mini|hochkant|Gerhard Munthe gemalt von Christian Krohg (1885)

Gerhard Peter Frantz Wilhelm Munthe (* 19. Juli 1849 in Skansehagen, Elverum, Hedmark; † 15. Januar 1929 in Bærum, Akershus) war ein norwegischer Maler, Grafiker und Designer.

Leben mini|hochkant|Bondehagen (1885) Gerhard Munthe war das dritte Kind von Christopher Pavels Munthe (1816–1884) und Christine Margrethe Pavels Abel. Sein Vater war Kreisarzt.Stammbaum der Familie Munthe abgerufen am 8. Juni 2013. (norwegisch) In seinem Geburtsjahr kaufte seine Familie einen zweiten Hof, Alfheim, in Elverum. Dort wuchs er zusammen mit seinen zwölf Geschwistern auf. Seine Schwester Margrethe wurde später eine bekannte Autorin.

Im Jahr 1869 schloss er die Schule ab. Er überlegte, ob er Arzt werden sollte wie sein Vater, dieser jedoch bestärkte ihn, seiner künstlerischen Begabung zu folgen. Als er im Sommer eine Reise zu seinem Onkel nach Sogndal machte, lehrte ihn dieser die Natur und Landschaft zu beobachten. Das war eine wichtige Grundlage für sein späteres Wirken als Landschaftsmaler.

Ausbildung und Anfänge in der Malerei Im folgenden Jahr ging er auf die Malerschule in Christiania,alte Schreibweise von Oslo, gültig bis 1877, danach in Kristiania umbenannt und ab 1925 wieder Oslo die von Johan Fredrik Eckersberg geführt wurde. Er befreundete sich mit Eilif Peterssen und Frits Thaulow, die ebenfalls dort Schüler waren. Nach drei Monaten verstarb Eckersberg und die Schule wurde von Morten Müller und Knud Bergslien übernommen. Bis 1874 blieb Munthe auf der Schule und wechselte danach zur königlichen Zeichenschule. Später berichtete er, dass der Unterricht des Bildhauers Julius Middelthuns für ihn von großem Nutzen gewesen sei.

Im Herbst 1874 fuhr er nach Düsseldorf zu seinem entfernten Verwandten Ludvig Munthe, der seinerzeit ein bewunderter Landschaftsmaler war. Munthe malte während des Aufenthalts zwar nicht viele Bilder, dennoch knüpfte er an die Landschaftsmalerei Ludvig Munthes an, bei dem er ebenso Privatunterricht nahm wie bei Andreas Achenbach. 1876 bis 1878 war Munthe Mitglied des Künstlervereins Malkasten.Sabine Baumgärtel, Sabine Schroyen, Lydia Immerheiser, Sabine Teichgröb: Verzeichnis der ausländischen Künstler und Künstlerinnen. Nationalität, Aufenthalt und Studium in Düsseldorf. In: Sabine Baumgärtel (Hrsg.): Die Düsseldorfer Malerschule und ihre internationale Ausstrahlung 1819–1918. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2011, ISBN 978-3-86568-702-9, S. 436

Zwischen 1874 und 1876 pendelte Munthe zwischen Christiania und Düsseldorf. Dann ersuchte er die Regierung um ein Reisestipendium für eine weitere Ausbildung. Sein erklärtes Ziel war Paris, und er lernte französisch. Ein Studio und geeignete Modelle waren in Paris so teuer, dass er 1877 bis 1882 in München verbrachte. Viele seiner Kollegen waren ebenfalls in der Stadt oder hatten sie schon besucht. Auch befreundete er sich mit Erik Werenskiold. Munthe wurde zu einer führenden Person in der Münchener Kulturszene und war von 1878 bis 1879 Vorsitzender des nordischen Vereins. Zwar besuchte er keine Kurse der Kunstakademie, dafür orientierte er sich in den Museen der Stadt und malte über 70 Ölbilder. Zunächst waren die Bilder nach norwegischen Studien komponiert. Sie hatten ein lang gestrecktes Format, waren dunkel und besaßen einen poetischen Unterton. Ein typisches Beispiel dafür ist das Ölgemälde ForstadspartiÖlgemälde „Forstadsparti“ auf Digitalt Museum – abgerufen am 8. Juni 2013. (englisch) von 1879. Das Bild NevlunghavnÖlgemälde „Nevlunghavn“ auf Digitalt Museum – abgerufen am 8. Juni 2013. (englisch) aus dem Jahr 1880 stellt hingegen ein markant farbiges Experiment Munthes dar.

Protestbewegung der Studenten Christianias 1882 wieder zurück in Kristiania, geriet Munthe in eine Kontroverse zwischen der Studentenvereinigung und Christianias etablierten Kunstvereinigung. In Norwegen gab es derzeit keine Kunstakademie und Kunststudenten kehrten mit neuen Ideen und Kunstvorstellungen aus Europa, allen voran Paris, in die Heimat zurück. Die Studentenvereinigung, geleitet von Christian Krohg, Fritz Thaulow und Erik Werenskiold, organisierte einen Protest gegen die Kunstvereinigung Christianias und warf ihnen ihre Ausstellungs- und Einkaufspolitik vor. Zudem saßen nur Beamte und Bürger in der Vereinigung, jedoch keine Künstler. Daraufhin organisierte der Studentenverein die erste Herbstausstellung nach dem Vorbild des Pariser Salons. auf Statens Kunstausstellung – abgerufen am 8. Juni 2013. (norwegisch) Munthe unterstützte den Protest, obwohl er den Schritt eigentlich für zu radikal hielt. Ab 1884 erhielt die jährliche Herbstausstellung staatliche Unterstützung. Während der 1880er Jahre war Munthe ein häufiger Aussteller und von 1882 bis 1890 war er zudem Jurymitglied. Er bekam meist gute Kritiken und der Kunsthistoriker Andreas Aubert hebt Munthes Arbeiten in seinen Kritiken hervor.

Die Jahre 1886 bis 1890 1886 verbrachte Munthe den Sommer in einer Künstlerkolonie in Fleskum am See Dælivannet. Alle Teilnehmer, darunter auch Eilif Pettersen, Harriet Backer und Erik Werenskiold, hatten ein Jahr in München verbracht und viele der Teilnehmer waren von japanischer Kunst inspiriert.Brief von Munthe an Grønvold 12. Januar 1891. Briefsammlung Nr. 90. Nationalbibliothek, Oslo. Doch die neoromantischen Tendenzen in den Arbeiten seiner Kollegen, sprachen Munthe nicht an. Das Ereignis ging als Fleksumsommer in Norwegens Kunstgeschichte ein, da es den Beginn der Neoromantik im Land darstellt.

mini|hochkant|Sigrun Munthe, geborene Sandberg, abgebildet in Idyll (1886) Am 21. Dezember 1886 heiratete Munthe die 20 Jahre jüngere Sigrun Sandberg (1869–1957) und zog nach Sandvika in Bærum um. Die Ehe blieb kinderlos und wurde im Dezember 1919 geschieden. Sandberg heiratete daraufhin den Polarforscher Fridtjof Nansen, der in der Nachbarschaft wohnte.

In den 1890er Jahren entwickelten sich in Europa antinaturalistische Tendenzen, und der norwegische Maler Edvard Munch wurde bekannt. Munthe unternahm jährliche Reisen ins Østlandet, wobei Ulvin bei Mjøsa und Røisheim im Bøverdalen zu seinen Lieblingsorten gehörten. Er behielt seinen naturalistischen Stil bei, auch wenn er ab den 1890er Jahren nicht mehr modern war. Doch auch Munthe entwickelte neue Ansichten, sein Hauptinteresse gilt nun nicht mehr der Landschaftsmalerei.

Die Jahre 1890 bis 1893 Seit den 1870er Jahren gab es die Kunstbewegung des Ästhetizismus, auch Aesthetic Movement genannt. Sie basierte auf japanischen Idealen und propagierte die Schönheit im täglichen Leben.Bo Grandien: Rõndruvans Glõd. Uddevalla 1987, S. 311. Der norwegische Professor für Kunstgeschichte Lorentz Dietrichson startet das Programm „Schönheit zu Hause“Iduns julehefte 1897. und richtete das Kunstindustriemuseum in Christiania ein. Des Weiteren prägte die Schwedin Ellen Key mit einem Artikel und dem Buch Skönhet för Alla (deutsch: Schönheit für alle) und Carl Larsson, der das Buch Ett Hem über sein eigenes Haus in Lilla Hyttnäs veröffentlichte, Munthes Anschauungen.Gerhard Munthe: (Brudstykker) Min Vandring paa den dekorative Vei, af et brev 22. April 1895. Christiania. Weitere Vertreter der Bewegung „Skönvirke“, wie sie in Dänemark hieß, waren Thorvald Bindesbøll und Georg Arthur Jensen. In einem Brief an Carl Larsson schrieb Munthe, dass er gern mit dem Franzosen Eugène Grasset oder dem Dänen Thorvald Bildesböll verglichen werden wollte. Seit 1886 machte er sich mehr und mehr mit der japanischen Kunst vertraut. Zu Weihnachten 1890 bekam er von Bernt Grønvold ein Buch über japanische Kunst geschenkt, wahrscheinlich das Buch Japansk Malerkunst von Karl Madsen aus dem Jahr 1855. Munthe dankte ihm und schrieb: »Du hättest nichts finden können, dass ich mehr geschätzt hätte, noch war mir dieser Aspekt der japanischen Kunst bewusst.«Gerhard Munthes Notizbuch um 1895, Munthe Archive, Nationalbibliothek, Oslo, Ms 1058. Kurze Zeit später kam auch die Arts and Crafts Movement nach Norwegen; diese Bewegung ging ab der Jahrhundertwende in den Jugendstil über.

mini|hochkant|Titelfries der Saga Magnus Blindes mini|hochkant|Illustration in der Saga Halvdan Svartes Im November 1890 fing Munthe an sich mit Ornamenten zu befassen und entwarf Muster. Er beschäftigte sich mit Bauernkunst und las Landstads Volkslieder aus dem Mittelalter und moderne symbolische Literatur. Darüber hinaus entwickelt er eine „national norwegische“ Farbpalette mit Bezug zur Natur und Farben, basierend auf der alten norwegischen Volkskunst. Zu der Farbpalette gehörten leuchtendes Rot, rötliches Violett, Indigoblau, bläuliches Grün und sattes Gelb.Gerhard Munthes Notizbuch 1892–1908, Munthe Archive, Nationalbibliothek Oslo, Ms 1071 B. Die Motive seiner Bilder sind den norwegischen Sagen und Erzählungen, mittelalterlichen Bildteppichen und Holzschnitzereien entlehnt. Auch spielte die Natur mit der Tier- und Pflanzenwelt eine große Rolle. Seine Frau bat ihn, ihr etwas zu zeichnen, dass sie später weben konnte. Daraufhin setzte sie Bilder Munthes in Tapisserien um. Ab 1894 wurden die Bildwirkereien in der Weberschule des Nordenfjeldske Kunstindustriemuseums in Trondheim unter Augusta Christensen und Ulrike Greve umgesetzt. Eine kleine Anzahl an Teppichen wurden auch von Frida Hansen und Kristine Johannessen produziert. Der Direktor des Museums Jens Thiis unternahm Anstrengungen Munthes Arbeiten dem internationalen Publikum zugänglich zu machen und so geschah es, dass Munthes Bildwirkereien im Jahr 1900 auf der Weltausstellung in Paris zu sehen waren. Die Teppiche zeigten Motive der Sage von Sigurd dem Kreuzfahrer. Darunter war auch der große Teppich mit dem Motiv Einzug König Sigurd’s in Konstantinopel.Kunstgewerbeblatt der Universität Heidelberg – abgerufen am 11. Juni 2013. Nach der Ausstellung wurden die Tapisserien ins königliche Schloss nach Oslo gebracht.Gerhard Munthe im Store norske leksikon – abgerufen am 11. Juni 2013. (norwegisch)

Im Frühling 1892 machte Munthe eine kurze Studienfahrt nach Paris. Dort ließ er sich vom schwedischen Maler Georg Pauli leiten und betrachtete die Monumentalarbeiten des französischen Malers Puvis de Chavannes. In Samuel Bings Laden La Maison de l’Art Nouveau kaufte er japanische Keramik ein. Der Laden führte aber auch Kunst und Handwerk des damals zeitgemäßen Jugendstils.

Im gleichen Jahr wurde Munthe Mitglied der Direktion der norwegischen Nationalgalerie, in der er ab 1905 auch Vorsitzender war.

1893 schaffte Munthe den endgültigen Durchbruch mit der Ausstellung Sort og Hvidt in Christiania. Dort stellte er elf Aquarelle aus, unter den sich Fiere, De tre prinsesser, Mørkredd, Helhesten, Blodtårnet, Trollebotn und Den onde stemor befanden. Die Medien waren begeistert und die Zeitung Morgenbladet berichtete in der Vorschau der Ausstellung, dass die Werke die Zukunft der Ornamente einleiten würden.Jens Thiis: Gerhard Munthe. en studie. Trondhjem, 1903, S. 28. So folgten weitere Ausstellungen in Paris und Chicago (1893), Stockholm (1894), Berlin (1896) und St. Petersburg (1897).

Illustrationen von Vorzeitsagas und Märchenmotive mini|hochkant|Titelblatt der Königssaga (Heimskringla)

Zusammen mit Erik Werenskiold arbeitete er von 1896 bis 1899 an einer Neuauflage von Snorri Sturlusons Königssaga Heimskringla. Werenskiold wurde zuerst vom Verleger beauftragt, doch Munthe übernahm die Leitung über die dekorative Ausgestaltung. Er fertigte Zeichnungen an, wählte Schrifttypen und Papier und band die Arbeit. Weiterhin entwarf er Titelfriese und Vignetten für die Ynglingasaga, die ein zentraler Bestandteil des Buches ist. Für die Balladensammlung Draumkvedet von 1904 war er ebenfalls für die Illustration und Bindung verantwortlich, aber auch für handgezeichnete Texte. Er entwickelte sogar einen eigenen Mittelalterschrifttyp. in der Geschichte des Munthegaarden (norwegisch).

mini|hochkant|Bildwirkerei: Beilere, darunter Tisch und Stuhl des Eventyrrom