Die Samaritaner sind eine Religionsgemeinschaft, die ebenso wie das Judentum die Tora als Heilige Schrift betrachtet. Ihr religiöses Zentrum ist nicht Jerusalem, sondern der Berg Garizim im Westjordanland. Die Tora sieht eine religiöse Leitung des Volkes Israel durch einen Hohepriester () vor. In der Antike gab es parallel sowohl jüdische als auch samaritanische Hohepriester. Im Judentum endete die Abfolge der Hohepriester aber mit der Zerstörung Jerusalems durch die römische Armee unter Titus im Jahr 70 n. Chr. Die Samaritaner hingegen behielten das Amt des Hohepriesters bis in die Gegenwart bei. Ihrer Überlieferung nach ist der 2013 eingeführte Hohepriester Abdel V. der 133. Träger eines Amts, das mit Aaron, dem Bruder des Mose, begonnen habe.
Amt des Hohepriesters Seit 1623/24 wird das Hohepriesteramt in einer Familie, die sich auf Aarons Enkel Itamar zurückführt, weitergegeben. Nach dem Tod eines Hohepriesters geht das Amt an den jeweils ältesten Mann dieser Familie, sofern dieser nicht eine Ehe eingegangen ist, die ihn vom Hohepriesteramt ausschließt (vgl. ).
Der samaritanische Hohepriester hat in der Gegenwart folgende Aufgaben:The Samaritans: The Samaritan High Priests
Er entscheidet alle religionsgesetzlichen Fragen. Er leitet die religiösen Zeremonien auf dem Berg Garizim. Er bestätigt alle Heiraten und Scheidungen innerhalb der samaritanischen Gemeinde. Er veröffentlicht jährlich den liturgischen Kalender der Samaritaner. Er bestätigt einen Beitritt zur samaritanischen Gemeinde. Er ernennt die Vorsänger und die rituellen Schlachter der Gemeinde. Er repräsentiert die Gemeinschaft der Samaritaner nach außen.
Historische Überlieferungen der Samaritaner Die Samaritaner besitzen verschiedene historische Werke, die vom Pentateuch ausgehend die Geschichte der Religionsgruppe bis in die Neuzeit behandeln: ’Asāṭir (etwa 11. Jahrhundert n. Chr.), Tôlîdā (12. Jahrhundert), das samaritanische Buch Josua, das von Abū l’Fatḥ verfasste Geschichtswerk Kitāb al-Tarîkh (14. Jahrhundert), die samaritanische Chronik II. (19. Jahrhundert) und die Chronik Adler (20. Jahrhundert). Der 1916 verstorbene Hohepriester Jakob I. kopierte oder kompilierte ein Werk mit dem Titel „Traditionskette“, das Moses Gaster als Manuskript vorlag und von ihm für seine Liste samaritanischer Hohepriester neben älteren Quellen genutzt wurde.Moses Gaster: The Chain of Samaritan High Priests: A Synchronistic Synopsis, 1909, S. 399.
Namen der Hohepriester nach samaritanischer Tradition Die folgende Liste gibt die Namen und Amtszeiten nach Reinhard Pummer wieder.Reinhard Pummer: An Update of Moses Gaster’s «Chain of Samaritan High Priests», Berlin / Boston 2018, S. 154–172. Pummer verwendet bei dem Namen des Hohepriesters eine Schreibweise, die sich bei den Trägern biblischer Namen an der englischen Bibel orientiert, während er beim vollen Namen (letzte Spalte) eine stärker wissenschaftliche Umschrift wählt. Entsprechend haben biblische Namen in dieser Tabelle die im Deutschen übliche Schreibweise (Loccumer Richtlinien).
Die traditionelle Zählung beginnt mit dem ersten nachbiblischen Hohepriester Scheschai. Sie weicht in der Reihenfolge in einigen Fällen von der Liste ab, die Moses Gaster und Reinhard Pummer aufgrund der alten samaritanischen Quellen erstellt haben, und enthält zusätzliche Namen (hier kursiv).