mini|Tafel zur Mitte Unterfrankens in Büchold

Büchold ist ein Gemeindeteil der Stadt Arnstein im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart in Bayern. Der Ort hat Einwohner. Zur Gemarkung Büchold gehört der nordwestlich gelegene Weiler Sachserhof mit ungefähr 50 Einwohnern, bei dem es sich um einen von ehemals drei Schafhöfen um den Ort handelt. Für die derzeitige Legislaturperiode ist die Gemeinde Büchold im Stadtrat von Arnstein mit drei Stadträten vertreten.

Geographie Lage Das Kirchdorf Büchold liegt nördlich von Arnstein. Die durch den Ort verlaufende St 2294 führt südwärts nach Heugrumbach, wo sie in die B 26 mündet, und nordwärts, die Kreisstraße MSP 1 kreuzend, nach Gauaschach. Landschaftlich ist Büchold in die beginnende Vor-Rhön und das östliche Ende des Spessarts einzuordnen. Man nennt diese Region auch Mainfranken. Laut der Bayerischen Vermessungsverwaltung liegt am westlichen Ortsrand (Dorfgraben) der geographische Mittelpunkt des Regierungsbezirks Unterfranken (auf 50° 00' 39" nördliche Breite, 09° 56' 47" östliche Länge). Deshalb wurde am 21. November 2014 in der Ortsmitte neben der ehemaligen Viehwaage eine Tafel von Ministerialdirigent Rainer Bauer und Bürgermeisterin Anna Stolz enthüllt.

Gemarkung Die Gemarkung Büchold hat eine Fläche von 13,315 km². Sie ist in 1665 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 7997,30 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Sachserhof. Nachbargemarkungen im Uhrzeigersinn im Norden beginnend sind Altbessingen, Schwebenried, Arnstein, Heugrumbach, Reuchelheim, Hundsbach, Obersfeld und Gauaschach.

Geschichte 8. bis 14. Jahrhundert Erstmals urkundlich erwähnt wurde der fränkische Ort in einer Schenkungsurkunde des Klosters Fulda vom 19. April 788 als „Buhhulidi“. im Jahr 1100 traten mit Herman, Rotolf und Swicker „de Bucholi“ erstmals Mitglieder eines Bücholder Adelsgeschlechts als Urkundenzeugen in Erscheinung. 1244 wurden die Gebrüder Konrad und Ulrich von Büchold Mitglieder des Johanniterordens, was dem Orden seine ersten Erwerbungen in Büchold einbrachte. 1299 war Büchold schließlich Sitz einer Johanniterkommende. Im gleichen Jahr 1299 wurde mit dem Bau der Kapelle St. Johannes in der Dorfmitte begonnen.

Die Burganlage wurde erstmals 1299 urkundlich erwähnt, ist aber vermutlich etwas älter. Da der Orden der Johanniter in finanzielle Bedrängnis geriet, verkaufte er 1344 die Burganlage an die Herren von Thüngen. 1316 erwarb der Johanniterorden die Bücholder Burg von Graf Ludwig von Rieneck und vier Jahre später auch die Kapelle St. Johannes. Sie stand bis ins 18. Jahrhundert am heutigen Schulplatz und diente den Gläubigen in Büchold als Kirche.

14. bis 16. Jahrhundert Die Herren von Thüngen regierten am längsten auf Schloss und Gut Büchold – über 200 Jahre dauerte ihre Regentschaft. 1498 ließen sie eine Nikolauskapelle am Ortsrand errichten, die zum Schloss gehörte. Nach dem Auftreten des Reformators Martin Luther wechselte das Thüngener Adelsgeschlecht um 1564 zum evangelischen Bekenntnis und nach der damals geltenden Regel cuius regio eius religio mit ihm die Herrschaft Büchold. So hielt die lutherische Konfession für etwa 60 Jahre Einzug in Büchold. Im Zuge dieses Glaubenswechsels wurde die Nikolauskapelle abgerissen und die alte Pfarrei Büchold aufgelöst. Die Burganlage hatte unter den Herren von Thüngen eine Blütezeit, da sie von ihnen zu einem prächtigen Renaissanceschloss ausgebaut wurde.

mini|Das einstmals prächtige Renaissanceschloss von Büchold mit der Bruderschaftskapelle St. Nikolaus und Mariä Heimsuchung auf einem Gemälde von 1621

17. Jahrhundert Ihre Nachfolger waren die Echter von Mespelbrunn, die eine strenge Rekatholisierung des Ortes vornahmen. Sie errichteten 1598 die Nikolauskapelle am Ortsrand erneut und gaben ihr in gegenreformatorischer Absicht ein Marienpatronat (Mariä Heimsuchung). 1600 wurde die Pfarrei Büchold neu gegründet. Im gleichen Jahr wurde im Kerker des Schlosses eine Frau aus Sachserhof als Hexe gefoltert und verbrannt. Ihr Sohn ließ 1617 zwischen Büchold und Sachserhof einen Bildstock zu ihrem Gedenken errichten. 1614 wurde die Rosenkranzbruderschaft in Büchold gegründet. Sie erhielt als Bruderschaftskirche die Nikolauskapelle. Da diese ihre zahlreichen Mitglieder bald nicht mehr fassen konnte, ließ Philipp Christoph Echter die Kapelle 1619–1622 erweitern. Die 180 Pflanzen in 50 Feldern darstellende, von Wolfgang Ritterlein († 8. Dezember 1622) gemalte Chordecke der Vierung wurde 1622 fertiggestellt.Wolfgang Schiedermair: Die „Meelbyrn, Paliurus“ in Adam Lonitzers „Kreuterbuch“ (1679). Zur Kenntnis von X Sorbopyrus auricularis (Kroop.) Schneid. – Hagebuttenbirne. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 34, 2015 (2016), , S. 87–96, hier S. 87 f.Wolfgang Schiedermair: Gedanken zur Pflanzensymbolik in einer unterfränkischen Kirche. Der Chor der Bücholder Pfarrkirche St. Nikolaus und Mariae Heimsuchung als eigenständiger Teil des ikonographischen Konzeptes der Kirche. In: Cistercienser-Chronik. Band 109, 2002, S. 413–430. In dieser baulichen Situation präsentiert sich die Kirche von Büchold bis heute.

mini|links|Die kath. Pfarrkirche St. Nikolaus u. Mariä Heimsuchung in Büchold

18. Jahrhundert Die Herren von Dalberg (Kämmerer von Worms) brachten Büchold nochmals zur Blüte, indem sie 1685 den Barockgarten neben dem Schloss anlegten. Nachdem die Dalbergs keinen männlichen Nachkommen hervorbrachten und die in Büchold herrschende Linie erlosch, wurde die Herrschaft Bücholds 1723 an das Hochstift Würzburg verkauft und verfiel. Die verarmte Bücholder Bevölkerung nutzte ab ca. 1776 die baufälligen Gebäude der einst prächtigen Schlossanlage als Steinbruch für ihre Häuser. Seit 1787 wurde die Bruderschaftskirche am Ortsrand für die Gottesdienste genutzt, da die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in baufälligem Zustand war. Im Jahr 1769 wurde die Pfarrkirche in der Ortsmitte abgerissen. Pläne für einen Neubau der Pfarrkirche im Zentrum zogen sich bis in die 50er Jahre des 19. Jahrhunderts, wurden aber aufgrund fehlender finanzieller Mittel niemals umgesetzt.

mini|Der „Läutturm“ in der Dorfmitte

19. Jahrhundert 1818 erwarb ein Bücholder Privatmann die stark baufällige Schlossruine. Seine Nachkommen nutzten sie bis ins Jahr 2000 als landwirtschaftliche Gebäude.

1826 wurde am Schulplatz aus den Steinen der abgerissenen Pfarrkirche ein freistehender Glockenturm errichtet, um im Brandfall schneller läuten zu können, da der Weg zur Nikolauskirche im Notfall zu weit gewesen wäre. Der im Volksmund "Läutturm" genannte Turm schlägt bis heute die Uhrzeit, läutet zu den Gebetszeiten und in einem Sterbefall eines Bücholders das Totengeläut.

Immer wieder wurden Pläne für eine neue Kirche in der Ortsmitte entworfen. Auch eine Erweiterung der Nikolauskapelle bis zur Kirchenstraße musste aus finanziellen Gründen unterbleiben. Die letzten Pläne eines Kirchenneubaus sind um 1850 entstanden. In der Nacht vom 11. auf den 12. August 1845 wurde durch ein Fenster im Chorraum der Kirche eingebrochen, der Tabernakel aufgebrochen und die wertvolle Monstranz samt einem Altartuch gestohlen.Nürnberger Zeitung. Nr. 229, 17. August 1845.

mini|links|Das Bücholder Schulhaus in der Ortsmitte

1865 wurde das neue Schulhaus bezogen, in dem bis in die späten 1980er Jahre die Jahrgangsstufen 1–4 unterrichtet wurden. In: fc-host14.de. Seitdem fahren die Schüler in die Grundschule nach Schwebenried. Heute wird die „Alte Schule“ vom Musikverein, dem Roten Kreuz und dem Jugendzentrum genutzt.

Im August 1895 konnte Büchold mit Philipp Ulsamer die erste geschichtlich bekannte Primiz eines aus Büchold stammenden Priesters feiern. Philipp Ulsamer wurde 1871 in Büchold geboren und starb 1953 in Würzburg.

20. Jahrhundert Der Ort wurde 1908 an das Telefonnetz angeschlossen und erhielt 1923 Strom. Im Jahr 1926 erhielt die Pfarrkirche drei neue Glocken, nachdem die alten Glocken dem Ersten Weltkrieg zum Opfer fielen. 1928 wurden Wasserleitungen im Ort verlegt. 1935 konnte der Ort Büchold mit Paul Mons die zweite Primiz in der Bücholder Geschichte feiern. Paul Mons wurde 1910 geboren und starb 1984 in seinem Altersruhesitz Bad Bergzabern in der Pfalz. Auch der Zweite Weltkrieg ließ das Geläut der Pfarrkirche für längere Zeit verstummen, denn 1942 wurden alle Glocken der Kirche, bis auf ein kleines Glöckchen, zu Rüstungszwecken abmontiert und eingeschmolzen. Erst 1954 ließ Pfarrer Karl Thum drei neue Glocken für die Pfarrkirche anschaffen, die auch heute noch in den Türmen der Kirche hängen.

1960 wurde die Kirchenstraße mit Kopfsteinpflaster befestigt, das bis heute erhalten blieb. Erst 1969 war die Asphaltierung der übrigen Dorfstraßen beendet. In den Jahren 1966 bis 1977 wurde das Flurbereinigungsprogramm durchgeführt.

Am 1. Juli 1972 wurde Büchold im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Arnstein eingemeindet. 1974 wurde die Partnerschaft mit der schleswig-holsteinischen Gemeinde Todenbüttel besiegelt. 1988 fand an Pfingsten die 1200-Jahr-Feier statt. Bei Renovierungsarbeiten an der Kirche wurde festgestellt, dass die Zwillingstürme der Kirche durch die einseitige Belastung des Südturmes als Glockenturm auseinanderdriften und das im Inneren befindliche Chorgewölbe herabzustürzen drohte. Deswegen wurden 1994 drei weitere Glocken angeschafft, die das bisherige dreistimmige Geläute zu einem sechsstimmigen Geläute ergänzen und nun in beiden Glockentürmen jeweils drei Glocken hängen.

2000 feierte die Pfarrgemeinde Büchold ihr 400-jähriges Bestehen nach der Wiedererrichtung durch die Echter von Mespelbrunn.

21. Jahrhundert 2003 nahm der Ort an dem Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft“ teil und erlangte auf Bezirksebene die Goldmedaille. Bei dem Entscheid auf Landesebene 2004 erhielt Büchold eine Bronzemedaille. Der Sportfischerverein brachte im Jahr 2004 in der gesamten Bücholder Flur kleine Schilder an, die die jeweiligen Flurnamen tragen, damit auch die jüngere Generation, die ihren Lebensunterhalt nicht mehr auf dem Feld verdienen muss, die Flurnamen nicht vergisst.

2009 konnte das neue Feuerwehr- und Dorfgemeinschaftshaus eingeweiht werden. Die Bauarbeiten begannen 2007; die Planungen gehen zurück bis ins Jahr 2001. Von 2008 bis 2010 wurde am neuen Sportheim, einem modernen Steinbau mit Veranstaltungssaal, gebaut. Die Einweihung erfolgte 2010.

2009 konnte die seit 1986 laufende Dorferneuerung abgeschlossen werden. Als Erinnerung wurde am Schulhaus eine Gedenktafel angebracht. Bis 2007 war das verfallene Schloss im Besitz der Familie Mennig. Nach dem Verkauf wurde es von 2009 bis 2011 saniert und restauriert und besteht heute aus einem neu errichteten Wohnhaus und Stallungen sowie dem konservierten Bergfried, dem Gewölbekeller und den Ringmauern mit Turmrümpfen auf der Anhöhe am nördlichen Dorfrand.

2013 fand an Pfingsten die 1225-Jahr-Feier statt. Schirmherrin war die Bayerische Landtagspräsidentin Barbara Stamm.

2015 beteiligte sich Büchold am Wettbewerb „Unser Friedhof – Ort der Würde, Kultur und Natur“, der auf Ebene des Landkreises Main-Spessart ausgeschrieben war. Der Bücholder Friedhof belegte dabei den ersten Platz.

An Pfingsten 2017 feierte der Ort mit Nicolas Kehl die dritte Primiz eines aus Büchold stammenden Priesters mit einem Dorffest. Im Juli desselben Jahres blickte die Theatergruppe Büchold auf ihr 35-jähriges Bestehen zurück und feierte mit einem Freiluft-Stück vor dem Bücholder Schloss, zu dem Hunderte von Besuchern kamen. Auch die Freiwillige Feuerwehr hatte in diesem Jahr ein Jubiläum; sie wurde 140 Jahre alt und feierte mit einem dreitägigen Fest am Sportgelände.

Einwohnerentwicklung

1871: 718 Einwohner 1925: 597 Einwohner 1950: 714 Einwohner 1970: 667 Einwohner 1987: 708 Einwohner 2015: 708 Einwohner 2017: 723 Einwohner 2024: 708 Einwohner

Konfessionszugehörigkeiten