Märtyrer, auch Martyrer (von bzw. ), sind Menschen, die um des Bekenntnisses ihres Glaubens willen leiden und dafür den Tod erdulden.

Die deutsche Übertragung Blutzeuge ist seit dem 17. Jahrhundert eingebürgert. Sie verdeutlicht den Unterschied gegenüber sogenannten Bekennern (), die für ihr christliches Bekenntnis unblutige Verfolgung wie zum Beispiel Haft und Verbannung erlitten. Als Protomärtyrer werden die jeweils ersten Märtyrer einer RegionUnter den neuen Heiligen sind auch die brasilianischen Protomärtyrer: „Erstlingsfrüchte der missionarischen Arbeit“ Agenzia Fides – Presseorgan der Päpstlichen Missionswerke vom 14. Oktober 2017, abgerufen am 20. Oktober 2024 oder einer Gemeinschaft bezeichnet.Weg der Franziskanischen Protomärtyrer, abgerufen am 20. Oktober 2024.Salesianische Protomärtyrer: Aloisius Versiglia und Kallistus Caravario Salesianer Bulletin online vom 23. Februar 2024, abgerufen am 20. Oktober 2024.

Christentum Entstehung des Begriffs Der fest geprägte Begriff Märtyrer taucht zum ersten Mal im Bericht vom Martyrium des Polykarp von Smyrna aus dem dritten Viertel des 2. Jahrhunderts auf. Die genaue Entstehung dieses fest geprägten Terminus ist noch ungeklärt.

Als sicher gilt, dass in den Schriften des Neuen Testaments martys immer den Wort- bzw. Glaubenszeugen, der vom Glauben an Jesus Christus Zeugnis ablegt, bezeichnet. Menschen, die um ihres Glaubens willen verfolgt wurden oder dafür starben, werden im Neuen Testament noch nicht als Märtyrer bezeichnet, auch wenn das, was später durch den Begriff Märtyrer beziehungsweise Martyrium beschrieben wird, schon im Neuen Testament berichtet wird (etwa beim Tod des Stephanus, ).

Um zu erklären, wie es zur Bezeichnung dieses Geschehens als Martyrium kommt, erwägt man unterschiedliche Einflüsse: Ob die Vorstellung eines Martyriums bereits für das frühe Judentum angenommen werden kann, ist umstritten. Entsprechende Erzählungen finden sich zwar in den Makkabäerbüchern, wobei der Märtyrer dort nicht als solcher bezeichnet ist. Das Martyrium ist Folge der Treue zum Gesetz (Tora); der Tod des Märtyrers wird als Sühne für das jüdische Volk gedeutet (; ). Es ist aber nicht auszuschließen, dass christliches Gedankengut an diesen Stellen in die Überlieferung zur Makkabäerzeit eingeflossen ist und sie überformt hat.Glen W. Bowersock: Martyrdom and Rome. University Press, Cambridge 1995, ISBN 0-521-46539-7, S. 10–13. Vielfach nimmt man einen Einfluss der Philosophie der Stoa, insbesondere des Philosophen Epiktet an. Das Martyrium ist hier ein besonders intensiver Fall des Zeugnisses des Philosophen: der wahre Philosoph lebt in der Haltung der Ataraxie, der Gleichgültigkeit gegenüber allen äußeren, sinnlich-körperlichen Einflüssen auf das eigene Leben. Das kann auch bedeuten im Falle der Auseinandersetzung mit einem Herrscher, dem der Philosoph hier widersprechen muss, den Tod hinzunehmen. Zwar zeigen sich inhaltlich und formal zahlreiche Parallelen zwischen der von Epiktet vertretenen Vorstellung eines „Philosophen-Martyriums“ und dem christlichen Märtyrerbegriff. Man kann aber nicht nachweisen, dass und wie diese Vorstellung auf den christlichen Märtyrerbegriff eingewirkt hat. Der Begriff martys kann im antiken Griechisch neben dem Wortzeugen auch den Tatzeugen bezeichnen. In diesem Sinne wurde der Begriff auch von Epiktet aufgegriffen. In dieser Verwendung begegnet er auch in den Schriften des Neuen Testaments (zum Beispiel ; ; ; ). Daher ist es auch möglich, dass sich der christliche Märtyrer-Begriff vom allgemeinen Griechisch seiner Zeit her ableiten lässt. Dann aber muss erklärt werden, wie sich die zu Grunde liegende Vorstellung vom Tatzeugnis durch den eigenen Tod entwickelt hat.

Während im 2. Jahrhundert der Märtyrertod im Martyrium des Polykarp durch den Begriff des Martyriums bezeichnet wird, entwickeln die Ignatianen (vgl. Ignatius von Antiochia † 107–110; die Datierungen der unter seinem Namen überlieferten Briefe liegen zwischen 100 und 170) eine Theologie des Martyriums: Der Tod des Märtyrers entspricht dem Leiden und dem Tod Christi. Durch den Tod wird der Märtyrer zum Jünger Jesu, er erwirbt im Tod mit Jesus Christus die Vollendung und Auferstehung. Polykarp führt die Kreuzigung Christi als ein Zeugnis gegen die Irrlehre des Doketismus an. So könnte sich erklären, wie es zur Ausprägung des Märtyrerbegriffs kommt.

Der Märtyrertod wurde als „Bluttaufe“ bezeichnet; sie sollte die Taufe, wenn diese noch nicht stattgefunden hatte, ersetzen und sofort zur Seligkeit führen.Zur Bluttaufe vgl. Meinolf Schumacher: Sündenschmutz und Herzensreinheit. Studien zur Metaphorik der Sünde in lateinischer und deutscher Literatur des Mittelalters. Fink, München 1996, ISBN 3-7705-3127-2, S. 580–587: Das Blut der Märtyrer (Digitalisat).

Erste christliche Jahrhunderte mini|Grab des hl. Märtyrers Almachus

Der erste christliche Märtyrer, der Protomärtyrer oder Erzmärtyrer, war Stephanus, der wegen seines Glaubens ca. 36/40 n. Chr. gesteinigt wurde . Seine Ermordung war das Signal zu einer großen Verfolgung der Christen in Jerusalem, an der sich Saulus besonders eifrig beteiligte.

Von den Martyrien zahlreicher frühchristlicher Märtyrer (zum Beispiel Thekla von Ikonium, Polykarp von Smyrna, Mauritius, Perpetua und Felicitas, Scilitanische Märtyrer, Cyprian von Karthago, Maximilianus von Numidien, Marcellus von Tanger) sind Märtyrerberichte bzw. literarisch bearbeitete Akten des Prozesses überliefert. Für die ersten Jahrhunderte stellen diese oft wertvolle historische Quellen dar; die späteren, seit dem 4. Jahrhundert entstandenen Märtyrerberichte (Gesta Martyrum) sind dagegen überwiegend legendär. Viele Märtyrerschriften ab dem 4. Jahrhundert entstanden im aristokratischen Milieu und sind als Motivationsschriften für die aristokratische Jungfräulichkeit und Keuschheit zu verstehen.Stefan Heid: Die Taufe in Rom nach den frühen römischen Märtyrerlegenden. In: Rivista di archeologia cristiana. Band 89, 2013, S. 217–252, hier: S. 220–231 (online).

In Ägypten spielte das christliche Märtyrertum eine herausragende Rolle für den Glauben, eine Tradition, die bis heute bewahrt wurde. So entwickelte sich am Grab des Soldaten Menas, der es verweigerte, den römischen Kaiser als Gott zu verehren, mit der Menasstadt das größte Wallfahrtszentrum des frühen Christentums. Wiederentdeckt wurde es durch den deutschen Archäologen Carl Maria Kaufmann im Jahr 1905. Es entstand eine herausragende kultische Anlage, die neben der von den Pilgern begehbaren Märtyrergruft sogar einen Komplex aufweist, der für den auf den altägyptischen Tempelschlaf zurückgehenden Heilschlaf genutzt wurde.Siegfried G. Richter: Das koptische Ägypten. Schätze im Schatten der Pharaonen. (mit Fotos von Jo Bischof). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2019, ISBN 978-3-8053-5211-6, S. 64–72. Noch heute ist diese Verehrung von Menschen, die für ihren christlichen Glauben starben, in der koptischen Kirche lebendig.Martin Mosebach: Die 21. Eine Reise ins Land der koptischen Märtyrer. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2018, ISBN 978-3-498-04540-1.

Evangelisch Infolge der Reformation kam es vermehrt dazu, dass Christen aufgrund ihres Glaubens getötet wurden. Der Evangelische Namenkalender listet viele von ihnen auf. Im Folgenden sind, chronologisch nach ihrem Sterbedatum geordnet, einige Beispiele für evangelische Märtyrer vor diesem Hintergrund aufgeführt.

mini|Verbrennung evangelischer Christen, darunter Antonio Herrezuelo, am 21. Mai 1559 in Valladolid

1415: Jan Hus, vorreformatorisch, wird aber bereits als evangelischer Märtyrer angesehen 1498: Girolamo Savonarola, wird als vorlutherischer Reformator angesehen 1523: Johannes van Esschen und Hendrik Vos, Augustiner aus Antwerpen, die ersten Märtyrer der Reformation 1524: Caspar Tauber, Tuchhändler und Verfasser reformatorischer Schriften, er "brannte für seinen Glauben",als erster österreichischer Blutzeuge enthauptet und verbrannt auf der Gänseweid in Wien. 1524: Heinrich von Zütphen, ehemaliger Augustinerprior in Antwerpen, dann Reformator in Bremen, in Dithmarschen verbrannt 1527: Johann Hüglin, Frühmessner (Pfarrer) in Sernatingen, vertrat evangelische Ansichten, in Meersburg verbrannt 1529: Adolf Clarenbach, Lehrer, und Peter Fliesteden, in Köln hingerichtet 1546: Pierre Leclerc, Wollkämmer in Meaux, evangelischer Hauptpastor, mit 14 Gefährten lebendig verbrannt 1553: 1) 16. Mai: Fünf Märtyrer von Lyon, nach Abschluss ihres Theologiestudiums im calvinistischen Lausanne in Lyon verbrannt 2) 5. September: Giovanni Mollio, Franziskaner, Theologieprofessor in Bologna und Reformator, mit dem Weber Tisserano verbrannt 1555: Laurence Saunders, Prediger in Northampton, wandte sich gegen die Religionspolitik Marias I., in Coventry verbrannt mini|Bartholomäusnacht am 24. August 1572 1559: 1) 13. März: Georg von Ghese, Kaufmann, Unterstützer einer evangelischen Gemeinde in Genf, bei einem Besuch in Mailand verbrannt 2) 21. Mai: Antonio Herrezuelo, Advokat in Toro, mit 14 Gefährten beim ersten Autodafé in Valladolid vor 200.000 Zuschauern verbrannt 3) 24. September: Maria de Bohorques, nahm an evangelischen Hausbibelkreisen in Sevilla teil, mit 19 Gefährten erwürgt und verbrannt 1560: Luigi Pasquali, Waldenser-Prediger, im Beisein von Papst Pius IV. in Rom öffentlich hingerichtet 1568: Leonor de Cisnere, Ehefrau Herrezuelos, widerrief zunächst ihren evangelischen Glauben, bekannte diesen später aber wieder 1572: Gaspard II. de Coligny und 3000 Gefährten (Bartholomäusnacht, bekanntestes Pogrom gegen evangelische Christen) 1629: 1) 26. März: Johannes Bissendorf, Pastor in Gödringen, nach der Rekatholisierung des Hildesheimer Stiftsgebietes hingerichtet 2) 14. August: Georg Balthasar, Bauer in Tmáň (Tmain) im heutigen Tschechien, reformatorischer Bußprediger, wegen der Austeilung des Abendmahls enthauptet 1687: 24 Märtyrer von Eperjes, evangelische Bürger, als angebliche Verschwörer im Zuge der Gegenreformation verstümmelt, enthauptet und gevierteilt 1702: Isaak le Febvre, Jurist in Nevers, starb an schlechten Haftbedingungen, kann also auch als Bekenner eingestuft werden, der Fall erregte internationales Aufsehen 1728: Alexandre Roussel, Wanderprediger der reformierten Untergrundkirche („Kirche der Wüste“) in den Cevennen, in Montpellier erhängt 1746: Matthias Desubas, seiner Verhaftung 1745 folgte das Massaker von Vernoux, 30 Tote, 200 bis 300 Verletzte

Täuferbewegung mini|Hubmaier-Gedenktafel

An die 1000 historisch erfasste Täufer, von ihren Gegnern als Wiedertäufer oder Anabaptisten bezeichnet, ließen im 16. und 17. Jahrhundert aufgrund ihrer Glaubensüberzeugungen ihr Leben.Vgl. dazu Auszug aus dem Märtyrerspiegel. englisch; eingesehen am 22. Februar 2009. Als einer der ersten Märtyrer der Täuferbewegung gilt Felix Manz, der am 5. Januar 1527 in der Limmat bei Zürich ertränkt wurde. Weitere bekannte Märtyrer waren Balthasar Hubmaier, Jörg Blaurock und Michael Sattler. Der mennonitische Märtyrerspiegel führt etwa 800 täuferische Märtyrer namentlich auf. Das Geschichtbuch der Hutterischen Brüder beschreibt auf rund 670 Seiten viele Einzelschicksale täuferischer Märtyrer.Rudolf Wolkan (Hrsg.): Geschicht-Buch der Hutterischen Brüder. Wien 1923. Im vorangestellten Register des Buches findet sich auf S. XXXII ff. eine chronologische Zusammenstellung der beschriebenen Täuferschicksale; auf S. 182 ff. findet sich eine Tafel der Märtyrer im Zeitraum 1527 bis 1544. Die Täuferforschung geht davon aus, dass die dokumentierte Opferzahl mindestens verdoppelt werden muss. Aber auch damit ist das ganze Ausmaß der Verfolgungen nicht beschrieben. Täufer wurden ihres Besitzes beraubt, außer Landes verwiesen und in die Sklaverei verkauft. Nur wenige Landesherren gewährten den Täufern – oft nur vorübergehend – Schutz. An den Verfolgungen waren die römisch-katholische Kirche, die lutherische und reformierte Geistlichkeit gleichermaßen beteiligt.