mini|Die Kirche Bruder Klaus, Aussenansicht (2013) mini|Innenansicht mini|Altarraum in der Gestaltung von Alfred Huber von 1971 mini|Blick auf Haupt- und Seitenschiff Die Kirche Bruder Klaus ist die römisch-katholische Pfarrkirche des Zürcher Stadtteils Unterstrass. Sie wurde 1933 als weltweit erste Pfarrkirche dem Bruder Klaus geweiht.Artikel auf Wikipedia zu Bruder-Klaus-Kirche

Geschichte Nachdem in den 1920er Jahren auf dem Gebiet der heutigen Pfarrei Bruder Klaus mehr als ein Dutzend Wohnsiedlungen neu erstellt worden waren, zeichnete sich sowohl für die evangelisch-reformierte als auch für die römisch-katholische Kirche ab, dass beim Milchbuck der Aufbau einer Gemeinde nötig würde. Nahezu gleichzeitig planten und bauten die beiden Landeskirchen nebeneinander je einen Neubau, bei der reformierten Kirche handelt es sich um die Pauluskirche.Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Katholische Kirchen der Stadt Zürich. Bestandesverzeichnis Denkmalpflege der Stadt Zürich. S. 32. Am 28. Dezember 1926 erwarb der katholische Kirchenbauverein Liebfrauen das Grundstück der heutigen Bruder-Klaus-Kirche. Die Idee war, diesen neuen Sakralbau auf den Namen des damals noch nicht heiliggesprochenen, sondern erst seligen Bruder Klaus zu weihen. Dies durfte jedoch nur mit ausdrücklicher Bewilligung des Papstes geschehen. Die Schweizer Bischöfe stellten ein entsprechendes Gesuch, dem Papst Pius XI. 1928 stattgab. Die katholische Kirche in Zürich-Unterstrass ist weltweit die erste Pfarrkirche, die dem Bruder Klaus geweiht wurde. Kurz zuvor war einzig die Hauskapelle im damaligen Priesterseminar Schöneck der Missionsgesellschaft Bethlehem Immensee in Emmetten, Nidwalden ebenfalls dem Bruder Klaus geweiht worden.Artikel auf Wikipedia zu Bruder-Klaus-Kirche

Die Grundsteinlegung der katholischen Kirche in Unterstrass erfolgte am 28. März 1932 und in den Jahren 1932/1933 wurde die Kirche Bruder Klaus nach den Plänen des Architekten Anton Higi (1885–1951) erbaut.Schönbächler: Kirchen und Gotteshäuser der Stadt Zürich, S. 63. Am 19. Februar 1933 wurde die Kirche eingesegnet, wobei der Hauptaltar dem Bruder Klaus und Karl Borromäus als Mitpatron der Kirche geweiht wurde.Truffer: Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich. S. 156. Neben der Kirche an der Winterthurerstrasse 135 steht das zur gleichen Zeit als Mehrfamilienhaus errichtete alte Pfarrhaus, in dem heute Räume für die Jugendvereine sowie das Büro für den Missionar der ungarischsprachigen Katholiken Zürichs untergebracht sind.

Am 15. Mai 1947 sprach Papst Pius XII. den Bruder Klaus heilig. Deshalb erfolgte nur wenige Monate später, am 28. September 1947, die eigentliche Weihe der Kirche, vorgenommen durch den Bischof von Chur, Christian Caminada. Zu diesem Anlass läuteten auch erstmals die neuen Glocken im Kirchturm.Truffer: Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich. S. 156. 1961 wurde unter dem Chor der Kirche eine Krypta eingebaut.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde von der Pfarrei Bruder Klaus aus die Tochterpfarrei Allerheiligen (Zürich-Neuaffoltern) gegründet. Im Jahr 1946 kaufte die Bruder-Klaus-Stiftung hierfür den Baugrund. 1953 wurde nach Plänen von Karl Higi, dem Sohn des Erbauers der Bruder-Klaus-Kirche, eine Notkirche sowie das heutige Pfarrhaus errichtet. Am 26. April 1956 erhob der Bischof von Chur, Christian Caminada, Allerheiligen per Dekret zur Pfarrei. Zwischen der Notkirche und dem Pfarrhaus von Allerheiligen erbaute Karl Higi im Jahr 1964 schliesslich die heutige Pfarrkirche Allerheiligen, die Notkirche wurde zum Pfarreisaal.Maria Rast und Josef Jurt: Die Pfarrei Bruder Klaus. S. 22, 23 und 26.

Da die stetig wachsende Pfarrei Bruder Klaus mehr Platz brauchte, aber zu wenig finanzielle Mittel für den Bau eines Pfarreizentrums zur Verfügung standen, wurde in den Jahren 1955/1956 im Mehrfamilienhaus an der Winterthurerstrasse, in dem auch das Pfarramt untergebracht war, ein Versammlungssaal sowie einige Gruppenräume eingebaut. Dieser Umbau erfolgte durch den Architekten Karl Higi.Maria Rast und Josef Jurt: Die Pfarrei Bruder Klaus. S. 25. Das von Higi 1966 ausgearbeitete Projekt, zwischen der Kirche und dem Mehrfamilienhaus einen unterirdischen Saal sowie weitere Räumlichkeiten auch unter der Kirche zu erstellen, wurde nicht ausgeführt.Archiv der Pfarrei Bruder Klaus. Stattdessen gelang es der Kirchgemeinde im Jahr 1978, das zwischen der Kirche Paulus und der Bruder-Klaus-Kirche gelegene Restaurant «Freihof» zu kaufen. An dessen Stelle erfolgte 1978–1980 der Bau des heutigen Pfarreizentrums, ausgeführt nach den Plänen der Architekten Walter Wäschle und Urs Wüest. Am 29. Juni 1980 wurde das Pfarreizentrum eingeweiht. Es bietet Platz für einen grossen Saal und etliche weitere Räume für das Gemeindeleben, aber auch für das Pfarrbüro sowie einige Wohnungen.Maria Rast und Josef Jurt: Die Pfarrei Bruder Klaus. S. 42–46.

Die Pfarrei Bruder Klaus ist mit 3'618 Mitgliedern (Stand 2021) eine der kleineren römisch-katholischen Pfarreien der Stadt Zürich.Katholische Kirche im Kanton Zürich: Jahresbericht 2021. S. 106.

Kirchturm und Glocken Die Glocken wurden am 7. August 1947 von der Glockengiesserei H. Rüetschi, Aarau gegossen und läuteten erstmals anlässlich der Weihe der Kirche an den Bruder Klaus am 28. September 1947.

Glocke Ton Gewicht Durchmesser Widmung Inschrift 1 es 1220 kg 129 cm Bruder Klaus Dem Vater des Vaterlandes. Heiliger Bruder Klaus, bewahre uns den Frieden! 2 f 880 kg 116 cm Muttergottes Matri domini. Ultima in mortis hora, filium pro nobis ora, bonam mortem impetra, virgo, mater domina!(Mutter des Herrn, in dem letzten Stündlein musst mit Jesus du uns nah sein. Führe uns zur Ruh, Herrin, Jungfrau, Mutter du!) 3 g 630 kg 103 cm Karl Borromäus Sancto Carolo ecclesiasticae libertatis acerrimo propugnator!(Dem heiligen Karl, dem unerbittlichen Vorkämpfer für die kirchliche Freiheit!) 4 b 380 kg 87 cm Hl. Kanisius Heiliger Petrus Kanisius, bewahre uns den Glauben! 5 c 270 kg 78 cm Schutzengel Heilige Engel Gottes, besieget die Mächte der Finsternis, schützet unsere Kinder!

Baubeschreibung mini|Statue des Bruder Klaus am Kirchturm von Alphons Friedrich Magg von 1933 Die Kirche Bruder Klaus wurde neben die wesentlich grössere reformierte Pauluskirche, die ebenfalls im Jahr 1933 fertiggestellt wurde, an die Milchbuckstrasse gesetzt. Im Gegensatz zur Pauluskirche, zu der „eine breite Freitreppe auf den weiten Platz, der zur imposanten Turmfassade hinführt“,Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Katholische Kirchen der Stadt Zürich. Bestandesverzeichnis Denkmalpflege der Stadt Zürich. S. 32–34. waren beim Bau der Bruder Klaus-Kirche weder der Platz noch das Geld für eine analoge Platzgestaltung vorhanden. Um auf den Standort der Kirche aufmerksam zu machen, wurde der Kirchturm an die Ecke zur vielbefahrenen Milchbuckstrasse gesetzt. Am Fuss des Kirchturms wurde eine überlebensgrosse Statue des Bruder Klaus aus Granit angebracht. Sie stammt vom Bildhauer Alphons Friedrich Magg (1891–1967).Schönbächler: Kirchen und Gotteshäuser der Stadt Zürich, S. 66. Das an sich schlichte Gotteshaus trägt als charakteristisches Merkmal an der Frontseite der Kirche und auch auf der Höhe des Glockenstuhls am Turm runde Fenster mit markanter Gitterstruktur. Genau das gleiche Element findet sich auch an der Südseite der ebenfalls von Anton Higi erbauten Kirche St. Martin (Zürich-Fluntern).

Das Hauptportal der Kirche wird von Relieftafeln eingefasst, die alttestamentliche Darstellungen enthalten. Diese Relieftafeln sind ein Frühwerk des Bildhauers Albert Schilling.Maria Rast und Josef Jurt: Die Pfarrei Bruder Klaus. S. 11

Im Innern spannen sich die Hochmauern des Mittelschiffs als horizontale Träger direkt von der Orgelempore bis zum Altarraum.Rainald Fischer, in: Guido Kolb: 100 Jahre St. Peter und Paul. S. 196 Möglich gemacht wird das durch die Verwendung von Eisenbeton. Indem diese Konstruktion einen (bis auf die beiden Stützen der Orgelempore) säulenfreien Innenraum schafft, ist von den ursprünglich 520 Sitzplätzen ein freier Blick auf den Altarraum vorhanden. Bei der heutigen Bestuhlung bietet die Kirche noch 350 Sitzplätze. Die hohe Wand über den Seitenschiffen, die durchgehenden Fensterbänder und der kräftig ausgebildete Deckenunterzug prägen den Kirchenraum.Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Katholische Kirchen der Stadt Zürich. Bestandesverzeichnis Denkmalpflege der Stadt Zürich. S. 34.

Vergleicht man die drei von Anton Higi in Zürich erbauten Kirchen Guthirt, Bruder Klaus und St. Martin, erkennt man, wie sich der Architekt von der Idee einer Kirche als Längsbau hin zu einer Kirche als Zentralbau bewegte. Hintergrund dieser Entwicklung ist die Forderung der Liturgischen Bewegung nach einer tätigen Teilnahme der Gläubigen an der Liturgie, was zur Folge hatte, dass die räumliche Trennung von Zelebranten und übriger Gottesdienstgemeinde aufgehoben werden sollte.Brentini: Die katholische Kirche St. Martin in Zürich-Fluntern. S. 19–21. Johannes von Acken forderte in diesem Zusammenhang: „Weitung des Hauptraumes, Verkürzung und Verbreiterung des Chores, Verzicht auf Säulen und Pfeiler, die den Blick hemmen.“Johannes von Acken: Christozentrische Kirchenkunst. Zitiert nach: Brentini: Die katholische Kirche St. Martin in Zürich-Fluntern. S. 21.

Der Grundriss von Bruder Klaus zeigt, dass Anton Higi diese Forderung umsetzte, indem er die Kirche auf einem stark verkürzten Längsrechteck erbaute. Der Kirchenraum ist ohne Chor sogar breiter als lang, nämlich 24 Meter zu 21,5 Meter. Doch durch die Einteilung der Kirche in drei Schiffe und durch die Betonung der Mittelachse konzipierte Anton Higi die Kirche dennoch als Wegkirche.Brentini: Die katholische Kirche St. Martin in Zürich-Fluntern. S. 21.

Ausstattung Ursprüngliche Gestaltung Im halbrunden Chor der Kirche umstanden die Betonpfeiler den ursprünglichen Hochaltar, dessen Kruzifix links und rechts von den Darstellungen der Kirchenpatrone Karl Borromäus und Bruder Klaus flankiert war. Geschaffen wurde der Hochaltar samt dem Bronzekreuz und den in Bronze getriebenen Relieftafeln vom Künstler Arnold Stockmann (1882–1963), Luzern.Maria Rast und Josef Jurt: Die Pfarrei Bruder Klaus. S. 10. Auf diesen Hochaltar hin war die ganze Raumkonzeption ausgerichtet. Durch die Umgestaltung von 1970/1971 wurde der Ausdruck der Kirche grundlegend verändert.Rainald Fischer, in: Guido Kolb: 100 Jahre St. Peter und Paul. S. 196

Im linken Kirchenschiff befand sich ein Muttergottes-Altar, der zusammen mit der Statue des Bruder Klaus, welche sich an der Ecke zwischen Chor und rechtem Seitenschiff befand, Werke des Einsiedler Bildhauers Alois Payer (1878–1969) waren und aus Holz geschnitzt wurden. Der Josefs-Altar des rechten Seitenschiffs stammte aus der Werkstatt von Franz Xaver Marmon, Alfons Marmon und Anton Blank, Wil SG.Maria Rast und Josef Jurt: Die Pfarrei Bruder Klaus. S. 10–11.

Kirchenfenster Ein architektonisches Merkmal der Fenster ist, dass sie als durchgehende Fensterbänder gestaltet wurden. Die je sieben Kirchenfenster der beiden Seitenschiffe stellen den Kreuzweg dar und wurden vom Berner Kunstmaler Albin Schweri im Jahr 1933–34 ausgeführt.Maria Rast und Josef Jurt: Die Pfarrei Bruder Klaus. S. 10.

Die sieben Fenster im Chor wurden anlässlich der eigentlichen Weihe der Kirche im Jahr 1947 durch den Kunstmaler Leo Steck, Bern geschaffen. Sie zeigen in expressionistischen Formen und Farben die Stadt Jerusalem als Kulisse für das monumentale Kreuz des ursprünglichen Hochaltars. In den Glasfenstern des Chores finden sich auch die Symbole der vier Evangelisten sowie im mittleren Fenster die Symbole des Priestertums und des Opfertodes Christi (Kelch, Hand Gottes, die aus der Wolke auf die Kreuzigung zeigt, sowie die Taube des Heiligen Geistes, der sich auf den Gekreuzigten über dem Hochaltar nieder zu senken schien).Maria Rast und Josef Jurt: Die Pfarrei Bruder Klaus. S. 21.