IJmuiden ist der größte Ort der niederländischen Gemeinde Velsen in der Provinz Nordholland und ein bedeutender Seehafen der Niederlande. Ihre Gründung am 1. November 1876 und den Ortsnamen verdankt die Stadt dem Bau des Nordseekanals im gleichen Jahr, der die Stadt und den Hafen von Amsterdam direkt mit der Nordsee verbindet.

Beim Bau des Kanals wurde die IJ-Bucht der Zuiderzee genutzt, die durch den Kanal eine Mündung () in die Nordsee erhielt. Die Stadt breitete sich am Südrand der Einfahrt zum Nordseekanal aus und entwickelte sich zu einem wichtigen Fischereihafen und Versorgungshafen für die niederländischen Bohrinseln in der Nordsee. Beherrschendes Element der Stadt ist die große Schleusenanlage mit dem großen Leuchtturm und das Stahlwerk mit Hochöfen im Norden. Der Hafen ist gemessen am Umschlag der drittgrößte der Niederlande nach Rotterdam und Amsterdam.

Hafenanlagen Bis zum Bau und der Eröffnung des Nordseekanals im Jahr 1876 gab es an der niederländischen Nordseeküste keinen Hafen zwischen Den Helder im Norden und Rotterdam im Süden. Der neu geschaffene Schutzbereich vor den Schleusen zog Fischer aus der Umgebung an. Zusammen mit den zurückbleibenden Arbeitern des Kanalbaus bildeten sie die erste Bevölkerung der neuen Siedlung IJmuiden. Beidseits des Kanals mit den Schleusen entstanden verschiedene Hafenbecken, um den ansteigenden Schiffsverkehr nicht zu behindern in: lepsusuber.com.

Vorhafen mini|Bau der Schutzmolen mini|Vorhafen mit Molen nach Erweiterung Zum Schutz der Kanaleinfahrt vor der Brandung der Nordsee waren zwei Schutzmolen in die Nordsee hinaus gebaut worden. Bei der vorherrschenden Süd-Nord-Strömung in der Nordsee erleichtern die Molen die Navigation in der Hafeneinfahrt. Die beiden Molen ragten nördlich und südlich der Kanaleinfahrt () ungefähr einen Kilometer vor die Küste und erreichten dort die Wassertiefe der Nordsee von sieben Meter. Dies entspricht der anfänglichen Ausbauwassertiefe des Nordseekanals, auf die der gesamte Vorhafen ausgebaggert wurde. Der Abstand an der Einfahrt zwischen den Molenenden betrug zu Anfang 260 Meter und an den beiden Molenwurzeln circa einen Kilometer, wodurch ein Schutzhafen gebildet wurde.

Als Hilfe zum Anlaufen von IJmuiden wurden 1878 zwei Leuchttürme () gebaut. Durch ihre unterschiedliche Höhe bilden sie eine Feuerleitlinie, deren Leuchtfeuer bei Einfahrt von See übereinander stehen müssen. Damit wird dem Schiffsführer die Einhaltung des korrekten Kurs auf die Hafeneinfahrt angezeigt.

Durch die Verbreiterung und Vertiefung des Nordseekanals musste auch die Hafeneinfahrt und die Zufahrt aus der Nordsee entsprechend angepasst werden. Dazu wurden in den 1960er Jahren die beiden Molen in Halbrundform verlängert, wodurch die Nordmole 800 Meter und die Südmole 1500 Meter weiter in die Nordsee ragen. Die Breite zwischen den beiden neuen Molenköpfen beträgt heute 750 Meter. Die ehemalige Nordmole ist erhalten und besitzt am Ende noch das rote Molenfeuer. Gegenüber steht noch das alte grüne Molenfeuer, das beim Ausbau des Vorhafens versetzt wurde, da die Südmole etwas verkürzt werden musste.

Mit der Ausbaggerung der als IJgeul bezeichneten Fahrrinne in der Nordsee können derzeit Schiffe mit maximalem Tiefgang von 17,8 Metern aus dem Verkehrstrennungsgebiet der Nordsee den Hafen von IJmuiden anfahren. Im Vorhafen der Schleusen ist nur der nördliche Außenkanal (Noorderbuitenkanaal) für diesen Tiefgang ausgelegt. Alle Schiffe mit einem Tiefgang über 14,10 Metern sind verpflichtet, im IJgeul zu fahren, das in gerader Verlängerung der Feuerleitlinie angelegt ist.

Hafenbecken Südseite mini|Ehemalige Fischhallen am Vissershaven Die Zunahme von Fischereifahrzeugen im Vorhafen und dem Bereich vor den Schleusen bewog 1887 die niederländische Regierung zum Bau eines separaten Fischereihafens (Vissershaven), der 1896 fertiggestellt wurde. Der Zustrom von Fischern mit ihren Booten machte schon kurz nach der Eröffnung eine Vergrößerung des Hafenbeckens erforderlich.

Weil die privaten Fischhändler durch Preisabsprachen die Fischer benachteiligten, übernahm zum 1. Juli 1899 die Regierung den Fischhandel mit der ersten und einzigen Fischauktion (niederländisch Rijksvisafslag) des Landes. Dies änderte sich erst 1989 mit der Privatisierung der Staatsvissershavenbedrijf mit Übertragung aller Vermögenswerte und Aktivitäten. Eigentümer und Betreiber des Hafens und der Fischauktion ist heute die Zeehaven IJmuiden N.V. und damit für die Entwicklung des Hafens verantwortlich. PDF (niederländisch) abgerufen am 23. Mai 2019

Der im Jahr 1899 erfolgte Bahnanschluss von IJmuiden und seinem Hafen unterstützte das Wachstum des Fischhandels, der damit Amsterdam und das Deutsche Reich schneller erreichte. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 zählte die IJmuidener Fischereiflotte 155 Trawler, ein Drittel der gesamten niederländischen Fischereiflotte. in: ijmuidenactueel.nl (niederländisch) Mit dem 1920 eröffneten Haringhavens westlich des Vissershavens stieg IJmuiden zu einem der größten Fischereihäfen Westeuropas auf.De aanlop tot het Noordzeekanaal PDF aus theobakker.net S. 30/31 (niederländisch) abgerufen am 23. Mai 2019 Eine Schiffswerft legte in diesem Hafenbecken eine Doppel-Slipanlage für Schiffsreparaturen an.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Haringhaven 1962 erweitert und parallel zum Vissershaven verlängert. Heute wird der Hafenteil für die Ausführung von Offshore-Projekten in der Nordsee genutzt. So wurde beispielsweise der Offshore-Windpark Prinses Amalia vom Hafen von IJmuiden aus errichtet. Weitere neue Firmen kümmern sich um die Wartung von Bohrplattformen, die häufig im Hafen zu sehen sind.

Um dafür mehr Platz zu bieten, erweiterte Zeehaven IJmuiden N.V. 2004 die Hafenanlagen in Richtung Westen um den IJmondhaven. An den Kais können Schiffe bis 300 Meter Länge abgefertigt werden und die Kaiflächen sind für die Lagerung und den Umschlag auch schwerer Lasten geeignet. Am Kopfende des Hafenbeckens befindet sich eine Ladebrücke für RoRo-Schiffe. Daneben wurde das Felison Cruise and Ferry Ship Terminal für mittelgroße Kreuzfahrtschiffe gebaut. Als „Tor zu den Niederlanden“ vermeidet es bei kurzen Zwischenstopps die längere Anfahrt durch den Nordseekanal zum Passenger Terminal Amsterdam und spart damit den Reedereien Zeit und Geld. in: Zeehaven IJmuiden N.V. (niederländisch)

Als viertes Hafenbecken südlich des Nordseekanals erfolgte 1993/1994 die Ausbaggerung der Marina Seaport IJmuiden. Die Landfläche war entstanden durch Angleichung der Küstenlinie an die verlängerte Südmole mit Sandauffüllung des Zwickels zwischen alter und neuer Mole. Für die Zufahrt zur Marina aus dem Havenmond wurde die alte Mole durchbrochen, um 650 Ankerplätze für Boote aller Art zu schaffen. Die Marina ist eine der wenigen Jachthäfen in den Niederlanden, die einen direkten Zugang zur Nordsee besitzen.

Hafenbecken Nordseite mini|Industrieanlage Hoogovens Durch die 1918 erfolgte Gründung und dem Bau des Stahlwerks Hoogovens (deutsch Hochofen) in den Dünen nördlich der Kanalschleusen wurde es erforderlich den zugehören Hoogovenhaven zu bauen, um die notwendigen Rohstoffe Kohle und Eisenerz anlanden zu können. Ein separater Zufahrtskanal, der Noorder Buitenkanaal, verbindet nördlich vom Fort IJmuiden die Hafeneinfahrt mit dem Hochofenhafen. Wichtig war eine freie Zufahrt ohne die Schleusenanlage passieren zu müssen. Der Bau des Hafens begann 1919 und konnte 1923 abgeschlossen werden. Nach Vergrößerung des Stahlwerks wurde 1968 ein weiterer Entladekai im Hoogovenkanaal angelegt. Wegen des Tideeinflusses am Erzkai () musste eine Liegewanne für Massengutfrachter mit großem Tiefgang angelegt werden.

1967 hielt man es für notwendig einen Havariehafen (Averijhaven) vorzuhalten, um havarierten bzw. reparaturbedürftigen Schiffen einen sicheren Liegeplatz zu bieten, ohne andere Schiffe zu behindern. Nachdem dieses Hafenbecken kaum genutzt wurde, erfolgte 1991 die Schließung des Beckens durch einen Damm. Bis 2012 nutzte die Wasserbehörde Rijkswaterstaat das Becken als Baggerdepot für kontaminierten Baggerschlamm. Dieser Lagerplatz soll geräumt werden, um den Standort wieder als Hafen zu nutzen.

Dies erfolgt vor dem Hintergrund, dass im Noorder Buitenkanaal Massengutfrachter an den IJ-Dalben liegen können und dadurch die Zufahrt zur Nordschleuse behindern. An diesen Dalben, die vor dem Havariehafen liegen, erfolgt eine teilweise Entladung der Frachter mit großem Tiefgang, damit diese anschließend mit geringerem Tiefgang zum Hafen von Amsterdam gelangen können. Dieses Leichtern soll zukünftig im Havariehafen erfolgen.Umbau des Havariehafens auf: maritiemnederland.nl (niederländisch)

Zwischen Hoogovenhaven und dem Zufahrtskanal zur Nordschleuse liegt der Spülkanal (). Über diesen Teil des Nordseekanals wird das überschüssige Wasser, das durch Schleusenvorgänge und die Entwässerung der tiefliegenden Landesteile anfällt, in die Nordsee abgeführt. Zu diesem Zweck sind im Damm des Spülkanals ein Sielbauwerk und ein Pumpwerk angeordnet. Durch die enorme abzuführende Wassermenge von jährlich rund 3 Milliarden m³ Wasser ist das Pumpwerk das leistungsstärkste in Europa.Das Pumpwerk am Nordseekanal. In: gemalen.nl (niederländisch).

Verkehrsanbindung Eisenbahnanschluss mini|Velserspoorbrug mit Abzweig der IJmondlijn Mit dem Bau des Nordseekanals musste eine Eisenbahnbrücke () über den Kanal für die vorhandene Noord-Hollandsche Eisenbahnlinie von Haarlem nach Alkmaar erstellt werden. Von dieser Strecke zweigte seit 1883 die Nebenbahn IJmondlijn nach IJmuiden ab, die zunächst nur bis zu den Schleusen geführt wurde. 1899 erfolgte die Verlängerung bis zum Vissershaven mit dem Hauptbahnhof. Die Strecke wurde 1926 doppelspurig ausgebaut und 1927 elektrifiziert.

Mit Zunahme des Schiffs- und Schienenverkehrs kam das Ende der Velserspoorbrug und der Ersatz durch den Velserspoortunnel 1957. Die daran angepasste Nebenstrecke nach IJmuiden hatte noch bis September 1983 Personenverkehr und verlor in der Folge die Oberleitung und das zweite Streckengleis. Bis 1994 blieb die Strecke als Vislijn noch für den Abtransport von Fisch aus den Auktionshallen in Betrieb. Der Bahnhof wurde 1995 abgerissen. Die Reaktivierung durch Lovers Rail brachte zwischen August 1996 und Oktober 1998 nochmals Personenverkehr zwischen Amsterdam und IJmuiden als Kennemer Strand Express. Danach erfolgte der Rückbau des Oberbaus und der Ersatz durch eine Buslinie.Eisenbahnlinie nach IJmuiden auf: railronatiek.nl (niederländisch) Auf der Bahntrasse zwischen Hafen und Fährterminal Velsen-Süd verläuft heute ein Radweg.

Straßenanschluss Über die A22 oder die A9 ist IJmuiden erreichbar. Beide Autobahnen () kreuzen im Osten als Tunnel den Nordseekanal und besitzen nördlich und südlich jeweils Anschlussstellen. Um von der Stadt direkt nach Norden zu gelangen, können auch die Brücken über die Schleusenanlage genutzt werden. Diese Querung ist aber während der Bauzeit der neuen großen Schleuse unterbrochen. Eine zweite Möglichkeit besteht mit der Autofähre bei Velsen (Velserpont) an der Stelle der ehemaligen Eisenbahnbrücke. Die beiden Fährlinien 911 und 912 des Städtisches Transportunternehmen von Amsterdam GVB (Gemeentevervoersbedrijf) verbinden rund um die Uhr alle 20 Minuten die Ufer des Kanals und befördern Fußgänger und Radfahrer kostenfrei. Da motorisierte Fahrzeuge kostenfrei die Tunnel nutzen können, fallen für diese Fährdienste Gebühren an.

Eine Verbindung des öffentlichen Verkehrs () von/nach Amsterdam bietet die Buslinie 382 von Connexxion. Bei einer Fahrzeit von 30 Minuten werden drei Fahrten pro Stunde angeboten. Die Linienenden liegen in IJmuiden aan Zee und in Amsterdam Station Sloterdijk. Daneben bestehen Busverbindungen nach Haarlem, Beverwijk und Heemskerk.

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