Die thailändische Schrift ( []) ist das Schriftsystem, das zur Niederschrift der thailändischen Sprache verwendet wird. Sie gehört wie die birmanische Schrift, die Khmer-Schrift sowie die laotische Schrift zum südostasiatischen Zweig der indischen Schriften. Sie ist eine Abugida und steht damit zwischen Alphabet und Silbenschrift. Neben der Niederschrift der Thaisprache wird die Schrift auch zur Aufzeichnung und Darstellung von religiösen Pali-Texten verwendet.
Geschichte mini|Migrationen der Tai-Sprachen von China nach Südostasien mini|Ramkhamhaeng-Stele im Nationalmuseum Bangkok. Klar ist zu erkennen, dass die Sukhothaischrift einen Versuch darstellt, – im Gegensatz zu Pallava und Khmer – alle Zeichen auf einer Ebene zu schreiben. mini|Die Inschrift aus dem Tempel Wat Bang Sanuk in Phrae wird von Hans Penth auf das Jahr 1219 datiert mini|Wat Pa Mamuang: Hier wurden die auf 1361 datierten Inschriften in der Li Thai Schrift gefunden. Es wurden die noch heute verwendeten 44 Konsonantenbuchstaben dargestellt. mini|Die Khmer Schrift wurde in Thailand häufig verwendet. Man beachte die Tonzeichen, welche es im Khmer nicht gibt. mini|Palmblattmanuskript mit Teilen des Pali-Kanons auf Thai mini|Phra Horathibodi schrieb das erste Lehrbuch über die thailändische Sprache. Das im Nationalmuseum ausgestellte Faltbuch stammt aus dem Jahr 1782. mini|Die Erstausgabe der Zeitung Bangkok Recorder erschien 1844 mini|Ursprünglich umfasste der Machtbereich von Siam Gebiete, welche an die Kolonialmächte England und Frankreich verloren gingen. Um weitere Verluste zu verhindern, wurde der Staat zentralisiert, die Autonomie der verschiedenen Gebiete abgeschafft. Die verschiedenen Schriften im heutigen Thailand verschwanden, die thailändische Schrift wurde als verbindlich überall eingeführt. 250px|mini|Thailändischer Pali Canon Tripitaka auch Tipitaka genannt umfasst 39 Bände mini|Titelseite der Novelle Plae Kao von Mai Mueangdoem, Herausgegeben 1936 mini|Verschiedene Computerfonts der thailändischen Schrift mini|Ein extremes Beispiel eines vereinfachten Fonts: das Wort พรบ phrop Akt mini|Rauchen Verboten Schild in drei Sprachen (Gesehen im Nordosten von Thailand, Muang Loei) Thai , Englisch , Laos / Isaan in Thai Noi Schrift. Während man das Thai mit ham sub burii transkribieren kann lautet die Transkription für Laos ham sub jaa
Die Schriften Südostasiens gehen auf südindische Abkömmlinge der Brahmi-Schrift zurück,John F. Hartmann: The Spread of South Indic Scripts in Southeast Asia. In: Crossroads. An Interdisciplinary Journal of Southeast Asian Studies, Bd. 3, Nr. 1 (1986): Seven Hundred Years of Thai Writing, S. 6–20; hier S. 7. insbesondere die Pallava-Schrift. Daraus entwickelten sich einerseits die Mon-Schrift (älteste erhaltene Inschrift der Mon Sprache im heutigen Nakhon Pathom, datiert um 600 - als Schrift wurde Pallava verwendet), andererseits die eckigere Khmer-Schrift (älteste erhaltene Inschrift der Khmer Sprache in Pallava-Schrift im Mun-Tal datiert auf 609).Hartmann 1986 S. 8. Auch bei der auf 611 datierten Angkor Borei Inschrift handelt es sich um Pallava.Захаров Антон Олегович The Angkor Borei Inscription K. 557/600 from Cambodia: An English translation and commentary The inscription is dated from 611 CE. It is written in Old Khmer with Sanskrit loan-words and engraved in the Early Pallava script–a kind of Brahmi script. Als älteste Inschrift in Khmer-Schrift gilt K 362, eine Stele im heutigen Champasak, Laos geschrieben während der Zeit von König Yasovarman I (Regierungszeit 889–910).Khmer zivilization ដើមកំណើតអក្សរខ្មែរ Über Jahrhunderte verwendeten die Khmer Pallava als „Ihre Schrift“. Als ältestes Schriftzeugnis der Mon-Schrift gilt die Sawlumin Inschrift im heutigen Mandalay aus dem Jahr 1079. Die Inschrift wurde erst 2014 entdeckt.Zarni Mann: the Irrawaddy Discovery Could Fill Out Historical Record on Little-Known Burmese King Davor galt die Myazedi-Inschrift aus dem Jahr 1113 als der älteste Beleg für die Existenz der Mon-Schrift.
Als die südwestlichen Tai-Völker im 10. Jahrhundert von Nordosten her in das Gebiet des heutigen Thailand, bzw. Südostasien einwanderten, hatten sie keine eigene Schrift, trafen jedoch auf mehrere etablierte Schriftsysteme: Pyu, Mon, Birmanisch und Khmer (vgl. Myazedi-Inschrift). Die Tai bzw. Thai experimentierten wohl zunächst mit verschiedenen Schriftsystemen, die sich an der Peripherie zum Teil bis heute halten.Hartmann 1986 S. 8–11. Letztendlich entschieden sich die Thai im heutigen Zentralthailand für die Sukhothaischrift, welche auf der Khmerschrift aufbaute, aber über Erweiterungen und Änderungen verfügte, um die tonale Thaisprache mit einer großen Anzahl von Vokalen abzubilden. In Lanna wurde dagegen ein anderer Weg eingeschlagen. Sie basierten ihre Schrift auf der Mon-Schrift. Der wichtigste Vertreter dieser Schrift ist die Shan-Schrift, welche von den Tai Völkern in Myanmar verwendet wird. Dagegen wird die Lannaschrift im Norden von Thailand heutzutage nur selten verwendet. Die laotische Schrift, welche im heutigen Laos von Taisprechern verwendet wird, baut ebenfalls auf der Khmer-Schrift auf und hat eine große Ähnlichkeit zur heutigen thailändischen Schrift.
Sukhothai war die erste größere Verwaltungseinheit der Thai im heutigen Thailand. Davor waren sie in Klein- und Kleinststaaten organisiert, den sogenannten Mueang. Eine Notwendigkeit für eine Verwaltung und damit eine Schrift bestand nicht. Die Thai flüchteten vor dem Vormarsch der Han-Chinesen und den Mongolen aus China nach Thailand und siedelten als Reisbauern, Handwerker und Soldaten in den vom Khmer-Reich kontrollierten Gebieten und leisteten Tribut an die Khmer-Herrscher. Später schüttelten die Thai die Oberherrschaft der Khmer ab. Als bedeutendster Herrscher von Sukhothai gilt Ramkhamhaeng. Die Sukhothaischrift gilt als Versuch der Thai, sich von vormals herrschenden Khmer abzugrenzen. Bewusst wurden altindische Traditionen nicht angewendet. Die Schrift sollte anders aussehen.
1833 soll Prinz Mongkut (ab 1851 König Rama IV.) unter ungeklärten Umständen die Ramkhamhaeng-Stele „entdeckt“ haben, die auf das Jahr 1292 datiert wurde.Hartmann 1986 S. 8. Sie wurde vor allem von Wichit Wichitwathakan, dem Chefpropagandisten der Militärdiktatur von Plaek Phibunsongkhram, verherrlicht und zu einem nationalistischen Symbol stilisiert.Mukhom Wongthes: Intellectual Might and National Myth. A Forensic Investigation of the Ram Khamhaeng Controversy in Thai Society. Matichon, 2003; S. XIII. Die Inschrift wird seitdem traditionell als ältestes Beispiel der thailändischen Schrift betrachtet. Seit 1986/1987 ist die Authentizität der Stele jedoch umstritten.James R. Chamberlain (Hrsg.): The Ram Khamhaeng controversy. Collected papers. The Siam Society, 1991; darin insbesondere Michael Vickery: The Ram Khamhaeng Inscription: A Piltdown Skull of Southeast Asian History? S. 3–51. Es gibt aber andere Beweise, z. B. eine Tempelinschrift in Wat Bang Sanuk (Phrae), die auf das Jahr 1219 datiert werden kann. Normalerweise wird als Datum 1339 angegeben, also 50 Jahre nach der Ramkhamhaeng-Stele. Neuere Untersuchungen halten aber das Jahr 1219 für möglich, lange vor der Entstehung der Ramkhamhaeng-Stele.Hans Penth: The Date of the Wat Bang Sanuk Inscription
Als Vorlage für die Schrift der Ramkhamhaeng-Stele diente die Khmer-Schrift: eine kursive Form der Khmer-Schrift jener Zeit, wobei die Buchstabenformen abgewandelt und vereinfacht wurden. Von den 35 Konsonantenbuchstaben wurden 31 übernommen. Nicht übernommen wurden die Khmerzeichen Thai , die in der thailändischen Sprache keine Verwendung fanden. Auch die unabhängigen Khmervokale Thai wurden nicht übernommen. Daraus geht klar hervor, dass die ursprüngliche Schrift nicht zur Schreibung von religiösen Texten wie der Tripitaka verwendet wurde und die Transkription von altindischen Wörtern nicht vorgesehen war.Pali und besonders Sanskrit Worte verwenden die Konsonanten-Vokal Kombination RI und RU häufig. Bis ins 18. Jahrhundert fand die Khom-Thai Schrift für religiöse Schriften vorwiegend Verwendung. Eine revolutionäre Neuerung war, dass im Gegensatz zur Khmer- und zur modernen thailändischen Schrift alle Vokalzeichen (auch ) nicht über bzw. unter, sondern neben die Konsonantenzeichen geschrieben wurden; Konsonanten-Cluster wurden nebeneinander und nicht untereinander geschriebenPha Anuman Rajadhon: The Nature and Development of the Thai Language, The Fine Arts Department, Seite 19; außerdem wurden acht zusätzliche Konsonantenzeichen und zwei Tonzeichen eingeführt.George Cœdès: The Origin of the Thai Script. Khrurusapha, 1968; Hartmann 1986 S. 8.omniglot: Sukhothai Dies stellte ein klarer Bruch mit altindischen Traditionen dar. Die Schrift sah komplett anders aus. Der Sprachwissenschaftler Cornelius Beach Bradley argumentierte 1909 im Journal of the Siam Society, dass es sich um den ersten und einzigen Versuch handelte, eine altindische Schrift mit den Prinzipien des griechischen Alphabets zu schreiben.
Die Innovation der Vokalzeichen hielt sich jedoch nicht, und bereits Mitte des 14. Jahrhunderts wurden die betreffenden Vokalzeichen so wie zuvor im Khmer und wie in der modernen Schrift über bzw. unter die Konsonantenzeichen gesetzt. Konsonanten-Cluster wurden aber weiterhin nebeneinander und nicht untereinander geschrieben (Siehe Konsonantenkombinationen).Pha Anuman Rajadhon: The Nature and Development of the Thai Language, The Fine Arts Department, Seite 22
Durch die Reformen von König Li Thai ( Herrschaft 1347–1368) im Jahr 1357 konnten religiöse Texte auch mit der thailändischen Schrift geschrieben werden.David K. Wyatt: Studies in Thai History. Chiang Mai: Silkworm Books 1999. S. 65. Der König erweiterte die thailändische Schrift auf die heutigen 44 Konsonanten, indem er die Konsonantenbuchstaben und die Vokale einführte. (Die Khom-Thai-Schrift wurde aber weiterhin hauptsächlich zum Schreiben von religiösen Texten verwendet. Tripitaka, Kommentare dazu aber in thailändischer Schrift). Als ältestes Zeugnis der Li Thai Schrift gelten die Steininschriften in Nakhon Chum 1357 und die Steininschriften in Wat Pa Mamuang 1361.Betty Gosling: Sukhothai Its History, Culture, And Art. Asia Books (Oxford University Press), Bangkok 1991, ISBN 974-8206-85-8
Ende des 17. Jahrhunderts wurden weitere Vokalzeichen und Ende des 18. Jahrhunderts die beiden übrigen Tonzeichen eingeführt.Shoichi Iwasaki, Preeya Ingkaphirom: A Reference Grammar of Thai. Cambridge University Press, 2005; S. 3.Apsorn Tiewcharoenkij, Veerakarn Kanokkamalade, Ruengdet Pankhuenkha: The Evolution of Thai Language, Mahachulalongkornrajavidyalaya University Seite 372 ...it can be said that these two tones firstly appeared in 1732
Ursprünglich wurden die Zeichen in Stein geritzt. Eckige Buchstaben waren daher von Vorteil, erwiesen sich aber mit dem Aufkommen von Palmschriften und der Verwendung von Tinte als unpraktisch. Heutige Zeichen der thailändischen Schrift weisen mit wenigen Ausnahmen rundere Formen auf. Die meisten Buchstaben beginnen mit einem Kreis, um die Schreibgeschwindigkeit zu erhöhen. Ausnahme .
1670 wurde in Lopburi die erste Grammatik der thailändischen Sprache veröffentlicht. König Narai beauftragte den Hausastrologen und Gelehrten Phra Horathibodi mit der Aufgabe. In Thai wird die Grammatik Edelsteine für das Gehirn genannt. Das Lehrbuch diente als Standard für die nächsten 200 Jahre. Mit dem Buch sollte der Einfluss französischer Missionare eingedämmt werden. Besonders die Jesuiten betrieben Schulen im Ayuttaya-Königreich.The Nation: Jindamanee is widely recognised as the first systematic Thai textbook, intended to teach reading, writing and poetic composition in the Thai language.Alan Strathern Tensions and Experimentations of Kingship: King Narai and his response to missionary overtures in the 1680s.