Die Schminkwurz (Alkanna tinctoria), auch Färber-Alkanna genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Alkanna innerhalb der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae).

Beschreibung

mini|Blütenstand mini|Habitus

Vegetative Merkmale Die Schminkwurz ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 10 bis 30 Zentimetern erreicht. Sie besitzt kräftige, 10 bis 20 Zentimeter lang und bis 1,5 Zentimeter dicke Wurzeln und einen von Blattresten umhüllten, ästigen „Erdstock“, der von einer leicht abblätternden, tief purpurnen bis dunkel violettbraunen Rinde umkleidet ist. Die oberirdischen Pflanzenteile sind borstig grau behaart und meist drüsenlos.

Die unteren Laubblätter sind borstig, verkehrt-eilanzettlich und sitzend, die oberen sind kleiner und schmal-eiförmig.

Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni. Die Blüten sind dicht in Wickeln angeordnet, die sich später stark verlängern. Die schmal-eiförmigen Tragblätter sind etwa so lang wie der borstige Kelch. Die Blütenkrone überragt den Kelch nur wenig. Die Kronblätter sind leuchtend-blau, außen kahl und am Saum ist die Krone 4 bis 10 Millimeter breit.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 30.

Systematik und Verbreitung Die Erstbeschreibung erfolgte 1824 als Alkanna tinctoria durch Ignaz Friedrich Tausch in Flora oder Botanische Zeitung, Band 7, Seite 234 laut Shenzhen Code Art. 11 Ex. 18. Ein Basionym Lithospermum tinctorium, das 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 132 aufgestellt wurde, wurde bei Tausch ausgeschlossen.

Als Synonyme von Alkanna tinctoria gelten Anchusa bracteolata , Alkanna lehmannii , Alkanna matthioli , Alkanna tuberculata non , Alkanna tuberculata , Anchusa tuberculata , Lithospermum lehmannii , Lycopsis cyrenaica nom. illeg., Alkanna tinctoria subsp. lehmannii .

Alkanna tinctoria kommt mit etwa fünf Unterarten in Ungarn, in der Slowakei, in Südeuropa, in Westasien und in Nordafrika vor.

Man kann mehrere Unterarten unterscheiden: Alkanna tinctoria subsp. anatolica : Sie wurde 1971 erstbeschrieben und kommt in Kreta, auf Inseln in der Ägäis und im asiatischen Teil der Türkei vor. Alkanna tinctoria subsp. glandulosa : Sie wurde 1977 erstbeschrieben und kommt nur im asiatischen Teil der Türkei vor. Alkanna tinctoria subsp. subleiocarpa (Syn.: Alkanna subleiocarpa ): Diese Neukombination erfolgte 1978. Sie kommt im asiatischen Teil der Türkei und auf Inseln der Ägäis vor. Alkanna tinctoria subsp. tripolitana (Syn.: Alkanna tripolitana ): Diese Neukombination erfolgte 1979. Sie kommt nur in Libyen vor. Alkanna tinctoria subsp. tinctoria: Sie kommt in Nordafrika, in Südeuropa, in Südosteuropa und in Vorderasien vor.

Inhaltsstoffe und Nutzung

mini|Struktur von Alkannin mini|Illustration aus Plantarum indigenarum et exoticarum icones ad vivum coloratae, oder, Sammlung nach der Natur gemalter Abbildungen inn- und ausländischer Pflanzen, für Liebhaber und Beflissene der Botanik

Die Rinde der unterirdischen Pflanzenteile enthält 5 bis 6 Prozent Alkannin und etwas Alkannan. Darüber hinaus finden sich dort auch die Rotpigmente Anchusarot und Alkannarot. Pflanzenteile dienen daher zur Gewinnung von Farbstoffen, woraus sich der Trivialname ableitet. Sie dient als Lebensmittelfarbe, zum Beispiel für das indische Gericht Rogan Josh und zum Verfälschen von Rotwein. Die unterirdischen Pflanzenteile werden im Frühjahr oder Herbst geerntet.

Geschichte Von manchen Autoren wird das po-ni-ki-jo der minoischen Linear-B-Texte mit Alkanna gleichgesetztBrendan Burke, From Minos to Midas, ancient Cloth Production in the Aegean and in Anatolia. Oxford 2010, 79. In der Antike wurde die Schminkwurz zum Färben von Wolle und als Bestandteil von Schminken genutzt. Sie fand auch als Ersatz von Schneckenpurpur Verwendung. Unter Umständen kann die Pflanze alkibiadeion, die Nikander als Mittel gegen Schlangenbisse erwähnt, mit Alkanet gleichgesetzt werdenJohn Scarborough, Nicander's Toxicology I: Snakes. Pharmacy in History 19/1, 1977, 12. Stable URL: . Auch die Gleichsetzung von Synesios’ lakcha (λακχά) mit Alkanna ist nicht gesichert, es könnte sich auch um Gummilack aus Kerria lacca handelnMatteo Martelli, Alchemical Textiles: colourful garments, recipes and dyeing techniques in Graeco-Roman Egypt. In: Mary Harlow, Marie-Louise Nosch (Hrsg.), Greek and Roman Textiles and Dress, an interdisciplinary Anthology. Oxford 2014, 112, Anm. 6..

Trivialnamen Es bestehen diverse Trivialnamen, so Färbende Ochsenzunge und Falsche Alkanna. Für Schminkwurz sind oder waren auch die Bezeichnungen Alkannawurzel, Alkeruenwurzel, Blutwurzel, rotes Färberkraut, Orkanette, Orkanetwurzel, türkische Röte, Rotfärbekraut und rote Zunge gebräuchlich.

Einzelnachweise Benito Valdés, 2011+: Boraginaceae. Datenblatt Alkanna tinctoria Tausch In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 26 f., eingescannt. Peter Schönfelder, Ingrid Schönfelder: Die neue Kosmos-Mittelmeerflora. Franckh-Kosmos-Verlag Stuttgart 2008. ISBN 978-3-440-10742-3. S. 136. Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 3. Verlag Carl Hanser, München 1966. S. 2205–2206.

Weblinks

Alkanna tinctoria bei Useful Temperate Plants. Datenblatt bei Wildflowers of Israel. Thomas Meyer, Michael Hassler: Datenblatt und Fotos bei Mittelmeer- und Alpenflora.

Kategorie:Raublattgewächse Kategorie:Färberpflanze