Bestensee ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Dahme-Spreewald im Land Brandenburg der Bundesrepublik Deutschland.

Geografie Die Gemeinde Bestensee – circa 35 Kilometer südöstlich des Berliner Stadtzentrums gelegen – erstreckt sich von Königs Wusterhausen im Norden bis zum Amt Schenkenländchen im Süden. Im Osten grenzt die Gemeinde Bestensee an die Gemeinde Heidesee und im Westen an die Stadt Mittenwalde. Das Gemeindegebiet umfasst eine Fläche von 3748 Hektar.

Innerhalb des Gemeindegebietes befinden sich insgesamt elf Seen mit einer Gesamtfläche von ca. 540 ha: Nördlich der Wohnbebauung an der Grenze zum Königs Wusterhausener Ortsteil Zeesen befindet sich das Seechen sowie östlich davon der Todnitzsee. Im Nordosten der Gemarkung liegen der Große und südlich davon der Kleine Tonteich. Westlich der Wohnbebauung in Klein Besten befinden sich der Kleinbestener See mit dem Bauernsee sowie südwestlich hiervon zwei Kiesseen, die nach der Einstellung des Kiesabbaus in den 1920er Jahren durch natürliche Grundwasserflutung entstanden, der Große und der Kleine Kiessee. Östlich, zwischen dem Gemeindekern und dem Ortsteil Pätz, liegen der Pätzer Vordersee sowie, durch die Liepe miteinander verbunden der südlich gelegene Pätzer Hintersee. Sie bildeten sich – wie auch der Todnitzsee, das Seechen und der Klein Bestener See – nach der letzten Weichseleiszeit. Im östlichen Teil der Gemarkung liegt, durch die Bundesstraße 179 vom Gemeindezentrum getrennt, der Pätzer Tonsee, in dem bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts Ton abgebaut wurde. Anschließend füllte sich auch dieser See mit Grundwasser. Der Glunz-Graben (Glunze), der auf 1,2 Kilometer Länge durch ein Auwaldgebiet fließt, verbindet Pätzer Vordersee und Todnitzsee.Gemeindeamt Bestensee (Hrsrg.): Bestensee – Ein Ort mit Tradition, Ausgabe 2013.

Die höchste Erhebung innerhalb des Gemeindegebietes ist der Kahlkopf am Ostufer des Pätzer Hintersees mit rund 77 Metern über NHN.

Gemeindegliederung Das Gebiet der Gemeinde besteht laut ihrer Hauptsatzung aus Bestensee und dem Ortsteil Pätz.Hauptsatzung der Gemeinde Bestensee (PDF; 33 kB)

Hinzu kommen die bewohnten Gemeindeteile Glunzbusch, Groß Besten, Hintersiedlung, Klein Besten und Vordersiedlung sowie die Wohnplätze Ausbau, Liepe, Marienhof und Neu Kamerun.

Geschichte und Etymologie Der Ort und sein Name lassen sich auf die slawische Siedlung „Bestwin“ zurückführen, was als „guter Holunder“ gedeutet wird. Noch im 21. Jahrhundert prägen Holundersträucher das Ufer des Klein Bestener Sees.

Frühzeit bis 15. Jahrhundert Archäologen fanden in den 1920er Jahren bei Ausgrabungen in der Pätzer Tongrube einige Handsteine und Faustkeile aus der Steinzeit. Diese Funde gelten als Nachweis dafür, dass die Region um Bestensee bereits vor über 9000 Jahren besiedelt war. Ebenso konnte ein Backenzahn eines Mammuts geborgen werden. Experten vermuten, dass die rundliche Form des Dorfkerns von Klein Besten ein Indiz für die Existenz eines slawischen Burgwalls ist, der dort vor über 1600 Jahren existiert haben soll. Sie fanden dort bei Ausgrabungen in den Jahren 2005 und 2008 die Überreste von Hausstellen, Siedlungsgruben sowie Brandstellen und Pfostenlöchern.Informationstafel: Erste Siedler im Ort vor über 2000 Jahren, aufgestellt am Dorfanger in Klein Besten, Dezember 2017. Um 1280 entstand das Dorf Groß Besten; die bestehende slawische Siedlung Bestwin wurde in Klein Besten umbenannt. Die Einwohner begannen im 14. Jahrhundert mit der Errichtung der Dorfkirche Bestensee, die 1375 eingeweiht wurde. Aus diesem Jahr stammt auch die erstmalige urkundliche Erwähnung Bestensees im Landbuch Karls IV. Zu dieser Zeit besaß ein Sigfried von Slyven ein Anwesen mit sechs Freihufen in Groß Besten, das sich zu einer späteren Zeit zu einem Rittergut entwickelte. Er verkaufte es vermutlich um 1417 an die Ritterfamilie derer Schenken von Landsberg und Seyda, die im 14. Jahrhundert durch den Kauf weiterer Siedlungen das Schenkenländchen formten. Die Schenken residierten zwar im Schloss Teupitz, doch ihr Einfluss war auch in Bestensee zu spüren. So wurde das Rittergut den Schenken untergeordnet; für die Nutzung der größeren Seen mussten die Einwohner in Bestensee Abgaben an die Schenken entrichten. Aus dieser Zeit ist auch eine Bockwindmühle, die Rudolfsmühle, nordwestlich von Groß Besten überliefert.

16. und 17. Jahrhundert Nach der Einführung der Reformation kam es im Jahr 1543 zu einem Streit zwischen der Kirchengemeinde in Schenkendorf und Groß Besten. Schenkendorf wurde dabei zur Pfarrkirche, die Kirche in Groß Besten zur Filialkirche. Im Dreißigjährigen Krieg wurde auch Bestensee schwer in Mitleidenschaft gezogen. Schwedische Truppen zogen plündernd und mordend durch die Gemarkung. Anschließend raffte die Pest viele der verbliebenen Einwohner dahin. Aus dem Jahr 1624 sind für Groß Besten noch 13 Bauern, ein Hirte sowie ein Schmied überliefert – 1652 waren es nur noch acht Hüfner und zwei Kötter. Ähnlich sah die Lage in Klein Besten aus. Die Bevölkerungsanzahl stieg in den darauffolgenden Jahrzehnten nur langsam an. Das Rittergut wurde von einem Theologen Müller erworben, nachdem die Schenken von Landsberg in finanzielle Not gerieten und ihre Ländereien verkaufen mussten. Doch auch er verkaufte den Ort wieder, was darauf hindeutete, dass die Ländereien nicht viel Gewinn abwarfen. Der neue Herrscher wurde Johann Friedrich Freiherr von Löben, der 1657 für 18.000 Reichstaler neben Groß und Klein Besten weitere Orte erwarb. Die wirtschaftliche Lage der Einwohner besserte sich und die Rudolfsmühle konnte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wieder ausreichend Korn mahlen. Sie bestand noch bis in das Jahr 1902.

18. und 19. Jahrhundert mini|Ehemalige Dorfschule („Rote Schule“) in Groß Besten 1701 gelangte die Region mit der Gründung Preußens an Friedrich Wilhelm I.; 1717 erwarb er von Curt Hildebrand Freiherr von Löben für 56.000 Taler Groß und Klein Besten, Krummensee, Pätz sowie Körbiskrug. Die Bauern aus diesen Orten wurden fortan bei Jagden als Treiber eingesetzt und transportierten die erlegten Tiere ins Jagdschloss nach Königs Wusterhausen. Außerdem mussten sie wöchentlich drei Tage Hand- und Spanndienste leisten. Etliche Bauern konnten diese Belastung nicht tragen und verarmten. Hinzu kamen Hungersnöte durch Unwetter oder andere Naturereignisse. Dazu zählten beispielsweise ein Winter mit extrem niedrigen Temperaturen im Jahr 1739/1740 oder mehrere Tierseuchen in den Jahren 1750 bis 1798. Friedrich II. setzte sich aber auch für eine Förderung des Weinanbaus ein.

Im Siebenjährigen Krieg mussten auch die Bewohner von Groß und Klein Besten als bäuerliche Kantonisten dienen. 1757 quartierten sich österreichisch-ungarische Truppen im Gebiet ein, die von den Einwohnern verpflegt werden mussten; 1760 war es ein russisches Armeekorps. Weitere Einquartierungen fanden 1806 statt, als französische Truppen nach Preußen eindrangen. 1812 marschierten bayerische und württembergische Truppen durch die Region. Wiederum wurde die Bevölkerung während der Befreiungskriege zum Militär herangezogen. 1888 gründete sich eine Freiwillige Feuerwehr. 1891 erhielt Groß Besten einen Anschluss an das Chausseenetz des Kreises. Fünf Jahre später errichteten Handwerker einen Damm und bauten darauf eine Straßenverbindung zwischen Groß und Klein Besten. Die Region erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung, nachdem an mehreren Orten mit dem Abbau von Bodenschätzen begonnen wurde. 1892 eröffnete die Kirchengemeinde einen neuen Friedhof in Klein Besten. Ein Jahr später endeten die Beerdigungen rund um die Kirche in Groß Besten. Am Westende der Gemarkung entstand auch hier ein neuer Friedhof.

Um 1900 wurde in großem Stil Ton abgebaut, in Ziegeleien gebrannt und als Baustoff insbesondere über die Bahnstrecke Berlin–Görlitz nach Berlin geliefert. Die Bevölkerung wuchs auf 494 Einwohner, die in 110 Haushalten lebten. Nördlich des Bestenseer Bahnhofs befand sich zu dieser Zeit eine Tonbahn genannte Verbindung, mit der der Baustoff abtransportiert wurde. 1878 entstand dadurch der Bahnhof in Groß Besten. In der Umgebung von Gräbendorf befanden sich weitere Tongruben und Ziegeleien mit einem weiteren Bahndamm, der ebenfalls in diese Hauptverbindung mündete. Seine Überreste sind im 21. Jahrhundert als Waldweg von der Bundesstraße 179 in Richtung Gräbendorf erkennbar.

20. Jahrhundert 1919 gründete sich der Fußballverein Groß Besten, gefolgt von einem Anglerverein, ein Männergesangsverein, ein Siedler- und Gartenbesitzerverein sowie ein Hausbesitzerverein. Hinzu kamen ein Turnverein sowie ein Theaterverein. Die Einwohnerzahl stieg auf 1266 Personen in 184 Häusern im Jahr 1925. Darunter waren auch viele Berliner, die sich ab 1920 in Groß Besten und Klein Besten ansiedelten bzw. dort ein zusätzliches Wochenendhaus erwarben. Auf diese Art entstanden die Pätzer Vordersee-Siedlung, die Pätzer Hintersee-Siedlung sowie die Glunsbusch-Siedlung in Groß Besten. Weitere Siedlungen entstanden an den Seeufern des Todnitzsees und Umgebung. Damit einher ging eine steigende Zahl an Gastwirtschaften, die teilweise auch Übernachtungsmöglichkeiten anboten.

Nach dem Ersten Weltkrieg existierten in Groß Besten eine Schule am Dorfplatz mit drei Klassenräumen sowie ein weiteres Schulgebäude neben der Kirche mit zwei Klassenräumen und einer Wohnung für den Lehrer. Kinder wohlhabender Eltern besuchten die Friedrich-Wilhelm-Oberschule in Königs Wusterhausen. Neben den Bildungseinrichtungen siedelten sich zahlreiche Handwerker im Ort an, darunter ein Schmied, eine Schlosserei, ein Bauunternehmen sowie eine Zimmerei und eine Werkstatt, die Fahrradreparaturen anbot. Ende der 1920er Jahre wurden die Einwohner von zwei Arztpraxen versorgt. 1939 gab es in Bestensee zwei land- und forstwirtschaftliche Betriebe, die mehr als 100 Hektar bewirtschafteten. Daneben gab es 17 Betriebe, die 20 bis 100 Hektar bewirtschafteten, 12 Betriebe mit 10 bis 20 Hektar, 17 Betriebe mit 5 bis 10 Hektar sowie 76 Kleinstbetriebe, die 0,5 bis 5 Hektar Land zur Verfügung hatten.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden bestehenden Parteien aufgelöst bzw. verboten. Es gründeten sich unter anderem ein NS-Kindergarten, das Deutsche Jungvolk, die Hitlerjugend, der Bund Deutscher Mädel sowie der Reichsarbeitsdienst (RAD). Das vom Kriegerverein erbaute Schützenhaus gelangte unter die Kontrolle des Nationalsozialismus; Bürgermeister wurde der NSDAP-Parteigenosse Hackbarth. Unter seiner Leitung wurden Einheiten des RAD zum Bau eines Entwässerungsgrabens, zum Straßenbau sowie zur Kulturarbeit eingesetzt.

Per Erlass des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg vom 7. Januar 1938 wurde die Gemeinde Klein Besten am 1. April 1938 in die Gemeinde Groß Besten eingegliedert. Zunächst sollte die neu gebildete Gemeinde den Namen Groß Besten führen. Für die neu gebildete Gemeinde wurde jedoch der Name Bestensee festgelegt.