mini|Kirche Guthirt, Ansicht von Südwesten Die Kirche Guthirt ist die römisch-katholische Pfarrkirche des Zürcher Stadtteils Wipkingen.

Geschichte mini|Detail über dem Hauptportal Die Kirche Guthirt wurde in den Jahren 1922/1923 als achte katholische Kirche nach der Reformation in der Stadt Zürich durch den Architekten und späteren Stadtrat Anton Higi (1885–1951) erbaut.Rainald Fischer, in: Guido Kolb: 100 Jahre St. Peter und Paul. S. 190. Guthirt war die erste Kirche in einer Reihe von weiteren Kirchbauten dieses Architekten. Am 7. Oktober 1923, nur eineinhalb Jahre nach der Grundsteinlegung, fand die Einsegnung der Kirche durch den Churer Bischof Georg Schmid von Grüneck statt.Henri Truffer: Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich. S. 162. Die relativ kurze Bauzeit erklärt sich durch den Umstand, dass ein „Hilfsprogramm zur Beschäftigung von Arbeitern“ der Stadt Zürich in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit für dieses grosse Bauprojekt hinzugezogen werden konnte. Die Kooperation mit der Stadt machte den Bau der Kirche für den katholischen Kirchenbauverein auch finanziell tragbar.Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Katholische Kirchen der Stadt Zürich. Bestandesverzeichnis Denkmalpflege der Stadt Zürich. S. 48.

Guthirt ist eine Tochterpfarrei der Liebfrauenkirche und wurde per Dekret am 11. November 1933 von Bischof Laurenz Matthias Vincenz zur eigenständigen Pfarrei erhoben. Im selben Jahr wurde das Pfarrhaus erbaut.Henri Truffer: Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich. S. 162.

Im benachbarten Höngg gründete die Pfarrei Guthirt die Tochterpfarrei Heilig Geist. Auf dem Baugrund an der Brunnwiesenstrasse wurde die erste Heilig-Geist-Kirche nach Plänen von Karl Strobel, der auch die Kirche Erlöser in Riesbach entworfen hatte, gebaut. Die Kirche Heilig Geist wurde am 6. Oktober 1940 eingesegnet. Der Churer Bischof Christian Caminada erhob Heilig Geist per Dekret vom 20. November 1942 zu einer eigenständigen Pfarrei und trennte sie von Guthirt ab.Franz Bösch: Wipkingen. Seine Kirchen im Laufe der Zeit. Splitter aus dem Pfarreileben von Guthirt. S. 113 und 121

Neben der Kirche Guthirt und dem Pfarrhaus befand sich das Haus Neuhof, in dem sich vor dem Bau der heutigen Kirche eine Notkirche sowie weitere Räumlichkeiten befunden hatten. Das für die wachsende Pfarrei zu eng gewordene Haus wurde 1961 samt der alten Sakristei abgerissen und durch das Pfarreihaus genannte Pfarreizentrum von Architekt Karl Higi, dem Sohn des Erbauers der Kirche, ersetzt. Dieser Bau bildet zusammen mit dem Pfarrhaus und der Kirche einen Innenhof, der sich auf der südöstlichen Seite der Kirche befindet. In den Jahren 2006/2007 wurde das Pfarreizentrum durch den Architekten Richard Späh umgebaut und der Verbindungstrakt zwischen Pfarreizentrum und Pfarrhaus durch einen Neubau für das Pfarrbüro ersetzt. Abgerufen am 30. Juni 2013.

In den Jahren 1976/1977 wurde die Kirche nach Plänen von Architekt Rudolf Mathys saniert und neu gestaltet. Um weitere Räume zu gewinnen, wurde hierbei die Treppe vor dem Hauptportal durch einen niedrigen Betonbau ersetzt, der unter der Treppe Räume für Vereine und den Religionsunterricht enthält.Franz Bösch: Wipkingen. Seine Kirchen im Laufe der Zeit. Splitter aus dem Pfarreileben von Guthirt. S. 152–153. In den Jahren 2018 bis 2019 wurde die Kirche durch Schäublin Architekten in Zusammenarbeit mit der städtischen Denkmalpflege umfassend saniert.Website Schäublin Architekten. Abgerufen am 18. Oktober 2022.

Mit ihren 4'026 Mitgliedern (Stand 2021) ist Guthirt eine der mittelgrossen römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich.Katholische Kirche im Kanton Zürich. Jahresbericht 2021. S. 106.

mini|hochkant|Der Kirchturm Baubeschrieb Kirchturm und Glocken mini|Glocken Die Kirche Guthirt steht mit der Turmfassade bergseitig an der Nordstrasse. Bis zum Anbau der Sakristei 1961 und den Unterrichtsräumen unterhalb des Kirchturms 1976 bis 1977 war die Kirche freistehend.Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Katholische Kirchen der Stadt Zürich. Bestandesverzeichnis Denkmalpflege der Stadt Zürich. S. 48–50. Der Kirchturm, der über dem Hauptportal erbaut wurde, bestimmt das Äussere des Gotteshauses. Eine breite Treppe führt zum Kirchportal hinauf, über dem ein Relief Jesus als den Guten Hirten darstellt. Dieses Relief wurde 1930 vom Bildhauer Alphons Friedrich Magg (1891–1967) geschaffen.Robert Schönbächler: Kirchen und Gotteshäuser der Stadt Zürich. Neujahrsblatt Industriequartier/Aussersihl. S. 105. Der Portalvorbau mit den vier Säulen und den entsprechenden an der Fassade anliegenden Doppelpilastern wurde samt den Kapitellen und den Medaillons von Otto Münch Zürich, gestaltet.Linus Birchler: Die Guthirt-Kirche in Zürich-Wipkingen. S. 5.

Am 2. Juni 1933 wurden die sechs Bronzeglocken von H. Rüetschi, Aarau, gegossen. Bischof Laurenz Matthias Vincenz weihte das Geläut am 25. Juni 1933.Robert Schönbächler: Kirchen und Gotteshäuser der Stadt Zürich. Neujahrsblatt Industriequartier/Aussersihl. S. 105

Glocke Gewicht Ton Widmung Inschrift 1 5015 kg As° Guthirt «Ich bin der gute Hirt, die Schafe kennen mich, weil sie meine Stimme hören.» 2 3612 kg B° Joseph «Hl. Joseph, hilf uns zu einem unschuldigen Leben und sei unser mächtiger Schutzpatron im Sterben.» 3 2015 kg des' Maria «Bei meinem Klange erinnere sich das Volk Mariens.» 4 1444 kg es' Theresia «Was ich gewünscht, sehe ich, was ich gehofft, geniesse ich, im Himmel bin ich bei ihm, den ich auf Erden innigst geliebt habe.» 5 1085 kg f' Anna «Allmächtiger Gott, gewähre gütigst durch die Fürsprache der hl. Anna unseren Familien Deine Hilfe.» 6 636 kg as' Schutzengel «Ihre Engel schauen immer das Angesicht meines Vaters, der im Himmel ist.»

Konzeption der Kirche mini|Blick durchs Schiff zum Chor mini|Guthirt, Innenansicht „Die Kirche ist eines der Wahrzeichen Wipkingens und als solches konzipiert. Die Westfassade mit dem Mittelturm ist bewusst monumental gestaltet.“Linus Birchler: Die Guthirt-Kirche in Zürich-Wipkingen. Zitiert nach: Franz Bösch: Wipkingen. Seine Kirchen im Laufe der Zeit. Splitter aus dem Pfarreileben von Guthirt. S. 40. Die Kirche ist ein Longitudinalbau mit einem Turm in der Hauptachse über dem Kirchenportal. Das dahinter liegende Kirchenschiff tritt im Vergleich zur Westfassade mit dem Kirchturm in seinen Dimensionen deutlich zurück und wurde schlicht gestaltet.Linus Birchler: Die Guthirt-Kirche in Zürich-Wipkingen. S. 3.

Die neuobarocke, sich dem Klassizismus nähernde Kirche bildet ein Pendant zur Josefskirche im Industriequartier. Anton Higi, der Architekt von Guthirt, war bei der Errichtung von der Kirche St. Josef in den Jahren 1912 bis 1914 als Bauleiter mitbeteiligt gewesen.Robert Schönbächler: Kirchen und Gotteshäuser der Stadt Zürich. Neujahrsblatt Industriequartier/Aussersihl. S. 11 und 105.

Vergleicht man die drei von Anton Higi in Zürich erbauten Kirchen Guthirt, Bruder Klaus und St. Martin, erkennt man, wie sich der Architekt von der Idee einer Kirche als Längsbau hin zu einer Kirche als Zentralbau bewegte. Hintergrund dieser Entwicklung ist die Forderung der Liturgischen Bewegung nach einer tätigen Teilnahme der Gläubigen an der Liturgie, was zur Folge hatte, dass die räumliche Trennung von Zelebranten und übriger Gottesdienstgemeinde aufgehoben werden sollte.Brentini: Die katholische Kirche St. Martin in Zürich-Fluntern. S. 19–21. Johannes von Acken forderte in diesem Zusammenhang: „Weitung des Hauptraumes, Verkürzung und Verbreiterung des Chores, Verzicht auf Säulen und Pfeiler, die den Blick hemmen.“Johannes von Acken: Christozentrische Kirchenkunst. Zitiert nach: Brentini: Die katholische Kirche St. Martin in Zürich-Fluntern. S. 21.

Innenraum und künstlerische Ausstattung mini|Blick zur Orgelempore Hinter dem Hauptportal befindet sich im Kirchturm eine Vorhalle, das als quadratisches Atrium gestaltet wurde. Links und rechts vom Hauptportal wurden zwei Holzskulpturen angebracht, die den Heiligen Antonius und den Pfarrer von Ars darstellen. Auf der linken Seite der Vorhalle wurde eine Gebetsnische angefügt, die ursprünglich die Taufkapelle war. Ein Glasfenster, das 1977 nach einem Entwurf von Rudolf Mathys gestaltet wurde, erhellt die Gebetsnische. Vor diesem Fenster steht eine aus Holz geschnitzte Pietà. Gegenüber auf der rechten Seite der Vorhalle führt eine Treppe an einem weiteren von Rudolf Mathys gestalteten Fenster zur Krypta hinab. Geradeaus öffnet sich die Vorhalle mit einem rundbogigen Portal zur Kirche. Die Kapitelle in der Vorhalle zeigen altchristliche Symbole (Fisch, Taube, Anker, Lamm) und stammen vom Bildhauer Julius Schwyzer.Linus Birchler: Die Guthirt-Kirche in Zürich-Wipkingen. S. 7.

Der Kirchraum bildet ein Langrechteck, das sich aus fünf gleichlautenden Jochen zusammensetzt. Das Chor schliesst mit einer Korbbogen-Apsis und ist etwas eingezogen. Die Überleitung vom Kirchenschiff zum Chor geschieht durch eine Schweifung des Grundrisses, wie sie im 18. Jahrhundert von den Luzerner Baumeistern Jakob Singer und Niklaus Purtschert angewendet wurden.Linus Birchler: Die Guthirt-Kirche in Zürich-Wipkingen. S. 7. Die Joche im Hauptschiff werden durch eingezogene Streben getrennt, in die Durchgänge eingebrochen wurden, sodass an den Längsseiten schmale Seitenschiffe gebildet werden. Die Orgelempore befindet sich über dem Zugang von der Vorhalle zur Kirche und ruht auf zwei Säulen.

Das Kircheninnere wird von einer Längstonne im Hauptschiff und von niedrigeren Quertonnen von Strebe zu Strebe abgeschlossen. Die eingezogenen Streben sind mit Pilastern verkleidet, welche das wenig vorspringende Hauptgebälk tragen, das um Schiff und Chor herumgeführt wird. An der Chorwand sind Arkadenreihen als Nischen weitergeführt. Die Wölbung des Hauptschiffes wird durch Gurten gegliedert.Linus Birchler: Die Guthirt-Kirche in Zürich-Wipkingen. S. 7–8. Auf dem Gewölbe finden sich neben monochromen Darstellungen christlicher Symbole (Kranich, Lamm, Kelch, Fisch) zwei Gemälde mit der Darstellung der Bergpredigt und des Bibelworts «Lasset die Kinder zu mir kommen».

Grosse Bogenfenster lassen das Tageslicht in die Kirche fallen. Seit der Renovation von 1976/1977 zeigen die Glasfenster die Symbole der zwölf Apostel. Sie wurden nach einem Entwurf von Rudolf Mathys gestaltet. Die Fenster im Chor enthalten ältere Darstellungen von E. Schweri. Das linke Chorfenster zeigt St. Agnes, das rechte Johannes den Täufer.Franz Bösch: Wipkingen. Seine Kirchen im Laufe der Zeit. Splitter aus dem Pfarreileben von Guthirt. S. 51.

Beim Bau der Kirche 1923 wurden bereits folgende künstlerischen Elemente eingebaut: Säulenkapitelle, Taufstein und weitere plastische Ornamente im Innenraum, welche vom Bildhauer Otto Münch gefertigt wurden.Franz Bösch: Wipkingen. Seine Kirchen im Laufe der Zeit. Splitter aus dem Pfarreileben von Guthirt. S. 39.

In den Jahren nach der Einweihung wurde die Kirche weiter künstlerisch ausgestaltet. So folgten 1941 die Gemälde in der Taufkapelle von Robert Schiess. Zwei Skulpturen, die den Hl. Petrus und den Hl. Paulus darstellten, stammten von Payer und Wiplinger, Einsiedeln und wurden 1943 in der Kirche aufgestellt. Abgerufen am 30. Juni 2013.

1942 erhielt die Kirche einen neuen Hochaltar sowie eine Kommunionbank. Im gleichen Jahr schuf August Wanner die Altarblätter für den Hoch- und für die Seitenaltäre. Auf dem Blatt für den Hochaltar wird der Gute Hirt gezeigt, auf dem Blatt für den linken Seitenaltar die Muttergottes mit dem Jesuskind, das Blatt für den rechten Seitenaltar stellte Josef bei der Arbeit als Schreiner dar; ihm hilft Jesus, der als Knabe dargestellt wurde.Franz Bösch: Wipkingen. Seine Kirchen im Laufe der Zeit. Splitter aus dem Pfarreileben von Guthirt. S. 119.