Głubczyce [] (deutsch Leobschütz, Hlubčice, schlesisch Lischwitz, schlonsakisch Gubczýcé) ist eine Stadt in der Stadt- und Landgemeinde Głubczyce mit etwas mehr als 22.700 Einwohnern im Powiat Głubczycki der Woiwodschaft Opole in Polen.

Geographie Głubczyce liegt im Südwesten von Oberschlesien, rund 50 Kilometer südlich von Opole (Oppeln) und fünf Kilometer östlich der Grenze zu Tschechien an der Psina (Zinna), einem linker Zufluss der Oder. Nachbarorte sind im Osten Grobniki (Gröbnig), im Südwesten Nowy Rożnów (Neu Roznow) und Nowe Gołuszowice (Neu Kreuzendorf), im Westen Gołuszowice (Kreuzendorf) und Gadzowice (Schmeisdorf) und im Norden Głubczyce-Sady.

Geschichte mini|hochkant|Wehrturm der mittelalterlichen Stadtbefestigung mini|Pfarrkirche „Mariä Geburt“, urkundliche Ersterwähnung 1259 mini|Ansicht von Leobschütz aus dem Jahr 1819 mini|hochkant|Rekonstruiertes Rathaus mit Mariensäule (Aufnahme 2012)

Die erste urkundliche Erwähnung des zur Markgrafschaft Mähren gehörenden Ortes „Glubcici“, der über eine hölzerne Burg verfügte, erfolgte im Jahre 1107. Die Siedlung befand sich auf der rechten Seite der Zinna, die seit dem Glatzer Pfingstfrieden von 1137 die Grenze zwischen Mähren und Schlesien bildete. 1224 ist in der mutmaßlich damals bereits von König Ottokar I. Přemysl nach Magdeburger Recht gegründeten Stadt „Lubschicz“ ein königlicher Zoll nachweisbar.Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae. Band II, Nr. 153, S. 155. (sources.cms.flu.cas.cz). Der genaue Zeitpunkt der Stadtgründung ist nicht bekannt.

1241 wurde die Stadt im Mongolensturm zerstört und nach dem Wiederaufbau auch das linke Ufer des Flusses besiedelt. Von 1253 bis 1626 war Leobschütz Oberhof für zahlreiche mährische Städte und Dörfer, die das vom Magdeburger Recht abgeleitete Leobschützer Recht erhielten, das 1270 vom böhmischen König Přemysl Ottokar II. bestätigt wurde. Bereits 1265 hatte er der Stadt den Stadtwald geschenkt. 1275 erhielt Leobschütz das Meilenrecht. Im September 1278 bestätigte der Römisch-deutsche König Rudolf I. Privilegien der Stadt Leobschütz.Gustav Adolf Harald Stenzel: Der Römische König Rudolf bestätigt die Privilegien der Stadt Leybschütz. In: Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des Preußischen Staates. Band 8, Heft 1, Berlin / Posen / Bromberg 1832, S. 370–371; . 1281 stiftete Kunigunde von Halitsch das Johanneshospital. Vor 1282 entstand die Stadtmauer mit Wachtürmen und Wassergraben. Das Patronat über die Pfarrkirche mit dem Patrozinium „Mariä Geburt“ kam 1259 an den Johanniterorden von Gröbnig, dessen Komtur von 1282 bis 1591 seinen Sitz in Leobschütz hatte. 1298 erhielt die Stadt weitere Rechte durch den böhmischen König Wenzel II. Im selben Jahr verfügte die Stadt über eine Tuchniederlage sowie ein städtisches Kaufhaus auf dem Ring, an dessen Stelle 1383 das Rathaus entstand. Im Jahre 1421 entstand das in deutscher Sprache verfasste Leobschützer Rechtsbuch, das zum sächsisch-magdeburgischen Rechtskreis gehörte. 1433 besaß Leobschütz vorübergehend das Münzrecht.

In den Jahren 1365 bis 1394 und von 1434 bis 1482 bildete Leobschütz das eigenständige Herzogtum Leobschütz, das dem přemyslidischen Zweig des Herzogtums Troppau entstammte. Der letzte Leobschützer Herzog Johann II. († um 1485) stiftete 1448 das Franziskanerkloster. Nach 1482 wurde Leobschütz an das Herzogtum Jägerndorf angegliedert. Unter Markgraf Georg dem Frommen wurde 1523 die Reformation eingeführt, und 1541 wurden die Franziskaner sowie die Juden teilweise gewaltsam vertrieben. Von 1524 bis 1623 war Leobschütz die Hauptstadt des brandenburgischen Fürstentums Jägerndorf. 1558 wurde eine evangelische Schule errichtet.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt stark zerstört, am schwersten 1645 durch die Schweden. Im 18. Jahrhundert gehörte Leobschütz zur Steuerrätlichen Inspektion in Neustadt O.S.

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Leobschütz 1742 mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. Nachfolgend wurden Teile der Stadtmauer geschleift und der Wassergraben um die Stadt zugeschüttet. Seit 1815 gehörte Leobschütz zur Provinz Schlesien und war ab 1816 dem Kreis Leobschütz eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. Die seit dem Mittelalter betriebene Tuch- und Leinenweberei wurde im 19. Jahrhundert auf maschinellen Fabrikbetrieb umgestellt. Von wirtschaftlicher Bedeutung waren zudem der Flachsanbau sowie die Schafzucht. 1855 erhielt die Stadt Eisenbahnanschluss nach Ratibor, 1873 nach Jägerndorf und 1876 nach Deutsch Rasselwitz. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Leobschütz drei katholische Kirchen, eine evangelische Kirche, eine Synagoge, ein Gymnasium, ein katholisches Schullehrerseminar, eine Präparandenanstalt und ein Amtsgericht. Nach dem Ersten Weltkrieg stimmten bei der Volksabstimmung in Oberschlesien 1921 über 99 % für den Verbleib bei Deutschland. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt Schulungsort für die SS und Sitz einer SA-Sturmabteilung. In der Reichspogromnacht wurde die Synagoge der Stadt niedergebrannt.

Am 18. März 1945 kesselte die Rote Armee den Ort und die darin befindliche 18. SS-Freiwilligen-Panzergrenadier-Division „Horst Wessel“ sowie die 371. Infanterie-Division (Wehrmacht) ein und eroberte ihn am 24. März 1945. Infolge der Kampfhandlungen waren 40 % der Stadt zerstört. Die Rote Armee setzte am 19. Mai 1945 Tadeusz Kopczyński in der Stadt als Verwalter der Volksrepublik Polen ein, worauf der Zuzug von Polen begann. Die neu angesiedelten Bewohner waren teilweise Zwangsumgesiedelte aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war.

Für Leobschütz wurde die nach 1945 vorübergehend der Ortsname Głąbczyce genutzt, der 1946 durch Głubczyce ersetzt wurde. In der Folgezeit wurden die allermeisten Deutschen vertrieben, wodurch die Einwohnerzahl zunächst deutlich zurückging.

Nach Kriegsende erhob die Tschechoslowakei Ansprüche auf mehrere nieder- und oberschlesische Gebiete, u. a. auch auf das Gebiet um Leobschütz und Ratibor. Durch die beiderseitige Propaganda verschlechterten sich die Beziehungen zwischen beiden Staaten derart, dass der Ausbruch eines bewaffneten Konflikts nur durch eine sowjetische Intervention vermieden werden konnte. Erst mit dem polnisch-tschechischen Grenzvertrag von 1958 wurden die Grenzstreitigkeiten beigelegt.Joachim Bahlcke: Schlesien und die Schlesier. ISBN 3-7844-2781-2, S. 187. Von 1946 bis 1975 war Głubczyce Sitz des Powiat Głubczycki. Er wurde 1999 wieder neu errichtet.

Im Oktober 2022 wurde das Denkmal für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten der Roten Armee abgerissen. „Dieses Denkmal ist ein Lügenmonument. Die Sowjets haben 1945 nicht die Freiheit gebracht, sondern eine neue Versklavung“ erklärte Karol Nawrocki, Leiter des polnischen Instituts für Nationales Gedenken (IPN). Zeitgleich wurden auch ähnliche Denkmäler für Gefallene der Roten Armee in Byczyna, Staszów und Bobolice abgerissen.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1787 3123 1816 3256 Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 3: Kr–O. Halle 1822, S. 91, Ziffer 1477; . 1825 4565 darunter 167 Evangelische und 94 JudenJohann Georg Knie: Alphabethisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Breslau 1830, S. 957 (books.google.de). 1840 6212 darunter 392 Evangelische und 130 JudenJohann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage, Breslau 1845, S. 853–854 (books.google.de). 1852 7623 Kraatz: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 345; .1871 10.689 darunter 900 Evangelische und 250 JudenGustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 181–182, Ziffer 13 (books.google.de). 1890 12.586 davon 1.488 Evangelische, 10.754 Katholiken und 341 Juden 1900 12.629 mit der Garnison (vier Schwadronen Husaren Nr. 6), darunter 1.631 Evangelische und 230 Juden 1925 12.755 davon 1.388 Evangelische, 11.180 Katholiken, sechs sonstige Christen und 127 Juden 1933 13.824 davon 1.427 Evangelische, 12.238 Katholiken, zwei sonstige Christen und 126 Juden 1939 13.452 davon 1.404 Evangelische, 11.883 Katholiken, sechs sonstige Christen und 44 Juden

Balkendiagramm der Einwohnerzahlen bis heuteFür 1910: Für 1890, 1925, 1933, 1939: Für 2009:

Religion Kirchlich gehörte Leobschütz/Głubczyce bis 1972 zum Bistum Olmütz; seither gehört es zum Bistum Opole.

Sehenswürdigkeiten mini|Das rekonstruierte Rathaus am Ring mini|Mariensäule

Altstadt und Marktplatz Bemerkenswert ist die Altstadt mit einem in Europa einzigartigen Marktplatz in Viertelkreisform und einem Straßennetz, von denen die ältesten heutige ul. Wodna und ul. Kościelna sind. Die heutige Straße ul. Kozielska wurde vor 1945 auf dem Abschnitt vom Marktplatz bis zum St.-Floriens-Brunnen Pferdemarkt genannt.

Pfarrkirche Mariä Geburt

Die Pfarrkirche „Mariä Geburt“ wurde erstmals 1259 erwähnt und von 1370 bis 1380 zu einer dreischiffigen Hallenkirche umgebaut. 1903–1907 wurde sie durch den Architekten Max Hasak im Stil der Neugotik umgebaut.

Rathaus

Das Leobschützer Rathaus wurde erstmals 1383 erwähnt und nach einem Brand 1603 neu aufgebaut. 1863 bis 1864 erfolgte ein Umbau im Stil der Neugotik, der bei einer erneuten Umgestaltung ab 1930 vereinfacht wurde. Im März 1945 wurde das Rathaus durch Bombenangriffe zerstört und die Ruine nach dem Krieg bis auf den Turm abgetragen. 2008 wurde das Rathaus mit EU-Fördergeldern in seinem hypothetischen Originalzustand von vor 1863 rekonstruiert.Geschichte und Sehenswürdigkeiten in der Stadt Leobschütz/Oberschlesien: Rathaus. leobschuetz.org Die für Kriegszwecke eingezogene Rathausglocke, die sich jahrzehntelang in Oldenburg befand, wurde 2009 an ihren Ursprungsort zurückgegeben.Glocke läutet wieder in Leobschütz. NWZ.

Mariensäule

Die barocke Mariensäule „Maria Immaculata auf der Erdkugel“ wurde 1738 von dem Kamenzer Bildhauer Anton Jörg geschaffen und 1804 erneuert.

Franziskanerkloster

mini|Franziskanerkloster und Klosterkirche St. Ädigius und Bernhard Das Franziskanerkloster wurde erstmals 1448 gegründet und 1480 als Stiftung des Leobschützer Herzogs Johann II. durch einen gemauerten Bau ersetzt. Von 1541 bis zur Rückkehr der Franziskaner 1667 war das Kloster in protestantischem Besitz. 1753 bis 1770 wurden die Klostergebäude nach Entwurf des Prudniker Architekten Johann Innozenz Töpper neu errichtet. 1810 wurde es säkularisiert und nach einem Umbau als Schule genutzt. Ab 1921 war es wiederum im Besitz der Franziskaner. Im Jahre 2002 wurde es renoviert.

Klosterkirche St. Ägidius und Bernhard Die Franziskaner-Klosterkirche „St. Ägidius und Bernhard“ von 1480 diente zwischen 1541 und 1667 als protestantisches Gotteshaus. Nach den Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg wurde sie von 1670 bis 1677 wieder aufgebaut. 1756 erfolgte ein Abriss und 1758 mit finanzieller Unterstützung des Fürsten Joseph von Liechtenstein ein Neubau nach Entwurf von Johann Innozenz Töpper. Den Hauptaltar und die Kanzel schuf der Ratiborer Bildhauer Anton Oesterreicher, das Gemälde des Hauptaltars der Brünner Maler Josef Ignaz Havelka.

Bahnhof Der Empfangsgebäude des Bahnhofes soll an eine Dampflokomotive erinnern. Der Turm stellt den Schornstein einer Lokomotive, das Erdgeschoss und das erste Geschoss den Kessel und der Deckbau die Lokführerkabine dar. Im Herbst 1989 diente der Bahnhof als Kulisse für die Dreharbeiten zum US-amerikanischen Spielfilm Triumph des Geistes.

Weitere Sehenswürdigkeiten