mini|Islamische kalligraphische Darstellung mit dem Namen „Mohammed“ und der zugehörigen Eulogie mini|Timuridische Darstellung Mohammeds; aus dem Miradschname, 1436, Herat. Das Werk befindet sich in der Sammlung der Bibliothèque nationale in Paris.
Mohammed oder Mohammad sowie Muhammad, mit vollem Namen Abū l-Qāsim Muhammad b. ʿAbdallāh b. ʿAbd al-Muttalib b. Hāschim b. ʿAbd Manāf al-Quraschī (; geboren zwischen 570 und 573 in Mekka; gestorben am 8. Juni 632 in Medina), war der Religionsstifter des Islam. Er gilt im Islam als Prophet und Gesandter Gottes. Mohammed war sowohl der Führer der religiösen und sozialen Bewegung als auch der Herrscher über den Machtbereich, in dem diese Religion ausgelebt wurde. Die ihm folgenden Kalifen dehnten die arabische Herrschaft über Iran, Syrien, Palästina und Ägypten aus.
Herkunft und Familie mini|hochkant=2|Die Geburt des Propheten Mohammed. Aus dem Dschami at-tawarich (etwa: ‚Universalgeschichte‘), geschrieben von Raschīd ad-Dīn, Iran (Täbris), c. A.H. 714/A.D. 1314–1315 Tinte, Farbpigmente und Gold auf Papier. Edinburgh University Library (MS Arab 20, folio 42r), Cat. 6. Links drei Frauen, rechts der Großvater Mohammeds, ʿAbd al-Muttalib.
Mohammed wurde in der arabischen Stadt Mekka als Familienmitglied der Banū Hāschim aus dem vorherrschenden Stamm der Quraisch geboren. Mohammeds Vater ʿAbdallāh starb wahrscheinlich vor seiner Geburt um das Jahr 570. Seine Mutter Āmina bint Wahb starb um das Jahr 577.
Als Geburtsjahr wird in vielen arabischen Quellen das Jahr des Elefanten angegeben, das nach neuerer Forschung auf die Zeit zwischen 547 und 552 datiert wird.Lawrence I. Conrad: Abraha and Muhammad. Some observations apropos of chronology and literary topoi in the early Arabic historical tradition. In: Bulletin of the School of Oriental and African Studies. Band 50, 1987, S. 225–240; M. J. Kister: The Campaign of Ḥulubān. In: Le Museon. Band 78, 1965, S. 425-436; Ella Landau-Tessaron: Sayf Ibn ʿUmar in Medieval and Modern Scholarship. In: Der Islam. Band 67, 1990, S. 12. Die Vereinbarkeit mit den übrigen Lebensdaten Mohammeds ist strittig.
At-Tabarī (gestorben 923) zitiert den Historiker und Genealogen Ibn al-Kalbī (gestorben 819) mit der Aussage, Mohammed sei im 42. Jahr nach dem Herrschaftsantritt des Sassanidenherrschers Chosrau I. Anuschirwan geboren worden. Demnach ist seine Geburt auf das Jahr 573 zu datieren.Vgl. The History of al-Ṭabarī. Band 5: The Sāsānids, the Byzantines, the Lakhmids, and Yemen. Übersetzt und mit Anmerkungen versehen von C. E. Bosworth. Albany 1999. S. 268. Al-Masʿūdī (gestorben 957) datiert seine Geburt dagegen auf das 39. Regierungsjahr von Chosrau I., das dem Jahr 570 entspricht.Vgl. al-Masʿūdī: Kitāb at-Tanbīh wa-l-išrāf. Französische Übersetzung von B. Carra de Vaux. Imprimerie Nationale, Paris 1896. S. 303. Digitalisat Als Zeitpunkt wird der zwölfte Tag im Rabīʿ al-awwal, dem dritten Monat des islamischen Kalenders angegeben.
Mohammed hatte im Laufe seines Lebens rund zehn Ehefrauen. Seine erste Ehefrau war Chadidscha; seine vermutlich jüngste Ehefrau war Aischa, mit der er zwischen ihrem sechsten und neunten Lebensjahr verlobt und verheiratet wurde. Von seinen Kindern sind acht namentlich bekannt. Fatima, seine jüngste Tochter, war das einzige Kind, dessen Nachkommen bis ins Erwachsenenalter überlebten.
Die mekkanische Zeit (bis 622) Frühe Lebensjahre Mohammed wurde unmittelbar nach seiner Geburt zu der Amme Halīma bint Abī Dhuʾaib gegeben. Um seinen etwa zweijährigen Aufenthalt bei ihr und ihrem Stamm, der nomadisch in der Wüste lebte, ranken sich einige Legenden. Im Alter von sechs Jahren verlor Mohammed seine Mutter Āmina. Anschließend lebte er bei seinem Großvater ʿAbd al-Muttalib, der jedoch zwei Jahre später ebenfalls starb.Vgl. F. E. Peters: Muhammad and the origins of Islam. Albany 1994, S. 57 f. So kam Mohammed schließlich in den Haushalt seines väterlichen Onkels Abū Tālib (jüngerer Bruder seines Vaters), der als Händler tätig war.
In jungen Jahren arbeitete Mohammed als Schafhirte, später nahm er angeblich an zwei Reisen der Handelskarawanen in den Norden (Syrien, also in das Oströmische Reich) teil. Den Fidschār-Kriegen zwischen den Quraisch und Kināna auf der einen und den Qais ʿAilān auf der anderen Seite, die auf die frühen 590er Jahre datiert werden,Vgl. Tilman Nagel: Mohammed. Leben und Legende. München 2008, S. 52. soll Mohammed im Alter von 20 Jahren beigewohnt haben.Vgl. al-Masʿūdī: Kitāb at-Tanbīh wa-l-išrāf. Französische Übersetzung von B. Carra de Vaux. Imprimerie Nationale, Paris 1896, S. 281 (Digitalisat).
Gegen 595 bot ihm seine damalige Arbeitgeberin, die 15 Jahre ältere zweifache Kaufmannswitwe Chadidscha bint Chuwailid (555?–619) aus dem angesehenen quraischitischen Geschlecht ʿAbd al-ʿUzzā, die Heirat an. Mit ihrer Hilfe erlangte Mohammed seine finanzielle Unabhängigkeit und soziale Sicherheit – eine Wende in seinem Leben. Auf diese Zeit nimmt auch eine mekkanische Sure im Koran direkten Bezug: (Diese Übersetzung und folgende Übersetzungen: Rudi Paret)
Gemäß der Koranexegese gehören diese Verse zu denjenigen Teilen des Koran, in denen Mohammed von Gott direkt angesprochen wird. Sie interpretiert diesen Passus als Charakteristik der gesellschaftlichen Position Mohammeds in Mekka, bevor er seine ersten Offenbarungen hatte.Siehe auch Rudi Paret: Der Koran. Kommentar und Konkordanz. Kohlhammer, Stuttgart 1980, S. 513.
Aus Mohammeds Ehe mit Chadidscha ging unter anderem seine Tochter Fatima hervor, die als einziges seiner Kinder selbst Nachkommen hatte.Über die Kinder, die aus dieser Ehe hervorgegangen sind, siehe: Meir J. Kister: The Sons of Khadīja. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam. Band 16, 1993, S. 59–95. Von ihr stammen alle Nachfahren Mohammeds ab.
Religiöse Entwicklung und Berufung zum Propheten mini|Relief aus parthischer Zeit (vermutlich 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr.) aus Hatra mit Darstellung der Göttin al-Lat, flankiert von zwei weiblichen Figuren, möglicherweise al-Uzza und Manat. Ausgestellt im Irak-Museum in Bagdad, Irak. mini|Mohammed vor der Kaaba (türkische Buchmalerei aus dem Siyer-i Nebi, 16. Jahrhundert). Sein Gesicht wird nicht dargestellt.
In der Spätantike gelangten verstärkt monotheistische Einflüsse (Judentum und Christentum) nach Arabien. Diese haben Mohammeds spätere Entwicklung mit beeinflusst.Rudi Paret: Mohammed und der Koran. 10. Auflage. Stuttgart 2008, S. 42 ff. Vgl. auch Aziz Al-Azmeh: The Emergence of Islam in Late Antiquity. Allah and His People. Cambridge 2014. Islamischen Überlieferungen zufolge stand Mohammed vor seinen ersten Offenbarungserlebnissen in der religiösen Tradition seines Volkes, die man später – aus islamischer Sicht – als die Zeit der Dschāhiliyya bezeichnete. Ibn al-Kalbi (gestorben gegen 819),Fuat Sezgin (1967), S. 268–271. der Verfasser des Götzenbuches, zitiert Mohammed bei der Beschreibung des Idols al-ʿUzzā mit folgenden Worten: „Ich habe al-ʿUzzā ein weißes Mutterschaf geopfert, als ich der Religion meines Volkes folgte.“M. J. Kister: „A bag of meat“. A study of an early Ḥadīth. In: Bulletin of the School of Oriental and African Studies. Band 33, 1970, S. 275; Julius Wellhausen: Reste arabischen Heidentums. Berlin 1887, S. 30. Auch in der Prophetenbiographie sind alte Berichte erhalten, die auf die Ausübung vorislamischer Bräuche durch Mohammed in seiner vorprophetischen Zeit schließen lassen.
Beziehung zu dem Hanīfen Zaid ibn ʿAmr In der Sira, der Prophetenbiographie von Muhammad ibn Ishaq, wird eine Begegnung Mohammeds mit dem damals bekannten Hanīfen Zaid ibn ʿAmr geschildert; Mohammed soll, dem Bericht zufolge, Zaid das Fleisch von „unseren Schlachtopfern, die wir unseren Idolen (dargebracht haben)“, angeboten haben, dessen Verzehr Zaid allerdings als verwerflich zurückwies. „Von dem Tag an“, lässt die Überlieferung Mohammed sprechen, „habe ich keinem Götzen Opfer dargebracht, bis Gott mich mit seiner Botschaft ausgezeichnet hat.“Alfred Guillaume: New light on the life of Muhammad. Manchester University Press, 1960 (= Journal of Semitic Studies. Monograph No. 1), S. 27–28 (in englischer Übersetzung nach der Prophetenbiographie von Ibn Ishāq in der Bearbeitung von Yūnus ibn Bukair). In der Edition von Muḥammad Ḥamīdullāh (Konya 1981), S. 98. Diese Episode ist in den Folgegenerationen von al-Buchārī bis in die Zeit von adh-Dhahabī mehrfach dargestellt worden.Siehe die Zusammenstellung unterschiedlicher Bearbeitungen dieser Episode: M. J. Kister: „A bag of meat“ op. cit. S. 267–275.
Mohammeds Alter bei seiner Berufung zum Propheten Nach der gängigen Chronologie war Mohammed 40 Jahre alt, als er zum Propheten berufen wurde. Nach Überlieferungen, die auf den Prophetengefährten Anas ibn Mālik (gestorben zwischen 708 und 714) zurückgeführt werden, erhielt er seine Berufung „am Kopfe von 40 Jahren“ (ʿalā raʾs al-arbaʿīn) bzw. „als er vierzig Jahre alt war“ (wa-huwa ibn arbaʿīn sana).Aloys Sprenger: Ueber den Kalender der Araber vor Mohammad. In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. Band 13, 1859, S. 134–175, hier: S. 170 (Digitalisat). Hischām ibn Muhammad Ibn al-Kalbī (gestorben 819) nahm sogar an, dass der Engel Gabriel Mohammed die Botschaft Gottes just an dem Tag überbrachte, an dem er vierzig Jahre alt wurde.Aloys Sprenger: Das Leben und die Lehre des Moḥammad nach größtenteils unbenutzten Quellen. Nicolai’sche Verlagsbuchhandlung, Berlin 1861, S. 349 (Digitalisat).
Allerdings handelt es sich bei diesen Altersangaben sehr wahrscheinlich um Idealisierungen aus nachprophetischer Zeit. Schon Aloys Sprenger vermutete, dass die Muslime „[…] eine Koranstelle und auch der im Orient verbreitete Glauben, daſs die Vollendung des vierzigsten Jahres ein höchst wichtiger Abschnitt in der geistigen Entwickelung des Menschen sei, dazu verleitet (hat), ein symbolisches dem historischen Datum vorzuziehen und zu behaupten, daſs der Engel Gabriel dem Moḥammad zuerst erschien zur Stunde, als er vierzig Jahre alt wurde.“ Wilhelm Heinrich Roscher, der 1909 eine Untersuchung über die Zahl 40 im Glauben der semitischen Völker vorlegte, verweist dort in diesem Zusammenhang auf die griechische Vorstellung der Akme.Wilhelm Heinrich Roscher: Die Zahl 40 im Glauben, Brauch und Schrifttum der Semiten. In: Abhandlungen der Philologisch-Historischen Klasse der Königlich-Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften. Band 27, Nr. 4, 1909, S. 94–138, hier: S. 129 f. (Digitalisat). Auch Tilman Nagel nimmt an, dass die Vierzig als Alter für die Berufung Mohammeds deswegen gewählt wurde, weil sie „als ein Symbol der Vollkommenheit galt“.Nagel: Mohammed. Leben und Legende. 2008, s. 108. Er empfiehlt, diese Zahl nicht wörtlich zu nehmen.Nagel: Mohammed. Leben und Legende. 2008, S. 109. Eine weitere wichtige Quelle für die annähernde Bestimmung von Mohammeds Alter zu Beginn seiner Tätigkeit als Prophet ist der Koran. In Sure 10, Vers 16 spricht Mohammed über sich selbst zu seinen Gegnern mit den Worten: „Ich habe doch ein Leben (lang) unter euch verweilt, noch ehe er (d.h. der Koran) da war.“ Die Zeitangabe, im Arabischen ʿumuran in Akkusativ, lässt, wie in einem weiteren Koranvers (Sure 28,14), auf einen längeren Zeitraum schließen, wie dies auch aus der Koranübersetzung von Hartmut Bobzin hervorgeht: „Ich weile doch schon ein Lebensalter vor ihr (vor der Lesung der Offenbarung) unter euch.“
In der frühislamischen Überlieferung gibt es auch abweichende Angaben zu Mohammeds Alter bei seiner Berufung. So nahm zum Beispiel der herausragende medinische Gelehrte Saʿīd ibn al-Musaiyab (gestorben 712/713) an, der Koran sei erst auf Mohammed herabgesandt worden, nachdem er das 43. Lebensjahr erreicht hatte.Nagel: Mohammed. Leben und Legende. 2008, S. 109 f. Auch ʿAbdallāh ibn ʿAbbās (gestorben 688) soll diese Auffassung vertreten haben.
Die ersten Offenbarungen