mini|400px|Panorama des Alten Klosters vom Innenhof aus mini|Lage der Abtei und des Dorfes Fraulautern am Flandernweg auf dem „Plan de Sarlouis et de la Situation“, Karte um 1740 mit der städtischen Befestigungsanlage; im Osten das Dorf Fraulautern mit seiner Abtei am Ufer der Saar (Stadtarchiv Saarlouis) Die Abtei Fraulautern (lat. Abbatia in Lutrea) war ein reguliertes Chorfrauenstift der Augustinerinnen für Angehörige des Adels, das im 12. Jahrhundert gegründet wurde und bis zur Auflösung in der Französischen Revolution bestand.

Das zur Abtei gehörende Klostergebäude stand im heutigen Saarlouiser Stadtteil Fraulautern und ist zum Teil erhalten. Es wird unter dem Namen Im Alten Kloster von der Fraulauterner Grundschule genutzt. Nach der Französischen Revolution diente das Gebäude bis zur Eingemeindung Fraulauterns nach Saarlouis (damals Saarlautern) im Jahr 1936 als Rathaus der Gemeinde. Geschichte Ersterwähnung des Ortes mini|Fraulautern; noch bestehender romanischer Innengiebel der abgetragenen Klosterkirche; heute Außengiebel der Grundschule mit moderner Schuluhr, die im Zifferblatt die Jungfrau Maria mit dem neugeborenen Jesuskind zeigt Bei Ausgrabungen in Fraulautern gefundene Grabbeigaben belegen eine Besiedelung in der späten Hallstattzeit.

Die schriftliche Überlieferung für den Ort Fraulautern („Lutrea Wilre“) setzt mit einer Urkunde des Trierer Erzbischofs Ruotbertus (931–956) ein. Hier wird von einer „ecclesia parochialis“ (Pfarrkirche) gesprochen, die wie andere Pfarreien der Umgebung verpflichtet wird, alljährlich eine Wallfahrt nach Mettlach zur Grabeskirche des heiligen Liutwin im heutigen Alten Turm der Abtei Mettlach zu unternehmen. Die ursprüngliche Urkunde des Bischofs Ruotbertus liegt heute nur noch als Abschrift aus der Zeit des Erzbischofs Albero von Montreuil (12. Jahrhundert) vor und wird inhaltlich durch die Urkunde des Trierer Erzbischofs Theoderich II. von Wied (13. Jahrhundert) bestätigt.

Der Ortsname Fraulautern leitet sich von den Frauen, also den Nonnen des Klosters, ab sowie vermutlich von dem keltischen Wort „Lutra“ für „sumpfiger Bach“.Bernhard Kirsch: Artikel "Warum heißt die Saar „Saar“ oder wer war vor den Kelten da?", in: Unsere Heimat, Mitteilungsblatt des Landkreises Saarlouis für Kultur und Landschaft, 41. Jahrgang, Heft Nr. 2, 2016, S. 45–56, hier S. 49. Gemeint wäre hier also eine Ortslage an der Einmündung des Fraulauterner Baches in die Saar.

Klostergründung Im Jahr 1129 übergab der Adelige Adalbert, der angeblich auf dem Gut Tiefenbach im Nachbarort Ensdorf residierte, dem Trierer Erzbischof Meginher von Falmagne seine Besitzungen in Fraulautern, damit dieser Mönche aus der Abtei Mettlach veranlasse, im heutigen Ort Fraulautern eine Kirche und ein Kloster zu bauen. Adalbert könnte zum Saarbrücker Grafengeschlecht gehören.Saarforschungsgemeinschaft (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Kreise Ottweiler und Saarlouis, bearbeitet von Walter Zimmermann, 2., unveränderte Auflage von 1934, Saarbrücken 1976, S. 191.

Die Überlieferung erzählt, dass Adalbert auf der Jagd seinen kleinen Sohn verloren habe, der sich in den großen Waldungen der Umgebung verlaufen hatte. Da alles Suchen nach dem vermissten Kind erfolglos blieb, machte der verzweifelte Adalbert das Gelübde, dass er an der Stelle, an der er seinen Sohn lebendig oder tot wieder finden würde, ein Kloster stiften würde. Als man nach zwei Jahren die Leiche des Kindes an der Mündung des Fraulauterner Baches in die Saar fand, erbaute dort der Adelige auf seinem Allod Lutre zur Ehre der Heiligsten Dreifaltigkeit und zur Erinnerung an sein totes Kind eine erste Kapelle, die zur Keimzelle des späteren Klosters Fraulautern wurde. Belegt ist diese Überlieferung in einer Urkunde des Trierer Erzbischofs Hillin von Falmagne aus dem Jahr 1154. Da der Baugrund an der Einmündung des Fraulauterner Bachs in die Saar jedoch ungeeignet war, verlegte man den Ort des Klosters etwas erhöht am Saarufer.R. Rudolf Rehanek: Geschichte der Kreisstadt Saarlouis, Band 1: Die hochadelige Frauenabtei und das Dorf Fraulautern, Saarlouis 1978, S. 17–19.

Die ca. 25 km vom heutigen Ort Fraulautern entfernte Abtei Mettlach aber zögerte, sich mit einer Filialgründung im heutigen Fraulautern niederzulassen. Zwar kamen Mönche aus Mettlach in den Ort, doch der Bau eines Klosters erfolgte nicht. So erwarb der adelige Stifter Adalbert für 15 Pfund seine Stiftung zurück und schenkte sie dem Trierer Erzbischof Albero von Montreuil. Der Trierer Erzbischof installierte daraufhin um das Jahr 1142 in Fraulautern ein Augustiner-Kloster, indem er Mönche der Abtei Springiersbach nach Fraulautern an die Saar schickte. Erzbischof Hillin von Falmagne setzte im Jahr 1154 ein adeliges Ordenskapitel ein, das am 23. Januar 1155 durch den aus England stammenden Papst Hadrian IV. bestätigt wurde. Der Schutz des Fraulauterner Klosters mit allen Personen und Gütern vor jedem Fremdanspruch wurde im Jahr 1249 durch Papst Innozenz IV., im Jahr 1334 durch Papst Johannes XXII., im Jahr 1342 durch Papst Clemens VI. sowie im Jahr 1354 durch Papst Innozenz VI. bestätigt.R. Rudolf Rehanek: Geschichte der Kreisstadt Saarlouis, Band 1: Die hochadelige Frauenabtei und das Dorf Fraulautern. Saarlouis 1978, S. 17–21.

Die Klosterchronik berichtet jedoch, dass die Springiersbacher Mönche ihre Pflichten vernachlässigend Fraulautern bereits nach wenigen Jahren verlassen hätten.

Ansiedelung von Nonnen mini|Klostergebäude um 1925 mit altem Verlauf der Saar, im Hintergrund die 1944 zerstörte Dreifaltigkeitskirche Um das Jahr 1160 wurde dann die Abtei Fraulautern nachweislich mit Augustiner-Nonnen (sanctae sorores) besetzt, die dem Ort Lautern zu seinem heutigen Namen Fraulautern verhalfen. Der Frauenkonvent war ein adeliges Damenstift. Der Name Fraulautern ist erstmals in einer Kaufurkunde des Hofes zu Sensweiler (Synnswilre) vom 4. Mai 1280 schriftlich genannt.Gerd Zöhler: Die adeligen Frauen von Lautern, Das ehemalige Kloster bei Saarlouis und seine Beziehungen zu Hasborn, in: Saargeschichten 4/2013, S. 30–33, hier S. 31. Das Fürstlich Fürstenbergische Archiv Donaueschingen verwahrt zwei Urkunden: 1) von 1234 und 2) vom 2. Mai 1280, beide ediert bei Ausfeld, Anfänge Fraulautern (vgl. oben), Nrn. 15 und 57. Sie kamen wahrscheinlich aus dem Nachlass des Germanisten Joseph von Laßberg nach Donaueschingen.

Das Kloster mit dem Patrozinium der Heiligsten Dreifaltigkeit und der seligen Jungfrau Maria befand sich am Platze der heutigen Grundschule „Im alten Kloster“ in der Nähe des Ufers der Saar. Zu dieser Zeit lebten zunächst sowohl Mönche als auch Nonnen in einem Doppelkloster (dominae et fratres) in Fraulautern.R. Rudolf Rehanek: Geschichte der Kreisstadt Saarlouis, Band 1: Die hochadelige Frauenabtei und das Dorf Fraulautern, Saarlouis 1978, S. 98. Der gebildeter Zisterziensermönch und Novizenmeister im Zisterzienserkloster Heisterbach bei Königswinter, Caesarius von Heisterbach, berichtet über das Frauenkloster Fraulautern, dass nur Mädchen unter sieben Jahren aufgenommen worden wären.Caesarius von Heisterbach: Dialogus Miraculorum, Liber VVV, c. 51. Ebenso mussten die Aufnahmekandidatinnen nachweisen, dass ihre Vorfahren bis ins sechzehnte Glied dem Adelsstand entstammten, was die äußerst strengen Aufnahmebedingungen verdeutlicht. Auch die Formalitäten der Aufnahme waren anspruchsvoll und reichten von einem Probejahr bis hin zu genauen Vorschriften des Einkleidungsaktes. Das aus dem Jahr 1225 stammende erste Konventssiegel des Klosters zeigt das Symbol der „Heiligsten Dreifaltigkeit“, unter deren Patrozinium das Kloster stand.R. Rudolf Rehanek: Geschichte der Kreisstadt Saarlouis, Band 1: Die hochadelige Frauenabtei und das Dorf Fraulautern, Saarlouis 1978, S. 234–245.

Auf den 11. Januar 1249 datiert, erteilte Papst Innozenz IV der Abtei Fraulautern das Recht, Bewerberinnen abzulehnen. Dementsprechend konnte der Konvent nicht zur Aufnahme eines Neumitgliedes gezwungen werden.

Bereits im 12. Jahrhundert begannen die Eltern der adeligen Zöglinge die Meinung zu vertreten, dass man ihren Töchtern in Fraulautern nicht die strengen Gesetze persönlicher monastischer Armut auferlegen dürfe und die Erträge der beim Eintritt gemachten adeligen Stiftungen nur dem jeweiligen Familienmitglied auf Lebenszeit zur Verfügung stehen dürfte. Somit war das Ideal der üblichen klösterlichen Armut praktisch aufgegeben und eine Entwicklung eingeleitet, die das Kloster bis zu seiner Zwangsauflösung prägen sollte. Trotz strenger Regularien wurden dem Stift insbesondere im 16. und 17. Jahrhundert Sittenverfall und nachlassende Disziplin vorgeworfen. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde der geistliche Charakter der Damenstifte im Heiligen Römischen Reich noch weiter zurückgedrängt und sie dienten in erster Linie als Erziehungs- und Versorgungsinstitutionen, in denen Damen des Adels mit Konversation, Näharbeiten, Musik und Spiel die Zeit zubrachten und gleichzeitig grundherrschaftliche Rechte wahrnahmen.Walter Demel, Sylvia Schraut: Der deutsche Adel, Lebensformen und Geschichte, München 2014, S. 40.

In einer Verordnung des Kurfürsten und Erzbischofs Johann Hugo von Trier vom 6. März 1687, machte dieser genaue Vorgaben, um gegen die beobachteten "Belästigungen und Üppigkeiten" vorzugehen. Insbesondere betraf dies die kostbaren Mahlzeiten bei Einkleidung und Profeßleistungen. Demnach wurde die Zahl der Gäste bei Feierlichkeiten auf 12 Personen und Familie eingeschränkt, wobei "alle Gastereien, insbesonders aber Tanzbelustigungen, unterlassen werden sollten". Ebenfalls wurde die Dauer der Feierlichkeiten auf maximal zwei Tage begrenzt. Die Einkleidungskosten sollten 50 Goldgulden nicht übersteigen, was damals etwa dem Jahreslohn eines einfachen Arbeiters entsprach. Die Anzahl der adeligen Nonnen in der Abtei war stets klein. Sie schwankte zwischen drei bis zehn sogenannter „Dominae“.Saarforschungsgemeinschaft (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Kreise Ottweiler und Saarlouis, bearbeitet von Walter Zimmermann, 2., unveränderte Auflage von 1934, Saarbrücken 1976, S. 192.

Ein erstes Abteisiegel ist aus dem Jahr 1225 überliefert. Es zeigt den thronenden Christus mit lateinischem Kreuz in der rechten Hand und geschlossenem Buch in der linken Hand. Links und rechts des lehnenlosen Thrones entsprossen dreiblättrige Pflanzentriebe dem schraffierten Erdreich. Die Christusdarstellung wird auf beiden Seiten von liegenden Mondsicheln mit sechsstrahligen Sternen darüber flankiert. Die Umschrift des Siegels lautet: „S(IGILLUM) CONVENTUS S(AN)C(TA)E TRINIT(ATIS) IN LUTREA“. Das mandelförmige Äbtissinnensiegel zeigt eine stehende weibliche Gestalt umgeben von der Umschrift „S(IGILLUM) MAGISTRE DE LUTREA“. Es stammt ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert.

Klosterbesitz mini|150px|Pachten, Pfarrkirche St. Maximin und die Vierzehn Nothelfer, Josefsaltar, Stiftung der Fraulauterner Äbtissin und Pachtener Patronatsherrin Johanetta von Wiltz (1617–1622); die Wappen ihrer Ahnen Wiltz und Bayr von Boppard flankieren die Predellazone Die Besitzungen der Abtei lagen weit verstreut in der gesamten Saargegend, besonders aber in der Umgebung Fraulauterns, aber auch in Lothringen, in der Umgebung der Bischofsstadt Trier an der Mosel sowie im Erzbistum Mainz. Durch fromme Schenkungen nahm der Besitz des Frauenklosters mit der Zeit ständig zu, was dem Ansehen und der Macht der adeligen Äbtissin von Fraulautern zugutekam.

Am wichtigsten war die Schenkung des Zehnten und des Patronates zu Schwarzenholz, den die Herren von Hunolstein im Jahr 1235 der Abtei schenkten. Diese Schenkung war der Grundstock zu der dem Kloster gehörenden späteren Reichsherrschaft.