Eichgraben ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im niederösterreichischen Bezirk St. Pölten, Mitglied der Wienerwald-Initiativregion und zertifizierte Klimabündnis-Gemeinde.

Geografie mini|Hauptportal der röm.-kath. Herz-Jesu-Friedenskirche „Wienerwalddom“ mit einer Kreuzigungsgruppe aus St. Margarethener Kalksandstein von Adolf Treberer-Treberspurg. mini|Blick vom Bahnhof Richtung Ortszentrum. Rechts oben der Jugendstil-Ballsaal, in der Mitte die evangelische Michaelskapelle, dahinter der Kirchturm des Wienerwalddoms.

Geografische Lage, Nachbargemeinden Die Marktgemeinde liegt an den nördlichen Ausläufern des Wienerwaldes an der Westbahn (Alte Westbahn, Strecke 101) 32,4 km westlich der Bundeshauptstadt Wien und 31,8 km östlich der Landeshauptstadt St. Pölten (jeweils von Stadtmitte gemessen). Der Autobahnknoten Steinhäusl (A1 – A21) befindet sich großteils auf Gemeindegebiet. In Neulengbach, ungefähr sieben Kilometer westlich, befindet sich das zuständige Bezirksgericht. Eichgraben grenzt im Südwesten an Altlengbach, im Westen an Knagg (KG Getzwiesen, Gemeinde Maria Anzbach), im Nordwesten an Furth (KG Unteroberndorf, Maria Anzbach) und im Nordosten bis Südosten an Rekawinkel (Gemeinde Pressbaum).

Gemeindegliederung mini|ohne|Ortsteile Eichgrabens. Gelbe Pfeile markieren die mit Ortstafeln „Eichgraben“ versehenen Ausfallstraßen.

Die Gemeinde besteht aus der einzigen Katastralgemeinde Eichgraben.

Das Gemeindegebiet umfasst sechs Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl mit Stand von ): Eichgraben () Hinterleiten () samt Paukhof Hutten () Ottenheim () samt Burweg Stein () Winkl ()

Hydrologie Eichgraben liegt westlich der Wasserscheide Rekawinkler Berg und hat insgesamt zirka 18 km Fließgewässer, wovon der Anzbach und der Nagelbach die zwei mächtigsten Bäche sind. Kleine, meist nur zeitweise wasserführende Gerinne speisen über Gräben die Flyschbäche, die mit verästelten Oberläufen als steile Tobel in bewaldete Hänge eingeschnitten sind. Durchgehend mit Gehölzen bestockt, haben große Abschnitte (17 Einzelflächen mit einer Gesamtfläche von 6,40 Hektar) den Charakter eines Grabenwaldes mit teils hohem Totholz-Anteil. Nach Niederschlägen fließt das Wasser großteils oberirdisch ab, wodurch es in den Bächen häufig zu rasch steigenden Wasserständen kommt.

Anzbach An der Talsohle des Rekawinkler Berges vereinigen sich der Quellbach und der Bierbach zum Anzbach. Dieser fließt im Norden von Eichgraben drei Kilometer nach Westen. Noch an der Ortsgrenze mündet rechts der Graben vom Rittsteig, es folgen die Straßengräben von Eibenstraße, Friedhofstraße und Russhofstraße, weiters der Liamühlengraben und der Steinwinkelgraben (gespeist vom Finsterleitengraben mit Ursprung beim Römerstern), sowie (zwischen Furth und Unter Oberndorf) der Wintengraben. Dessen südlicher Zubringer bildet im Norden des Ortsteils Stein die Grenze zu Maria Anzbach.

Zuflüsse am linken Ufer des Anzbaches sind der Sonnleitenbach mit seinem linken Zubringer Haabach, der die Westautobahn unter dem Talübergang Großram quert. Beide entspringen – ebenso wie der Bierbach – in den Quergräben an der Nordseite des 645 m hohen Jochgrabenberges. Das vorgelagerte, bei Wanderern beliebte Waldgebiet, das manchmal kleine Lacken aufweist, wird „Dreiwasserl“ genannt. Weiters münden der lokale Pernersdorfer Graben (aus dem Auhofgebiet im Ortsteil Hutten) und der Nagelbach, der zentrale Bach aus dem Süden Eichgrabens. Schon in Furth bzw. Unter Oberndorf liegen kurze Gräben, die die Abhänge nördlich des Burweges (im Ortsteil Ottenheim) entwässern: Furthergraben, Dimthbach, Hutterbach und der zweiastige Seitelbergergraben.

Nagelbach und Schattaubach Der Nagelbach hat seinen Ursprung in der historisch korrekten Ausprägung am namensgebenden Nagelberg. Unter den Einwohnern wird er auch so wahrgenommen und auf Karten von 1819/1821, 1882 und 1904 auch so dargestellt. Er ist 2,65 km lang. Nach 1,94 km zweigt von ihm der bis zum Ursprung nördlich des Schwabendörfl 3,15 km lange (davon 1,72 km im Ortsgebiet), zweiästige Schattaubach ab. Im Franziszeischen Kataster von 1819 bzw. 1821 ist der Schattaubach noch mit seinem alten Namen Steinkögbach eingetragen. Im digitalen Zeitalter gehen ortsunkundige Zeichner meist davon aus, dass der mächtigste Bach auch der längste sein muss, und haben in ihren Karten unwissentlich den Schattaubach zugunsten des Nagelbaches unterschlagen. Meist kommt in heutigen Karten anstelle des Schattaubaches nur noch der Nagelbach vor, der dann über fünf Kilometer lang wäre.

Die rechten Zuflüsse des Nagelbaches sind der 0,84 km lange Flettnerweggraben und ein unbenannter Graben, der gegenüber der kleinen Kirche einmündet. Die linken Zubringer heißen Schießstattgraben (auch Waldbadbach genannt), Schattaubach (3,15 km lang; links gespeist von Gschaidbach, Moosgraben mit Schwarzkreuzgraben, sowie Wiesengraben), Hummelbach (über 1,4 km lang; rechts gespeist vom Annenhofgraben und Hinterleitengraben mit Fuchsgraben), Sonnwendgraben (fast 1,4 km lang; rechts gespeist vom Paukhofgraben) und der ab dem Bahnhof verrohrte Bahnhofsgraben.

Sonstiges Der Ebenbach an der Grenze zu Altlengbach ist ein kleiner Zubringer des Lengbaches, welcher in den Laabenbach mündet. Dieser trägt auch die Bezeichnung die Laaben und wird ab dem Zusammenfluss mit dem obgenannten Anzbach (nördlich des Neulengbacher Schlossberges) Große Tulln genannt.

Ein Überlauf beim Einsteigturm 103 der II. Wiener Hochquellenwasserleitung auf der Weiserwiese wird von einem Gehöft am rechten Ufer des Nagelbaches genutzt.

Klima In Eichgraben herrscht vorwiegend ein gemäßigtes Übergangsklima, das vom pannonischen Klima beeinflusst wird und durch die Lage im Wienerwald eine überdurchschnittlich hohe Luftfeuchtigkeit aufweist. Bedingt durch die hügelige Topologie der Region weht in Eichgraben meist leichter bis mittelstarker Westwind.

Das Bundesforschungszentrum für Wald ordnet in seiner Baumampel Eichgraben dem Hauptwuchsgebiet 4 (Nördliche Randalpen) zu. Ausgehend von einer Erwärmung zwischen 2,3 °C und 4 °C bis zum Jahr 2100 haben hier Stiel- und Traubeneichen gute, aber insbesondere Zerr-, Flaum- und Korkeichen die günstigsten Voraussetzungen für einen klimafitten Wald.

Geschichte Altertum mini|Blick von den Römerzeitlichen Hügelgräbern nach Süden auf den „Römerstern“, einen Kreuzungspunkt am „Cultura Trail Römerweg“. Rechts führt die Finsterleitenstraße nach Eichgraben. mini|Grenze zwischen den Römischen Provinzen Noricum und Pannonia Im Altertum gehörte das Gebiet des heutigen Eichgraben zum keltischen Königreich Noricum, nach dessen Eingliederung ins Römische Reich zur Provinz Noricum. Im 1. oder 2. Jahrhundert wurden an einem Römerweg am Ortsrand oberhalb der Finsterleitenstraße (Ortsteil Stein) 100 m nördlich des „Römersterns“ in sieben Hügelgräbern (Tumuli) eingeäscherte Verstorbene in Grabkammern bestattet. Die spärlichen Grabbeigaben wurden für das Landesmuseum Niederösterreich in den Jahren 1896 und 1929 geborgen und weisen auf eine arme kelto-illyrische Bevölkerung hin. Von dieser Tumulus-Gruppe sind noch zwei Hügel am heutigen „Eichgrabner Höhenwanderweg“ erkennbar. Die Rekonstruktion eines derartigen Hügelgrabes befindet sich im Wienerwaldmuseum Eichgraben. Ob das heutige Gemeindegebiet in der Zeit der Römer von weiteren Verkehrslinien berührt wurde, ist nicht klar. Jedenfalls lag die Grenze zwischen den Provinzen Noricum und Pannonia am Hauptkamm des Wienerwaldes (Cetius Mons). Bis heute hat sich diese Grenze als Grenze zwischen den katholischen Diözesen St. Pölten, zu der Eichgraben gehört, und Wien, zu der Rekawinkel gehört, erhalten.

Zur Zeit der Völkerwanderung war der Wienerwald und damit auch das Gemeindegebiet des heutigen Eichgraben Grenzgebiet der Hunnen.

Mittelalter Zunächst war das Gebiet Grenzregion zu den Awaren, dann zu den Magyaren.

Im 11. Jahrhundert wurde der Raum Eichgraben von Neulengbach und Anzbach aus bajuwarisch besiedelt. Die frühesten Höfe lagen auf den Höhen von Knagg, Stein, Ottenheim und Gschaid. Durch Hofteilungen entstanden kleine Ansiedlungen, über die die Urbare der Herrschaft Neulengbach und Wasen (Anzbach) Auskunft geben.Vgl. Marktgemeinde Eichgraben (Hrsg.): Gemeindeinformation, Neubürgerempfang Jänner 2010.

Am 24. August 1345 scheinen die Namen „Aichgrawe“ (ein mit Eichenwald bewachsener Graben – Eichgraben), „Utenhaim“ (Heim eines Ottos – Ottenheim) und „Stelz Hof“ in einer Stiftungsurkunde auf, die von Gotfried dem Wirsinch von Chirchsteten verfasst und besiegelt wurde. Diese Urkunde des Stiftes Sankt Andrä an der Traisen ist im Original im Archiv des Stiftes Herzogenburg zu betrachten sowie auch eingescannt.

Um 1348 erreichte die Pest erstmals die Linie Nöstach–Alland–Pressbaum–Greifenstein und halbierte die ansässige Bevölkerung. Ein 10 bis 20 km breiter Streifen westlich dieser Linie war bis mindestens 1400 weiterhin unbewohnt (vgl. Geschichte des Wienerwalds). In Niederösterreich herrschten Krieg und Söldnerbanden. Verschiedene Krankheiten, die auf schlechte hygienische Zustände zurückzuführen sind, töteten einen beachtlichen Teil der Bevölkerung. Die Kindersterblichkeitsrate war besonders hoch, da es durch Kriege kaum Nahrungsmittel gab.

Frühe Neuzeit Am „Erchtag“ (mundartlich für Dienstag), wurde unterhalb der Burg Neulengbach ein Wochenmarkt abgehalten und damit die umgebenden Ortschaften mit den Erzeugnissen der Handwerker des Marktes versorgt. Eine Ansiedelung von Handwerkern in den Dörfern wurde möglichst unterbunden. Für die Zu- und Abfuhr von Waren wurde eine Maut berechnet. Am 15. April 1516 erlaubte Kaiser Maximilian I. den Bürgern von Neulengbach zusätzlich das Abhalten von zwei Jahrmärkten.

Im Zuge der Ersten Wiener Türkenbelagerung im Jahre 1529 kam es zu Brandschatzungen. Unter anderem brannte damals auf dem Gschaid (nördlich der Hochstraß, südlich der West Autobahn) – einem zwischen zwei nordwest-südost verlaufenden, tief eingeschnittenen Gräben (dem Quellgebiet des Schattaubaches) gelegenen Querrücken – der „Streitgerbauer“ nieder.

Am 15. September 1590 kam es gegen Mitternacht zu einem Jahrtausendbeben mit Epizentrum Neulengbach, das noch im 40 km entfernten Wien neben vielen Rauchfängen auch die Türme der Michaelerkirche und der Schottenkirche einstürzen ließ und Menschen tötete. Das stärkste Erdbeben, das Wien und Niederösterreich jemals erlitten haben, brachte vermutlich auch für das zehn Kilometer vom Epizentrum entfernte, dünn besiedelte Gebiet des heutigen Eichgraben Schrecken und Zerstörung.

Der Wienerwald war ungefähr 500 Jahre bis 1701 herrschaftlicher Bannwald und damit nicht der Öffentlichkeit zugänglich, was aufgrund des Urwaldcharakters auch nicht leicht möglich war. Kaiser Maximilian II. ordnete 1572 erstmals eine dokumentarische Aufnahme des Gebietes in Form eines Waldbuches an; zuständig war das „Kayserliche Waldambt“ im Schloss Purkersdorf. Im Wienerwald entstand eine Anzahl von Holzhauersiedlungen. Eine dieser Hüttensiedlungen ist Namensgeber für den Ortsteil „Hutten“. Auf Teilen des „Anzbacher Amtes“ des insgesamt zwölf Ämter umfassenden Wienerwaldes entwickelte sich im Laufe der Zeit das heutige Eichgraben. Abgesehen von den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) sowie von umherstreifenden Krimtataren und irregulären Soldaten – sogenannten Akıncı – während der Zweiten Wiener Türkenbelagerung (1683) erlebte der Wienerwald im 17. Jahrhundert eine ruhige Entwicklung.

Die Pest wütete von 1712 bis 1715 in Eichgraben, wodurch ein Drittel der Bevölkerung starb. Die Toten wurden in Pestgruben beerdigt. Eine Grube befand sich im Bereich des ehemaligen Klosters im Ortsteil Stein, eine weitere, bisher nicht gefundene Grube soll sich oberhalb eines Gasthauses an der Hauptstraße befinden. Nach den hohen Bevölkerungsverlusten durch Pest und Türkenkriege wurden Siedler aus allen Teilen des deutschsprachigen Raumes in das Gebiet von Eichgraben geholt.

Neuere Geschichte und Zeitgeschichte