mini|hochkant=1.4|, Ansicht von Nordwesten; im Hintergrund ein Teil der St. Michael’s Church mini|hochkant=1.4|Außenfassade des Ostflügels
ist eine Schlossruine in der schottischen Stadt Linlithgow etwa 25 Kilometer westlich von Edinburgh. Die Anlage war lange Zeit bevorzugter Wohnsitz der schottischen Könige und ist die älteste ihrer noch erhaltenen Residenzen. Sowohl Jakob V. als auch Maria Stuart kamen dort zur Welt.
Die Ruine steht am Ufer des Loch Linlithgow, von dem Stadt und Schloss ihren Namen haben. Die Bezeichnung resultiert aus den britannischen Ausdrücken llyn für loch, llaith für sowie cau für und bedeutet etwa „See in der feuchten Niederung“ (). Errichtet wurde die Anlage in fünf unterschiedlichen Bauphasen. Jakob I. von Schottland errichtete von 1424 bis 1437 den Ost- sowie einen kleinen Teil des Südflügels. In der Zeit von 1460 bis 1488 wurde unter Jakob III. der Südflügel verlängert und der Westflügel begonnen. Zwischen 1488 und 1513 ließ Jakob IV. den Westflügel vollenden und schloss das Geviert durch einen Nordflügel. Jakob V. verlegte den Hauptzugang an die Südseite und ließ dazu einen äußeren Torbau errichten. Auf ihn geht auch die Errichtung des Renaissancebrunnens im Innenhof der Anlage zurück. Jakob VI., seit 1603 auch König von England, ließ von 1618 bis 1624 schließlich den Nordflügel wiedererrichten, nachdem dieser 1607 eingestürzt war.
Viele schottische Königinnen zogen dieses Schloss auf dem Land den anderen großen Residenzen in den Städten wie Stirling oder Edinburgh vor, um dort ihre Kinder aufzuziehen. So wuchs neben Jakob V. auch die als „Winterkönigin“ bekannte Prinzessin Elisabeth in Linlithgow auf. Andere Königinnen wiederum nutzten den Palast als Witwensitz, darunter Margaret Tudor und Anna von Dänemark.
Ein Feuer im Jahr 1746 beschädigte den Palast stark und machte ihn zu einer Ruine. Diese befindet sich heute in der Obhut von Historic Scotland und steht als Bauwerk der Kategorie A seit dem 22. Februar 1971 unter Denkmalschutz. Der sie umgebende Park als auch Linlithgow Loch sind als Scheduled Monument eingestuft.
Geschichte
Vorgängerbauten
Bei Ausgrabungen gefundene Scherben von Irdenware deuten darauf hin, dass am Ort des heutigen Schlosses schon zu römischer Zeit eine Siedlung bestanden haben könnte. Für das Jahr 1124, also die Regierungszeit Davids I., ist in Linlithgow ein erstes, leicht befestigtes Gut im königlichen Besitz verbürgt, das von Davids Nachfolgern für Aufenthalte genutzt wurde, denn Malcolm IV. von Schottland und Wilhelm I. siegelten dort Urkunden. Dieses erste feste Haus nahm der englische König Eduard I. während seines Eroberungskriegs in Schottland ein und ließ es 1301/1302 zu einer Burg ausbauen sowie weiter befestigen. Linlithgow lag strategisch günstig zwischen Edinburgh und und war somit ein idealer Standort für eine militärische Basis, welche die Versorgung der englischen Truppen garantierte. Diese erste Burg Edwards war durch einen tiefen, künstlich angelegten Graben vom übrigen Teil des Ortes getrennt und wurde genannt, eine Bezeichnung, die auf den heutigen Park übergegangen ist und ursprünglich für eine hölzerne Palisade stand. Der Name gibt zugleich einen Hinweis auf die Beschaffenheit der Anlage, die mehrheitlich aus Holzbauten bestand. Federführend beim Um- und Ausbau für Eduard I. war James of St. George, nach dessen Plänen auch Harlech Castle erbaut wurde. Genau wie sein Vater nutzte auch Eduard II. von England die Burg in Linlithgow; so ist zum Beispiel ein dortiger Aufenthalt des Königs im Jahr 1310 bekannt.
Nach der gewonnenen Schlacht von Bannockburn gelang es einigen Dorfbewohnern unter der Führung eines Bauern namens William Bunncok die Burg zu erstürmen und den Engländern zu entreißen. Robert the Bruce ließ sie in der Folgezeit schleifen, sodass die Anlage bis etwa 1350 eine Ruine war. Dann ließ sie David II. wiederaufbauen, um sie als zeitweilige Residenz zu nutzen. Nach seinem Tod versammelten sich dort die drei Stände Schottlands und wählten Robert II. zu ihrem neuen König. Er und sein Sohn Robert III. investierten viel Geld in den Unterhalt der Burg, die jedoch 1424 durch ein großes Feuer, das auch einen Großteil der Stadt und die in Mitleidenschaft zog, zerstört wurde.
Neubau durch mehrere Generationen
mini|hochkant|Jakob I. (Bild eines unbekannten Künstlers aus dem 16. Jahrhundert) begann mit dem Bau des heutigen Palasts
König Jakob I. – erst kurz zuvor aus seiner langen Gefangenschaft in England zurückgekehrt – nahm dies zum Anlass, um ab 1425 einen Neubau errichten zu lassen. Dabei handelte es sich um den heutigen Ostflügel der Anlage mit einem reichdekorierten Portal und um einen kurzen, sich anschließenden Südflügel. Dieser war möglicherweise noch ein Überrest der alten Burg, die bei dem Brand vielleicht nicht vollständig zerstört worden war. Im Jahr 1429 waren die Arbeiten so weit gediehen, dass Jakob I. dort Regnault de Chartres, den Erzbischof von Reims empfangen konnte. Möglicherweise hatte der Bischofspalast von Winchester, den Kardinal Henry Beaufort, der Onkel der Königin Joan, hatte für sich bauen lassen, für die Form von Linlithgow Pate gestanden. Mit dem Tod des Königs 1437 kamen die Arbeiten vorerst zum Erliegen. Bis dahin hatte Jakob I. rund 7.000 Pfund in investiert, was immerhin ein Zehntel aller königlichen Einkünfte ausgemacht hatte.
Jakobs Sohn Jakob II. führte das Werk seines Vaters nicht fort, sondern erst dessen Enkel Jakob III. Dieser verlängerte den Südflügel zu seiner heutigen Länge und ließ einen kurzen Westflügel bauen. Die beiden Trakte wurden über einen Vierecksturm an der Südwest-Ecke miteinander verbunden. Unter Jakob IV. wurde die Anlage vollendet. Er verlängerte den Westflügel und gab ihr durch den Bau des Nordtrakts ihre heutige Gestalt einer geschlossenen Vierflügelanlage, deren Ecktürme ein Geschoss höher waren als die Trakte zwischen ihnen. Die neu errichteten Gebäudeteile dienten fortan als königliche Gemächer. Die ehemaligen Wohnräume im Südflügel ließ Jakob IV. um 1492 zu einer Kapelle umgestalten. Zusätzlich bekam dieser Trakt auf der Hofseite eine dreigeschossige Galerie vorgesetzt. Über neu errichtete Treppentürme in den vier Winkeln des Innenhofs waren alle Geschosse der vier Gebäudeflügel erreichbar. Auch eine um 1495 erbaute Barbakane an der äußeren Nordwest-Ecke des Schlosses ist Jakob IV. zuzuschreiben. Diese diente nicht nur militärischen Zwecken, sondern stützte auch den Ostflügel ab. Die rege Bautätigkeit des Königs in Linlithgow reihte sich nahtlos in zahlreiche weitere Bauunternehmungen Jakobs IV. ein: Während seiner Regierungszeit war er auch in Stirling und bauend tätig. In Edinburgh ließ er die Great Hall errichten und Rothesay Castle umgestalten. Zum Zeitpunkt seiner Hochzeit 1503 mit Margaret Tudor, der Tochter des englischen Königs Heinrich VII., müssen die Bauarbeiten in Linlithgow mehrheitlich abgeschlossen gewesen sein, denn er machte den Palast seiner Braut zum Geschenk. Zu jener Zeit existierte auch schon eine Gartenanlage mit Lust- und Nutzgarten westlich des Schlosses sowie ein die Anlage umgebender Park, der auch für Turniere und Schießübungen sowie als Bowling Green genutzt wurde. Außerdem befanden sich in dem Areal wahrscheinlich Wirtschaftsgebäude aus Holz, wie zum Beispiel Werkstätten und Pferdeställe.
Als Jakob V. den schottischen Thron bestieg, war er noch ein Kind. Die Regierungsgeschäfte wurden für ihn durch Regenten geführt. Linlithgow geriet für diese Zeit ins Hintertreffen gegenüber anderen königlichen Anlagen. Aber schon kurz nachdem Jakob V. damit begonnen hatte, selbst zu regieren, führte er diverse Veränderungen an der Anlage in Linlithgow durch. Um 1535 ließ er den Haupteingang an die Südseite verlegen und ihm 30 Meter entfernt einen äußeren Torbau vorsetzen. Im gleichen Zug wurde die äußere Südfassade symmetrischer gestaltet und der südöstliche Eckturm als Pendant zum Südwest-Turm erbaut. Das Ostportal blieb aber trotzdem noch bis in das 17. Jahrhundert als zeremonieller Eingang in Gebrauch. In die Mitte des Innenhofs ließ Jakob V. einen dreistöckigen, reich skulptierten Brunnen setzen, dessen Dekoration ein Zeichen der Macht, aber auch der Kultiviertheit und Güte des Königs sein sollte. Zahlreiche weitere Verschönerungen, besonders am bauplastischen Schmuck des Schlosses, ließ er durch den Steinmetz Thomas French (auch Fransh geschrieben) ausführen. Viele der Umgestaltungen und neuen Dekorationen gingen auf die Initiative von James Hamilton of Finnart, dem illegitimen Sohn des ersten Earls of Arran, zurück, der seit 1526 Burgvogt von Linlithgow war. Er hatte diverse Jahre auf dem europäischen Festland zugebracht und dort Vieles über Architektur und Befestigungstechnik gelernt.
Niedergang und Ruin
Obwohl im 16. Jahrhundert oft durch das jeweilige Königspaar genutzt wurde und zahlreiche kleine bauliche Veränderungen stattfanden, stand es im letzten Viertel jenes Jahrhunderts nicht gut um den Bauzustand der Anlage. Bereits 1583 warnte Sir Robert Drummond, der Jakobs VI., dass die Anlage stark baufällig und heruntergekommen sei. In einem Bericht vom Februar 1599 findet sich die Information, dass ein Viertel des Schlosses zu jener Zeit ruinös und der Rest stark reparaturbedürftig gewesen sei. Doch vom Königshaus wurde nichts unternommen, dem Verfall des Gebäudes Einhalt zu gebieten. Als Jakob VI. 1603 zudem als Jakob I. den englischen Thron bestieg und der Hof fast vollständig nach London umzog, verlor Linlithgow seinen Status als eine der Hauptresidenzen der schottischen Könige. Die Anlage wurde fortan zwar noch von einem Vogt verwaltet, aber für Aufenthalte des Hofs nur noch ganz selten genutzt. Am 6. September 1607 stürzte zwischen drei und vier Uhr morgens ein Großteil des Nordflügels ein, und es sollte elf Jahre dauern, ehe der König – anlässlich seines einzigen Besuchs in Schottland – 1617 einen Wiederaufbau anordnete. Die Bauarbeiten begannen 1618 und dauerten sechs Jahre. Leitender Steinmetz vor Ort war William Wallace, unter dessen Aufsicht eine der „schönsten Renaissancefassaden Schottlands“ erbaut wurde. Trotzdem nutzte das schottische Königshaus Linlithgow nicht mehr. Karl I. von England war der letzte König, der dort übernachtete (1. Juli 1633).
mini|Linlithgow Palace im Jahr 1782
Nachdem Oliver Cromwell die schottischen Truppen in der Schlacht bei Dunbar geschlagen hatte, schlug er im September 1650 mit seinen Soldaten in Linlithgow sein Lager auf und überwinterte dort. Er ließ die heruntergekommene Anlage sogar militärisch befestigen. Die Cromwellschen Erweiterungen ließ Karl II. jedoch zehn Jahre später wieder entfernen. 1668 wurde die Anlage als mehrheitlich ruinös beschrieben, trotzdem machte Bonnie Prince Charlie dort im Jahr 1745 kurz Station. Britische Truppen unter der Führung des Generals Henry Hawley fanden nach der verlorenen Schlacht von Falkirk im Januar 1746 in der Anlage Zuflucht. Um sich aufzuwärmen und ihre nassen Kleider zu trocknen, machten die Soldaten Feuer, das auf das Gebäude übergriff und es am Morgen des 1. Februars 1746 in einem großen Brand zerstörte. Der Magistrat der Stadt fühlte sich nicht dafür verantwortlich, das Feuer zu bekämpfen, und so kam es zu Plünderungen der Anlage durch die Bevölkerung, die mitnahm, was noch nicht durch die Flammen zerstört war. Seit diesem Unglück ist eine unbewohnte Ruine, die nie wieder zu Wohnzwecken genutzt wurde.
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