mini|hochkant|Bischof Jean-Pierre Delville (2014) mini|hochkant|Bischofswappen von Jean-Pierre Delville Jean-Pierre Delville (* 29. April 1951 in Lüttich) ist ein belgischer römisch-katholischer Geistlicher und Bischof von Lüttich.

Leben Ausbildung und Studium Jean-Pierre Delville wurde 1951 als Sohn eines Architekten und einer Buchhalterin in Lüttich geboren. Er wuchs mit seinen drei Geschwistern in Awans auf. Er besuchte zuerst die Grundschule in Awans und später die weiterführende Schule am Collège Saint-Servais in Lüttich. Anschließend studierte er Geschichtswissenschaft an der Universität Lüttich und erlangte 1973 mit der Arbeit Synodes et statuts synodaux liégeois sous l’ancien régime („Lütticher Synoden und Synodalstatuten unter dem Ancien Régime“) ein Lizenziat. Außerdem absolvierte er ein Musikstudium am Königlichen Konservatorium Lüttich, das er mit einem Orgeldiplom abschloss. Ab 1973 studierte er als Alumnus des Priesterseminars Léon XIII in Löwen Philosophie an der Université catholique de Louvain. Nachdem er dort ein Baccalauréat im Fach Philosophie erworben hatte, setzte er seine Studien an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom fort. Dort erlangte er 1977 ein Baccalaureato im Fach Katholische Theologie. 1980 erwarb er nach weiterführenden Studien am Päpstlichen Bibelinstitut ein Lizenziat im Fach Bibelwissenschaft. Während seiner Studienzeit in Rom war er Alumnus des Päpstlichen Belgischen Kollegs. Neben seinem Studium engagierte er sich in der Obdachlosenarbeit in den Armenvierteln Roms, wo er die Gemeinschaft Sant’Egidio kennenlernte. Er wurde 1978 in der Kirche Sant’Egidio in Trastevere in Rom zum Diakon geweiht und empfing am 6. September 1980 in der Pfarrkirche Sainte-Foy in Lüttich das Sakrament der Priesterweihe für das Bistum Lüttich.

Wirken als Priester und Professor Nach der Priesterweihe war Delville zunächst als Pfarrvikar der Pfarreien Sainte-Foy (1980–1981), Saint-Martin (1981–1987) und Saint-Jacques (1987–1993) in Lüttich tätig. Zudem wirkte er von 1984 bis 1993 als Bibliothekar des Priesterseminars in Lüttich. In dieser Funktion wirkte er bei der Restrukturierung der Bibliothek mit, deren Verwaltungsrat er später bis 2013 weiterhin als Vorsitzender leitete. Von 1993 bis 2005 fungierte er als Regens des Priesterseminars Saint-Paul in Louvain-la-Neuve. Außerdem war er von 1996 bis 2002 auch Pressesprecher der Belgischen Bischofskonferenz. Ab 2005 war Delville Rektor des dortigen Priesterkollegs Saint-Paul und ab 2010 zusätzlich Seelsorger in der Pfarrei Saint-Barthélemy in Lüttich.

Parallel zu seiner Tätigkeit in der Seelsorge und in der Priesterausbildung lehrte er von 1982 bis 1995 Fundamentaltheologie und Kirchengeschichte am Priesterseminar in Lüttich und am dortigen Institut supérieur de catéchèse et de pastorale (ISCP). Daneben setzte er seine Studien an der Université catholique de Louvain fort und wurde 1996 bei Jean-Marie Sevrin mit der Arbeit Lectures et interprétations de la parabole des ouvriers à la vigne (Mt 20, 1–16) au seizième siècle („Lesarten und Auslegungen des Gleichnisses von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1–16) im 16. Jahrhundert“) zum Doktor der Philosophie und der Literaturwissenschaft im Fach Bibelwissenschaft promoviert. Ab 1996 lehrte Delville als Dozent für Christentumsgeschichte an der Université catholique de Louvain. 2002 wurde er Professor und 2010 schließlich ordentlicher Professor. Zudem wirkte er ab 2002 als Sekretär und ab 2010 als Direktor der Redaktionsteams der Revue d’histoire ecclésiastique und des Dictionnaire d’histoire et de géographie ecclésiastiques. Außerdem fungierte er ab 2008 als Präsident der Plattform Archives du monde catholique (ARCA) und ab 2010 auch als Präsident des Institut de recherche Religions, spiritualités, cultures, sociétés an der Université catholique de Louvain, dessen Mitbegründer er war. Von 2011 bis 2012 gehörte er zusätzlich dem akademischen Rat der Université catholique de Louvain an. Darüber hinaus war er Mitglied der Redaktion der Revue théologique de Louvain, des Institut d’histoire médiévale, der Group for Early Modern Cultural Analysis (GEMCA) und ab 2008 des Centre Vincent Lebbe. Ferner gehörte er bereits ab 1999 der Kommission für die Evangelisierung der Belgischen Bischofskonferenz an. Seine Forschungsschwerpunkte waren die Geschichte der Biblischen Exegese und die Geschichte des Bistums Lüttich.

Wirken als Bischof Am 31. Mai 2013 ernannte ihn Papst Franziskus zum Bischof von Lüttich. Der Erzbischof von Mecheln-Brüssel, André-Joseph Léonard, spendete ihm am 14. Juli desselben Jahres in der St.-Pauls-Kathedrale in Lüttich die Bischofsweihe; Mitkonsekratoren waren der emeritierte Bischof von Lüttich, Aloys Jousten, und der Bischof von Antwerpen, Johan Bonny, sowie der Präsident des Päpstlichen Rates für die Familie, Kurienerzbischof Vincenzo Paglia, und der Apostolische Nuntius in Belgien, Erzbischof Giacinto Berloco.

Als Bischof gründete Delville einen Bischofsrat und die Diözesankommission für den interreligiösen Dialog. Außerdem initiierte er eine Reorganisation der Diözesankurie des Bistums Lüttich. Im März 2018 veröffentlichte er das Directoire diocésain pour la gestion du temporel des cultes („Diözesandirektorium für die weltliche Verwaltung der Kultstätten“), das Fragen der Instandhaltung und Verwaltung von kirchlichen Gebäuden im Bistum Lüttich regelt. Außerdem tritt er regelmäßig bei RCF-Liège als Moderator von zwei Sendungen auf. Im August 2018 wurde Deville Opfer eines Raubüberfalls auf seine Bischofsresidenz.

In der Belgischen Bischofskonferenz fungiert Delville zudem seit dem 12. Oktober 2023 als zweiter Vizepräsident und gehört als solcher dem ständigen Rat an. Außerdem leitet er die Kommission für die Diakonie. Darüber hinaus ist er in der Bischofskonferenz verantwortlich für Caritas Internationalis, für den Belgischen Caritasverband, für die Fondation Royale Belge Saint-Julien des Flamands, für die Beziehungen zu den weltlichen politischen Autoritäten der Wallonischen Region und der deutschsprachigen Region, für das Sekretariat für den Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, für die Erwachsenenbildungsvereinigung Agir en Chrétiens Informés (ACI), für den Kulturerbeverbund Art, Culture et Foi (CIPAR), für die katholische Sozialorganisation BePax Wallonie-Bruxelles, für die Caritas in den französisch- und deutschsprachigen Gebieten Belgiens, für die Hilfsorganisation Entraide et Fraternité, für die Initiative Vivre ensemble und für die Kommission für Gerechtigkeit und Frieden sowie für den Generalrat für den katholischen Religionsunterricht und die Schulpastoral. Zuvor war er ab 2015 Vorsitzender der Kommission für die Weltkirche.

Delville gehört seit 1978 der Gemeinschaft Sant’Egidio an. Von 1995 bis 2013 war er Verantwortlicher und geistlicher Begleiter der Gemeinschaft Sant’Egidio im Bistum Lüttich und deren Kaplan für die französischsprachigen Regionen Belgiens. Zudem war er in dieser Zeit samstags im Obdachlosenrestaurant Kamiano in Lüttich tätig. 1990 nahm er am Kongress Uomini e Religioni der Gemeinschaft Sant’Egidio teil. Außerdem ist er seit 2009 Mitglied des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Überdies ist er Mitglied verschiedener Fachgesellschaften: Société d’art et d’histoire du diocèse de Liège (seit 1983), Institut archéologique liégeois (seit 1983), Association européenne de théologie catholique (seit 1991), Comité d’histoire religieuse du Brabant wallon (CHIREL) (seit 2007), Groupe œcuménique des Dombes (seit 2009) sowie Société des bibliophiles liégeois (seit 2011).

Delville spricht neben seiner Muttersprache Französisch auch Niederländisch, Italienisch, Englisch und Deutsch.

Wappen und Wahlspruch Das Wappenschild zeigt auf rotem Grund zwei blaue Flüsse, die sich in der Mitte des Wappens zu einem Fluss vereinen. Dies symbolisiert die Ourthe, die bei Lüttich in die Maas mündet. Die im rechten Teil des Wappenschilds zu sehende weiße Taube mit einem weißen Olivenzweig im Schnabel nimmt Bezug auf die Taube von Sant’Egidio, das Symbol der Gemeinschaft Sant’Egidio, der Delville angehört. Im linken Teil ist eine Stadt mit Kathedrale dargestellt, die für die Stadt Lüttich steht.

Delvilles Wahlspruch Fluminis impetus lætificat civitatem Dei („Der Fluss und seine Arme erfreuen die Stadt Gottes“) stammt aus . Dieser findet sich in einer Inschrift des Taufbeckens der Kirche Saint-Barthélemy in Lüttich, das vormals in der St.-Pauls-Kathedrale stand. In inhaltlicher Hinsicht nimmt Delville mit seinem Wahlspruch Bezug auf die Maas und auf das Taufwasser, „das in Vereinigung mit Gott eine neue Stadt schafft“, sowie auf das Wort Gottes, das wie Wasser Leben spendet und Frieden und Freude bringt.

Schriften

Weblinks

Biografie von Jean-Pierre Delville auf der Homepage des Bistums Lüttich (französisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Bischof von Lüttich Kategorie:Römisch-katholischer Bischof (21. Jahrhundert) Kategorie:Römisch-katholischer Geistlicher (20. Jahrhundert) Kategorie:Römisch-katholischer Theologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Römisch-katholischer Theologe (21. Jahrhundert) Kategorie:Rektor eines Priesterseminars Kategorie:Hochschullehrer (Université catholique de Louvain) Kategorie:Absolvent der Päpstlichen Universität Gregoriana Kategorie:Absolvent der Universität Lüttich Kategorie:Person (Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem) Kategorie:Belgier Kategorie:Geboren 1951 Kategorie:Mann