mini|Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst (2011) Stromberg [] ist eine deutsche, mehrfach prämierte Comedy-Fernsehserie des Produzenten Ralf Husmann. Von 2004 bis 2012 wurden fünf Staffeln der Serie gedreht und auf ProSieben ausgestrahlt. Benannt ist die Serie nach der Hauptfigur Bernd Stromberg. Stromberg ist eine Adaption der britischen Serie The Office.
Durch ein Crowdfunding-Projekt wurde ab Dezember 2011 Geld für einen Kinofilm gesammelt, der auch Filmförderungen erhielt; dieser hatte am 18. Februar 2014 im Cinedom in Köln unter dem Titel Stromberg – Der Film Premiere. Im Dezember 2025 kam eine Fortsetzung in Form eines neuen Films in die Kinos, Stromberg – Wieder alles wie immer.
Handlung Ein Fernsehteam begleitet mit der Kamera den Büroalltag der fiktiven Capitol Versicherung AG. Handlungsort ist meist die Abteilung Schadensregulierung M–Z, die von Bernd Stromberg geleitet wird. Stromberg möchte natürlich, dass sein Team – insbesondere er als Vorgesetzter und „Papa“ der Abteilung – stets von der besten Seite gezeigt wird. Es gelingt ihm jedoch selten, „sein Team“ und vor allem sich selbst in ein gutes Licht zu rücken.
Konzeption Grundkonzept und Kameratechnik Die als Mockumentary konzipierte Serie ist eine Parodie auf die beim Fernsehpublikum beliebten Doku-Soaps. Diese zeichnen sich durch die fortwährende Präsenz und Einbindung der Kamera und des Kamerateams in das Handlungsgeschehen aus. Diese Eigenschaft der Doku-Soaps wird in der Serie als Stilmittel eingesetzt. Zur Steigerung der Spannung kann die Kamera gänzlich aus dem Geschehen heraustreten, wodurch der Eindruck entsteht, dass die Akteure heimlich beobachtet werden. Diese wiederum können andererseits auch bewusst mit der Kamera interagieren, indem sie ihr Verhalten deutlich ändern, wenn sie sich von ihr ertappt fühlen. Unterstrichen wurden diese Besonderheiten noch dadurch, dass die Regisseure Arne Feldhusen und Andreas Theurer die Kamera gelegentlich weiterlaufen ließen, obwohl die Szene gemäß Drehbuch schon abgeschlossen war. So bereicherten die Improvisationen der Darsteller das Drehbuch nicht selten um eine weitere Pointe.
Wie für eine Mockumentary/Dokumentation üblich (wie beim britischen Vorbild, The Office, oder anderen TV-Produktionen, wie z. B. die US-Serie Modern Family; seltener im Spielfilm), bedient sich die Produktion durchgängig der One-Shot-Technik, wobei das Geschehen von nur einer singulären Kamera, bzw. einem einzigen Kamerateam erfasst wird. Bjarne Mädel erwähnte in einem Interview, dass die Arbeit mit nur einer Kamera schwierig war; vor allem, da bei Fehlern oder Versprechern kaum glaubhafte Schnitte möglich seien.
Der Handlungsort ist zu Beginn der Serie ausschließlich das Bürogebäude der Zweigniederlassung der Capitol Versicherung AG. Die Träger der Handlung sind als Stereotype stark überzeichnet, was zur Folge hat, dass diese sich untereinander in einem ständigen Spannungsverhältnis befinden.
Fiktiver Ort Finsdorf In der vierten Staffel wird Stromberg in die kleine Capitol-Versicherungsfiliale des fiktiven Ortes Finsdorf strafversetzt. Dazu wurde eigens ein Internetauftritt eingerichtet, und ProSieben sendete Werbespots für den Ort („Juwel der Heide“). Bernd Stromberg beschreibt das Dorf ablehnend als „Finsterdorf“, „Inzesthausen“ und „Doofdorf“. Auf der Website finsdorf.de, die für die Viralmarketing-Kampagne geschaltet wurde, begrüßte man Bernd Stromberg als neuen Einwohner. GoYellow stellte einen Ausschnitt der Originalkarte zur Verfügung, auf der die Ortschaft Böddenstedt in Finsdorf umbenannt wurde. Zusätzlich wurde ein fiktives Atomkraftwerk in der Nähe errichtet.
Drehorte Die Dreharbeiten fanden überwiegend in Köln statt. Ein Bürogebäude in Köln-Braunsfeld an der Eupener Straße diente als Kulisse für die Niederlassung der Capitol Versicherung AG. Die im Vorspann gezeigte Fußgängerbrücke überquert die Straße Rothgerberbach auf Höhe der Poststraße.
Die Szenen im fiktiven Ort Finsdorf fanden im Frühjahr 2009 im Bornheimer Stadtteil Walberberg statt. Als Kulisse wurde ein ehemaliger Tante-Emma-Laden an der Ecke Hauptstraße/Flammgasse hergerichtet, der seit einigen Jahren leer stand.
Figuren Hauptfiguren Rolle Schauspieler Hauptrolle(Episoden) Nebenrolle(Episoden) Bernd Stromberg Christoph Maria Herbst 1.01–5.10 Ulf Steinke Oliver Wnuk 1.01–5.10 Tanja Steinke (geb. Seifert) Diana Staehly 1.01–5.10 Berthold Heisterkamp Bjarne Mädel 1.01–5.10 Jennifer Schirrmann Milena Dreißig 4.01–5.10 3.01–3.08 Erika Burstedt Martina Eitner-Acheampong 1.01–3.08
Bernd Stromberg Die Hauptfigur Bernd Stromberg (Schauspieler: Christoph Maria Herbst) ist zu Beginn der Serie Ressortleiter der Abteilung Schadensregulierung M bis Z, ab Staffel 2 dann stellvertretender Leiter der Abteilung Schadensregulierung. Bernd Stromberg ist Mitte 40,Staffel 2, Episode 9 laut eigener Aussage in der Episode Sally 1963 geboren, und verheiratet. Da er in der 2005 ausgestrahlten Staffel 2 jedoch nach mehreren Untertreibungen zugibt, 45 Jahre alt zu sein, darf angenommen werden, dass er in Wahrheit spätestens 1960 geboren wurde. In der zweiten Staffel trennen sich Stromberg und seine Frau Birgit. Er selbst möchte gegenüber seinen Kollegen eine väterliche, manchmal auch kumpelhafte Rolle einnehmen. So mimt er stets die geradlinige und strenge Autoritätsperson, während er sich besonders gegenüber seinen Vorgesetzten durch hohen situativen Pragmatismus auszeichnet. Es gelingt ihm aufgrund seiner bildhaften und unpräzisen Rhetorik häufig, direkte Konfrontationen zwischen Kollegen und Vorgesetzten zu vermeiden. Obwohl Stromberg oftmals betont, wie wichtig ihm ein menschlicher Umgang mit seinen Mitarbeitern sei, zeichnet er sich besonders durch unbeholfenes bis dissoziales Verhalten aus. Seine fachliche Kompetenz ist mangelhaft, was meist dazu führt, dass er ihm erteilte Arbeitsanweisungen entweder ignoriert, mangelhaft erledigt oder auf seine Mitarbeiter überträgt.
In regelmäßigen Einzelinterviews porträtiert Stromberg gerne den ernsthaften und kollegialen Geschäftsmann, häufig mittels extensiver, bildhafter Vergleichsdarstellungen. Im Büroalltag dominiert jedoch sein sozial grobschlächtiges Verhalten. So instrumentalisiert er systematisch und bereitwillig seine Mitarbeiter, um sich in der Chefetage zu profilieren. Trotz seines sozial sehr unangepassten Verhaltens besitzt er besonders wegen seines in der Regel lockeren und komödiantischen Auftretens und überdurchschnittlicher Eloquenz die Sympathien seiner meisten Mitarbeiter; gegen Ende der dritten Staffel schlägt ihm jedoch aufgrund seiner Egozentrik vermehrt die Missgunst der Abteilung entgegen.
In der vierten Staffel wähnt sich Stromberg bereits am Ziel seiner Bemühungen: der Beförderung zum Gesamtleiter der Schadensregulierung. Als jedoch ein Streit zwischen ihm und dem Kantinenkoch eskaliert, wird Stromberg aufgrund von dessen Beziehungen zum Vorstand in eine Außenstelle der Capitol nach Finsdorf versetzt. Mit den eher ländlichen Gepflogenheiten der Dorfbewohner kann er sich nicht anfreunden. Deshalb nutzt er jede sich bietende Gelegenheit, um seine „alte“ Arbeitsstelle zu inspizieren und gegen die vorübergehende Abteilungsleiterin Tanja Steinke zu intrigieren.
Am Ende der vierten Staffel instrumentalisiert Stromberg den Tod der Angestellten Erika, um das Wohlwollen seiner alten Abteilung wiederzugewinnen. Wiederum zeigt sich hier seine typische, jedoch inszenierte Betroffenheit. Von Jennifer Schirrmann, der Stromberg wiederholt Avancen macht, wird er auch wegen seiner wechselhaften Persönlichkeit als Büro-Gollum bezeichnet. Sie weist darauf hin, dass Stromberg offensichtlich für seinen Job über Leichen geht und oftmals wie ein Gefühlslegastheniker handelt.
In der fünften Staffel gelingt es Stromberg, seinen Chef Becker zu „beerben“. Dieser ist psychisch durch seine Scheidung derart angeschlagen, dass er dem Alkohol auch im Büro zuspricht und schließlich von Stromberg erfolgreich ausgebootet werden kann. Stromberg übernimmt anschließend dessen Posten. Im Verlauf der fünften Staffel wechselt er jedoch kurzfristig und auf eigenen Wunsch in die von der Schließung bedrohte Abteilung Schiffskasko (das „Sibirien der Capitol“), da er wegen kollegialer Probleme in der Abteilung Schadensregulierung, insbesondere mit Jennifer Schirrmann, dem sozialen Druck entkommen möchte. Zunächst macht er den Mitarbeitern dieser Abteilung große Hoffnungen, die Schließung der Abteilung abwenden zu können. Als ihm aber die Rückkehr in seine bisherige Abteilung wieder opportun erscheint, schreibt er seinem Vorgesetzten Herrn Nübel, dass diese Abteilung wegen Ineffizienz geschlossen werden sollte. Nach der Schließung der Abteilung übernimmt Stromberg wieder die Gesamtleitung der Schadensregulierung. Als er jedoch die Verantwortung für den Korruptionsverdacht gegen den vorübergehenden Abteilungsleiter der Schadensregulierung Ulf Steinke übernimmt, wird ihm gekündigt. Die Kündigungsfrist nutzt er, um „den Hammer noch ein paar Mal kreisen zu lassen“. Schließlich sorgt er vorsätzlich für einen Rückfall des frisch rehabilitierten Herrn Becker in die Alkoholsucht. Die Kündigung Strombergs wird daraufhin zurückgezogen, und er behält die Gesamtleitung.
Im Kinofilm Stromberg – Der Film (2014) konkurriert er mit Ernie um die Führung der Abteilung, erfährt aber im Laufe des Films, dass sein Standort geschlossen werden soll. Daraufhin führt er den Protest der Belegschaft gegen die Capitol an, aus dem sich Proteste gegen das Kapital entwickelten. Er erhält schlussendlich eine hohe Position bei der SPD.
Ulf Steinke Ulf Steinke (Schauspieler: Oliver Wnuk) feiert in der ersten Staffel seinen 28. Geburtstag und ist seit mindestens fünf Jahren in der Abteilung. Er macht – wenn es sich um berufliche Dinge handelt – einen wenig motivierten Eindruck und ist in der Leistungsstatistik der Abteilung „auf dem letzten oder vorletzten Platz“. Das verwundert auch nicht, denn mehrmals gibt er in den „Interviews“ zu, sich bei der Berufswahl vergriffen zu haben, er „hätte lieber was mit Autos machen sollen“. Ihm ist der Büroalltag eher lästig, und alle Änderungen in den Arbeitsvorgängen überfordern ihn. Er ist der stereotype Macho, der sich lieber um seine Kumpels, Fußball, Autos und andere „Männerthemen“ kümmert. Oft ist er der einzige Mitarbeiter, der über Strombergs Witze lacht, und er lässt sich mitunter von Stromberg für dessen Zwecke einspannen. Besonders wenn es bei beiden in Sachen Frauen wieder einmal nicht gut läuft, biedert sich Stromberg bei ihm an, um mit ihm über die Damenwelt zu lästern. Sein Kollege Berthold („Ernie“) ist das Lieblingsopfer seiner Streiche. Trotz begrenzter intellektueller Fähigkeiten zeigt er oft eine ausgeprägte emotionale Kompetenz, wenn er Kollegen geschickt manipuliert oder mit den wahren Motiven ihres Handelns konfrontiert. Des Öfteren interessieren sich attraktive Frauen für ihn. Seine Heirat mit Tanja Seifert in der vierten Staffel bereut er noch ebenda, nachdem sich herausstellt, dass Tanja als Strombergs Nachfolgerin Karriere macht. Durch seine Eifersüchteleien offenbart er, dass er mit Tanjas beruflicher Überlegenheit nicht klarkommt. Er selbst fällt beruflich eher negativ auf. Ausgerechnet immer dann, wenn es mit Strombergs Karriere aufwärtsgeht, scheint auch ein beruflicher Aufstieg des fachlich wenig kompetenten Ulf möglich, ohne dass er dies wirklich anstrebt. Nachdem Stromberg kommissarischer Leiter der Schadensregulierung wird, wird Ulf sein Stellvertreter. Er verliert diesen Posten aber im Verlauf der fünften Staffel wieder, weil er von einem Großkunden ein Geschenk annimmt, nachdem er unaufmerksam und leichtsinnig überhöhte Schadensmeldungen dieses Kunden abgesegnet hatte, was bis in die Konzernspitze dringt und ihm als Compliance-Verstoß ausgelegt wird. Anschließend wird er in der Serie in eine andere Abteilung versetzt. In Stromberg – Der Film ist er allerdings wieder Mitarbeiter der Schadensregulierung.
Berthold „Ernie“ Heisterkamp