Bei dem Eisenbahnunfall von Viareggio entgleiste am 29. Juni 2009 im Bahnhof von Viareggio, Italien, ein Güterzug beladen mit flüssigem Butan, dessen Ladung zum Teil explodierte. 32 Menschen starben.Europäische Eisenbahnagentur.

mini|hochkant=1.5|Der brennende Zug im Bahnhof von Viareggio

Ausgangslage Der Güterzug Nr. 50325 der Trenitalia war auf der Bahnstrecke Pisa–Genua von Trecate nach Gricignano di Aversa unterwegs. Der Zug wurde von der Lokomotive E.655.175 gezogen und bestand aus 14 Kesselwagen der GATX, die zum Teil bei der Polnischen Staatsbahn (PKP) und zum Teil bei der Deutschen Bahn eingestellt waren. Der Einsteller ist für den Unterhalt der Eisenbahnwagen zuständig.

Unfallhergang mini|Ausgebrannte Kesselwagen im Bahnhof von Viareggio mini|Ausgebranntes Kfz neben der Unfallstelle

Um 23:48 Uhr entgleiste der erste Wagen des Zuges, einer der Güterwagen, die bei der Deutschen Bahn eingestellt warenAnders: Ferrovie dello Stato: Grave incidente., bei der Einfahrt in den Bahnhof von Viareggio. Die Entgleisungsstelle befand sich auf einem geraden Stück Gleis, ohne Weiche. Ursache war ein Riss in einem Rad, der bei einer vorangegangenen Revision übersehen worden war. Der Wagen schlug gegen die Bahnsteigkante und kippte, ebenso wie die folgenden vier Wagen, nach links. Dabei wurde der Tank mit Flüssiggas aufgerissen. koll: Nach siebeneinhalb Jahren: erste Urteile zu Viareggio. In: Eisenbahn-Revue International 4/2017, S. 190. Die beiden darauf folgenden Wagen entgleisten ebenfalls, ohne umzukippen, die letzten sieben Wagen blieben im Gleis. Der Zug kam nach 500 Metern, 200 Meter hinter dem Bahnsteigende, zum Stehen. Das Flüssiggas strömte aus, auch in das dem Bahnhof benachbarte Stadtviertel, und entzündete sich.

Folgen mini|Gebäudeschäden an der Unfallstelle

32 Menschen starben, 27 wurden verletzt. Der Brand verursachte schwere Zerstörungen an Eisenbahninfrastruktur und Gebäuden in der Umgebung. Etwa 1.000 Menschen wurden evakuiert. Zwei Häuser stürzten ein. Große Teile von Viareggio wurden beschädigt, 100 Menschen wurden obdachlos. Die beiden Lokomotivführer entkamen mit leichten Verletzungen.NN: Italians killed.

Aufarbeitung Die Europäische Eisenbahnagentur arbeitete nach dem Unfall gesamteuropäisch auftretende Probleme mit Achsen von Eisenbahnfahrzeugen aufEuropäische Eisenbahnagentur: Task Force on Maintenance. und veröffentlichte dazu einen Bericht.Final report on the activities of the Task Force Freight Wagon Maintenance (PDF). 2010.

Am 13. November 2013 begann in Lucca ein Prozess gegen 33 koll: Nach siebeneinhalb Jahren: erste Urteile zu Viareggio. In: Eisenbahn-Revue International 4/2017, S. 190, berichtet von 32 Angeklagten. Angeklagte.ORF: Angehörige demonstrieren vor Gericht, abgerufen am 13. November 2013 Die Anklage umfasste das Herbeiführen eines Eisenbahnunfalls und mehrfache fahrlässige Tötung. Das Urteil wurde am 31. Januar 2017 verkündet. Das Gericht kam zu der Ansicht, dass der Riss in dem Rad bei der Revision hätte festgestellt werden müssen. koll: Nach siebeneinhalb Jahren: erste Urteile zu Viareggio. In: Eisenbahn-Revue International 4/2017, S. 190. Daraufhin verurteilte es 24 Angeklagte, davon sechs deutsche Mitarbeiter des Güterwagenunternehmens GATX Rail Europe, zu Haftstrafen zwischen acht und neun Jahren. Der ehemalige Manager der Rete Ferroviaria Italiana und der für die Instandhaltung der Eisenbahninfrastruktur Zuständige erhielten je sieben Jahre Haft, der damals für die Logistik Verantwortliche sieben Jahre und sechs Monate. GATX wurde darüber hinaus zu einer Geldstrafe von 480.000 Euro verurteilt. Acht Angeklagte wurden freigesprochen. koll: Nach siebeneinhalb Jahren: erste Urteile zu Viareggio. In: Eisenbahn-Revue International 4/2017, S. 190. Die Staatsanwaltschaft hatte weit höhere Strafen verlangt.FAZ.net / Jörg Bremer: Sechs Deutsche nach Zugunglück in Viareggio verurteilt. Gegen dieses erstinstanzliche Urteil legten die Verurteilten Berufung ein. Das erstinstanzliche Urteil wurde durch die Berufungsinstanz 2019 weitgehend bestätigt. Dagegen ist aber noch die Revision vor dem Obersten Gericht in Rom möglich. sda: Viareggio: Moretti verurteilt. In: Eisenbahn-Revue International 8–9/2019, S. 431. Revisionsverfahren ziehen sich bei umfangreichen Strafprozessen in Italien auch schon mal so lange hin, dass Haftstrafen verjähren. sda/mr: Lange Haftstrafen nach der Katastrophe von Viareggio. In: Eisenbahn-Revue International 2017, S. 135.

Weblinks

Europäische Eisenbahnagentur: Investigation Notification. Ferrovie dello Stato: Carro sviato: la manutenzione spettava alla società proprietaria v. 30. Juni 2009. Ferrovie dello Stato: Grave incidente nella stazione di Viareggio. Pressemitteilung v. 30. Juni 2009. NN: Italians killed as train explodes. BBC News 30. Juni 2009. NN: Viareggio, salgono a 18 le vittime del disastro. In: Reuters Italia v. 2. Juli 2009. La Repubblica 30. Juni 2009: NN: Viareggio, treno esplode in stazione. E' strage In fiamme auto e palazzi: 14 morti, 3 dispersi. Luftaufnahme der Unfallstelle. BBC. Corriere della Sera 31. Januar 2016: «Sulla pelle porto i segni della strage di Viareggio»

Anmerkungen

Einzelnachweise

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