Velaro (abgeleitet vom spanischen Ausdruck velocidad alta für „Hochgeschwindigkeit“) ist eine international erfolgreiche Familie von Hochgeschwindigkeitszügen, hergestellt von Siemens Mobility. Die Triebzüge stellen die Weiterentwicklung der ICE 3 in jeweils an die Bedürfnisse diverser Bahnunternehmen angepasste Entwicklungslinien dar. mini|Velaro D auf der InnoTrans 2010, Baureihe 407 der Deutschen Bahn

Nutzer und Varianten Velaro E

Die Spanische Staatsbahn (RENFE) bestellte als erste Bahngesellschaft von Siemens insgesamt 26 achtteilige Triebzüge als RENFE-Baureihe 103Civils and signals block speed-up on world’s fastest line. In: Railway Gazette International. Bd. 161, Nr. 4, London 2005, S. 179, abgerufen am 22. Dezember 2013. . Mit einer zulässigen Geschwindigkeit von 350 km/h und einer bei Versuchsfahrten erreichten Spitzengeschwindigkeit von 403,7 km/h war diese Variante von Juni 2007 bis September 2010 der schnellste in Serie gefertigte Zug der Welt. Die Velaro E (E für España, Spanisch für Spanien) sind die ersten auf Basis der Velaro-Plattform ausschließlich von Siemens entwickelten Züge. Die Triebzüge wurden in Technik und Innenraumausstattung entsprechend weiterentwickelt sowie dem Einsatzgebiet und Betreiberwünschen angepasst. Seit 2007 verkehren die Einheiten planmäßig auf unterschiedlichen Strecken in Spanien.

Velaro RUS

In Russland verkehren zehnteilige Sapsan, eine Version mit wegen der größeren Fahrzeugbegrenzungslinie breiteren Wagenkästen für russische Breitspur, unter der Herstellerbezeichnung Velaro RUS (RUS für Russland). Sie sind die dritte auf Basis der Velaro-Plattform entwickelte Triebzug-Variante. Sie erhielt den Markennamen Wanderfalke (, Sapsan: so heißt auf Russisch der schnellste Vogel aus der Familie der Falken). Mit den breiteren Wagenkästen basieren sie auf dem Velaro CN, wurden aber mit Drehgestellen für die russische Breitspur ausgerüstet und insbesondere den speziellen klimatischen Bedingungen vor Ort angepasst. Seit Dezember 2009 verkehrt die erste Bauserie von acht Zügen in Russland planmäßig, weitere acht Einheiten folgten 2014. Im Juni 2019 wurden weitere 13 Triebzüge durch die Russische Staatsbahn in Auftrag gegeben. Einschließlich der Instandhaltung für 30 Jahre betrug der Auftragswert 1,1 Milliarden Euro.

Velaro CN

In China sind CRH3, eine Variante mit ebenfalls breiteren Wagenkästen auf Regelspur, als Velaro CN (CN für China) im Planbetrieb. Eine Einheit dieser Variante stellte am 9. Januar 2011 mit einer Geschwindigkeit von 487 km/h einen neuen Weltrekord für serienmäßige Züge auf. Die Velaro CN sind die zweite auf Basis der Velaro-Plattform entwickelte Bauart. Sie zeichnen sich durch breitere Wagenkästen und technische Anpassungen an den Hochgeschwindigkeitsverkehr in der Volksrepublik China aus. Die Fertigung fand überwiegend lokal in China statt.

Velaro D (DB-Baureihe 407)

Die 17 Velaro D (D für Deutschland) bilden die vierte auf Basis der Velaro-Plattform entwickelte Variante. Ihre ursprünglich ab 2011 geplante Auslieferung verzögerte sich mehrfach. Erst kurz vor Weihnachten 2013 wurden die ersten vier Triebzüge von der Deutschen Bahn in Dienst gestellt. Da die Züge im Verkehr in Deutschland, Frankreich und Belgien zum Einsatz kommen sollen, wurden sie viersystemfähig für alle im europäischen Fernbahnnetz vorkommenden Bahnstromsysteme ausgelegt.Heinz R. Kurz: InterCityExpress: Die Entwicklung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs in Deutschland. EK-Verlag, Freiburg 2009, ISBN 978-3-88255-228-7, S. 222 f. Die Triebzüge werden bei der Deutschen Bahn der ICE-3-Flotte zugeordnet.15 neue ICE 3 für die Deutsche Bahn. In: mobil, Februar 2009, S. 54. .

Velaro e320

17 Züge der sechzehnteiligen Bauart Velaro e320 (320 für die Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h) verbinden Frankreich, die Niederlande und Belgien mit England durch den Eurotunnel. Als Eurostar 320 ergänzen sie seit 2015 die bisher ausschließlich aus Einheiten der britischen Klasse 373 (TGV TMST) bestehende Zugflotte. Am 7. Oktober 2010 gab die Eurostar Group die Absicht zur Bestellung von zehn Velaro-Triebzügen zur Ergänzung ihrer Flotte bekannt. Die knapp 400 m langen Züge bieten eine Kapazität von rund 900 Sitzplätzen und wurden für eine Geschwindigkeit von 320 km/h zugelassen. Der Auftragswert lag bei mehr als 600 Millionen Euro. Am 20. November 2015 wurde erstmals ein Zug kommerziell eingesetzt. Im November 2014 wurde die Bestellung um weitere sieben Züge im Wert von 380 Millionen Euro ergänzt.

Velaro TR

Die türkische Eisenbahngesellschaft TCDD betreibt seit 2015 zunächst sieben achtteilige Triebzüge der Baureihe HT80000 mit der Herstellerbezeichnung Velaro TR (TR für Türkei). Sie bilden die sechste auf Basis der Velaro-Plattform entwickelte Triebzug-Variante. Die zunächst sieben 200 Meter langen Züge bestehen aus acht Wagen. Sie erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h und werden auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken Ankara–Istanbul und Ankara–Konya eingesetzt. Der erste Velaro TR wurde am 23. Mai 2015 von der TCDD in Betrieb genommen und verkehrt sechsmal täglich zwischen Ankara und Konya. Im April 2018 erfolgte ein Auftrag über zehn weitere Züge mit gleicher Konfiguration, der später auf zwölf Züge erweitert wurde. Das Vertragsvolumen, das neben den Zügen auch drei Jahre Wartung, Reparatur und Reinigung umfasst, belief sich auf rund 340 Millionen Euro. Der erste Triebzug der neuen Serie wurde im November 2019 ausgeliefert. Die Auslieferung wurde im Juni 2021 abgeschlossen.

Velaro MS (ICE 3neo / DB-Baureihe 408)

Im August 2019 schrieb die Deutsche Bahn die Lieferung von bis zu 90 je 300 bis 320 km/h schnellen und mit den Einheiten der Baureihe 407 kuppelbaren Hochgeschwindigkeitszügen aus, wobei deren Einsatz im Fahrgastbetrieb bereits ab Dezember 2022 verlangt wurde. Damit sollte möglichst schnell das Angebot an Fernverkehrszügen auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken erweitert werden. Basierend auf der Velaro-Plattform und der bereits eingesetzten Baureihe 407 bot Siemens die für den grenzüberschreitenden Einsatz verlangten Mehrsystemzüge an und erhielt im Juli 2020 den Auftrag, 30 dieser Züge im Wert von rund einer Milliarde Euro zu liefern; darüber hinaus wurde eine Option auf 60 weitere Triebzüge vereinbart. Anfang 2022 übte die DB die Option teilweise aus und erhöhte die Bestellung um weitere 43 auf insgesamt 73 Züge. Im Mai 2023 gab die Deutsche Bahn die Bestellung der restlichen 17 Züge bekannt. Siemens bezeichnet die Triebzüge als Velaro MS (Multi System), die Deutsche Bahn als ICE 3neo; sie sollen als Baureihe 408 eingeordnet werden. Die Auslieferung der 2022 bestellten 43 zusätzlichen Züge soll im Herbst 2024 beginnen und 2028 abgeschlossen werden. Das Auftragsvolumen für diese Züge betrug 1,5 Milliarden Euro. Am 5. Dezember 2022 wurde im Hauptbahnhof Frankfurt der erste ICE 3 neo vorgestellt; er fuhr anschließend nach Köln.

Velaro EGY miniatur|Ein Endwagen des Velaro EGY auf der Innotrans 2024 2022 erhielt Siemens einen Auftrag über den Aufbau eines Hochgeschwindigkeitsnetzes in Ägypten, das auch 41 achtteilige Velaro-Triebzüge beinhaltet. Die Züge sollten bis zu 230 km/h schnell fahren können. Sie wurden später für 250 km/h konzipiert und sollten über 481 Sitzplätze verfügen, darunter zwei Rollstuhlplätze. Der Velaro Egypt als jüngste Generation der Velaro-Plattform basiert auf dem Velaro MS, der von der DB eingesetzt wird. Im Mai 2024 wurde die erste Zugeinheit des „Velaro EGY“ auf der Teststrecke Wegberg-Wildenrath in Deutschland Tests unterzogen, die Auslieferung sollte Ende 2024 beginnen. Ein erster Triebzug wurde auf der Innotrans im September 2024 in Berlin präsentiert. Im September 2024 waren fünf Züge im Bau. Im November 2025 wurde ein erster Zug, mit nunmehr 489 Sitzplätzen, in Ägypten vorgestellt.

Velaro Italo

Im April 2026 bestätigte das private italienische Unternehmen Italo Kaufabsichten über 26 Velaro-Triebzüge mit einer Option für bis zu 14 weitere, die im innerdeutschen Fernverkehr eingesetzt werden sollen. Auch ein Wartungsvertrag mit Siemens mit einer Laufzeit von dreißig Jahren wurde angestrebt. Dieser Kauf- und Wartungsvertrag wurde im Juli 2026 unterzeichnet. Die Fertigung findet in Krefeld und die Instandhaltung im Siemens-eigenen Depot in Dortmund statt. Der Auftragswert für Siemens liegt bei rund drei Milliarden Euro. Die achtteiligen Züge bieten rund 440 Sitzplätze und erreichen eine Geschwindigkeit von 320km/h. Sie sind viersystemfähig für die europäischen 1,5 und 3Kilovolt (kV) Gleich- sowie 15 und 25kV Einphasenwechselspannung. Zudem erhalten die Züge integrierte Starlink-Antennen, die den Fahrgästen eine satellitengestützte Internetverbindung bieten.

Technik Die Velaro basieren auf den für die Deutsche Bahn entwickelten ICE 3. Die ICE-Variante wurde in den 1990er Jahren von einer Arbeitsgemeinschaft mehrerer Unternehmen unter der Federführung von Siemens entwickelt. Die Velaro wurden und werden ausschließlich von Siemens entwickelt und produziert. Mit der Trennung der Arbeitsgemeinschaft musste der nun alleinige Hersteller Siemens die Triebzüge generell überarbeiten, weil die zwischenzeitliche Herausgabe der technischen Spezifikationen für Interoperabilität (TSI) und weiterentwickelte Normen unter anderem an den Brandschutz neue und komplexere Anforderungen stellten. Dazu kam die Neukonstruktion der bisher nicht von Siemens stammenden Elemente. Die in Aluminium-Integralbauweise konstruierten Triebwagenzüge sind dabei als Plattform konzipiert, die auf die speziellen Bedürfnisse von Kunden in den verschiedenen Ländern modifiziert werden kann. Unter anderem wurden bei den derzeitigen Varianten Antriebsleistungen, Stromsysteme, Klimaanlagen, Sitzplatzanzahl, Wagenkastenbreiten und Spurweiten den Anforderungen der Kunden angepasst. Auch die Wagenübergänge wurden gegenüber den ICE 3 verändert. Die Außentüren sind elektrisch betätigte, einflügelige Schwenkschiebetüren mit einer lichten Weite von 900 und einer lichten Höhe von 2050 Millimetern.

Anders als bei den ICE 3 können Traktionshilfsbetriebe wie Stromrichterkühlwasserpumpe, Stromrichterkühlerlüfter, Fahrmotorlüfter und die Lüfter der Bremswiderstände auch ohne Fahrleitungsspannung versorgt werden. Das Aussetzen der Kühlung in den Schutzstrecken auf der LGV Est hatte bei den ICE 3 wiederholt zu Problemen geführt. Im Gegensatz zu den ICE 3 sind die meisten Velaro-Varianten nicht mit einer Wirbelstrombremse ausgerüstet, lediglich die Velaro D verfügen über dieses Bremssystem. Laut Herstellerangaben seien die Velaro die ersten Hochgeschwindigkeitszüge, die die Technischen Spezifikationen für die Interoperabilität zur Barrierefreiheit (TSI PRM) erfüllen.

Velaro ist eine eingetragene Marke von Siemens.Deutsches Patent- und Markenamt – Registernummer 302522999, Registernummer 302431314 abgerufen am 15. April 2014 Das Design der Züge wurde 2015 mit dem Red Dot Design Award in der Kategorie Product Design 2015 ausgezeichnet.

Verteilter Antrieb