Susanna Daucher, auch Doucher oder Ducher (* um 1495 in Augsburg; † im 16. Jahrhundert), war die Ehefrau des Augsburger Bildhauers Hans Daucher und eine Anhängerin der Täuferbewegung.

Leben Susanna Daucher wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts in Augsburg als Susanna Spitzmacher geboren.Die Daten und Fakten dieses Abschnitts sind – wenn nicht anders vermerkt – folgendem Aufsatz entnommen: Martina Berthold: Die Reformation in Augsburg am Beispiel der Susanna Daucher, in: Lebensformen – Lebensräume für Frauen. Reformation als soziale Revolution? Dokumentation der 19. Jahrestagung „Miss Marples Schwestern – Netzwerk zur Frauengeschichte vor Ort“ vom 13. bis 15. Juni 2008 in Augsburg / Stadtbergen (Hrsg. Frauengeschichtskreis Augsburg), Berlin 2008, S. 68 ff. Weitere Angaben über ihre Herkunft und Jugend können aufgrund der Quellenlage nicht gemacht werden. Bekannt ist nur, dass sie mindestens eine Schwester hatte, die den Vornamen Maxentia trug und deren späterer Ehemann einer Familie Wisinger entstammte. Sowohl ihre Schwester als auch ihre gemeinsame Mutter gehörten ab 1527 der Augsburger Täufergemeinde an.

Um 1515 heiratete sie den in Stuttgart geborenen Bildhauer und Medailleur Hans Adolf Daucher, der gemeinsam mit seinem Vater Adolf Daucher († zwischen 1523 und 1525) eine Bildhauerwerkstatt betrieb. Beide werden heute zur sogenannten Ulmer Schule gezählt und galten schon zu Lebzeiten als bekannte Vertreter ihres künstlerischen Handwerks.Siehe zu Adolf Daucher: ; zu Hans DaucherHerbert Schindler: Augsburger Renaissance. Hans Daucher und die Bildhauer der Fuggerkapelle bei St. Anna; eingesehen am 22. Mai 2013. Aus der Ehe mit Hans Daucher gingen mindestens zwei Kinder hervor, die im Frühjahr 1528 drei und sechs Jahre alt waren. Ein drittes Kind war zu diesem Zeitpunkt unterwegs. Ob Susanna es lebend zur Welt gebracht hat, ist unbekannt. Hans Daucher wurde allerdings später als „Vater von drei Kindern“ vorgestellt.

Dass Susanna Daucher in der Stadtgeschichte Augsburgs Erwähnung findet, steht im Zusammenhang mit ihrer Mitgliedschaft in der Augsburger Täufergemeinde, deren Anfänge auf das Jahr 1525 zurückgehen und deren Entstehung sowie deren überregionale Bedeutung mit den Täuferpersönlichkeiten Ludwig Hätzer, Balthasar Hubmaier, Hans Denck und Hans Hut eng verbunden sind.Zur Augsburger Täufergeschichte siehe Hans Guderian: Die Täufer in Augsburg. Ihr Geschichte und ihr Erbe. Ein Beitrag zur 2000-Jahr-Feier der Stadt Augsburg. Ludwig, Pfaffenhofen 1984, ISBN 3-7787-2063-5. Auf welche Weise Susanna Daucher zur Täufergemeinde Kontakt fand, ist nicht überliefert. Belegt ist aber, dass sie sich im November 1527 gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Maxentia Wisinger gegen den Willen ihres Ehemannes taufen ließ. Ort der Taufe war das Haus des Spitzenklöpplers Huber. Als Täufer wird ein gewisser Thomas oder auch Thoman erwähnt. Wahrscheinlich handelte es sich um den aus Memmingen stammenden Thomas Waldhausen,GAMEO: Susanna Doucher; eingesehen am 30. Mai 2013. der wenige Monate zuvor an der Augsburger Märtyrersynode als Mitglied der „Fraktion“ Hans Huts teilgenommen hatte.Hans Guderian: Die Täufer in Augsburg. Ihr Geschichte und ihr Erbe. Ein Beitrag zur 2000-Jahr-Feier der Stadt Augsburg. Ludwig, Pfaffenhofen 1984, ISBN 3-7787-2063-5, S. 40–44. Susanna Daucher veranstaltete Bibellesekreise für Frauen und legte biblische Texte aus. Sie nahm auch an Täufertreffen außerhalb Augsburgs teil, so zum Beispiel in Radegundis beim Schloss Wellenburg, das heute im Augsburger Stadtteil Bergheim liegt. Auch war sie im diakonischen Bereich tätig und unterstützte arme Frauen, insbesondere Witwen.

In den Tagen vor Ostern 1528 fanden in Augsburg mehrere Täuferversammlungen statt, die in Privathäusern abgehalten wurden. So traf man sich am Sonnabend vor Palmsonntag zu einer Abendmahlsfeier im Keller des Wohnhauses der Täuferin Barbara Schleifer und anschließend bei einer Versammlung, zu der Georg Nespitzer eingeladen hatte und bei der es um die Klärung theologischer Lehrfragen ging.Tina Saji: Christian Social Reformers, New Delhi 2005, ISBN 81-8324-008-9, S. 294. Nespitzer stand zu diesem Zeitpunkt wohl noch ganz unter dem Einfluss der an Thomas Münzer orientierten Hutschen Theologie, die von einer „brennenden Naherwartung“ der Wiederkunft Christi geprägt war.Gerhard Maier: Die Johannesoffenbarung und die Kirche, Band 25 in der Reihe Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament, Tübingen 1981, ISBN 3-16-144132-X, S. 245. Hut (und wohl auch Nespitzer) rechneten damit, dass mit dem Pfingstfest 1528 das Gericht Gottes über alle Gottlosen beginnen würde. Am Sonnabend vor Ostern (11. April 1528) fand eine weitere Begegnung statt, diesmal im Haus des Augsburger Bürgers Gall Fischer, der aber zu dieser Zeit auf einer Missionsreise war. Georg Nespitzer und Claus Schleifer leiteten die gottesdienstliche Zusammenkunft, bei der auch einige Gläubige getauft wurden. Man verabredete sich zum Ostergottesdienst am folgenden Sonntag im Haus an der Schleifergasse 10, der Wohnung der Familie Daucher.Hans Guderian: Die Täufer in Augsburg. Ihr Geschichte und ihr Erbe. Ein Beitrag zur 2000-Jahr-Feier der Stadt Augsburg. Ludwig, Pfaffenhofen 1984, ISBN 3-7787-2063-5, S. 75. Hans Daucher war zu dieser Zeit berufsbedingt in Österreich unterwegs. mini|Haus der Familie Daucher am Hinteren Lech 2, heute ein Baudenkmal im Stadtviertel Lechviertel, östliches Ulrichsviertel mini|Gedenktafel am Haus der Familie Daucher Die Verantwortlichen der Stadt Augsburg hatten schon längere Zeit zuvor per Ratsbeschluss die Aufnahme und Bewirtung von Täufern strengstens verboten. Susanna Daucher verhängte deshalb bei der Vorbereitung des Gottesdienstes vorsorglich die Fenster ihres Hauses mit Tüchern. Die rund 100 Personen, die sich im Daucher-Haus zum Gottesdienst eingefunden hatten, konnten aber in der Enge des Augsburger Lechquartiers nicht verborgen bleiben. Das Treffen wurde bei den städtischen Behörden denunziert. Nespitzer und sein Mitältester Hans Leupold müssen die drohende Gefahr geahnt haben. Beide warnten die Versammlung, doch die meisten Gottesdienstbesucher blieben. Der Stadtrat beorderte bewaffnete Polizeikräfte und ließ das Haus umstellen. Nach etwa einer Stunde erfolgte der Zugriff. 88 Personen wurden verhaftet, in Eisen gelegt und zum Rathaus verbracht. Unter ihnen befanden sich 39 nicht ortsansässige Täufer und Täuferinnen, die bereits am folgenden Tag mit der Peitsche, einige auch nach Kennzeichnung durch „den Brand auf den Backen“, der Stadt verwiesen wurden.Hans Guderian: Die Täufer in Augsburg. Ihr Geschichte und ihr Erbe. Ein Beitrag zur 2000-Jahr-Feier der Stadt Augsburg. Ludwig, Pfaffenhofen 1984, ISBN 3-7787-2063-5, S. 76. Die Augsburger Bürger und Bürgerinnen unterzog man peinlichen Verhören. Susanna Daucher verteidigte sich unter anderem mit dem Argument, dass gemeinsames Bibellesen und Beten auch in häuslicher Umgebung nicht verwerflich sein könne. Am Ende der gerichtlichen Untersuchungen stand der sogenannte „Verruf“, mit dem die schwangere Susanna Daucher aus der Stadt vertrieben wurde und der heute zu den Ausstellungsobjekten der Lutherstiege Augsburg gehört:

Am Tag der Urteilsverkündung wurde Susanna Daucher unterhalb des Rathauserkers an den Pranger gestellt.; Mennonitengemeinde Augsburg, eingesehen am 27. Mai 2013. Anschließend wurde der Ausweisungsbeschluss umgehend vollzogen. Die beiden Kinder musste Susanna Daucher zurücklassen; sie wurden unter Pflegschaft gestellt. Als der Ehemann, der im Blick auf das Geschehene ahnungslos war, von Wien zurückkehrte, war seine Existenz durch den Verlust seiner Familie und den Einzug seines Vermögens ruiniert. Damit war auch seine künstlerische Tätigkeit beendet; nach dieser Zeit ist – soweit bekannt – kein Werk mehr von ihm entstanden. Ab 1530 führte man Hans Daucher in den städtischen Steuerlisten als „Habnit“ (= Habenichts). Er verzog nach Württemberg, wo er gegen geringen Lohn eine Anstellung bei Herzog Ulrich fand. Um 1537 starb Hans Daucher in einem Siechenhaus in der Nähe von Stuttgart. Ob er seine Ehefrau wiedergesehen hat, muss eine offene Frage bleiben. Susanna Dauchers weiterer Lebensweg bleibt ebenfalls im Dunkeln. Vermutungen gehen dahin, dass sie – wie andere vertriebene Täufer auch – in Stuttgart eine neue Heimat fand.

Gedenken Am 12. April 2013, dem Gedenktag des täuferischen Ostergottesdienstes von 1528, wurde am Haus von Hans und Susanna Daucher, das sich an der Ecke Hinterer Lech 2 / Ecke Schleifergässchen befindet, eine Gedenktafel angebracht. Sie enthält unter der Überschrift Versammlungsort der Täufer folgenden Text:

Literatur GAMEO-Biographie-Artikel Susanna Doucher; eingesehen am 20. Mai 2013. Hans Guderian: Die Täufer in Augsburg. Ihr Geschichte und ihr Erbe. Ein Beitrag zur 2000-Jahr-Feier der Stadt Augsburg. Ludwig, Pfaffenhofen 1984, ISBN 3-7787-2063-5. Martina Berthold: Die Reformation in Augsburg am Beispiel der Susanna Daucher, in: Lebensformen – Lebensräume für Frauen. Reformation als soziale Revolution? Dokumentation der 19. Jahrestagung „Miss Marples Schwestern – Netzwerk zur Frauengeschichte vor Ort“ vom 13. bis 15. Juni 2008 in Augsburg / Stadtbergen (Hrsg. Frauengeschichtskreis Augsburg), Berlin 2008, ISBN 978-3-933788-02-3, S. 68 ff.

Weblinks Augsburger Allgemeine (15. April 2013): Erinnern an die Vertreibung der Täuferin. Tafel für Susanna Daucher enthüllt; eingesehen am 20. Mai 2013.

Einzelnachweise

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