mini|hochkant|Die Polarregion aus Richtung der Erdachse (Meereis in der Bildbearbeitung entfernt)

Der Nordpol ist – als einer von zwei geografischen Polen – im allgemeinen Sprachgebrauch der nördlichste Punkt der Erde. Er entspricht dem nördlichen Drehpunkt der Erdachse und wird auch als geographischer Nordpol bezeichnet. Daneben gibt es den arktischen Magnetpol, den arktischen geomagnetischen Pol und den Nordpol der Unzugänglichkeit.

Geographische Lage Derzeit liegen die drei verschiedenen Pole der nördlichen Hemisphäre bei jeder Definition im Arktischen Ozean (auch Nordpolarmeer genannt) bzw. auf dessen Inseln. Mit Verschiebung des Erdmagnetfeldes ändert sich die Lage des arktischen Magnetpols und des arktischen geomagnetischen Pols.

Die vier Pole der nördlichen Hemisphäre Geographischer Nordpol mini|Forschungscamp auf dem arktischen Packeis am geographischen Nordpol, besucht von zwei Flugzeugen der Canadian Coast Guard auf einem Erkundungsflug

Der geographische Nordpol (1) ist der nördlichste Punkt der Erde und gemäß der Definition des geographischen Poles der Schnittpunkt der Erdachse mit der nördlichen Erdoberfläche. Der geographische Nordpol ist der Antipode des geographischen Südpols und hat eine feste Position bei der geographischen Breite von , was generell für Himmelskörper mit einer Rotationsachse gilt. Somit richtet sich der Blick von hier aus in der Waagrechten nur nach einer Himmelsrichtung: nach Süden. Der Nordpol hat keine eindeutige geographische Länge. Das gilt jedoch nur für den Punkt und nicht für die Blickrichtung, die eindeutig ist. Der geographische Nordpol liegt auf der Nordamerikanischen Platte, jedoch nicht auf Festland, sondern auf einer 2 bis 3 m dicken schwimmenden Eisdecke. Darunter liegt das Nordpolarmeer, welches an dieser Stelle 4087 m tief ist.mini|Presseisrücken am geographischen Nordpol, 17. April 1990

Nahe dem Zenit steht über dem geographischen Nordpol der Polarstern in nur 42' Abstand (2008) und die Sonne geht hier vom 21. März bis zum 23. September nicht unter (Polartag). Es folgen langsamer Sonnenuntergang, mehrwöchige Dämmerung, mehrere Monate Polarnacht, mehrwöchige Morgendämmerung und langsamer Sonnenaufgang.

Da sich die Lage der Erdachse langfristig verlagert, ist der geografische Nordpol keineswegs ortsgebunden. Zwischen dieser langfristigen Bewegung des geografischen Nordpols und der Massenumverteilung im Rahmen der globalen Erwärmung besteht dabei ein enger Zusammenhang.Chen, J. L., Wilson, C. R., Ries, J. C., & Tapley, B. D. (2013). Rapid ice melting drives Earth’s pole to the east. Geophysical Research Letters, 40(11), 2625–2630. Geodätische Beobachtungen der Polbewegung aus dem Weltraum zeigen, dass die durchschnittliche jährliche Polposition nach einer längeren Bewegung in Richtung des westlichen Grönlands ab etwa 2005 nach Osten zu driften begann, was eine abrupte Abweichung von der im letzten Jahrhundert beobachteten Driftrichtung darstellt. Schwerkraftmessungen mithilfe von Satelliten ergeben, dass etwa 90 % dieser Änderung auf das beschleunigte Abschmelzen der Eisdecken und Berggletscher und den damit verbundenen Anstieg des Meeresspiegels zurückzuführen sind. Der Effekt ist allerdings sehr klein und keinesfalls mit der weiter unten beschriebenen Verschiebung des Magnetpols vergleichbar: Die Polverschiebung beträgt nur etwa 3 Millimeter pro Jahr.

Arktischer Magnetpol

Der arktische Magnetpol (2) ist jener Punkt der nördlichen Hemisphäre, an dem die magnetischen Feldlinien des Erdmagnetfelds vertikal zur Erdoberfläche in die Erde eintreten. Es handelt sich im physikalischen Sinne um einen magnetischen Südpol.

Die üblichen Kompasse, deren Nadel nur um die vertikale Achse drehbar ist, können sich innerhalb des Radius von circa 2000 km um den Magnetpol nicht mehr nach Norden ausrichten, weil dort die waagerechte Komponente des Erdmagnetfelds für die Anzeige zu schwach ist. Ein speziell für solche Messungen konstruierter Kompass – ähnlich einem Schiffskompass – zeigt am arktischen Magnetpol gemäß den Gesetzen des Magnetismus mit seiner „Norden“-Markierung senkrecht nach unten.

Erstmals aufgesucht wurde der arktische Magnetpol am 1. Juni 1831 von James Clark Ross nahe Kap Adelaide, Boothia-Halbinsel, Kanada; seinerzeit wurden als Koordinaten ermittelt.

Bei einer Expedition des Geological Survey of Canada im Jahre 2001 wurde seine Position ermittelt und die jährliche Wanderung bis zum Jahr 2005 hochgerechnet. Im April 2007 wurde die Position erneut bestimmt. Eine spätere Bestimmung auf Grundlage von Messdaten der Swarm-Satelliten ergab für das Jahr 2019 eine Lage des arktischen Magnetpols bei 86,60° nördlicher Breite und 171,66° östlicher Länge.Giuseppe Regi, Domenico Di Mauro, Stefania Lepidi: The Location of the Earth's Magnetic Poles From Circum-Terrestrial Observations. In: Journal of Geophysical Research: Space Physics. Band 126, Nr. 4, 2021, doi:10.1029/2020JA028513. Nach dem World Magnetic Model lag der arktische Magnetpol 2025 rechnerisch bei 85,762° nördlicher Breite und 139,298° östlicher Länge.

mini|400px|Wanderung des arktischen Magnetpols: berechnete Positionen sind blau, gemessene rot.

Jahr Geographische Koordinaten 1996 2001 2002 2003 2004 2005 2007 2019 2025modelliert

Der arktische Magnetpol ist also nicht ortsfest, sondern verlagert sich ständig nach einem mehrschichtigen Muster.

Von Jahr zu Jahr wandert er in einer grob vorhersagbaren Weise; in den vergangenen Jahrzehnten bewegte er sich von der kanadischen Arktis in Richtung Sibirien. Nachdem sich seine Bewegung zeitweise auf mehr als 50 km pro Jahr beschleunigt hatte, verlangsamte sie sich nach Angaben des British Geological Survey bis zur Veröffentlichung des World Magnetic Model 2025 auf etwa 35 km pro Jahr. Betrag und Richtung der jährlichen Verlagerung sind nicht langfristig konstant. Laut einer Studie aus dem Jahr 2020 bewegt sich der magnetische Nordpol innerhalb des folgenden Jahrzehnts aufgrund von Änderungen an der Kern-Mantel-Grenze wahrscheinlich um ca. 500 km (390–660 km) weiter in Richtung Sibirien.

Die sich stetig verändernde Abweichung von geographischem Nordpol und arktischem Magnetpol (Deklination) macht für Zwecke der Navigation regelmäßige Anpassungen der Umrechnung für Navigationshilfsmittel wie Karten und Funkfeuer notwendig (Kursbeschickung).

Der arktische Magnetpol wandert täglich auf einer elliptischen Bahn um seine mittlere Position.

Störungen des Erdmagnetfeldes können den Magnetpol – solange die Störung dauert – um bis zu 50 km von seiner mittleren Position verlagern.

Im Lauf der Erdgeschichte hat sich das Magnetfeld der Erde mehrmals umgepolt. Diese Polsprünge konnten durch die Ausrichtung von Eisenablagerungen in Sedimenten verschiedener Tiefen nachgewiesen werden. Einige Wissenschaftler sehen in der oben genannten Beschleunigung der jährlichen Verlagerung ein Indiz für eine langfristig bevorstehende Umpolung der Erde.

Arktischer geomagnetischer Pol Der arktische geomagnetische Pol (3) auf der nördlichen Halbkugel ist ein theoretischer Pol des unregelmäßigen Erdmagnetfeldes, dem die Annahme entspricht, dass sich im Erdmittelpunkt ein Stabmagnet befände. Er lag 2010 bei etwa auf der Darling-Halbinsel der zu Kanada gehörenden Ellesmere-Insel.

Jahr Geographische Koordinaten 2008 2009 2010 2011 2012 2013

Beim Vergleich der Koordinaten von arktischem Magnetpol und antarktischem Magnetpol fällt auf, dass sich die beiden Magnetpole weniger genau gegenüberliegen als die geomagnetischen Pole. Der eigentliche Unterschied zwischen den Magnetpolen und den geomagnetischen Polen besteht darin, dass die Magnetpole durch Messungen bestimmt werden und die geomagnetischen Pole durch Berechnungen. Die geomagnetischen Pole sind nicht ortsfest; sie folgen einem ähnlichen Bewegungsmuster wie die Magnetpole.

Nordpol der Unzugänglichkeit Siehe Sonstiges, Trivia

Gegensätzlichkeit von physikalischer und geographischer Bezeichnung der magnetischen Pole mini|Magnet im ErdinnerenUrsprünglich wurde dasjenige Ende einer Magnetit­nadel, das in Richtung geographischer Norden zeigte, Nordpol der Nadel genannt. Damals hatte man noch keine Kenntnis von dem dahinter liegenden Mechanismus. Erst sehr viel später wurde man sich dessen bewusst, dass diese von der Physik übernommene Benennung dazu führte, dass die Erde in Richtung des geographischen Nordpols physikalisch gesehen einen magnetischen Südpol hat, und in Richtung geographischer Südpol den magnetischen Nordpol.

Allerdings wird die Stelle an der Erdoberfläche, an der die Feldlinien des Erdmagnetfeldes senkrecht eintreten (physikalisch verstanden als „der Pol, der der magnetische Südpol der Erde ist“), in geographischen Zusammenhängen fast immer als „magnetischer Nordpol“ bezeichnet (geographisch verstanden als: „der magnetische Pol, der im Norden liegt“). Um Missverständnisse zu vermeiden, könnten zwar die eindeutigen geographischen Begriffe „Arktischer Magnetpol“ und „Antarktischer Magnetpol“ verwendet werden. Diese Bezeichnungen werden aber nur sehr selten genutzt (obwohl sie angesichts der physikalischen Polaritätswechsel über geologische Zeiträume hinweg sinnvoll sind). In der Regel wird mit „magnetischer Nordpol“ in einem geographischen Zusammenhang immer der magnetische Pol nahe dem geographischen Nordpol bezeichnet.

Erforschung

mini|Eine Karte von Gerhard Mercator von 1595 stellt den Nordpol als biblisches Land dar, aus dem vier Flüsse entspringen. Solange niemand den Nordpol erreicht hatte, wurden Spekulationen über sein Erscheinungsbild angestellt. Seit dem Mittelalter behaupteten Geografen, anknüpfend an die antike Vorstellung vom paradiesischen Land „Hyperborea“ im höchsten Norden, in der Arktis würde ein mildes und lebensfreundliches Klima herrschen. Bis ins 19. Jahrhundert gingen Fachleute von einer polaren Aufhängung oder Verankerung des Globus aus. Einige nahmen an, dass am Nordpol die Erdachse sichtbar wäre. Andere glaubten, dass die Abflachung der Erdkugel zur Entstehung eines Vulkans geführt habe, der von der Arktis aus das Strömungssystem der Ozeane antrieb.mini|Schilder mit Entfernungen vom Nordpol zu den Heimatorten von Besatzungsmitgliedern; aufgestellt auf einer Eisscholle am Nordpol anlässlich seines Erreichens durch den schwedischen Eisbrecher Oden und das deutsche Forschungsschiff Polarstern am 6. September 1991

Erstmals wurde der geographische Nordpol nach eigenen Angaben von den US-amerikanischen Forschern Robert Edwin Peary und Matthew Henson sowie den Inughuit Iggiánguaĸ (1883–1918, in Pearys Aufzeichnungen Egingwah), Sigdluk (1883–1927, Seeglo) und Uvkujâĸ (1880–1921, Ooqueah) unter der Führung von Iggiánguaĸs Bruder Ôdâĸ (1880–1955, Ootah) am 6. April 1909 erreicht. Es gilt jedoch nicht als wissenschaftlich gesichert, dass diese Gruppe den Pol tatsächlich erreicht hat. Pearys Aufzeichnungen sind hierfür nicht ausreichend genau und Matthew Henson berichtet in seinen Memoiren, er sei kurz vor Expeditionsleiter Peary am Nordpol gewesen und habe diesen dort getroffen. Gemeinsam habe man die Frage klären wollen, wer wohl als Erster am Pol gewesen sei. Zu dieser Klärung ist es jedoch offenbar nie gekommen. Die grönländischen Begleiter Pearys nannten den Nordpol qimmersoriartorfissuaq, den Ort, an dem man gezwungen ist, seine Hunde zu essen.Bryan u. Cherry Alexander: Eskimo – Jäger des hohen Nordens. (aus dem Englischen von Susanne Stephan) Belser, Stuttgart, Zürich 1993, ISBN 3-7630-2210-4. S. 6.

Außer den Vorgenannten nahm auch Frederick Cook für sich in Anspruch, als Erster den Nordpol erreicht zu haben, und zwar bereits am 21. April 1908, also ein Jahr vor Peary. Peary startete daraufhin eine Kampagne, um die Glaubwürdigkeit von Cook zu untergraben. Ein zentraler Teil dieser Kampagne war es, Cooks angebliche Erstbesteigung des Denali als Lüge anzuprangern (Cook erstieg den Berg tatsächlich nicht). Auch andere Ungereimtheiten lassen darauf schließen, dass Cook nie in der Nähe des Nordpols war.