mini|hochkant=0.95|Jérôme Tharaud (r.) mit seinem Bruder Jean (1932)
Jérôme Tharaud (* 18. Mai 1874 in Saint-Junien; † 28. Januar 1953 in Varengeville-sur-Mer) war ein französischer Schriftsteller, der gemeinsam mit seinem Bruder Jean Tharaud Romane und Reisebücher veröffentlichte.Jérôme Tharaud, Académie française
Leben Tharaud besuchte die Schule in Angoulême und das Collège Sainte-Barbe in Paris. Im Jahr 1896 bestand er die Aufnahmeprüfung zur École normale supérieure. Nach dem Studium war er für einige Zeit in Österreich-Ungarn als Sprachlehrer an der Universität Budapest tätig. Zurück in Frankreich wurde er 1901 Privatsekretär von Maurice Barrès. 1898 veröffentlichten er und sein Bruder Jean mit Le Coltineur débile ihr erstes gemeinsames literarisches Werk. Auch alle darauf folgenden Publikationen sind in der Regel unter beider Namen erschienen. Sie schrieben auch Beiträge für die Zeitschrift Cahiers de la Quinzaine und erhielten 1906 für Dingley, l'illustre écrivain den Prix Goncourt.
Dank seines Aufenthalts im Vorkriegs-Ungarn wurde er vom französischen General Franchet d’Espèrey als Sachverständiger bei den Verhandlungen zum Vertrag von Trianon 1920 hinzugezogen.Vorwort des Schweizer Verlags zu: Die Herrschaft Israels, 1927, S. 6 Er schrieb 1921 ein Buch über die jüngere politische Entwicklung in Ungarn – die ungarische Unabhängigkeit, die Asternrevolution und die Ungarische Räterepublik – und erging sich dabei schon in der Titelwahl in antisemitischen Schmähungen.Die Herrschaft Israels, deutsch 1927, zuerst 1921, passim Kunfi (Die Herrschaft Israels, S. 177) und Béla Kun (S. 167) seien schon durch ihre Physiognomie abstoßend, namentlich einzelne unter den Juden frönten widernatürlicher Laster und schimpflicher Perversitäten (S. 181), sie seien unsauber (S. 281), die Juden seien schuld am chauvinistischen Magyarismus (S. 156), sie hätten schon zahlenmäßig die kommunistische Räteregierung dominiert (S. 192). Gleichwohl war 1927 das Buch für den die Übersetzung herausgebenden österreichischen Amalthea Verlag keine Tendenzschrift, sondern der Übersetzer machte sich Sorgen wegen der antideutschen Passagen.Die Herrschaft Israels, 1927, S. 6
Die Brüder unternahmen zahlreiche Reisen, so nach Palästina, in den Iran, nach Marokko und nach Rumänien, und veröffentlichten darüber Reiseberichte, die heute als Zeitdokumente gelten können. Daneben schrieben sie eine große Anzahl an Romanen und Zeitschriftenbeiträgen.
Nachdem Jérôme Tharaud 1923 und 1932 bei Nachwahlen zur Académie durchgefallen war, wurde er am 1. Dezember 1938 als Nachfolger von Joseph Bédier Mitglied der Académie française, in der er dessen Platz 31 erhielt, sein Gegenkandidat war Fernand Gregh. Auch Jean wurde noch Mitglied der Académie.
Werke Schriftenverzeichnis der Gebrüder Tharaud bei der Académie française (ergänzt):
in deutscher Übersetzung Aus Sturm und Not. Übers. aus d. Franz. v. Heinrich Michalski. Engelhorn, Stuttgart 1909, Originaltitel La ville et les champs (1870-1871), 1909 Der Schatten des Kreuzes. Übers. aus d. Franz. von Charlotte Grunberg. Wolff, München 1922, Originaltitel L'ombre de la croix, 1922 Die Herrschaft Israels. (Quand Israël est roi). Übertragen von Carl Zell. Amalthea, Zürich 1927, Originaltitel Quand Israël est roi, 1921 Jacques Delamain: Warum die Vögel singen. Eingel. von Jérôme u. Jean Tharaud. Aus d. Französ. übers. von Karl Wolfskehl. Bibliograph. Institut, Leipzig 1930, Originaltitel Pourquoi les oiseaux chantent
Literatur Jean Bonnerot: Jérôme et Jean Tharaud. Leur œuvre. Portrait et autographe. Document pour l'histoire de la littérature française. Paris 1927
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Träger des Prix Goncourt Kategorie:Essay Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Autor (Antisemitismus) Kategorie:Mitglied der Académie française Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Offizier) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1874 Kategorie:Gestorben 1953 Kategorie:Mann