Good Bye Mohammed: Das neue Bild des Islam von Norbert G. Pressburg ist ein 2009 in erster Auflage erschienenes Sachbuch, das einen Überblick über die WiederbelebungNorbert G. Pressburg: Good Bye Mohammed: Das neue Bild des Islam. 3., überarbeitete Auflage, S. 14 (Online-Vorschau). der historisch-kritischen Methode in der Koranexegese durch deutschsprachige Islamwissenschaftler – beginnend mit Günter Lüling in den 1970er JahrenUwe Topper: Lüling: Ein Orientalist gegen den Strom. Eine Besprechung des Lebenswerks des Theologen und Orientalisten Günter Lüling, Berlin 2005. – bieten will.
Inhalt Historisch-kritische Islamforschung in Deutschland Aufgezeigt wird der Versuch, durch archäologische und philologische Quellenforschung, so wie man sie in Europa seit der Aufklärung in der historisch-kritischen Bibelforschung anwendet, Licht in die ersten zwei Jahrhunderte der Koranentstehung zu bringen.Karl-Heinz Ohlig: Frühgeschichte des Islam. Die religionswissenschaftliche Frage nach den Anfängen. (PDF; 504 kB) Vortrag, gehalten am 1. Dezember 2007 in Erfurt. Landesamt für Vermessung und Geoinformation, Januar 2008.
Die deutsche Islamforschung des 19. Jahrhunderts war fortschrittlich und arbeitete historisch-kritisch. Sie ist verbunden mit Namen wie Sprenger, Nöldeke, Wellhausen und Ignaz Goldziher. Die deutsche Islamforschung erlebte im Verlauf vom 19. zum 20. Jahrhundert einen erschreckenden Verfall.Markus Groß, Karl-Heinz Ohlig, Volker Popp, Gerd-Rüdiger Puin: Anmerkungen zur Kritik an Inârah. In: Markus Groß, Karl-Heinz Ohlig (Hrsg.): Vom Koran zum Islam. Verlag Hans Schiler, Berlin 2009, ISBN 978-3-89930-269-1 (Text online). Erst mit Günter Lüling wurde in den 1970er Jahren eine Wende eingeleitet.Zainab A. Müller: Zustände in den Islamwissenschaften. Günter Lüling zum 80. Geburtstag. In: Aufklärung und Kritik 2/2009 () Die Orientalistik hatte sich daran gewöhnt, die traditionellen islamischen Religionslegenden 1:1 zu übernehmen, als ob es Ignaz Goldziher nie gegeben hätte.Norbert G. Pressburg: Good Bye Mohammed: Das neue Bild des Islam. 3., überarbeitete Auflage, S. 13/14 (Online-Vorschau).
Schwerpunktmäßig werden die Forschungsmethoden und vorläufigen Forschungsergebnisse der Arbeitsstelle für Religionswissenschaft an der Universität Saarbrücken der Universität des Saarlandes vorgestellt, wo Professoren unter der Leitung von Karl-Heinz Ohlig – interdisziplinärAssoziiert mit der Arbeitsstelle für Religionswissenschaft der Universität Saarbrücken ist „Inârah“ (arabisch ‚Aufklärung‘): INAHRAH – Institut zur Erforschung der frühen Islamgeschichte und zur Etablierung der historisch-kritischen Methode in den Islamwissenschaften – die Entstehungsgeschichte des Korans und die Historizität Mohammeds kritisch hinterfragen. Die Saarbrücker Forscher stellen fest, dass die muslimische Tradition bis in die Gegenwart nicht an kritischer Quellenforschung interessiert ist, die Überlieferungen (Hadithe) von heilsgeschichtlichem Interesse geleitet sind und somit mythische Erzähltexte im Sinne einer narrativen Theologie darstellen. Aus den ersten zweihundert Jahren islamischer Zeitrechnung seien keine außerislamischen Quellen bekannt, die über einen Propheten Mohammed und eine Religion namens Islam berichten.
Der Iranist und Archäologe Volker Popp schließt aus numismatischen, ikonographischen und epigraphischen Zeugnissen des 7. und 8. Jahrhunderts, dass Arabien damals noch christlich geprägt war.Volker Popp: Die frühe Islamgeschichte nach inschriftlichen und numismatischen Zeugnissen. In: Karl-Heinz Ohlig, Gerd-Rüdiger Puin (Hrsg.): Die dunklen Anfänge. Neue Forschungen zur Entstehung und frühen Geschichte des Islam. 3. Auflage, Schiler Verlag, 2007, ISBN 978-3-89930-128-1, S. 16–123 (Online-Vorschau).
72 Weintrauben und keine einzige Jungfrau Semitische Schriften – wie die arabische – sind Konsonantenschriften, das heißt, Vokale finden sich allenfalls in Form von matres lectionis. Außerdem sind manche Konsonanten erst durch zusätzliche Punktierungen eindeutig zu lesen. Nun sind älteste Koranfragmente nur in sogenannter Defektivschrift (Rasm) überliefert, das heißt, es fehlen Diakritika, zum Beispiel Punkte und Striche, durch welche die Bedeutung der einzelnen Buchstaben und Wörter erst eindeutig festgelegt wird:Wie viel Wahrheit steckt im geheimnisvollen Koran? In: Die Welt vom 13. März 2010.
Nach Meinung der Saarbrücker Islamforscher ist es durch diese defektive Schreibung bei der Erstellung der kanonischen Fassung des Korans zu zahlreichen Missdeutungen gekommen und zu vielen dunklen, unverstandenen Stellen: Die Vorbereitung einer historisch-kritischen Ausgabe des Korans liegt nahe. In ihr könnte, so die Einschätzung des Saarbrücker Experten Dr. Gerd-Rüdiger Puin, das eine Fünftel des Korans, das auch „Eingeweihten“ als schwer verständlich gilt, eine weitgehende Erhellung erfahren. Es handelt sich bei diesen dunklen Stellen zumeist um das Ergebnis arabischer Sprachinterpretationen, in denen die Bedeutung des Aramäischen innerhalb der arabischen Sprache zur Zeit des Religionsstifters Mohammed und unmittelbar danach verkannt wurde.Saarbrücker Islamwissenschaftler: „Etwa ein Fünftel des Koran muss neu gelesen werden!“ Pressestelle der Universität des Saarlandes (Dr. Manfred Leber) 8. Dezember 1999; abrufbar auf dem Server des idw.
Hier hakt eine neue Studie seines Saarbrücker Kollegen, des Semitisten und Koranforschers Christoph Luxenberg, ein: Der Autor geht dabei von der sprachlichen Situation aus, die in den ersten Jahrzehnten des 7. Jahrhunderts geherrscht haben soll. Damals ließ die Schreibpraxis des Arabischen Mehrdeutigkeiten zu und das Syro-aramäische, die große Kultursprache Vorderasiens, übte noch einen großen Einfluss aus. Bei der Klärung der umstrittenen Stellen geht Luxenberg in mehreren Schritten vor. Zunächst zieht er noch einmal die große Koranexegese von Tabari und das Hauptlexikon «Lisan al-Arab» heran. Wenn das zu keinem Ergebnis führt, dann prüft er, ob es im Syro-Aramäischen eine gleichlautende Wurzel gibt, die eine andere Bedeutung hat, aber zum Kontext besser passt. Ein weiterer Schritt ist die Änderung der diakritischen Punkte, um so zu einem sinnvolleren arabischen Wort zu gelangen. Als Nächstes werden die diakritischen Punkte verändert, um zu einer aramäischen Wurzel zu kommen. Der letzte Schritt versucht, durch die Rückübersetzung des arabischen Ausdrucks ins Aramäische ihn über die Semantik des syro-aramäischen Ausdrucks zu erschließen.Mona Naggar: In: Neue Zürcher Zeitung vom 3. Februar 2001.
Christoph Luxenberg nennt als Paradebeispiel für eine solche missdeutete, „verlesene“ Koranstelle den Glauben an Huris, an Paradiesjungfrauen, in Sure 44 – Sūrat ad-Duchan (Der Rauch) – Vers 54 auf koransuren.de.:
Die Huris sind nach muslimischem VolksglaubenIbn Warraq: Virgins? What virgins? It is widely believed that Muslim 'martyrs' enjoy rich sensual rewards on reaching paradise. A new study suggests they may be disappointed In: The Guardian, 12. Januar 2002. 72 Jungfrauen, die einen gottesfürchtigen Mann – auch einen Märtyrer – im Paradies verwöhnen werden: Über die Sinnlichkeit der jenseitigen Männerphantasien haben sich schon seit jeher Kommentatoren gewundert.Keine Huris im Paradies In: Zeit online vom 15. Mai 2003.
Der bei der kanonischen Koranerstellung erst nachträglich mit diakritischen Zeichen versehene Koranvers 44:54Sūrat Ad-Dukhān 44.54, Suren des Korans auf Arabisch und Deutsch, abrufbar auf www.koran-unterricht.de:
würde wörtlich bedeuten: und wir geben ihnen „weiße Augen“ als Gattinnen, was keinen Sinn ergibt. Traditionelle Korangelehrte interpretieren die Stelle bi-hur inin deshalb als „großäugige Weiße“, das heißt, sie projizieren „Paradies-Jungfrauen“ in den Koran.Norbert G. Pressburg: Good Bye Mohammed: Das neue Bild des Islam. 3., überarbeitete Auflage, S. 31 (Online-Vorschau).
[44.54] So (wird es sein). Und Wir werden sie mit holdseligen Mädchen vermählen, die große, herrliche Augen haben.
Christoph Luxenberg geht von einer fehlerhaften arabischen Lesart dieses Verses aus.Der Koran erklärt die Bibel auf Arabisch. In: Die Welt vom 29. September 2004; Interview von Jan Rübel. Er liest im Arabischen unverständliche Wörter als Aramismen, das heißt, er vermutet, dass diese missdeuteten Koranstellen ursprünglich auf Syrisch-aramäisch abgefasst und erst nachträglich – fehlerhaft – ins Arabische übersetzt worden sind: Luxenberg weist jedoch durch koranische wie außerkoranische Querverweise nach, dass im Paradieskontext mit den (ḥūrin) „Weißen“ zweifelsfrei Weintrauben gemeint sind. Das arabisch unverstandene Wort „ʻīnin“ bedeutet als aramäisches Adjektiv ʻaynē: „kristallklar, glänzend, prachtvolles Aussehen“. Die „ḥūrin“ sind also keine Wesen, schon gar nicht Huris, sondern „kristallklare, prachtvolle Weintrauben“. Und zuletzt meint „bi“ nicht das arabische „mit“, sondern das aramäische „unter“. Der Gläubige wird also nicht mit den Huris verpaart, sondern er rastet unter den „ḥūrin“, also „unter den Weintrauben“.
Sure 44:54 bedeutet also nach Luxenberg: Wir werden es ihnen unter weißen kristall(klaren) (Weintrauben) behaglich machen.Christoph Luxenberg: Die syro-aramäische Lesart des Koran. Ein Beitrag zur Entschlüsselung der Koransprache. 3. Auflage, Verlag Hans Schiler, 2007, ISBN 3-89930-028-9, S. 260 (Online-Vorschau).
Aus dem Kontext heraus wird klar: Es geht um das Paradies, den himmlischen Garten. Die Rebe fehlt in koranischen Beschreibungen des irdischen Gartens nie: Im himmlischen Garten ist das Wort (Aramismus) „ḥūr“ ein metaphorischer Ausdruck für weiße Trauben. Auch syrisch-aramäische Wörterbücher belegen, dass sich dieses Adjektiv im Femininum auf „weiße Trauben“ bezieht. Aus den Jungfrauen werden also „prachtvolle Trauben“, Früchte, die in den Paradiesvorstellungen des Orients von alters her als Sinnbild von Wohlleben und Behaglichkeit gelten.
Auf diese Luxenberg’sche syro-aramäische Lesart der Sure 44:54 spielt der Titel der englischen Ausgabe des Buches Good Bye Mohammed an: What The Modern Martyr Should Know: Seventy-two Grapes and Not a Single Virgin – The New Picture of IslamNorbert G. Pressburg: What The Modern Martyr Should Know: Seventy-two Grapes and Not a Single Virgin – The New Picture of Islam. CreateSpace Independent Publishing Platform, 2012, ISBN 978-1-4681-2903-8. (Was der moderne Märtyrer wissen sollte: 72 Weintrauben und keine einzige Jungfrau – Das neue Bild des Islam).
Dies ist eine schlechte Nachricht für jene, die den Koran politisch missbrauchen: Mit den willigen Huris werden junge Männer fürs Märtyrertum geködert. Für alle, die an einer Klärung des Korantextes interessiert sind, sollte die stimmigere Lesart ein Grund zur Freude sein.
Der Mohammed-Mythos Der Ur-Koran: ein Liturgiebuch nichttrinitarischer Christen