mini|Historische Ansicht von Gressoney mit dem Monte Rosa im Hintergrund mini|Landschaft im mittleren Lystal bei Bielen miniatur|hochkant|Blick auf Gressoney-La-Trinité mini|Schloss SavoyenSchloss Savoyen - lovevda.org, von Königin Margarethe von Italien erbauter Sommersitz in Gressoney-St-Jean
(walserdeutsch Greschòney ,Sprachatlas der deutschen Schweiz, Bd. V 1b. auf Deutsch vereinzelt in der germanisierten Form KressenauBeispiel: ) ist eine Talschaft südlich des Monte-Rosa-Massivs in der italienischen Region Aostatal. Sie besteht aus zwei Gemeinden, (walserdeutsch Oberteil mit dem Zentrum en de Tache, ) und (walserdeutsch Mettelteil mit dem Zentrum Platz oder Zer Chilchu, , bzw. [unterer Gemeindeteil] Underteil), wobei das weiter oben im Tal gelegene Dorf ist und das größere der beiden.
Geografie Außerhalb der Gemeinde weiter talabwärts im südwärts verlaufenden liegen noch die Ortschaften (walserdeutsch Goabi) und (walserdeutsch Eischeme). Das Tal wird durchflossen vom Lys (walserdeutsch Liisu/Leisu), der unweit der Grenze zwischen Italien und der Schweiz dem Lysgletscher entspringt und bei in die / mündet.
Geschichte Das Walserdorf Das obere Tal der Lys und damit das Gebiet von wurde ab dem 12. Jahrhundert vom schweizerischen Zermatt her über den Theodulpass und durch das oberste von deutschsprachigen Walsern besiedelt.
Seit dem Mittelalter waren die Gressoneyer Männer als Krämer und Hausierer bekannt, die während des Sommers die Märkte und Messen in der Schweiz und in Deutschland besuchten. Dadurch konnte die Verbindung mit dem deutschen Sprachraum auch während der sogenannten Kleinen Eiszeit erhalten werden, als der im Mittelalter eisfreie Theodulpass von Gletschern bedeckt wurde.
Zwischen 1939 und 1946 bildeten die beiden Gemeinden Gressoney-La-Trinité und Gressoney-Saint-Jean wie schon vor 1767 eine einzige, Gressonei benannte Gemeinde. Die beiden Ortsteile trugen die italianisierten Namen und .
Herkunft des Ortsnamens Woher der Name Gressoney kommt, ist nicht sicher bekannt. Die frühesten Belege sind: 1211 in loco Grassoneti, 1308 in valle gressoneti, 1310 iurisdictionem Vallesiae Grassoneti, 1418 iuris dictionem Grassoneti, 1436 homines De gressonei. Der Name ist somit vordeutsch, vermutlich ein Kollektiv auf -ētum.
Andere Deutungen sind haltlos. Eine alte, phantasievolle Erklärung ist Gresson-Ei, das heißt Ei eines Vogels, der Gresson heißen soll. Ein weiterer Etymologisierungsversuch ist, dass Gressoney die Romanisierung eines deutschen Kressen-Au sein soll. Im Umkehrschluss wollte man den beiden Gemeinden den deutschen Namen „Kressenau“ geben, doch haben die Einwohner der fraglichen Orte diesen Phantasienamen selbst nie gebraucht, und er hat sich auch nördlich der Alpen nie durchgesetzt.Paul Zinsli: Südwalser Namenbuch. Die deutschen Orts- und Flurnamen der ennetbirgischen Walsersiedlungen in Bosco-Gurin und im Piemont. Bern 1984, S. 421 und 499 f.
Sprachsituation mini|Gedenktafel für Heinrich Welf, Förderer der Walsermundart von Gressoney Gressoney ist eine traditionell deutschsprachige Gemeinde. Ein Teil der Bevölkerung (in der älteren Generation der weitaus größere Teil) spricht noch heute Greschòneytitsch, das lokale Walserdeutsch, ein höchstalemannische deutsche Mundart.Peter Zürrer: Wörterbuch der Mundart von Gressoney. Mit einer Einführung in die Sprachsituation und einem grammatischen Abriß. Frauenfeld 1982 (Beiträge zur schweizerdeutschen Grammatik XXIV); hier etwa zur Grammatik S. 59–97.Siehe dazu den Artikel Greschoneititsch in der alemannischen Wikipedia. Dominant ist heute allerdings das Italienische.
Die Italianisierung hat erst mit dem Aufkommen des Wintertourismus und besonders seit den 1960er Jahren stark zugenommen.Einzelheiten zur Sprachsituation siehe in Peter Zürrer: Wörterbuch der Mundart von Gressoney. Mit einer Einführung in die Sprachsituation und einem grammatischen Abriß. Frauenfeld 1982 (Beiträge zur schweizerdeutschen Grammatik XXIV), S. 25–58. Die heutige Sprachsituation ist geprägt von einer starken Zwei- bzw. Mehrsprachigkeit mit einer zunehmenden Dominanz des Italienischen. Nach einer von Anna Giacalone Ramat 1976/77 durchgeführten Befragung sprachen von den Einwohnern Gressoneys, die vor 1923 zur Welt kamen, 76,1 % Gressoneydeutsch, von denen, die zwischen 1923 und 1952 geboren wurden, noch 55,9 % und von denen, die nach 1952 auf die Welt kamen, noch 37,5 %.Anna Ramat Giacalone: Lingua, Dialetto e Comportamento Linguistico; La Situazione Di Gressoney. Tipo-Offset Musumeci, Aosta 1979. 1992 konnten gemäß einer Erhebung von Peter Zürrer von den 6–11-jährigen Schülern 14,6 % «gut» oder «ein wenig» Deutsch.Peter Zürrer: Sprachinseldialekte. Walserdeutsch im Aostatal. Aarau 1999 (Reihe Sprachlandschaften 23). 2009 beherrschen nur sehr wenige Kinder noch den walserdeutschen Dialekt, die meisten wachsen einsprachig Italienisch auf. (PDF; 1,6 MB) S. 131.
Unterrichtssprachen in der Schule sind Italienisch und aufgrund des Autonomiestatuts für das Aostatal auch Französisch. Im privaten Bereich ist Französisch in Gressoney hingegen nicht präsent.Isabel Zollna: Das Deutsche im Sprachenkontakt – Französisch und Provenzalisch/Deutsch. In: Werner Besch, Oskar Reichmann, Stefan Sonderegger: Sprachgeschichte: ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache. S. 3192–3202. Aostatal, S. 3196. Seit den 1980er Jahren gibt es eine Stunde pro Woche Unterricht in Walserdeutsch. Im Schuljahr 2008/2009 wurde an den Schulen in Gressoney und dem benachbarten Issime erstmals das Fach (Standard-)Deutsch eingeführt, wozu zwei Deutschlehrerinnen eingestellt wurden. Eine der Lehrerinnen, die in der Grundschule und im Kindergarten arbeitet, spricht auch das Titsch von Gressoney. Deutsch ist nunmehr Pflichtfach, darüber hinaus aber keine Unterrichtssprache.Nicola Vicquery (16. Oktober 2009): Gressoney und Issime. Jahresbericht (September 2008 – September 2009). Unternehmungen zum Erhalt bzw. zur Förderung der Sprache. Walser Regionen – Aosta
In Issime (im lokalen Dialekt Eischeme), einer sich weiter unten im Lystal befindlichen Gemeinde, wird z. T. ebenfalls eine Mundart des Walserdeutschen gesprochen, wobei sich die Gressoneyer und die Issimer Mundart derart stark unterscheiden, dass sie von der Bevölkerung des jeweils anderen Dorfes für unverständlich gehalten wird.
Einwohner Jahr 1861 1871 1881 1901 1911 1921 1931 1936 1951 1961 1971 1981 1991 2001 Einwohner La-Trinité 224 222 214 167 168 158 164 192 188 198 239 275 285 297 Einwohner St-Jean 882 873 909 949 1003 1010 725 730 732 742 727 733 763 789
Steingewinnung miniatur|Serpentinitbrekzie aus miniatur|Moderne Architektur in Anlehnung an traditionelle Steinbearbeitung
Im wird seit langer Zeit Naturwerkstein abgebaut. Im 20. Jahrhundert konzentrierte man sich dabei auf grüne Serpentinitsorten, die weltweit Absatz finden. Es handelt sich dabei um brekzienartige Vorkommen, die durch ihre Struktur ein attraktives lebhaftes Bild in dem tiefgrünen Gestein erzeugen. Der Abbau erfolgt ausschließlich mit der Seilsäge.
Literatur Karin Heller, Luis Thomas Prader und Christian Prezzi (Hrsg.): Lebendige Sprachinseln. 2. Auflage, Bozen 2006. Online zu Gressoney.
Zur Mundart und zur Sprachsituation
Luciana Favre, Elide Squindo: Z Greschòneytitscha. Gròndsetzléché grammaték. Fondamenti di grammatica del titsch di Gressoney. Edizioni dell’Orso, Alessandria 2022. Livio Gaeta, Caterina Saracco, Raffaele Cioffi: Greschòneytitsch. Nuovo dizionario Titsch – Italiano / Tedesco. Edizioni dell’Orso, Alessandria 2024. Elisabeth Piok: Gressoney und Issime. Drei deutschsprachige Walsergemeinden in der italienischen Region Val d’Aosta / Vallée d’Aoste. In: Europäisches Journal für Minderheitenfragen. Band 18, 2025, Heft 3–4, S. 300–335 (doi:10.35998/ejm-2025-0016). Caterina Saracco: Le varietà walser dell’Italia settentrionale: Gressoney e il titsch. In: Erica Autelli, Marco Caria, Riccardo Imperiale (Hrsg.): Le varietà storiche minoritarie in Italia. Band 1: L’Italia settentrionale (Linguistik Online 130/6, 2024). (Digitalisat). (Digitalisat).
Zur Geschichte Gressoneys
Weblinks
Portal von Gressoney
Einzelnachweise
Kategorie:Walser Kategorie:Sprachinsel Kategorie:Geographie (Aostatal)