mini|hochkant=1.2|Kathedrale von Padua, östliche Portalfassade und Baptisterium mini|Nördliches Querhaus, Vierungskuppel und Glockenturm mini|Innenansicht
Die Kathedrale von Padua (Basilica cattedrale di Santa Maria Assunta – „Kathedral-Basilika Mariä Himmelfahrt“) in Padua ist die Bischofskirche des römisch-katholischen Bistums Padua.
Geschichte Das Bistum Padua leitet sich von frühchristlichen Anfängen her. Die Überlieferung nennt den Apostelschüler Prosdocimus († um 100) als Gründer und ersten Bischof. Reste einer altkirchlichen Kathedrale sowie frühmittelalterlicher Folgebauten sollen sich unter dem heutigen Domvorplatz befinden.
1075 weihte Bischof Uldericus einen neuen, repräsentativen Dom, der jedoch beim Erdbeben von 1117 zerstört und bis 1180 durch eine romanische Kathedrale ersetzt wurde. Deren Lage und Grundriss, einschließlich der ungewöhnlichen Westausrichtung, entsprachen bereits dem heutigen Bau.
Das romanische Baptisterium an der Nordostecke des Doms war 1281 vollendet, die Ausmalung von Giusto de’ Menabuoi 1378.
Die Entstehung der heutigen Kathedrale begann 1522 mit der Grundsteinlegung für einen neuen Chor nach dem Vorbild von St. Peter in Rom. Der erste Bauplan stammte von Jacopo Sansovino. Nach einem Wettbewerb 1551 entschied sich das Domkapitel für einen Entwurf Michelangelos, der bis 1582 mit einigen Veränderungen realisiert wurde.
Ab 1635 wurden auch die anderen Teile der alten Kathedrale – rechter und linker Querhausarm und Langhaus – nach und nach abgerissen und im Stil der Zeit ersetzt. 1754 wurden die Arbeiten eingestellt, obwohl die Pläne von Girolamo Frigimelica († 1732), der zuletzt die Bauleitung hatte, nicht vollständig ausgeführt waren; insbesondere die Fassade blieb unvollendet.
Architektur Die Kathedrale in den Formen der Renaissance und des Barock ist eine dreischiffige Basilika auf dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes. Der Chor und die Querhausarme schließen mit Rundapsiden. Über der Vierung steht eine laternenbekrönte Kuppel mit schlankem rundem Tambour. Ein niedrigeres Oktogon erhebt sich über dem dritten Langhausjoch, flankiert von zwei mittelschiffhohen Kapellen, sodass sich scheinbar eine zweite, kleinere Vierung ergibt.
Der tonnengewölbte, durch Klarglasfenster lichtdurchflutete Innenraum ist hell verputzt und mit Bögen, Pfeilern, Kapitellen und dunkel abgesetzten Gebälken sparsam gegliedert.
Ausstattung In der ersten Kapelle links, der Kapelle der Madonna der Blinden, befindet sich eine Muttergottes mit Kind von Stefano dall’Arzere. Für den zweiten Altar schuf Pietro Damini ein Bild des heiligen Hieronymus und des Stifters Girolamo Selvatico, für die dritte Kapelle eine Darstellung des gekreuzigten Christus mit den Heiligen Maria Magdalena und Katharina.
Am Seitenportal steht das Kenotaph Francesco Petrarcas von Rinaldo Rinaldi (bestattet wurde Petrarca, der Domherr der Kathedrale war, in Arquà Petrarca). Die barocke Kapelle der Madonna der Wunder im rechten (nördlichen) Querschiff ist einer ehemaligen byzantinischen Ikone der Muttergottes mit gewickeltem Kind aus dem 13. Jahrhundert gewidmet, die mit Marienantiphonen der Kanoniker zur samstäglichen Vesper besungen und in Prozessionen mitgetragen wurde, so dass (modifizierte) Kopien nötig wurden, deren letzte 1974 entstand. Sie wird in einem aufwändigen Altar mit Podium zur rituellen Entnahme des Bildes präsentiert. Zwei Kopien aus dem 14. Jahrhundert sind bis heute erhalten, eine von Guariento di Arpo (heute im Metropolitan Museum of Art, New York)Madonna and Child by Guariento di Arpo (Objekt-Nr. 88.3.86) im Onlinekatalog des MET-Museums. und eine Kopie Giusto de’ Menabuois, der auch für die vollständige Freskierung der Taufkirche verantwortlich war (heute Diözesanmuseum im Bischofspalast).
In der Sakristei der Domherren sind die bedeutendsten der zahlreichen Kunstwerke eine Madonna von Giusto de’ Menabuoi und zwei Gemälde von Giandomenico Tiepolo (der hl. Philipp Neri und der hl. Hieronymus Ämiliani) sowie eine Kreuzabnahme von Jacopo da Montagnana. Außerdem wird hier ein Reliquiar des Heiligen Sebastian bewahrt, das mit Bildtafeln Niccolò Semitecolos von 1367, die Szenen seines Martyriums zeigten, geschmückt war; nur eine Tafel des Polyptychons ist noch am Ort zu sehen, sieben weitere befinden sich heute im Diözesanmuseum Paduas.
In der Kathedrale befindet sich u. a. das künstlerisch wertvolle Grabmal des früheren Ortsbischofs und späteren päpstlichen Legaten bzw. Nuntius in Deutschland, Kardinal Pietro Pileo di Prata († 1401).
Der Chorraum wurde 1997 neu gestaltet, u. a. mit Statuen des zeitgenössischen toskanischen Bildhauers Giuliano Vangi.
Die Krypta beherbergte die Urne und ein Reliquiar des Heiligen Daniel. Die romanische Urne wurde 1076 aus der Basilika Santa Giustina hierhin überführt, das Reliquiar befindet sich heute im Diözesanmuseum. Der dazugehörige Altar wurde Ende des 16. Jahrhunderts in Marmor mit Bronzereliefs von Tiziano Aspetti ausgestattet, deren Anlage heute nicht mehr original ist. Zu sehen ist außerdem eine Marienikone im Giottostil (14. Jh.).
Galerie zur Ausstattung
Orgel Die große Orgel wurde 1958 von der Orgelbaufirma Tamburini erbaut. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde das Instrument von der Orgelbaufirma Zanin reorganisiert, wobei einzelne Orgelwerke aus dem historischen Orgelgehäuse ausgegliedert und in neuen Gehäusen im Kirchenraum aufgestellt wurden. Das Instrument hat heute 72 klingende Register auf vier Manualwerken und Pedal. Es lässt sich von einem viermanualigen Spieltisch aus anspielen. Die Trakturen sind elektrisch.
I Positivo 1. Diapason 8′2. Flauto Coperto 8′3. Ottava 4′4. Flauto Coperto 4′5. Doublette 2′6. Quinta ′7. Piccolo 1′8. Mistura IV9. Cornetto 4′10. Duodecima ′11. Cornetto V12. Clarinetto 16′13. Voci Corali 16′14. Clarinetto 8′ TremoloII Grand'Organo15. Principale 16′16. Principale 8′17. Flauto Maggiore 8′18. Quinta ′19. Prestante 4′20. Duodecima ′21. Ottava 2′22. Gran ripieno IV23. Ripieno II24. Tromba 16′25. Tromba 8′ Tremolo III Espressivo26. Controgamba 16′27. Viola 8′28. Voce celeste 8′29. Corno di Notte 8′30. Flauto ottaviante 4′31. Ottava 4′32. Piccolo 1′33. Principale 8′34. Ottava 4′35. Sesquialtera II36. Larigot ′37. Bitonus II38. Plein Jeu V39. Fagotto 16′40. Tromba 8′41. Oboe 8′ 42. Voci corali 8′43. Clarone 4′ Tremolo IV Solo44. Violoncello 16′45. Flauto Doppio 8′46. Violoncello 8′47. Ottava Diapason 4′48. Flauto Doppio 4′49. Terza ′50. Settima ′51. Fiffaro 2′52. Nona ′53. Piccolo 1′54. Tromba Corno 16′55. Tromba Corno 8′56. Tremolo Pedale57. Violone 32′58. Contrabbasso 16′59. Flauto Basso 16′60. Subbasso 16′61. Quinta ′62. Basso 8′63. Principale 8′64. Bordone 8′65. Tiorba II66. Flauto Tenore 4′67. Flautino 2′68. Controfagotto 32′ 69. Bombarda 16′70. Clarinetto 16′71. Trombone 8′72. Clarone 4′
Einzelnachweise
Weblinks
Geschichte und Baubeschreibung (padovanet.it, italienisch)
Kathedrale Kategorie:Römisch-katholische Kathedrale in Italien Kategorie:Basilica minor Kategorie:Basilika (Bautyp) Kategorie:Mariä-Himmelfahrt-Kirche Kategorie:Erbaut im 17. Jahrhundert Kategorie:Erbaut im 18. Jahrhundert Padua Padua Kategorie:Kirchengebäude der Renaissance Kategorie:Barocke Kirche Kategorie:Disposition einer Orgel Kategorie:Nationaldenkmal (Italien) Padua Kategorie:Kirchengebäude des Bistums Padua