Montejo de Tiermes ist ein Ort und eine Gemeinde (municipio) mit nur noch Einwohnern (Stand: ) im Südwesten der nordspanischen Provinz Soria in der Autonomen Region Kastilien-León. Die Gemeinde gehört zur bevölkerungsarmen Serranía Celtibérica.
Lage und Klima Montejo de Tiermes liegt in einer Höhe von etwa . Die nächstgrößere Stadt, El Burgo de Osma, ist etwa 38 km (Fahrtstrecke) in nordöstlicher Richtung entfernt. Bis zur Provinzhauptstadt Soria sind es knapp 100 km (Fahrtstrecke) ebenfalls in nordöstlicher Richtung; auf dem Weg dorthin liegt der denkmalgeschützte Ort Calatañazor. Sehenswert sind auch die unter Denkmalschutz stehenden Orte San Esteban de Gormaz (ca. 27 km nördlich), Ucero (ca. 55 km nördlich) und Berlanga de Duero (ca. 40 km östlich). Eine etwa 10 km lange Wanderung in östlicher Richtung führt ins benachbarte Bergdorf Caracena. Das Klima ist gemäßigt bis warm; Regen (ca. 530 mm/Jahr) fällt übers Jahr verteilt.Montejo de Tiermes – Klimatabellen
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1857 1900 1950 2000 2019Einwohner 952 913 852 251 155Montejo de Tiermes – Bevölkerungsentwicklung Infolge der Mechanisierung der Landwirtschaft, der Aufgabe bäuerlicher Kleinbetriebe („Höfesterben“) und des daraus resultierenden geringeren Arbeitskräftebedarfs ist die Zahl der Einwohner – trotz Eingemeindungen der ehemals eigenständigen Dörfer Ligos, Torresuso, Cuevas de Ayllón, Noviales, Carrascosa de Arriba, Hoz de Abajo, Hoz de Arriba, Pedro, Rebollosa de Pedro und Valderromán – seit der Mitte des 20. Jahrhunderts stark rückläufig.
Wirtschaft Das kleine Bergdorf war und ist in hohem Maße von der Landwirtschaft (Feldbau und Viehzucht) geprägt. In früheren Zeiten diente der Ort als Handwerks- und Marktzentrum für die – mittlerweile meist aufgegeben – kleineren Einzelgehöfte und Weiler der Umgebung. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts spielt der Tourismus (Wandern und Ferienwohnungen) eine wichtige Rolle als Einnahmequelle für die Gemeinde.
Geschichte Funde lassen vermuten, dass eine Siedlung mit Namen Termes oder Termantia des keltiberischen Stammes der Arevaker in unmittelbarer Nähe lag. Auch die Römer waren in der Gegend und hinterließen eine Quelleinfassung im Ort und eine Legionärsinschrift in Noviales. Die Einsiedlerkirche Ermita de la Virgen del Val im Ortsteil Pedro wird mit den Westgoten in Verbindung gebracht. Ein aus islamischer Zeit stammender Wachturm (atalaya) am Ortseingang erinnert an die Zeit der islamischen Herrschaft über weite Teile der Iberischen Halbinsel, die im nördlichen Teil mit einer Niederlage des Feldherrn Almansor im Sommer des Jahres 1002 in der – historisch nicht belegten – Schlacht von Calatañazor endgültig zu Ende ging. Über die Zugehörigkeit des Ortes zu spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Grundherrschaften ist nichts bekannt.
Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Ermita Santa María mini|hochkant|Ermita Santa María mini|hochkant|Ermita Santa María mini|hochkant|Portal der Ermita Santa María Montejo de Tiermes Am Ortseingang von Montejo de Tiermes steht ein auf natürlichem Fels errichteter und gut erhaltener Wachturm (Atalaya) aus islamischer Zeit. Sein Eingang befindet sich – wie üblich – in ca. 2,50 m Höhe und war nur über eine Leiter (oder Strickleiter) erreichbar. Zwei von ehemals sechs Arkadenbögen der romanischen Südvorhalle (portico) der Kirche San Cornelio y San Cipriano sind zugemauert. Das einzig verbliebene Kapitell ruht – wie üblich – auf einem Doppelsäulenpaar und zeigt zwei ineinander verschlungene Schlangen. Im Inneren der einschiffigen Kirche findet sich ein barockes Altarretabel (retablo). Bedeutender ist die etwas außerhalb des Ortes gelegene Kirche (Ermita de Santa María), deren Arkaden in der Südvorhalle (portico) durch Wandteile voneinander getrennt sind – eine Konstellation, die auf eine frühe Bauzeit verweisen könnte, stünden daneben nicht Doppelsäulen mit ausgereiften Kapitellen. Diese zeigen vor allem vegetabilische und abstrakte Motive; aber auch figürliche Themen (Sündenfall und Daniel in der Löwengrube) sind zu sehen. Dagegen ist das romanische Portal eher schlicht gehalten; in der Archivolte findet sich eine Reihe von kleinen Rosetten. Auf der Nordseite ist ein Seitenschiff angebaut worden. Der ganze Kirchenbau ist aus beinahe exakt behauenen Steinen erbaut und so wird eine Bauzeit im ausgehenden 12. Jahrhundert angenommen. Die archäologische Stätte der Arevaker-Stadt Termes ist nur etwa 1 km entfernt. Dort befindet sich auch ein kleines Museum (siehe Weblink). Pedro Im Ortsteil Pedro hat sich eine einfache – möglicherweise noch auf einen westgotischen Vorgängerbau zurückgehende – kleine Kirche (Ermita de la Virgen del Val) erhalten. In späterer Zeit erhielt sie eine auf Holzstützen ruhende Südvorhalle. Mehrere in die Außenwand eingelassene ornamentierte Steine sind wiederverwendet (Spolien). Torresuso Die kleine romanische Kirche Santa María Magdalena wird durch eine Südvorhalle aus der Zeit der Renaissance optisch aufgewertet. Ligos Die einschiffige Kirche San Juan Bautista hat einen zweigeschossigen Glockengiebel (espadaña) aus der Renaissance oberhalb der ansonsten schmucklosen Westfassade und ein außergewöhnlich reich dekoriertes romanisches Archivoltenportal auf der Südseite. Valderromán Der Ort verfügt über eine kleine spätgotische Dorfkirche mit einem Glockengiebel und dahinterliegender Fachwerk-Glockenstube sowie einer in späterer Zeit erhöhten und vergrößerten Apsis.
Literatur Pedro Luís Huerta Huerta: Todo el Románico de Soria. Fundación Santa María la Real, Centro de Estudios del Románico. Aguilar del Campoo 2012, ISBN 978-84-15072-63-8, S. 188–192.
Weblinks
Montejo de Tiermes, Ausgrabungen etc. – Fotos + Infos (spanisch) Tiermes, Ermita Santa María – Fotos + Infos (spanisch) Tiermes, Ermita Santa María – Fotos + Infos (spanisch) Tiermes, Ermita Santa María – Fotos + Infos (spanisch) Tiermes, Ermita Santa María – Foto Tiermes, Atalaya – Fotos + Infos (spanisch) Pedro, Ermita de la Virgen del Val – Fotos + Infos (spanisch) Pedro, Ermita de la Virgen del Val – Foto + Infos (spanisch) Katalog von Kirchen mit Vorhallen (spanisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in Kastilien und León