Die Stadt Tangerhütte liegt im Süden des Landkreises Stendal in der Region Altmark im Land Sachsen-Anhalt. mini|hochkant=1.2|Neues Schloss im Stadtpark
Geographie Lage Die Stadt liegt am Fluss Tanger, nach dem die Stadt ihren Namen erhielt. Tangerhütte liegt an der Bahnstrecke Magdeburg–Stendal im Norddeutschen Tiefland.
Stadtgliederung Seit Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft Tangerhütte-Land und der Neubildung der Stadt am 31. Mai 2010 besteht die „Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte“ aus 19 Ortschaften, 32 Ortsteilen und 6 Wohnplätzen.
Zu Tangerhütte gehört eine rund 2 km² große Exklave westlich von Bertingen. Das Gebiet liegt zwischen der Elbe und einem alten Elbarm.
Geologie Regionalgeologisch befindet sich das Gebiet Tangerhütte-Land etwa fünf Kilometer südlich der Altmark-Fläming-Senke. Hier liegen Sandsteine aus dem Mesozoikum beziehungsweise Paläozoikum vor. Die Gesteine des Lias liegen heute etwa 1800 Meter unter der Erdoberfläche. Dort sind Temperaturen um 65 °C vorherrschend.
Das Zechstein erscheint bei Klein-Schwarzlosen als Salzdiapir, jedoch nicht an der Erdoberfläche. Die Ursache des Diapirs liegt hier in der Bruchstörung zwischen der Altmark-Fläming-Senke und der Calvörder Scholle.
Der Ort ist zwischen der Glogau-Baruther Urstromtalung (nördlich gelegen) und der Magdeburg-Breslauer Urstromtalung (südlich gelegen) angesiedelt. Die nördliche Urstromtalung entstand während des Warthestadiums in der Weichsel-Kaltzeit. Die südliche steht in Verbindung zum Plankener Stadium der Saale-Kaltzeit. Das Gebiet zwischen diesen Talungen ist Altmoränengebiet und postweichselkaltzeitlich überformt. Tangerhütte liegt heute im Aufschüttungsgebiet der Elbe.
Geschichte Neuzeit mini|Ehemalige Gießerei mini|hochkant=0.7|Gusseisen-Laternenmast mit Werksaufschrift „Tangerhütte“, Kurpark Wiesbaden, um 1900 Tangerhütte ist aus dem Dorf Vaethen hervorgegangen. Es wurde 1375 erstmals urkundlich als Veten erwähnt und blieb eine kleine Ortschaft. Im Jahr 1540 wurden lediglich 80 Einwohner gezählt, Dorfschulze war zu der Zeit Stephan Güldenpfennigk. Im Dreißigjährigen Krieg raubten Magdeburger Söldner Vieh im Ort. 1808 wurde die Dorfstraße befestigt. 1840 hatte der Ort 345 Einwohner. Ab 1842 wurde am rechten Ufer des Tangers das Eisenwerk Tangerhütte errichtet, 1844 in den Eisenwerken Tangerhütte der erste Guss vollzogen. Vaethen entwickelte sich dadurch zu einem Industriestandort. 1852 erhielt es einen Bahnhof. Ab 1870 wurde der Schlosspark mit einem Wasserfall und einem Teich angelegt, bevor 1873/74 das Schloss des Hüttenbesitzers Wagenführ errichtet wurde. 1883 ließ sich die Familie eine Familiengruft bauen. 1880 wurde das Empfangsgebäude des Bahnhofs erbaut.
Im Auftrag des Gruson-Werkes Magdeburg-Buckau wurde im Jahr 1888 südöstlich von Tangerhütte ein Schießplatz angelegt. 1893 wurde das Gruson Werk durch Krupp übernommen und der Schießplatz ab 1919 stillgelegt und später aufgeforstet.
Die Freiwillige Feuerwehr von Vaethen wurde 1891 gegründet, das Rathaus 1905 gebaut. 1907 wurde die Straßenbeleuchtung mit Gaslampen in Betrieb genommen. Der Hüttenbesitzer ließ 1909 bis 1911 das Neue Schloss errichten, das erste wird seitdem als Altes Schloss bezeichnet. 1926 erhält Vaethen eine elektrische Beleuchtung. 1928 wurde der Name von Vaethen in Tangerhütte geändert, 1935 erlangte Tangerhütte das Stadtrecht. In Tangerhütte gab es von 1939 bis zum Kriegsende ein Lazarett für tuberkulosekranke Kriegsgefangene, in dem bis 1945 500 Personen starben. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte eine teilweise Demontage des Eisenhüttenwerks; trotzdem nahm die Hütte bereits 1945 die Arbeit wieder auf.
Am 25. Juli 1952 wurde Tangerhütte Kreisstadt des gleichnamigen Kreises im Bezirk Magdeburg. Am 1. Januar 1988 wurde der Kreis Tangerhütte aufgelöst, Tangerhütte verlor den Status einer Kreisstadt und wurde in den Kreis Stendal eingegliedert, in dem die Stadt bis heute liegt.
Eingemeindungen Ursprünglich gehörte das Dorf Väthen zum Tangermündeschen Kreis der Mark Brandenburg in der Altmark. Von 1807 bis 1813 lag es im Kanton Burgstall auf dem Territorium des napoleonischen Königreichs Westphalen. Nach weiteren Änderungen kam die Gemeinde zum Kreis Stendal, dem späteren Landkreis Stendal.
Am 20. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Briest nach Tangerhütte eingemeindet.
Am 31. Mai 2010 wurden die Stadt Tangerhütte und die bisherigen Gemeinden Bellingen, Birkholz, Bittkau, Cobbel, Demker, Grieben, Hüselitz, Jerchel, Kehnert, Lüderitz, Ringfurth, Schelldorf, Schernebeck, Schönwalde (Altmark), Uchtdorf, Uetz, Weißewarte und Windberge zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen „Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte“ vereinigt.StBA: Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010
Bevölkerung Stadt JahrEinwohner173419117721241790253179826118042421818280184030218711.731JahrEinwohner1885282818953417190048211905530219105985192555591939542219466679JahrEinwohner1964652819716937198178031985817719907700199573142000660020055924JahrEinwohner20095439 Quelle, wenn nicht angegeben, bis 1981:
Einheitsgemeinde JahrEinwohner 2010 11.765 2015 11.007 2020 10.612 2021 10.544 2022 10.333 2023 10.252 2024 10.108 2025 10.000
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Ortsteil JahrEinwohner2013485420144840201945592022448820234498
Religion Die meisten Einwohner Tangerhüttes sind heute konfessionslos.
Die Volkszählung in Deutschland 2022 zeigte, dass von den 10.255 Einwohnern der Stadt Tangerhütte rund 14 % der evangelischen und rund 2 % der katholischen Kirche angehörten.
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Tangerhütte besteht aus 28 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 67,8 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 AfD 11,7 % 3 29,1 % 8 Unabhängige Wählergruppe „Südliche Altmark“ (UWGSA) 15,7 % 4 20,5 % 6 CDU 18,2 % 5 18,4 % 5 Wählergemeinschaft Altmark-Elbe 9,2 % 3 9,5 % 3 Wählergemeinschaft Lüderitz 12,2 % 3 9,4 % 3 SPD 10,1 % 3 8,1 % 2 Wählergemeinschaft Zukunft Einheitsgemeinde Tangerhütte 9,8 % 3 5,0 % 1 Die Linke 11,3 % 3 – – FDP 1,9 % 1 – – Insgesamt 100 % 28 100 % 28
Bürgermeister 2010–2014: Birgit Schäfer (SPD) seit 2014: Andreas Brohm (parteilos)
Letzter gewählter Bürgermeister der alten Gemeinde Tangerhütte war bis zum 30. Mai 2010 Gerhard Borstell (SPD).
Schäfer wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 10. Oktober 2010 mit 52,3 % der gültigen Stimmen gewählt. Sie wurde am 25. Mai 2014 mit 73,2 % der gültigen Stimmen abgewählt.
Brohm wurde in der Bürgermeisterwahl am 14. September 2014 mit 72,7 % der gültigen Stimmen zu ihrem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 14. September 2014 Er wurde am 6. Juni 2021 mit 59,9 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 6. Juni 2021 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Wappen des Ortsteils Tangerhütte mini|hochkant=0.7|Wappen des Ortsteiles Das Wappen wurde am 24. September 1936 durch den Oberpräsidenten der Provinz Sachsen verliehen.
Blasonierung: „Gespalten in Silber; vorn am Spalt ein goldbewehrter roter Adler mit ausgeschlagener roter Zunge, hinten am unteren Schildrand drei gestielte, zu einem Strauß verbundene, aufrechte grüne Ähren mit zwei Blättern und schwarzen Grannen, überhöht von einem schwarzen Bergmannsgezähe.“
Der märkische Adler versinnbildlicht die einstige Zugehörigkeit der Altmark zur Mark Brandenburg, Schlägel und Eisen kennzeichnen die Eisenindustrie, gleichzeitig erinnern sie daran, dass bis 1854 in der Umgebung Raseneisenerz abgebaut und verhüttet wurde. Die drei grünen Ähren versinnbildlichen den Agrarcharakter der Umgebung von Tangerhütte.
Das Wappen wurde von dem Magdeburger Staatsarchivrat Otto Korn gestaltet.
Flagge des Ortsteils Tangerhütte mini|Stadtflagge von Tangerhütte Die Flagge wurde am 20. Juli 1999 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.
Die Ortsteilflagge ist rot - weiß (1:1) gestreift (Hissflagge: Streifen von oben nach unten, Querflagge: Streifen von links nach rechts verlaufend) mit dem aufgelegten Stadtwappen.
Städtepartnerschaften Extertal in Nordrhein-Westfalen Der Teilort Lüderitz unterhält seit 2018 eine Partnerschaft mit Lüderitz in Namibia.
Sehenswürdigkeiten und Kultur
Bauwerke Neues Schloss Das Neue Schloss in Tangerhütte wurde 1909 bis 1911 errichtet. Anlass war die Eheschließung von Johann Jacob Franz Wagenführ von Arnim. Das nach italienischem Vorbild erbaute Gutshaus liegt im südöstlichen Teil des Stadtparks.
Maßgeblich an der künstlerischen Ausgestaltung des Gebäudes beteiligt war der Tangerhütter Bildhauer Otto Funke. Das Kaminzimmer wird von Funkes prächtig geschnitztem Kaminaufsatz beherrscht, der das Wappen der Familie Wagenführ trägt. Der Künstler entwarf ebenfalls die Modelle der beiden Sphingen, die vor dem Eingang des Schlosses stehen. Die steinernen Torwächter wurden in der Zementgießerei der „Hütte am Tanger“ gefertigt.
Das Familienwappen mit der schmückenden Krone, einem Hammer als Sinnbild des Eisenwerks sowie die traditionellen Farben Rot und Silber ziert das Eingangsportal.
Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Schloss unter anderem als Heilstätte für Tuberkulosekranke und – bis 1996 – als Seniorenheim.Altes und neues Schloss Tangerhütte. altmarktourismus.de, abgerufen am 1. Dezember 2018
Altes Schloss mini|Altes Schloss Das zweistöckige Alte Schloss mit strukturierter Putzfassade und Mansarddach im Nordwesten des Stadtparks wurde 1873/1874 errichtet. Es diente während und nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem als Lazarett, Erholungsheim, Heilstätte für Tuberkulosekranke und Poliklinik. Es ist verfallen und steht zum Verkauf.
Kirchen mini|St.-Elisabeth-Kirche Evangelische Kirche im ursprünglichen Ortskern Vaethen (heutige Breite Straße) mit Taufengel. Ihre Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Stendal. Katholische St.-Elisabeth-Kirche an der Schönwalder Chaussee. Die 1931 erbaute Kirche gehört heute zur Pfarrei St. Anna mit Sitz in Stendal, 2019 fand dort der letzte Gottesdienst statt. Neuapostolische Kirche an der Schönwalder Straße. Ihre Gemeinde gehört zum Kirchenbezirk Stendal.
Gedenkstätten Grabanlage und Denkmal aus dem Jahre 1971 für 197 Polen, 53 Jugoslawen und einen Tschechoslowaken, die von den im Lazarett insgesamt verstorbenen 500 Personen auf dem Friedhof an der Straße der Jugend ihre Ruhestätte haben Gedenkstein auf dem Areal der Grundschule „Heinrich Rieke“ in der Bismarckstraße (früher Ernst-Thälmann-Straße) zur Erinnerung an den Kommunisten Heinrich Rieke, der nach schweren Misshandlungen durch die örtliche Polizei 1933 starb.
Weitere Sehenswürdigkeiten Wilhelm-Wundt-Schule, massives großes Backsteingebäude mit Uhrturm, 1909 eröffnet ehemalige Gießerei: 1842 errichtet, in der DDR als VEB Eisenwerk „1. Mai“ bekannt, leer stehendes, dem Verfall preisgegebenes Fabrikgebäude mit einer aufwändig gegliederten Backsteinfassade Mausoleum Gusseiserner Pavillon, der auf der Weltausstellung Paris 1889 ausgestellt warNeues Schloss Tangerhütte bald wieder Anziehungspunkt. In: Die Welt vom 3. März 2015, abgerufen am 27. August 2015
Grünflächen und Naherholung mini|Mausoleum im Stadtpark mini|Portal im Stadtpark