mini|Inge Hannemann (2013) Inge Hannemann (* 21. April 1968 in Hamburg) ist eine deutsche Bloggerin, Hartz-IV-Kritikerin und ehemalige Politikerin. Von 2015 bis zur Niederlegung ihres Mandats im Juli 2017 war sie Abgeordnete in der Hamburger Bürgerschaft und gehörte dort der Linksfraktion an.
Leben Hannemann absolvierte Ausbildungen als Speditionskauffrau, Netzwerkadministratorin und Arbeitsvermittlerin., Minute 01:00, Minute 01:00 Sie studierte Journalismus,Die Welt, 23. April 2013: Systemgegnerin – Die Hartz-IV-Rebellin im Jobcenter ist Mitglied von Ver.di, war fünf Jahre Mitglied bei den Jusostaz.de: „Mit zehn habe ich Brecht gelesen“ und ist Fürsprecherin eines bedingungslosen Grundeinkommens.YouTube.com: Daniel Bakir: Hartz-IV-Rebellin Inge Hannemann "Hartz IV gehört abgeschafft", Stern vom 27. Februar 2014. Sie engagiert sich in der Hamburger Kommunalpolitik. Obwohl sie zu diesem Zeitpunkt nicht Mitglied der Partei Die Linke war, In: Elbe Wochenblatt. Abgerufen am 27. Mai 2014. wurde sie über deren Bezirksliste im Mai 2014 in die Bezirksversammlung Altona gewählt.Bezirksversammlungswahl 2014 statistik-nord.de. Abgerufen am 27. Mai 2014. Bei der Bürgerschaftswahl 2015 kandidierte sie auf Platz 13 der Landesliste und erlangte mit 7570 personenbezogenen Stimmen ein Mandat für die 21. Hamburgische Bürgerschaft.Endergebnis der Bürgerschaftswahl am 15. Februar 2015 hamburg.de. Abgerufen am 7. März 2015. In der Bürgerschaft gehört sie dem Eingabenausschuss an. Sie war Sprecherin für Arbeitsmarkt der Linksfraktion.Die Abgeordneten der Linksfraktion in der 21. Wahlperiode linksfraktion-hamburg.de. Abgerufen am 25. März 2015. Am 10. Mai 2017 wurde bekannt, dass Hannemann ihr Mandat in der Hamburger Bürgerschaft aus gesundheitlichen Gründen zum 31. Juli niederlegen und sich aus der Politik zurückziehen wird., Zeit Online, 10. Mai 2017. Am 6. September 2020 erklärte sie ihren Austritt aus der Partei Die Linke. Im Oktober 2023 trat sie wieder in die Linke ein.
Hannemann ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter.
Kontroverse um Sanktionspraxis Hannemann war ab 2005 Mitarbeiterin beim Jobcenter Hamburg-Altona. . Auf: stern.de am 11. Juni 2013. Presseberichten zufolge weigerte sich Hannemann über Monate hinweg, bei Regelverstößen Sanktionen zu verhängen.Felix Horstmann: Inge Hannemann will Hartz IV kippen. In: Hamburger Morgenpost. 7. Juni 2013. Hannemann bestreitet diesen Vorwurf und gibt an, Sanktionen lediglich in begründeten Einzelfällen zurückgenommen zu haben.RTL: Frühmagazin Punkt 6 vom 14. Juni 2013, ab 00:30:01. Ob eine Sanktion überhaupt verhängt werden müsse, liege im Ermessen des Sachbearbeiters.Hannes Lintschnig: Querulantin oder Kämpferin. „Mit zehn habe ich Brecht gelesen“. Interview. In: taz. 10. Mai 2013. Zudem kritisierte Hannemann in ihrem Blog einige Umgangsweisen mit Beziehern von Arbeitslosengeld II sowie diesbezügliche Vorgaben. Aus diesen Gründen wurde sie im April 2013 durch ihren Arbeitgeber mit sofortiger Wirkung vom Dienst freigestellt und erhielt Hausverbot.. Auf: ndr.de am 14. Juni 2013. Eine ihr angebotene Versetzung auf eine Stelle ohne Kundenkontakt im Bezirksamt Eimsbüttel lehnte Hannemann ab. Sie versuchte vielmehr durch eine Klage vor dem Hamburger Arbeitsgericht durchzusetzen, wieder als Arbeitsvermittlerin beschäftigt zu werden.Jürgen Dahlkamp: Widerstand aus Zimmer 105 in SPON vom 22. April 2013. Der Eilantrag Hannemanns auf Weiterbeschäftigung wurde vom Arbeitsgericht am 30. Juli 2013 jedoch abgewiesen. Pressemitteilung. In: justiz.hamburg.de, Amtsgericht Hamburg, 30. Juli 2013, abgerufen am 30. Juli 2013. Im Hauptsacheverfahren wurde der für den 11. Juli 2014 anberaumte Kammertermin einen Tag zuvor durch das Gericht aufgehoben, nachdem die Stadt Hamburg die Abordnung von Hannemann an das Jobcenter zum 1. August 2014 widerrufen hatte, um sie sodann an anderer Stelle vertragsgemäß weiterzubeschäftigen. Gegen die Beendigung der Zuweisung zum Jobcenter und Übertragung einer Tätigkeit als Sachbearbeiterin im Referat Integrationsamt wendete sich Hannemann erfolglos mit einem Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung. Urteil des Landesarbeitsgericht Hamburg vom 20. November 2014, 7 SaGa 4/14 Im Dezember 2014 stimmte Hannemann einem Vergleich zu und ist seitdem im Integrationsamt tätig.Inge Hannemann: Vom Gerichtssaal in die Hamburger Bürgerschaft. shz.de, 24. Februar 2015. Abgerufen am 25. März 2015.
Hannemann war die erste Mitarbeiterin eines deutschen Jobcenters, die sich öffentlich kritisch gegen die Arbeitsmarktpolitik der Agenda 2010 zu Wort meldete.Gina Bucher: Die sture Sachbearbeiterin. In: taz.de. Die Bundesagentur für Arbeit erklärte noch während des laufenden arbeitsrechtlichen Verfahrens in einer Pressemitteilung, dass es die behaupteten Missstände nicht gebe und Hannemann tausende Mitarbeiter in den Jobcentern gefährde. Auf: arbeitsagentur.de am 14. Juni 2013. Sie habe sich nur den falschen Job ausgesucht.Stefan Kubon: Auf: publikative.org am 30. Juli 2013. Hannemann widersprach und gab an, sie könne ihre Kritik mit Dokumenten belegen.Marian Krüger: Petition für Inge Hannemann. Auf: neues-deutschland.de am 19. Juni 2013.Gegendarstellung – Pressemitteilung der Bundesagentur für Arbeit vom 14. Juni 2013. In: altonabloggt.wordpress.com, 14. Juni 2013.
Am 20. November 2013 wurde die von Inge Hannemann am 23. Oktober 2013 eingereichte Petition „Arbeitslosengeld II – Abschaffung der Sanktionen und Leistungseinschränkungen (SGB II und SGB XII)“ auf der Petitionsseite des Deutschen Bundestages aufgenommen. Um das Quorum zu erreichen, wurden 50.000 Unterschriften benötigt. Am 16. Dezember 2013 wurde diese Grenze erreicht.Petition 46483. In: epetitionen.bundestag.de, Deutscher Bundestag, 23. Oktober 2013.Reinhard Schwarz: Hartz IV prallt ab. In: neues-deutschland.de, 3. Dezember 2013. Am 17. März 2014 wurde die Petition von Inge Hannemann im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages in einer öffentlichen Sitzung behandelt.Kein Verzicht auf Sanktion bei ALG II: Petitionen zu Hartz IV und Künstlersozialkasse (Mediathek): https://dbtg.tv/cvid/3200880 Im Mai 2015 erschien im Rowohlt Verlag ihr Buch Die Hartz-IV-Diktatur. Eine Arbeitsvermittlerin klagt an. Angereichert mit einer Reihe von Beispielfällen aus ihrer Zeit als Fallbearbeiterin bei der ARGE schilderte Hannemann die persönlichen Folgen, welche die Hartz-IV-Sanktionen bei Betroffenen auslösen. Darüber hinaus unterzog sie die Arbeitsvermittlungspraktiken der Jobcenter einer grundsätzlichen Kritik und beschrieb mögliche Alternativen zu den aktuell praktizierten Vermittlungs- und Repressionspraktiken.Die „Hartz-IV-Rebellin“ kämpft weiter. Axel Schröder, Deutschlandfunk, 14. Januar 2015.
Im März 2016 war Hannemann Mitbegründerin des Vereins Sanktionsfrei e. V.
In einem Interview sagte Hannemann im Juli 2016: „Schwierig ist es da bei vielen Politikern, ihnen zu erklären, was Menschenwürde ist.“ Das Bürgergeld-Modell der FDP im Rahmen der Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen bezeichnete sie als „Pseudo-Modell“.Erwerbslose kennen häufig ihre Rechte nicht. Der Freitag vom 28. Juli 2016, S. 20.
Auszeichnungen Am 14. September 2013 wurde Hannemann mit dem taz-Panter-Preis 2013 für Zivilcourage ausgezeichnet.taz Panter Preis 2013 für Inge Hannemann, Joss Mondo, freitag.de, 16. September 2013. Am 7. März 2014 erhielt sie den Clara-Zetkin-Frauenpreis 2014 der Partei Die Linke. Am 8. Mai 2015 erhielt Hannemann das Marburger Leuchtfeuer für Soziale Bürgerrechte der Humanistischen Union und der Stadt Marburg.Verleihung des Marburger Leuchtfeuer für Soziale Bürgerrechte an Inge Hannemann, Humanistische Union, 8. Mai 2015.
Veröffentlichungen mit Beate Rygiert: Die Hartz-IV-Diktatur. Eine Arbeitsvermittlerin klagt an. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2015, ISBN 978-3-499-63065-1.
Hörfunkberichte Rainer Schwochow: „Betriebsstörung“ – Eine Angestellte der Arbeitsagentur kämpft gegen Hartz IV. In: SWR2 Tandem vom 7. Oktober 2013, 10:05 Uhr DRadio Wissen: Konstantin Zurawski und Sebastian Sonntag im Gespräch mit Inge Hannemann (Audiofile, MP3; 24,4 MB; ca. 51 Min.) Thomas Koch: in WDR5 Redezeit vom 27. August 2013
Weblinks
inge-hannemann.de Inge Hannemann nominiert für den taz Panther Preis 2013 In: taz.die tageszeitung Inge Hannemann über Hartz IV:"Über Reformieren brauchen wir uns gar nicht unterhalten."
Einzelnachweise
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