Der Landkreis Prignitz ist ein Landkreis im äußersten Nordwesten des Landes Brandenburg. Er ist nach der historischen Landschaft Prignitz benannt.

Geografie Der Landkreis hat eine abgelegene Randlage innerhalb Brandenburgs. Über die Hälfte seiner Kreisgrenze ist gleichzeitig die Außengrenze des Landes Brandenburg. Er grenzt an nur einen anderen brandenburgischen Landkreis, aber an drei andere Länder: Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

Nachbarkreise sind im Norden der mecklenburg-vorpommersche Landkreis Ludwigslust-Parchim, im Osten der brandenburgische Landkreis Ostprignitz-Ruppin, im Süden der sachsen-anhaltische Landkreis Stendal und im Westen der niedersächsische Landkreis Lüchow-Dannenberg.

Gemeinden

Nach Abschluss der Gemeindegebietsreform umfasst der Landkreis 26 Gemeinden, darunter sieben Städte (Einwohnerzahl am ):

Amtsfreie Städte Perleberg () Pritzwalk () Wittenberge () Weitere amtsfreie Gemeinden Groß Pankow (Prignitz) () Gumtow () Karstädt () Plattenburg ()

Ämter und zugehörige Gemeinden (Sitz der Amtsverwaltung *) 1. Bad Wilsnack/Weisen () Bad Wilsnack, Stadt * () Breese () Legde/Quitzöbel () Rühstädt () Weisen ()2. Lenzen-Elbtalaue () Cumlosen () Lanz () Lenzen (Elbe), Stadt * () Lenzerwische ()3. Meyenburg () Gerdshagen () Halenbeck-Rohlsdorf () Kümmernitztal () Marienfließ () Meyenburg, Stadt * ()Putlitz-Berge () Berge () Gülitz-Reetz () Pirow () Putlitz, Stadt * () Triglitz ()

Geschichte Der Landkreis Prignitz wurde im Zuge der brandenburgischen Kreisreform am 6. Dezember 1993 durch Vereinigung der ehemaligen Kreise Pritzwalk (mit Ausnahme der damaligen Gemeinden Blumenthal, Grabow und Rosenwinkel, die in den Landkreis Ostprignitz-Ruppin eingegliedert wurden) und Perleberg (einschließlich der Gemeinden des heutigen Amtes Lenzen-Elbtalaue, die bis zum 31. Juli 1992 zum Landkreis Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern gehört hatten, mit Ausnahme der Gemeinde Cumlosen, die schon vorher zum Kreis Perleberg gehörte) und den Gemeinden Barenthin, Dannenwalde, Demerthin, Döllen, Granzow, Gumtow, Kolrep, Kunow, Schrepkow, Vehlin, Vehlow und Wutike des Amtes Gumtow des ehemaligen Kreises Kyritz gebildet. Name und Sitz des Landkreises wurde mit dem Prignitz-Gesetz vom 22. April 1993 bestimmt.

Von 1818 bis 1952 gehörte das heutige Kreisgebiet zum Landkreis Ostprignitz und zum Landkreis Westprignitz mit Sitz in den Kreisstädten Kyritz und Perleberg.

Bevölkerungsentwicklung Der Landkreis Prignitz hat mit 35,6 Einwohnern/km² die geringste Besiedlungsdichte in Brandenburg. In Deutschland hat nur der Altmarkkreis Salzwedel mit 35,1 Einwohnern/km² eine noch geringere Besiedlungsdichte (2023).

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerentwicklung des Landkreises Prignitz seit seiner Bildung im Jahr 1993.

Jahr Einwohner 1993 103.740 1995 101.421 2000 95.701 2005 88.340 2010 82.023 2015 77.573 Jahr Einwohner 2020 76.096 2021 75.574 2022 76.322 2023 76.148 2024 75.595 2025 74.942 Gebietsstand und Einwohnerzahl am 31. Dezember des jeweiligen JahresHistorisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Prignitz. S. 8–9Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 1, A II 4. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg. (jeweilige Ausgaben des 4. Quartals), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Kreistag

Partei / Gruppierung Stimmen 2014 Stimmen 2019 Stimmen 2024 Sitze 2014 Sitze 2019 Sitze 2024 AfD 1,0 % 13,3 % 24,1 % 1 6 11 CDU 25,2 % 19,0 % 19,2 % 12 9 9 SPD 23,8 % 19,1 % 14,7 % 11 9 7 Bauern und ländliche Region 13,8 % 11,2 % 13,4 % 6 5 6 Die Linke 18,1 % 12,5 % 8,1 % 8 6 4 BVB/Freie Wähler 6,2 % 10,5 % 7,7 % 3 5 3 Bündnis 90/Die Grünen 4,9 % 7,4 % 3,6 % 2 3 2 FDP 6,9 % 6,6 % 2,3 % 3 3 1 Bürger für Bürger – – 1,9 % – – 1 III. Weg – – 1,5 % – – 1 Bürgerbündnis Prignitz – Vernunft und Gerechtigkeit – – 1,5 % – – 1 Bürgerstimme für die Prignitz – – 1,1 % – – – Tierschutzpartei – – 0,9 % – – –

Landrat 1993–2014: Hans Lange (CDU) 2014–2022: Torsten Uhe (parteilos) seit 2022: Christian Müller (SPD)

Am 11. Mai 2014 fand die erste Direktwahl eines Landrats im Landkreis Prignitz statt. Der von der SPD aufgestellte und von der Partei Die Linke unterstützte parteilose Torsten Uhe setzte sich dabei bereits im ersten Wahlgang mit 64,1 % der gültigen Stimmen gegen seine Mitbewerber durch – bis dahin ein Novum im Land Brandenburg. Am 8. Mai 2022 wurde Christian Müller mit 65,5 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt. Seine Amtszeit beträgt entsprechend § 126 der Kommunalverfassung des Landes Brandenburg acht Jahre.

Wappen Das Wappen wurde am 14. März 1994 genehmigt.

Blasonierung: „In Rot über Silber durch Wellenschnitt geteilt; oben eine goldbewehrte, flugbereite silberne Gans begleitet von acht einen oben offenen Halbkreis bildenden silbernen Perlen, unten ein rotbezungter, schreitender schwarzer Wolf.“Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg

Bedeutung: „Die Schildteilung Rot über Silber zeigt die Farben des Landes Brandenburg. Der Wellenschnitt weist auf die Lage an der Elbe. Die flugbereite Gans erinnert an das Geschlecht der Gans Edlen Herren zu Putlitz, die im 12. Jahrhundert gemeinsam mit dem Bischof von Havelberg in der Prignitz das Christentum und die deutsche Kultur einführten und ländliche Kolonisation betrieben. Ihr Symbol kehrt im Wappen der Stadt Putlitz wieder und stand früher auch für Wittenberge. Der Perlenkranz steht für die Kreisstadt Perleberg, der Wolf für die bisherige Kreisstadt Pritzwalk.“Wappen des Landkreises Prignitz Landkreis Prignitz

Die Wappen der Ämter, Städte und Gemeinden des Landkreises findet man in der Liste der Wappen im Landkreis Prignitz.

Flagge Die Flagge ist schwarz-weiß (1:1) gestreift und mittig mit dem Kreiswappen belegt.Hauptsatzung des Landkreises Prignitz. (PDF; 98 kB) Stand 10. Dezember 2015, abgerufen am 9. September 2017.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Prignitz Platz 399 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „sehr hohen Zukunftsrisiken“. Der Landkreis zählte damit zu den strukturschwächsten Gebieten des Landes. Der Zukunftsatlas 2019 listet den Landkreis Prignitz auf Platz 395.

Der wirtschaftliche Charakter der Region wird geprägt durch die landwirtschaftliche Produktion und Verarbeitung, klein- und mittelständische Industrie, Handwerk und Gewerbe in den verschiedensten Bereichen sowie einen breiten Dienstleistungssektor.

Als regionale Schwerpunkte der wirtschaftlichen Entwicklung sind der durch das Land Brandenburg ausgewiesene Regionale Wachstumskern Perleberg-Wittenberge-Karstädt und die Region um Pritzwalk/Falkenhagen zu betrachten.

Insgesamt elf vollständig erschlossene Gewerbegebiete für die gewerbliche Wirtschaft sind im Landkreis Prignitz ausgewiesen.

Verkehr Der Landkreis Prignitz hat Anschluss an die Bundesautobahnen A 24 und A 14 sowie die Bundesstraßen B 189 und B 5, die sich in Perleberg kreuzen, die Bundesstraßen B 103 und B 107, die sich in Pritzwalk kreuzen, sowie über die B 195 und die B 321.

Der Busverkehr im gesamten Landkreis wird durch die ARGE Prignitzbus durchgeführt. Das Busnetz ist hierarchisch gegliedert, viele Dörfer des Landkreises werden mehrmals täglich von Rufbussen bedient. Die Bus-Hauptachsen werden im Taktverkehr befahren.Fahrpläne für den Busverkehr im LK Prignitz Der Schienenverkehr wird durch die Deutsche Bahn AG, die Ostdeutsche Eisenbahn und die Hanseatische Eisenbahn erbracht, Knoten für alle Linien ist der Bahnhof Wittenberge. Für Bus und Bahn gilt ein einheitlicher Tarif (Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg).

Bis etwa 1970 waren die beiden Vorgängerkreise durch ein umfangreiches Netz normal- und schmalspuriger Strecken der Kleinbahnen der Kreise Ost- und Westprignitz erschlossen.

Schutzgebiete Im Landkreis befinden sich 35 ausgewiesene Naturschutzgebiete (Stand Februar 2017).

Kfz-Kennzeichen Am 1. Januar 1994 wurde dem Landkreis das Unterscheidungszeichen PR zugewiesen und seitdem ausgegeben.

Bis etwa zum Jahr 2000 erhielten Fahrzeuge aus den Altkreisen besondere Erkennungsnummern:

Gebiet Buchstaben Zahlen Altkreis Perleberg A bis S 1 bis 999 AA bis SZ Altkreis Pritzwalk T bis Z TA bis ZZ

Eingliederungen und Zusammenschlüsse von Gemeinden In der Tabelle sind die Eingliederungen und Zusammenschlüsse von Gemeinden seit der Bildung des Landkreises am 5. Dezember 1993 erfasst.Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Prignitz, S. 34–37. Gemeinde DatumEingliederung von nachZusammenschluss von zu Bad Wilsnack 31.12.2001 Grube Bad Wilsnack Breese 26.10.2003 Groß Breese Brese Groß Pankow 31.12.2002 BaekBoddin-LangnowGroß PankowGroß WoltersdorfHelleKehrbergKlein GottschowKuhbierKuhsdorfLindenbergRetzinTüchenVettinWolfshagen Groß Pankow Gülitz-Reetz 31.12.2001 GülitzReetz Gülitz-Reetz Gumtow 30.06.2002 BarenthinDannenwaldeDemerthinDöllenGörikeGranzowGroß WelleGumtowKolrepKunowSchönebeckSchönhagenSchrepkowVehlinVehlowWutike Gumtow Halenbeck-Rohlsdorf 31.12.2001 HalenbeckRohlsdorf Halenbeck-Rohlsdorf Karstädt 31.12.2001 BlüthenDallminGroß WarnowKarstädtKribbeLaaslichPremslinReckenzin Karstädt Karstädt 31.12.2002 GarlinMankmußPröttlin Karstädt Karstädt 26.10.2003 BoberowNebelin Karstädt Kümmernitztal 31.12.2001 Grabow-BuckowPreddöhl Kümmernitztal Legde/Quitzöbel 31.03.2002 LegdeQuitzöbel Legde/Quitzöbel Lenzen 26.10.2003 EldenburgMellen Lenzen Lenzerwische 26.10.2003 BesandtenWootz Lenzerwische Marienfließ 31.12.2001 FrehneJännersdorf KrempendorfStepenitz Marienfließ Meyenburg 31.12.2001 Schmolde Meyenburg Perleberg 06.12.1993 DergenthinQuitzowSükow Perleberg Pirow 31.12.2001 Hülsebeck Pirow Plattenburg 31.12.2001 BendelinGlöwenHoppenradeKleinowKletzkeKrampferNetzowViesecke Plattenburg Pritzwalk 06.12.1993 Schönhagen Pritzwalk Pritzwalk 31.12.2001 Giesensdorf Pritzwalk Pritzwalk 31.12.2002 Alt KrüssowBeveringenBuchholzFalkenhagenKemnitzMesendorfSadenbeck SeefeldSteffenshagenWilmersdorf Pritzwalk Putlitz 31.12.2001 LaaskeLockstädtLütkendorfMansfeldNettelbeckPorepPutlitzSagastTelschow-Weitgendorf Putlitz Triglitz 31.12.2001 MertensdorfSilmersdorfTriglitz Triglitz Wittenberge 01.12.1997 Bentwisch Wittenberge

Sonstiges Im Kreisgebiet wird gelegentlich ostniederdeutsches Platt gesprochen.

Der altpolabische Name Przegnica, beziehungsweise dessen ursprüngliche Form Pregynica, der etwa mit „ungangbares Waldgebiet“ oder „schwer passierbare Gegend“ zu übersetzen wäre, stammt von den slawischen Lutizen, Drevanen und Hevellern und geht auf die Zeit von vor 1100 zurück.

Literatur Alfred Götze: Die vor- und frühgeschichtlichen Denkmäler des Kreises Ostprignitz. In: Die Kunstdenkmäler der Prov. Brandenburg. Die vor- und frühgeschichtlichen Denkmäler. Berlin 1907, 68 S., 2 Tafeln, 37 Abb. im Text Alfred Götze: Die vor- und frühgeschichtlichen Denkmäler des Kreises Westprignitz. In: Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg. Berlin 1912, 68 S., 2 Tafeln, 79 Abbildungen im Text A. Rinck, H. Engel, R. Gädcke: Bilder aus der Geschichte der Prignitz, [Ältere Steinzeit, Burgwälle, Germanisierung, Gründung, der Städte, Christianisierung, Der Adel, u. a., jeweils mit Abb.] Wittenberge (Bez. Potsdam) 1925 Walther Matthes: Urgeschichte des Kreises Ostprignitz. (herausgegeben vom Kreisausschuß des Kreises Ostprignitz). Curt Kabitzsch, Leipzig 1929 Walther Matthes: Die Germanen in der Prignitz zur Zeit der Völkerwanderung – Im Spiegel der Urnenfelder von Dahlhausen, Kuhbier und Kyritz. Curt Kabitzsch, Leipzig 1931