sowie der Wochenmarkt.
Parkeisenbahn