Das Kampfgeschwader 51 war ein Verband der Luftwaffe der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Aufgrund seines Wappens wurde es auch Edelweiß-Geschwader genannt. Als Kampfgeschwader, ausgestattet mit Bombern, erst vom Typ Dornier Do 17, dann mit der Heinkel He 111 und zuletzt mit der Junkers Ju 88 führte es Luftangriffe mit Bomben auf zugewiesene Ziele durch. Das Geschwader beteiligte sich am Westfeldzug, der Luftschlacht um England, am Balkanfeldzug und dem Deutsch-Sowjetischen Krieg. Ab 1943 kam es im Mittelmeerraum, dann in der Reichsverteidigung und an der Westfront gegen die Westalliierten zum Einsatz. Mit der Umrüstung ab Mai 1943 auf die Messerschmitt Me 410 und noch mehr mit der Einführung der Messerschmitt Me 262, änderte sich das Einsatzspektrum des Geschwaders zu dem eines Jagd(bomber-)geschwaders. Noch vor der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht wurde es am 24. April 1945 aufgelöst.

Aufstellung mini|Dornier Do 17 E mit (frühem) Luftwaffen-/Verbandskennzeichen 54+B12 des Kampfgeschwaders 255 Das Kampfgeschwader 51 entstand am 1. Mai 1939 nach dem neuen Benennungsschema der Luftwaffe aus dem am 15. März 1937 in Landsberg () aufgestellten Kampfgeschwader 255. Aus dem Geschwaderstab und der I./KG 255 entstanden am 1. Mai 1939 in Landsberg der Stab und die I./KG 51. Die II. Gruppe des KG 51 bildete sich am 1. April 1940 in Leipheim (). Die III./KG 51 entstand am 1. Mai 1939 in Memmingen () aus der III./KG 255. Am 30. Juli 1940 entstand die IV. (Ergänzungs-)Gruppe in Schwäbisch Hall (). Das Geschwader war ausgestattet mit der Dornier Do 17 und der Heinkel He 111. Als es im Mai 1940 zum ersten Kriegseinsatz antrat, waren der Geschwaderstab, die I. und II. Gruppe umgerüstet auf die Junkers Ju 88. Die III. Gruppe erhielt diesen neuen Bombertyp erst im Juni. Ab Juli 1943 rüstete das Geschwader, beginnend mit der I. Gruppe, auf die Messerschmitt Me 410 um. Ab Sommer 1944 begann die Umrüstung auf die Messerschmitt Me 262. Die III. Gruppe hatte im Herbst Jagdbomber vom Typ Focke-Wulf Fw 190 in ihren Reihen. Die Geschwaderkennung war 9K.

Gliederung Der Geschwaderstab führte die I. bis IV. Gruppe die wiederum in Staffeln unterteilt waren. Die 1. bis 3. Staffel gehörte der I. Gruppe, die 4. bis 6. Staffel der II. Gruppe, die 7. bis 9. Staffel der III. Gruppe und die 10. bis 12. Staffel der IV. Gruppe an. Jede Staffel, geführt durch einen Staffelkapitän, war in drei Schwärme mit je vier Flugzeugen unterteilt. Daraus ergab sich eine Sollstärke der Bombergruppe von 36 Flugzeugen in den drei Staffeln + ein Flugzeug für den Gruppenkommandeur. Dies ergab bei vier Bombergruppen eine Sollstärke von 148 Flugzeugen, + 4 Flugzeuge für den Geschwaderkommodore und seinen Stab. Daraus ergibt sich eine Sollstärke von 152 Flugzeugen. Die IV. Gruppe war eine Ergänzungsgruppe und nahm in der Regel nicht an Kampfeinsätzen teil. In ihr wurden frisch ausgebildete oder rekonvaleszente Flieger eine Zeitlang an die Frontbedingungen gewöhnt und geschult, bevor sie in eine der drei Einsatzgruppen wechselten. Darum hatte sie meist ihren Standort in der Heimatbasis des jeweiligen Geschwaders.

Geschichte Überfall auf Polen Das Kampfgeschwader 51 nahm nicht am Überfall auf Polen und am Norwegenfeldzug teil. Es unterstand innerhalb der Luftflotte 3 der 5. Flieger-Division und wurde im Sitzkrieg zu Aufklärungs- und Propagandaflügen über Frankreich eingesetzt.Bernhard R. Kroener, Rolf-Dieter Müller, Hans Umbreit: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 5/1, dva, Stuttgart 1988, ISBN 3-421-06232-3, S. 718 Dem Stab, der I. und III. Gruppe standen seit August 1939 Bomber vom Typ Heinkel He 111 H zur Verfügung. Diese hatten im Vergleich zur zuvor verwendeten Dornier Do 17 M ungefähr 400 PS mehr Leistung. Dadurch erhöhte sich die Bombenlast um 1500 kg auf 2500 kg. Die am 1. April 1940 neu aufgestellte II. Gruppe erhielt die Junkers Ju 88 A. Diese hatte mit ihren beiden Junkers Jumo 211B-1-Motoren rund 50 PS weniger Leistung als die Jumo 211D der He 111. Aufgrund einer besseren Aerodynamik erreichte die Ju 88 aber eine um 60 km/h höhere Höchstgeschwindigkeit bei annähernd gleicher Bombenlast.

In seinem ersten Einsatz über feindlichen Gebiet flog das Geschwader von seinen Basen in Landsberg und Memmingen aus, am 17. November die französischen Städte Bordeaux, Marseille, Brest und Nantes an und warf Propagandaflugblätter ab.H. L. de Zeng, D. G. Stankey, E. J. Creek, S. 146 Bis zum 25. April 1940 flog es insgesamt 18 solcher Flugblatteinsätze.H. L. de Zeng, D. G. Stankey, E. J. Creek, S. 155

Westfeldzug Während des Westfeldzuges standen alle drei Gruppen unter dem Kommando des V. Fliegerkorps der Luftflotte 3. Der Stab und die I. Gruppe waren jetzt ebenfalls mit der Junkers Ju 88 A ausgestattete, während die III. Gruppe noch mit der Heinkel He 111 H flog. Sie wurde im Juni ebenfalls auf die Ju 88 A umgerüstet. Von den Fliegerhorsten in Landsberg, Lechberg und München-Riem () aus erfolgten erste Luftangriffe auf französische Flugplätze. Dabei kam es am 10. Mai 1940 zu einem folgenschweren Irrtum. Eine Kette der 8. Staffel, welche die Stadt Dijon angreifen sollte, verlor aufgrund von Navigationsfehlern die Orientierung. Darum griff sie, unter der Annahme eine französische Stadt unter sich zu haben, Freiburg im Breisgau mit 69 Bomben an. Dadurch starben 57 Einwohner. Die deutsche Führung vertuschte den Irrtum und schrieb den Luftangriff den Alliierten zu. Erst 1956 gelang es den Historikern Anton Hoch, Wolfram Wette und Gerd R. Ueberschär Belege zu finden, die die Wahrheit ans Licht brachten. Der damalige Geschwaderkommodore Josef Kammhuber leugnete jedoch noch nach dem Krieg und in seiner neuen Position als Inspekteur der Luftwaffe der Bundeswehr die Beteiligung seiner ehemaligen Einheit.Große Sache, Der Spiegel 17/1982 vom 26. April 1982. mini|Junkers Ju 88 A-1 der I./KG 51 vor dem Start Alle drei Bombergruppen unterstützten ab 12. Mai die Panzergruppe Kleist der Heeresgruppe A beim Durchbruch in Sedan. Anschließend folgten sie dem XIX. Armeekorps (mot.) auf dem Weg nach Dünkirchen an den Ärmelkanal und griffen immer wieder mit Luftangriffen in die Erdkämpfe ein.E.R. Hooton: Phoenix Triumphant: The Rise and Rise of the Luftwaffe. Arms & Armour, ISBN 1-85409-181-6, S. 253 In der folgenden Schlacht von Dünkirchen versuchte das Geschwader mittels Luftangriffen auf Hafenanlagen und Schiffen die Evakuierung der alliierten Truppen über den Ärmelkanal zu verhindern. Obwohl durch die Luftwaffe mehr als 200 britische Schiffe und Boote durch Luftangriffe versenkt wurden, konnte der größte Teil der alliierten Truppen evakuiert werden.

Anschließend intervenierte das Geschwader ab 1. Juni beim Vorstoß der Gruppe Guderian in Richtung Schweizer Grenze und unterstützte den Angriff der 7. Armee auf die Maginot-Linie. Dabei wurde der Geschwaderkommodore Josef Kammhuber mit seiner Ju 88 A (Geschwaderkennung 9K+AA) abgeschossen und geriet in französische Kriegsgefangenschaft, aus der er jedoch nach vier Wochen befreit wurde. Am 3. Juni nahm das Geschwader am Unternehmen Paula teil, um die letzten noch vorhandenen Flugzeuge der Armée de l’Air und die Flugzeugindustrie zu zerstören.Robert Jackson: Air War Over France, 1939–1940. London: Ian Allan. ISBN 978-0-7110-0510-5, S. 81–83 Da die französische Luftwaffe allerdings vorgewarnt war, gelang es nicht auf den angegriffenen 13 Flugplätzen nennenswerte Schäden anzurichten. Insgesamt wurden nur 16 Flugzeuge am Boden zerstört und 6 beschädigt. Von den angegriffenen 15 Fabriken wurden nur 3 erwähnenswert beschädigt. Dabei kamen 254 Zivilisten ums Leben und 652 wurden verletzt. Auf deutscher Seite gingen vier Bomber und sechs Jagdflugzeuge verloren. Ab dem 20. Juni verlegte das Geschwader von seinen deutschen Basen auf Plätze in Frankreich. Der Stab und die I. Gruppe gingen nach Paris-Orly () und die II. und III. Gruppe nach Étampes-Mondésir. () Mit dem Waffenstillstand am 22. Juni 1940 endeten für das Geschwader die Kampfhandlungen in Frankreich.E. R. Hooton: Phoenix Triumphant: The Rise and Rise of the Luftwaffe. Arms & Armour, ISBN 1-85409-181-6, S. 243 Von den neuen französischen Basen aus führte es in der Nacht zum 29. Juni einen ersten Luftangriff auf Großbritannien durch, als es Häfen in Wales und Fabriken im Bereich Bristol angriff.E.R. Hooton: Phoenix Triumphant: The Rise and Rise of the Luftwaffe. Arms & Armour, ISBN 1-85409-181-6, S. 269

Luftschlacht um England Während der Luftschlacht um England war das Geschwader im Juli 1940 bei Luftangriffen auf alliierte Schiffskonvois und einzeln fahrende Schiffe im Ärmelkanal eingesetzt. Zu dieser Zeit war es dem V. Fliegerkorps der Luftflotte 3 unterstellt. Die Liegeplätze waren Paris-Orly, Melun/Villaroche und Étampes-Mondésir, alle im besetzten Teil Frankreichs gelegen. Am 17. Juli flog es einen Luftangriff auf Bristol und am 27. Juli auf Radarstationen auf Land Ends. mini|Abgestürzte Junkers Ju 88A (Geschwaderkennung 9K+GN) der 5./KG 51 bei Oakridge nahe Stroud in Gloucestershire Ab August lagen der Geschwaderstab und die II. Gruppe in Paris-Orly, die I. Gruppe in Villaroche (), die III. Gruppe in Étampes-Mondésir und die IV. Gruppe in Schwäbisch Hall. Am 12. August griff das Geschwader Portsmouth und die Isle of Wight an. Dabei schoss eine Hawker Hurricane der No. 213 Squadron der RAF die Ju 88 des Geschwaderkommodore Johann-Volkmar Fisser ab, als dieser die Radar-Station in Ventnor angreifen wollte. Dieser galt erst als vermisst und wurde später für tot erklärt.Francis Mason: Battle Over Britain. McWhirter Twins, London. ISBN 978-0-901928-00-9, S. 235 Am gleichen Tag schossen britische Jäger den Automobilrennfahrer Ulrich Bigalke mit seiner Ju 88A-1 (Geschwaderkennung 9K+FS) über dem Ärmelkanal ab.

Am 13. und 19. August belegte das Geschwader den RAF-Flugplatz Bibury und die Radar-Station in Ventnor mit Bomben. Am 24. August war der Hafen der britischen Home Fleet in Portsmouth das Angriffsziel. Dabei wurden innerhalb von vier Minuten 50 t Bomben auf das eigentliche Ziel und die angrenzende Innenstadt geworfen. Dabei starben 83 Zivilisten. Ein im Hafen getroffenes Treibstoffdepot brannte 36 Stunden, bevor es gelöscht werden konnte.Francis Mason: Battle Over Britain. McWhirter Twins, London. ISBN 978-0-901928-00-9, S. 269 Bis Ende August folgten weitere Luftangriffe auf Flugplätze der RAF so unter anderen Warmwell, Weymouth und Portland.Francis Mason: Battle Over Britain. McWhirter Twins, London. ISBN 978-0-901928-00-9, S. 302

Alle drei Gruppen waren am 7. September am ersten Luftangriff auf London beteiligt. Dieser bei Tage, mit insgesamt 300 Bombern und 600 Begleitjägern geflogene Luftangriff, galt überwiegend den Docks von London und dem East End. Dabei starben 436 Zivilisten und weitere 1500 wurden verletzt. Damit begann die Phase des Luftkrieges gegen das Vereinigte Königreich, den die Briten „The Blitz“ nannten.Francis Mason: Battle Over Britain. McWhirter Twins, London. ISBN 978-0-901928-00-9, S. 364, 365, 368 Am 15. September nahm das Geschwader an einem Nachtangriff auf London teil, wobei zwei Flugzeuge verlorengingen.Francis Mason: Battle Over Britain. McWhirter Twins, London. ISBN 978-0-901928-00-9, S. 390

Im Oktober/November waren Teile des Geschwaders an Nachtangriffen auf Crewe, Redditch, Swanton Morley, West Raynham, Eastbourne und Hastings beteiligt.Chris Goss: The Luftwaffe's Blitz: The Inside Story, November 1940 – May 1941. Crecy, Manchester. ISBN 978-0-85979-148-9, S. 213