Der Genfersee (Schweizer Schreibweise), französisch Léman oder lac Léman, ist der größte See sowohl Frankreichs als auch der Schweiz. Er liegt an der Grenze zwischen der Westschweiz und der französischen Region Auvergne-Rhône-Alpes. Die Südwestspitze des Sees gehört zum Schweizer Kanton Genf, das Nordufer zum Schweizer Kanton Waadt und das Südufer größtenteils zum französischen Département Haute-Savoie. Daneben hat der Kanton Wallis einen kleinen Anteil am östlichen Südufer. Der See wird in , und eingeteilt.

Namen Genfersee, Genfer See In der deutschen Sprache lautet die Bezeichnung heute Genfersee (so in der Schweiz geschrieben) bzw. Genfer See (so in Deutschland und Österreich geschrieben). Sie wird erstmals im 15. Jahrhundert erwähnt. In der englischen Sprache wird der See Lake Geneva genannt.

Léman, lac Léman In Frankreich sowie in den Kantonen Waadt und Wallis wird der See Léman oder lac Léman genannt. In den Karten des Bundesamtes für Landestopografie (Swisstopo) ist die Bezeichnung Le Léman eingetragen,Le Léman als Bezeichnung des Genfersees in der Landeskarte der Schweiz. also mit Voranstellung des französischen Artikels le, anders als bei den anderen Seen mit französischem Namen.Zum Beispiel Lac de Neuchâtel (nicht Le Lac de Neuchâtel) als Bezeichnung des Neuenburgersees in der Landeskarte der Schweiz.

Léman geht auf eine indoeuropäische Wurzel mit der Bedeutung «See» zurück. Die Namensform lac Léman ist eigentlich ein Pleonasmus, denn sowohl französisch lac als auch Léman bedeuten «See».

Bereits Caesar und die Geografen der Antike sprachen vom lacus Lemanus. Die Bezeichnung Léman wurde dann wieder von den Humanisten und Kartografen im 16. Jahrhundert gebraucht, unter anderem von Sebastian Münster (1552) und Gerhard Mercator (gegen 1575). Die Obrigkeit und die Behörden des Kantons Bern verwendeten sie während der Revolution. Léman wurde Namensbestandteil des ehemaligen Kantons Léman und des ehemaligen französischen Département Léman.

Lac de Genève Im Kanton Genf wird der See häufig genannt. Das Bundesamt für Landestopografie (swisstopo) kennzeichnet allerdings nur das südwestliche Ende des Genfersees, das innerhalb der Kantonsgrenzen von Genf liegt, als . Das Kantonsgebiet reicht am Nordufer bis Versoix und am Südufer bis Hermance.Lac de Genève im Süden des Petit Lac auf der offiziellen Landeskarte der Schweiz.

Die Einwohner von Genf benannten schon früh den See nach ihrer Stadt. François Bonivard nannte im Jahr 1529 den See lac Lemanne, fügte aber hinzu: qu’est nostre lac de Genesve («der unser Genfersee ist»). Nachdem die Stadt Genf immer mehr an Bedeutung gewonnen hatte, wurde dieses Toponym in anderen Sprachen übernommen, z. B. Genfersee und englisch Lake Geneva.Genfersee im Historischen Lexikon der Schweiz.

Lac de Lausanne (historisch) Ab dem 2. Jahrhundert wurde der See vermehrt nach Lausanne benannt. Im Itinerarium Antonini taucht die Bezeichnung lacus lausonnius auf, in der Tabula Peutingeriana erscheint die Namensform lacus Losanete. Daraus wurde im Französischen lac de Lausanne. Im Laufe des 17. Jahrhunderts verschwand dieser Name wieder.

Italienisch Im Italienischen ist der Name lago Lemano oder kurz Lemano (analog zu französisch lac Léman oder Léman) ebenso gebräuchlich wie der Name lago di Ginevra (analog zu deutsch Genfersee).

Geographie Allgemeines Der Genfersee ist der größte Alpenrandsee und nach dem Plattensee (Balaton) in Ungarn der zweitgrößte See Mitteleuropas. Er ist 580,03 km² gross, davon entfallen 345,29 km² (59,53 %) auf Schweizer und 234,74 km² (40,47 %) auf französisches Staatsgebiet. Der See liegt auf . An der tiefsten Stelle ist er 310 m tief. Er ist damit auch der tiefste See Frankreichs. Sein durchschnittlicher Wasserinhalt liegt bei etwa 89 km³, was ihn zum wasserreichsten See Mitteleuropas macht.

Zulauf und Ablauf Gespeist wird der Genfersee vor allem durch die Rhone, die im Delta bei Le Bouveret in den See mündet. Zweitwichtigster Zufluss ist die Dranse, dann folgen die Venoge und die Aubonne. Die Rhone fliesst bei Genf aus dem Genfersee ab, wobei das Wasser aller Zuläufe durchschnittlich 10,4 Jahre für den Durchfluss benötigt. Der Wasserstand des Sees wird in Genf mit dem Barrage du Seujet reguliert. CIPELl. Im Jahresmittel beträgt der Ablauf etwa 270 m³ je Sekunde.

Wichtigste Städte am See Genf an der Südwestspitze, größte Stadt am See, Hauptort des Kantons Genf. Zweitgrößte Stadt der Schweiz nach Zürich. Sitz zahlreicher internationaler Organisationen. Lausanne am Nordufer, zweitgrößte Stadt am See, Hauptort des Kantons Waadt. In Lausanne hat das Internationale Olympische Komitee seine Zentrale. Montreux am östlichen Nordufer. Ein beliebter Tourismusort mit bekannten Filmfestspielen und einem Jazzfestival. Vevey am östlichen Nordufer. In Vevey befindet sich der Hauptsitz von Nestlé. Nyon am westlichen Nordufer. In Nyon befindet sich der Sitz des europäischen Fussballverbandes UEFA. Thonon-les-Bains am Südufer, die größte französische Stadt am See. Évian-les-Bains am Südufer. Ein bekannter Ortsname, weil Mineralwasser aus einer Nachbargemeinde unter dem Namen Evian international vertrieben wird.

Inseln

Sieben kleine Inseln liegen im Genfersee (einschl. der knapp ausserhalb liegenden Île Rousseau), alle innerhalb des Schweizer Teils:

Nr. Insel Flächem² Ufer-Entfernungm Bemerkung Gemeinde Seeteil Koordinaten 1 Île de Chillon 5070 2 mit Schloss Chillon … Haut Lac 2 Île de Peilz 400 480 bei Villeneuve … Haut Lac 3 Île de Salagnon (Île aux Mouettes) 1452 110 bei Clarens … Haut Lac 4 Île aux oiseaux 2100 0 bei Préverenges2001 künstlich aufgeschüttet … Grand Lac 5 Île de la Harpe 2368 70 bei Rolle … Grand Lac 6 Île de Choisi 120 70 bei Bursinel … Grand Lac 7 Île Rousseau 3390 60 in Genf, Abfluss der Rhone Genf Rhone

Die Île Rousseau liegt eigentlich nicht mehr im Genfersee, sondern wenige Meter unterhalb der Brücke Pont du Mont-Blanc, die die südwestliche Begrenzung des Sees am Abfluss der Rhone markiert.

Die Pierres du Niton () bei Genf sind keine Inseln, sondern erratische Blöcke, die aus dem Wasser ragen.

Gliederung mini|Die drei Teile des Genfersees mini|Der Petit Lac von oben, links Genf

Der See wird aufgrund unterschiedlicher Entstehungsgeschichte (Sedimentation, tektonische Faltung, glaziale Erosion) in drei Seeteile gegliedert:Le Léman auf der Landeskarte der Schweiz, abgerufen am 17. Januar 2023 Haut Lac (Obersee), der östliche Teil von der Rhonemündung bis zu einer Linie Meillerie–Rivaz Grand Lac (Grosser See), das größte, tiefste Becken mit der größten Seebreite Petit Lac (Kleiner See), der südwestliche, schmälere und seichtere Teil von einer Linie Yvoire–Promenthoux bei Prangins bis zum Rhoneausfluss in Genf.

Nordufer mini|Blick nach Westen auf den Genfersee, rechts das Nordufer mini|Der östlichste Uferabschnitt (Blick vom Schloss Chillon nach Süden) mini|Regenbogen am Genfer Ufer, im Hintergrund der Phare des Pâquis

Das Nordufer wird wegen der Fliessrichtung der Rhone auch als das rechte Ufer bezeichnet (französisch rive droite). Es gehört größtenteils zum Kanton Waadt. Die Grenze zum Hauptgebiet des Kantons Genf liegt zwischen den Orten Mies (Kanton Waadt) und Versoix (Kanton Genf). Etwa sechs Kilometer nordöstlich liegt Céligny, eine Exklave des Kantons Genf. Das Ufer bei Céligny gehört ebenfalls zum Kanton Genf.

Das Nordufer beginnt im Osten als Waadtländer Riviera () mit den Orten Villeneuve, Montreux und Vevey. Beim Schloss Chillon zwischen Villeneuve und Montreux verläuft das Ufer annähernd in Nord-Süd-Richtung. Am nördlichsten Abschnitt des bogenförmigen Nordufers liegt Lausanne. Weiter westlich liegen Rolle und Nyon.

Am Nordufer liegen zwei Weinbaugebiete: Lavaux zwischen Vevey und Lausanne und westlich davon La Côte.

Südufer Das Südufer wird auch als das linke Ufer bezeichnet (französisch rive gauche). Links von der Rhonemündung kommt zunächst eine kurze Walliser Uferzone von Le Bouveret bis Saint-Gingolph. Der Grenzort umfasst zwei durch einen Bach getrennte politische Gemeinden: Saint-Gingolph VS im Schweizer Kanton Wallis und Saint-Gingolph (Haute-Savoie) im französischen Département Haute-Savoie/Hoch-Savoyen.

Westlich davon liegt ein grosser Abschnitt des Südufers, der zu Frankreich gehört (Département Haute-Savoie). Größte französische Stadt ist Thonon-les-Bains. Bei Hermance beginnt der Abschnitt des Südufers, der zum Kanton Genf und damit wieder zur Schweiz gehört.

Klima Der Genfersee beeinflusst das Klima in seiner Umgebung, wobei er den Schweizer Winter mildert und den Sommer etwas «abkühlt». Wenn im Herbst das Wasser noch wärmer ist als das Land, können örtliche Nebel auftreten.

Pegelstände Die Pegelstände variieren abhängig von der Jahreszeit um ca. 60 cm, wobei der Tiefstand von Januar bis April erreicht wird. Dieser wird in Genf reguliert.

Geologie Entstehung Der See wurde in verschiedenen Kaltzeiten unter dem Gewicht der Alpengletscher (Rhonegletscher und Mont-Blancgletscher) ausgehobelt. Seine tiefste Stelle liegt vor Lausanne. Das südwestliche schmale Seebecken, genannt «Kleiner See», ist das breite Durchbruchstal der Schmelzwässer durch vorhergeschobene Schuttmassen, die als Endmoränen liegen geblieben sind.

Tauredunum-Ereignis

Im Jahr 563 ereignete sich ein Bergsturz von den südlichen Bergflanken am Ostende des Sees, worauf offenbar Sedimentmassen im Rhonedelta abrutschten, was eine bis zu 13 Meter hohe Flutwelle (Tsunami) auslöste.Am Genfer See herrscht seit Jahrhunderten Tsunami-Gefahr In: Zeit.de vom 30. Oktober 2012 Durch den Steinschlag wurden mehrere Dörfer zerstört, die Flutwelle überschwemmte erst Lausanne und dann Genf, wo u. a. die Rhonebrücke zerstört wurde.Giant Lake Geneva tsunami in AD 563, Katrina Kremer, Guy Simpson & Stéphanie Girardclos, in: nature geoscience (doi:10.1038/ngeo1618), Sekundärliteratur: Neue Zürcher Zeitung, Spiegel Online, derStandard.at, Zeit Online, Süddeutsche.de, Focus Online, abgerufen am 31. Oktober 2012. Ähnliche Binnentsunamis sind vom Vierwaldstättersee aus den Jahren 1601 und 1687 bekannt sowie vom Lauerzersee aus dem Jahr 1806.Schweizerische Eidgenossenschaft: Nationale Plattform Naturgefahren PLANAT

Ökologie

Wasserqualität Die (CIPEL) ist für die Wasserqualität zuständig und beobachtet den Genfersee.

Das Wasser ist im Allgemeinen von guter Qualität, sodass jedes Jahr rund 80 Millionen Kubikmeter Seewasser zu Trinkwasser aufbereitet werden können. In der Seemitte und an den elf Pumpstationen rund um den See erfüllt das Wasser die erforderlichen Werte von Metall, Pestizid, Nitrilotriessigsäure (NTA) und Ethylendiamintetraessigsäure (EDTA).

Der Nitratgehalt liegt weit unter dem Grenzwert und ist stabil. Der Phosphorgehalt sinkt dagegen aufgrund diverser Sanierungen und hat seit dem Jahr 2005 um sechs Prozent abgenommen. Die aktuelle durchschnittliche Konzentration beträgt 27,7 Mikrogramm pro Liter. Im Jahr 2005 waren es noch 29,4 Mikrogramm pro Liter. Das Ziel der CIPEL ist es, den Phosphorgehalt auf 20 Mikrogramm pro Liter zu senken.

Im Genfersee wurden durchschnittlich 129 Gramm Plastikmüll pro Quadratkilometer gemessen. Auch Mikroplastik ist vorhanden, in Konzentrationen die an der Schwelle dessen liegen, was für Wasserorganismen potenziell problematisch sein könnte.

Ab 2018 hat sich die invasive Quagga-Muschel massiv ausgebreitet. Sie wurde 2015 erstmals im Genfersee gesichtet. Die CIPEL beobachtet eine immer stärkere Vermehrung von Algen, sogenannten Phytoplanktons, und dies bis in größere Tiefen. Diese fädigen Algen behindern im Sommer die Fischer, da dadurch die Netze für die Fische sichtbar sind, und auch im Winter verbreitet sich die Pflanze stets weiter.