|} Die Bahnstrecke Porrentruy–Bonfol ist eine Nebenbahn in der Schweiz. Sie verläuft von Pruntrut (offizieller Bahnhofsname auf Französisch: Porrentruy) nach Bonfol und weiter bis zur Staatsgrenze, wo sie mit der 1910 eröffneten Bahnstrecke Dannemarie–Pfetterhouse in Elsass-Lothringen in Deutschland verknüpft war, die ab 1919 zu Frankreich gehörte. Die ursprünglich 13,5 km lange Strecke ging am 14. Juli 1901 in Betrieb. Sie wurde von der Bahngesellschaft Régional Porrentruy-Bonfol (RPB) betrieben und gehört seit 1944 zu den Chemins de fer du Jura (CJ).

Streckenverlauf Die Strecke verlässt den Bahnhof Porrentruy in südlicher Richtung und folgt der Bahnstrecke Delémont–Delle auf 2,5 km. Daraufhin beschreibt sie eine Linkskurve und führt nun in nordöstlicher Richtung weiter, bei km 4,15 wird der Bahnhof Alle erreicht. Nach der Ausfahrt aus Alle befindet sich bei km 5,65 der Anschluss zur «Coopérative agricole Centre d’Ajoie». Nachdem der Einschnitt beim Bois Juré durchfahren wurde, wird bei km 8,38 der Bahnhof Vendlincourt erreicht. Die Strecke führt nun in nördlicher Richtung zum Bahnhof Bonfol und erreicht letzteren bei km 10,89. Von dort führt das Gleis weiter Richtung Norden, nach einer Rechtskurve wird das Gelände der Mülldeponie Bonfol erreicht. Dieses wurde nordwestlich umfahren, um schliesslich bei km 13,50 die Grenze zu überqueren.Ammann, Dubail: Porrentruy-Bonfol-Alsace. 1983, S. 87.

Geschichte Erste Planungen und Eröffnung miniatur|Der Bahnhof Bonfol (1910) mini|Bahnhof Porrentruy Nachdem seit September 1872 Porrentruy einen Eisenbahnanschluss über die Chemin de fer Porrentruy–Delle erhalten hatte, blieben die Verkehrsverhältnisse in der östlichen Ajoie (Bonfol, Miécourt) unbefriedigend. Seit 1884 bemühte sich die Gegend nordöstlich von Porrentruy um einen Bahnanschluss. Am 4. März 1890 wurde das Konzessionsgesuch für eine «Schmalbahn Porrentruy – Bonfol» eingereicht.Ammann, Dubail: Porrentruy-Bonfol-Alsace. 1983, S. 5. Es wurden zwei Varianten vorgeschlagen; zum einen eine 13,1 km lange Strecke über Alle – Miécourt – Vendlincourt und zum andern eine 12,2 km lange Strecke, ohne Miécourt zu bedienen. Die Strecke sollte der Strasse folgen und minimale Radien von 20 m und Steigungen von bis zu 36 ‰ aufweisen. Als Spurweite sollte das Schienensystem Decauville (600 mm) zum Einsatz kommen, dieses war auf der Weltausstellung in Paris vorgestellt worden. Im September 1890 wurde die Konzession erteilt, nachdem die Spurweite auf 750 mm geändert worden war. Wegen der Industriekrise verzögerte sich die Ausführung; nach zweimaliger Verlängerung verfiel die Konzession 1895.

Das «Lützelthalbahn-Komitee Basel» gab der Region, ab 1895, neue Perspektiven. Es sah den Bau einer 35,6 km langen eingleisigen Normalspurbahn von Porrentruy über Alle, Miécourt, Lützel und Kiffis nach Laufen vor. Da der Bau dieser Bahnstrecke aus strategischen Gründen umstritten war, nahm die Bevölkerung der «Basse Ajoie» die Realisierung wieder selbst in die Hand. Ausserdem übernahm der Kanton Bern, seit dem 28. Februar 1897, 50'000 Franken an Baukosten pro km, wenn diese nicht Fr. 125'000 pro km übersteigen. Das Projekt entwickelte sich zum Bau einer Normalspurbahn; am 29. April 1897 wurden neue Pläne veröffentlicht. Es standen weiterhin zwei Varianten, aber ohne Miécourt zu bedienen, zur Wahl. Die Strecke sollte entweder in Porrentruy oder erst in «Noir Bois» zwischen Porrentruy und Courgenay, an der Bahnstrecke Delémont–Delle, beginnen. Der Ständerat stimmte am 28. September 1897 und der Nationalrat am 15. Oktober 1897 dem Konzessionsgesuch zu. Die Variante mit Streckenbeginn in Porrentruy setzte sich aus betrieblichen Gründen durch.Ammann, Dubail: Porrentruy-Bonfol-Alsace. 1983, S. 7.

Im Mai 1899 begannen zwischen Porrentruy und Alle die Bauarbeiten. Es mussten 14'000 Schwellen, elf Weichen und 600 Tonnen Schienen eingebaut werden. Ab April 1900 entstanden in Bonfol und Vendlincourt zwei baugleiche Empfangsgebäude mit jeweils angebautem Güterschuppen; der Bahnhof Courtételle der Jura-Simplon-Bahn diente als Vorbild. In Alle wurde ein einstöckiger Backsteinbau erstellt.Ammann, Dubail: Porrentruy-Bonfol-Alsace. 1983, S. 11. Die Inbetriebnahme war ursprünglich für den 30. Juni 1901 vorgesehen, wegen Unzulänglichkeiten konnte sie erst am 10. Juli erfolgen. Am 14. Juli 1901 fand die Eröffnung der Strecke statt. Der reguläre Betrieb begann einen Tag später.Ammann, Dubail: Porrentruy-Bonfol-Alsace. 1983, S. 13. Der Betrieb wurde von der Jura-Simplon-Bahn durchgeführt, dies war in einem Vertrag am 21. August 1900 festgelegt worden. Es kamen zwei Dampflokomotiven der Baureihe Ed 3/3 zum Einsatz, welche von der Pont-Vallorbe Bahn übernommen wurden.

Verlängerung bis nach Pfetterhausen Ab 1902 fanden erste Untersuchungen zum Trassenverlauf einer Eisenbahnstrecke Dammerkirch–Pfetterhausen statt. Der Bezirkstag von Colmar äusserte den Wunsch, diese nach Bonfol zu verlängern.Ammann, Dubail: Porrentruy-Bonfol-Alsace. 1983, S. 15. Das Projekt wurde im Juli 1904 von der Reichseisenbahn genehmigt. Am 2. Juni 1905 erhielt die RPB die Konzession zum Bau einer 2,16 km langen Nebenbahn; die Baukosten wurden mit 1,5 Mio. Franken beziffert. Am 17. August 1905 wurde dem Bundesrat der Staatsvertrag über die Eisenbahnverbindung vom Bahnhof Pfetterhausen nach Bonfol vorgelegt. Dieser wurde am 7. Mai 1906 unterzeichnet und bildete die rechtliche Grundlage für den Bau der Bahnstrecke. Schon am 6. Dezember 1905 hatte der deutsche Kaiser Wilhelm II. den Erlass, über den Bau einer Eisenbahnstrecke von Dammerkirch nach Pfetterhausen und weiter zur schweizerischen Grenze, unterzeichnet.Ammann, Dubail: Porrentruy-Bonfol-Alsace. 1983, S. 16.

Am 12. Februar 1908 konnten das Bauprojekt und der Kostenvoranschlag dem Bundesrat vorgelegt werden. Die Baukosten wurden auf 550'000 Franken geschätzt, der Minimalradius sollte 300 m und die maximale Neigung 16 ‰ betragen.Ammann, Dubail: Porrentruy-Bonfol-Alsace. 1983, S. 18. Der von deutscher Seite kommende Vorschlag, die Grenze beim Kilometer 20,175 (von Dammerkirch aus) einzurichten, wurde am 11. September 1908 von der RPB akzeptiert. Die Bauarbeiten an der 2,7 km langen Grenzbahn begannen am 3. Januar 1909. Ende 1909 waren alle Kunstbauwerke (fünf Brücken) und Erdbauwerke (zwei Einschnitte) fertiggestellt. Die Gleisverlegearbeiten konnten erst am 15. Oktober 1910 vollendet werden; die Inbetriebnahme fand deshalb einen Monat später als geplant, am 1. November 1910, statt.Ammann, Dubail: Porrentruy-Bonfol-Alsace. 1983, S. 19. Ausserdem wurden das Empfangsgebäude von Alle und der Güterschuppen, die Lokremise und das Aufnahmegebäude, für das Zollbüro, in Bonfol vergrössert. Die Largtalbahn ging schon am 1. Oktober 1910 in Betrieb.Ammann, Dubail: Porrentruy-Bonfol-Alsace. 1983, S. 23. Am 27. Oktober 1910 fand die feierliche Einweihung der Grenzbahn statt, trotz festgestellten Oberbaumängeln konnte sie am 1. November in Betrieb gehen.Ammann, Dubail: Porrentruy-Bonfol-Alsace. 1983, S. 25.

Weitere Entwicklung während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Vom 1. Juli 1910 stand die RPB in einer Betriebsgemeinschaft mit der normalspurigen Regionalbahn Saignelégier–Glovelier (RSG). Der Betriebsvertrag war mit den SBB schon am 31. Dezember 1908 gekündigt worden. Durch die Verbindung ins Elsass erwirtschaftete die RPB im selben Jahr einen Gewinn von 17'000 Fr.Ammann, Dubail: Porrentruy-Bonfol-Alsace. 1983, S. 29. Der Verkehr auf der Grenzbahn wurde durch beide Gesellschaften erbracht; die Schweizer Lokomotiven verkehrten bis Pfetterhausen, die französischen bis Bonfol. Die Personenwagen verkehrten, wenn möglich, durchgehend von Dammerkirch nach Porrentruy.Ammann, Dubail: Porrentruy-Bonfol-Alsace. 1983, S. 31. Im Jahr 1911 wurde die Ed 3/4 1 der Sensetalbahn erworben; der Fahrplan sah täglich sieben Zugpaare vor, davon fuhren fünf weiter ins Elsass. Eine Fahrt von Porrentruy nach Bonfol kostete 1,40 Franken. mini|Grenzsperre der Strecke zwischen Bonfol und Pfetterhouse während des Ersten Weltkrieges Am 31. Juli 1914 verkehrte, wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs, vorerst der letzte Zug über die Grenzbahn.Ammann, Dubail: Porrentruy-Bonfol-Alsace. 1983, S. 41. Auf der RPB-Strecke fanden während der nächsten vier Jahre oft Militärtransporte statt. Die ELB ging im November 1918 in die Réseau ferroviaire d’Alsace-Lorraine (AL) über. Nachdem die Largtalbahn wieder instand gesetzt worden war, konnte am 14. Juli 1919 die Grenzbahn wiedereröffnet werden.Ammann, Dubail: Porrentruy-Bonfol-Alsace. 1983, S. 45. Nach der Rückgewinnung des Elsass durch Frankreich wurde die Strecke über Basel für den Güterverkehr bevorzugt. Im Jahr 1930 verkehrten vier Züge pro Tag über die Grenzbahn, 1919 waren es noch fünf. Die Jahre 1919 bis 1922 waren für die RPB sehr schwierig. Die Einnahmen sanken auf ein Minimum, gleichzeitig stiegen die Unterhaltskosten, was zu einem Defizit von 4000 Fr. im Jahr 1919 führte.Ammann, Dubail: Porrentruy-Bonfol-Alsace. 1983, S. 49. In den Jahren 1920/1921 stiegen die Traktionskosten weiter, und 1921 steigerte sich das Defizit auf 95'000 Fr. Daraufhin musste vorübergehend die RPB am 1. Januar 1922 stillgelegt und das Personal entlassen werden, da die Gemeinden es ablehnten, ihre Beiträge zu erhöhen. Nach Verhandlungen mit den Gemeinden und dem Personal wurde der Betrieb am 1. April 1922 wiederaufgenommen; die Anliegerkommunen erhöhten ihre Zahlungen, und das Personal wurde zu 20 % tieferen Löhnen eingestellt. Gleichzeitig wurde der Fahrplan ausgedünnt, es verkehrten drei Zugpaare nach Bonfol, davon fuhren zwei weiter nach Pfetterhouse. Das Defizit schrumpfte 1922 auf 21'000 Fr. Im Jahr 1928 gab es sogar einen Überschuss von 10'000 Fr.Ammann, Dubail: Porrentruy-Bonfol-Alsace. 1983, S. 53.

Ab 1933 gab es erste Absichten, den Verkehr auf der Largtalbahn auf Busbetrieb umzustellen. Dies blieb durch den Einsatz des Betriebschefs der RPB erstmal aus.Ammann, Dubail: Porrentruy-Bonfol-Alsace. 1983, S. 51. Am 2. September 1939 wurde die Grenze, wegen des Zweiten Weltkrieges, erneut geschlossen. Am 27. März 1943 verkehrte der erste Güterzug wieder über die Grenzbahn, da der La-Croix-Tunnel, an der Bahnstrecke Delémont–Delle, teilweise eingestürzt war. Dieser Verkehr bestand bis zum 14. Juli 1943, daraufhin weigerte sich die Deutsche Reichsbahn, den Verkehr, wegen Brückenschäden, aufrechtzuerhalten.Ammann, Dubail: Porrentruy-Bonfol-Alsace. 1983, S. 57. Am 2. Oktober 1945 konnte die Grenzbahn wiedereröffnet werden.

Rückwirkend auf den 1. Januar 1944 war die Compagnie des Chemins de fer du Jura (CJ) aus der RPB, RSG, SC (Saignelégier–La Chaux-de-Fonds) und der CTN (Tavannes–Noirmont) entstanden.Ammann, Dubail: Porrentruy-Bonfol-Alsace. 1983, S. 59. Die Auslastung der Züge auf dem Abschnitt über die Grenze war aber derart unbefriedigend, dass die CJ am 21. Dezember 1945 eine Anfrage zur Aufhebung des Personenverkehrs an das Eidgenössische Amt für Verkehr stellte. Im Einverständnis mit der SNCF wurden der Personenverkehr und der Güterverkehr am 15. Februar 1946 aufgehoben. Bei Bedarf verkehrten noch Güterzüge.

Modernisierung der Strecke und Stilllegung der Grenzbahn miniatur|Güterschuppen des Bahnhof Bonfol (2009) miniatur|Bahnhof Bonfol (2013)