mini|Heinrich Hansjakob, 1907 Heinrich Hansjakob (* 19. August 1837 in Haslach; † 23. Juni 1916 ebenda) (Pseudonym: Hans am See) war ein deutscher katholischer Geistlicher, badischer Heimatschriftsteller, Historiker und Politiker. Bekannt wurde Hansjakob vor allem als Schriftsteller. Neben wissenschaftlichen Werken, politischen Schriften und Reiseberichten verfasste er Erzählungen und Romane, die sich hauptsächlich mit der Lokalgeschichte des Mittleren Schwarzwalds und der Mentalität der Menschen in dieser Gegend befassen.
Leben Kindheit, Jugend und Studium mini|links|Tafel am Geburtshaus in Haslach mini|hochkant|Hansjakobs Dissertationsschrift mini|hochkant|Darstellung am Wohnhaus in Waldshut Heinrich Hansjakob wurde 1837 als Sohn des Bäckers und Wirts Philipp Hansjakob und seiner Gattin Cäcilie geborene Kaltenbach in Haslach im Kinzigtal geboren. Seine Mutter stammte aus dem Furtwanger Ortsteil Rohrbach. Väterlicherseits war die Familie der Hansjakob seit nach dem Dreißigjährigen Krieg an der Kinzig ansässig.Heinrich Hansjakob: Schneeballen, dritte Reihe, 1893. Neuauflage 1911 im Verlag von Adolf Bonz & Comp. Stuttgart. Neuauflage 2002 von der Waldkircher Verlagsgesellschaft, Waldkirch, ISBN 3-87885-190-1, S. 462–464 (Begebenheiten während der Zeit als Pfarrer von Hagnau 1869–1884).
Von 1852 bis 1859 besuchte er das Lyzeum in Rastatt. Er schrieb 1859, dass er „viel lieber und weit mehr in die Bierhäuser als in die Kirche ging“. Anschließend studierte er Theologie, Philosophie und Klassische Philologie an der Universität Freiburg. 1863 wurde er zum Priester geweiht, obwohl er „eigentlich gar nicht Pfarrer werden“ wollte.
Donaueschinger und Waldshuter Zeit, 1864–1868 Nach dem Studium war er vom 20. Januar 1864 zunächst für ein Jahr Lehramtspraktikant (Studienreferendar) am Fürstenberg-Gymnasium Donaueschingen, hier befreundete er sich mit dem Fürstenbergischen Archivardirektor Karl Roth von Schreckenstein und dem Bibliothekar Karl August Barack. Unter ihrer Anregung entstand seine Dissertation Die Grafen von Freiburg im Breisgau im Kampfe mit ihrer Stadt. 1865 wurde er in Tübingen mit dieser Abhandlung promoviert. mini|Heinrich Hansjakob in Waldshut 1868
Im selben Jahr wurde er nach Waldshut als Vorstand der Höheren Bürgerschule befördert. Ab Waldshut führte er mit seiner Schwester Philippine einen eigenen Haushalt. In seiner Waldshuter Zeit veröffentlichte er im Advent 1866 die Schrift Die Salpeterer, eine politisch-religiöse Sekte und die Biographie Hermann von Vicari, Erzbischof von Freiburg. Beide Schriften riefen die Behörden auf den Plan. Die letztere wurde vom Waldshuter Staatsanwalt Traub beschlagnahmt und verboten. Im September 1868 hatte er einen Aufsatz in der Katholische Welt erscheinen lassen der auch im Trompeter von Säckingen gedruckt wurde. Darin beschrieb er einen Besuch in einem damals noch in Betrieb stehenden Bergwerk im Kinzigtal, wo er erlebte, wie dort Männer und Kinder um schmählichen Lohn arbeiten, während die Mastbürger von Offenburg, deren Aktien das Werk betrieben, in Saus und Braus leben und darüber nachsinnen würden, wie sie im Lande Baden die Feiertage abschaffen könnten, damit ihre weißen Sklaven keinen Tag freies Gotteslicht genössen dies wurde ihm als Aufreizung zum Klassenkampf ausgelegt und er wurde vom Vorstand zum letzten Lehrer der Bürgerschule degradiert, was er umgehend annahm, ja gar die Schule nicht mehr betrat. Sein großer Traum Professor zu werden war nun dahin. Er blieb noch bis in die Fastenzeit 1869 als Kaplan der Kalvarienbergkappelle, wohin er zumeist mit dem Pferd ritt.Joseph Ruch: Hansjakob in Waldshut In: Heimat am Hochrhein Band 2. 1965/66 S. 106 Da er sich nun ungebundener fühlte, äußerte er sich in einer Rede in Engen kritisch zur Regierung unter Minister Jolly, worauf er wegen Beleidigung einen Monat Haft in der Festung Rastatt verbüßte. Hier verfasste er das Buch Auf der Festung. Ebenfalls in seiner Waldshuter Zeit entstand das Büchlein Der Waldshuter Krieg von 1468; es erschien 1868.
Pfarrer in Hagnau am Bodensee, 1869–1883 mini|links|Hansjakobs Wohnhaus in Hagnau am Bodensee
Am 1. Dezember 1869 versetzte ihn der Weihbischof Lothar von Kübel auf eigenen Wunsch nach Hagnau am Bodensee.Josef Ruch: Hansjakob in Waldshut. In: Heimat am Hochrhein. Jahrbuch des Landkreises Waldshut, Jg. 2 (1965/66), S. 108. Von 1869 bis 1883 war er dort katholischer Pfarrer. Er riet als „Wasserdoktor am See“ Patienten zur Mäßigung in der Lebensführung, mäßigen Wasseranwendungen und Kompressen.Heinrich Hansjakob: Schneeballen, dritte Reihe, 1893. Neuauflage 1911 im Verlag von Adolf Bonz & Comp. Stuttgart. Neuauflage 2002 von der Waldkircher Verlagsgesellschaft, Waldkirch, ISBN 3-87885-190-1, S. 402 (Begebenheiten während der Zeit als Pfarrer von Hagnau 1869–1884). Der Weinbau in Hagnau war durch Nebenerwerbslandwirtschaft, den Schädlingsbefall durch Mehltau und den harten Winter 1879/1880 bedroht. Darum gründete Hansjakob am 20. Oktober 1881 den Hagnauer Winzerverein und trug damit zur Rettung des traditionsreichen Weinbaus am Bodensee bei.Heinz Käsinger: Heinrich Hansjakob bringt die Hagnauer auf Trab. In: Lahrer Hinkender Bote. Kalender und Kalendergeschichten, Jg. 213 (2013), S. 92–96. Der Winzerverein war die erste Winzergenossenschaft in Baden. Noch heute führt er das Bild Hansjakobs in seinem Logo.
Von 1871 bis 1881 war er außerdem Abgeordneter der Katholischen Volkspartei im badischen Landtag. 1873 wurde er wegen Beleidigung eines Staatsbeamten für sechs Wochen in Radolfzell inhaftiert.
Im selben Jahr wurde sein erster Sohn geboren, worauf Hansjakob einen Nervenarzt aufsuchte – man weiß von insgesamt vier unehelichen Kindern. In den Jahren von 1874 bis 1879 unternahm er Reisen nach Frankreich, Italien, Österreich, Belgien und die Niederlande. 1878 kam es zum Zerwürfnis mit seiner Partei.
Pfarrer in Freiburg im Breisgau, 1884–1913 mini|hochkant|Hansjakob-Kapelle in Hofstetten 1884 trat er eine Stelle als Pfarrer der St.-Martins-Kirche in Freiburg an, die er trotz Auseinandersetzungen mit den Kirchenbehörden bis 1913 innehatte.
Hansjakob hatte eine Anlage zu Nervenleiden und litt an Gemütsschwankungen. Zur Behandlung hielt er sich 1894 mehrere Monate lang in der Heil- und Pflegeanstalt Illenau bei Achern auf. Seine Symptome („Nerventeufel“) bekämpfte er mit Opiaten. Beck/Froneberg (2015) zufolge blieb er schwer medikamentenabhängig und kaum noch arbeitsfähig.
Die Archive in Freiburg, insbesondere das Stadtarchiv Freiburg war für Hansjakob, neben dem Erzbischöflichen Archiv, wo nach Franz Anton Zell, der Archivasisstent August Indlekofer ihnen zuarbeitete, die wichtigste Quelle für seine Bücher. Mit dem Dienstantritt des Archivdirektors Peter Paul Albert 1894 als Nachfolger des Adolf Poinsignon begann eine Zusammenarbeit bis zu seinem Tod, 1916.
Ab 1897 lebte er in der ehemaligen Kartause Freiburg, die zu dem Zeitpunkt schon zu einem Pfrundhaus umgewidmet worden war, einem Wohn- und Ruhesitz für 200 Pfründner, d. h. Pensionäre, die durch ein Vermächtnis das Recht erworben hatten, dort im Alter einzuziehen und gepflegt zu werden.
Pensionär auf dem Freihof in Haslach, 1913–1916 Den Freihof in seiner Heimatstadt Haslach ließ er nach seiner Pensionierung in Form eines Bauernhauses erbauen. Er lebte dort vom 22. Oktober 1913 bis zu seinem Tode.Hansjakob-Verlag der Stadt Haslach (Hrsg.): Dr. Heinrich Hansjakob, Pfarrer, Politiker, Schriftsteller. Ein kurzer Abriss seines Lebens. EH-Druck, Haslach 2000, S. 33–35. Der Freihof wurde als Museum erhalten.
Heinrich Hansjakob starb am 23. Juni 1916 im Alter von 78 Jahren in seinem Geburtsort. Beigesetzt wurde er in der Gruft seiner zu Lebzeiten vom guten Freund und Architekten Max Meckel und dem Bildhauer Joseph Dettlinger erbauten Grabkapelle im nahen Hofstetten.; Werner Wolf-Holzäpfel: Der Architekt Max Meckel 1847–1910. Studien zur Architektur und zum Kirchenbau des Historismus in Deutschland. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2000, ISBN 3-933784-62-X, S. 260 ff.
Wirken Schriftsteller mini|hochkant|Brautzug im Winter von Wilhelm Hasemann ist eine Illustration zu Der Vogt auf Mühlstein. Heinrich Hansjakob verfasste über 70 Bücher und Schriften.Anton Philipp Knittel: Kantig und ohne Heiligenschein. In: Südkurier vom 15. Januar 2016. Ideen für seine Werke fand er auf Reisen, durch Befragen und Zuhören. Auch suchte er gezielt nach Personen die ihm Auskünfte erteilen konnten, so lernte er am 28. September 1896 den Fürstlich Fürstenbergischen Waldhüter Josef Dieterle (1853–1937) im Gasthaus „Auerhahn“ im Heubachtal kennen. Er wurde ihm zu einem wichtigen Berichterstatter über das dortige Volksleben, den Bergbau, die Flösserei, über Personen und Originale. Der Briefwechsel dauert bis in das Jahr 1908. Im Jahr 1964 gab Hermann Fautz (1898–1979) den Briefwechsel unter dem Titel Aus der Werkstatt Heinrich Hansjakobs. Der Briefwechsel mit dem Waldhüter Josef Dieterle heraus.
In seinen Werken bediente sich Hansjakob mehrfach antisemitischer Topoi und Klischees. Ungeachtet seiner Bewunderung für die jüdische Religion und deren biblische Tradition einerseits finden sich in seinen Veröffentlichungen andererseits verächtliche Sätze über Juden.Heinz Siebold Der Kinzigtäler Dichter Heinrich Hansjakob: Rebell und Antisemit in einer Person. www.stuttgarter-zeitung.de, 5. Juli 2015. Sein Biograph Manfred Hildenbrand (1935–2017) warnte davor, Hansjakobs abwertende Urteile über „die“ Juden zu bagatellisieren.Manfred Hildenbrand: Heinrich Hansjakob. Rebell im Priesterrock. Hansjakob-Verlag der Stadt Haslach, Haslach 2000, Kapitel Der Antisemit, S. 180–187. Denn als vielgelesener Autor habe er Einfluss auf die öffentliche Meinung genommen.
Einsatz für Volkstum und Traditionen Er setzte sich für das Achten und Bewahren der alemannischen Mundart ein.Eisetzen Hansjakobs für die alemannische Mundart Für das Tragen der Volkstrachten machte er sich als Vorsitzender des Trachtenvereins Freiburg stark.Hans-Jürgen Wehrle: Heinrich Hansjakob, ein „Ur-Muetterspröchler“? In: Alemannisch dunkt üs guet, Heft 1/2016, S. 54–55.
Sozialreformer Er gründete die erste Winzergenossenschaft Badens in Hagnau am Bodensee. In Freiburg am Rathausplatz und an der Kirche St. Martin ließ er Arkaden für kleine Geschäftsleute einrichten.
Frauenbild Hansjakob wandte sich gegen die Emanzipation der Frauen und sprach sich u. a. gegen ein aktives und passives Wahlrecht, Gymnasialbildung und Universitätsstudium für Frauen aus. Er plädierte dafür, dass die Frauen eine grundlegende Schulausbildung erhalten, ansonsten jedoch Hausfrauen sein sollten. Gleichzeitig attestierte er Frauen Opferfähigkeit und die Fähigkeit, sich entsprechend ihren Anlagen im Lebensprozess grundlegend weiterzuentwickeln.Ursula Speckamp: Frauenpersönlichkeiten – Frauenemanzipation. Heinrich Hansjakob über die Frauen. In: Badische Heimat, Dezember 2019, , S. 595–606.
Nachleben und Ehrungen Gedenken mini|links|hochkant|Gedenktafel für Heinrich Hansjakob am Wohnhaus in Hagnau am Bodensee mini|hochkant|Hansjakob-Denkmal an der Nordseite des Rathauses mini|hochkant=0.5|Teilansicht der Schneeballen-säule mini|links|Statue Heinrich Hansjakob von Peter Lenk auf dem Gelände des Burgunderhofes mini|Haslach im Kinzigtal, Denkmal für Heinrich Hansjakob (beim ehemaligen Kapuzinerkloster), von Armin Göhringer, 1987
In Hagnau am Bodensee wurden mehrere Denkmäler zu seinen Ehren errichtet: eine Gedenktafel an seinem Wohnhaus, eine Statue am Rathaus, Szenen im Schneeballenbrunnen in der Ortsmitte und eine Statue von Peter Lenk auf dem Gelände des privaten Burgunderhofes. 1980 wurde in Freiburg ein ehemaliges Kloster nach ihm benannt, das heutige Heinrich-Hansjakob-Haus.Von „St. Agnes“ zum „Heinrich-Hansjakob-Haus“. Beim Kapuzinerkloster in Haslach im Kinzigtal steht eine Skulptur zur Erinnerung an Heinrich Hansjakob.