mini|hochkant|Ayaan Hirsi Ali (2016) Ayaan Hirsi Ali (Ayaan Hirsi Magan Isse Guleid Ali Wai’ays Muhammad Ali Umar Osman Mahamud; * 13. November 1969 in Mogadischu, Somalia) ist eine niederländisch-US-amerikanische Politikerin, Politikwissenschaftlerin, Frauenrechtlerin und Islamkritikerin somalischer Herkunft. Sie war vom 30. Januar 2003 bis zum 15. Mai 2006 Mitglied der Tweede Kamer der Staten-Generaal, des Parlaments der Niederlande, für die VVD. Sie gründete 2007 die AHA-Stiftung zur Stärkung von Frauenrechten.

Leben Kindheit in Afrika Ayaan Hirsi Ali wurde 1969 in der somalischen Hauptstadt Mogadischu als Angehörige des Clans der Majerteen-Darod geboren. Ayaan bedeutet „glücklicher Mensch“ oder „Glück“ auf Somali. Ihr gottgläubiger und zugleich modern orientierter Vater Hirsi Magan Isse (1935–2008) war Mitglied der politischen Partei Somalische Jugendliga und hatte in den 1960er-Jahren in Italien und an der Columbia University Linguistik und Anthropologie studiert. Hirsi Alis Mutter Asha hatte als Jugendliche ihre nomadische Familie verlassen und in Aden als Haushaltshilfe gearbeitet. Während ihres Aufenthalts auf der Arabischen Halbinsel übernahm sie einen orthodoxen Islam, der sich von der relativ liberalen Ausübung in der traditionellen somalischen Nomadenkultur unterschied. Sie ging eine arrangierte Ehe ein, ließ sich nach dem Tod ihres Vaters scheiden und kehrte nach Somalia zurück, wo sie in einem Alphabetisierungskurs in Mogadischu den Lehrer Magan Isse kennenlernte und heiratete. Er wurde ein Gegner der autoritären somalischen Regierung unter Siad Barre.

Bald nach Ayaans Geburt wurde der Vater 1972 inhaftiert. Während seiner Haft wuchs sie im Widerstandsgeist ihrer Mutter und Großmutter auf, die sich gegen die Repressionen von Armee und Polizei wehrten. Im Alter von fünf Jahren wurde sie zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Haweya gegen den Willen ihrer Eltern auf Veranlassung ihrer Großmutter heimlich der Klitorisbeschneidung unterzogen.Frei im Land der „Ungläubigen“, Deutschlandfunk, 22. Oktober 2006. Dennoch verurteilte sie ihre Großmutter nicht dafür, sondern versuchte, sie zu verstehen. Während nach Ayaans Wahrnehmung ihr älterer Bruder Mahad bevorzugt behandelt wurde und größere Freiheiten genoss, wurden Ayaan und Haweya zur Unterordnung unter die Familie und besonders unter die Männer erzogen.

Im Oktober 1975 floh Hirsi Magan Isse aus dem Gefängnis und gelangte nach Äthiopien, wo er in Addis Abeba die Rebellenorganisation Somalische Demokratische Erlösungsfront (SSDF) gegen Siad Barre mitbegründete. 1978 nahm er seine Familie – Ayaan, deren Mutter und Großmutter, den Bruder Mahad und die Schwester Haweya – mit nach Saudi-Arabien. Ayaan befolgte dort strikt die islamischen Regeln und besuchte die heiligsten Stätten der Religion. Ein Jahr später wurde die Familie mit sofortiger Wirkung aus dem Land ausgewiesen, möglicherweise wegen der politischen Aktivitäten, die der Vater unerlaubt weitergeführt hatte. Gegen den Willen der Mutter – die nicht in einem nichtmuslimischen Land leben wollte – wanderte man daraufhin nach Äthiopien und 1980 schließlich nach Nairobi, Kenia aus. Der Vater verließ in dieser Zeit die Familie, um sich seinen Tätigkeiten für die SSDF zu widmen. Die Mutter litt unter der von ihr empfundenen Vernachlässigung der Familienpflichten durch ihren Ehemann. Sie begann, ihre Töchter vermehrt und häufig zu schlagen.

In Kenia erhielten Ayaan und Haweya eine vom UNHCR bezahlte Ausbildung in einer muslimischen Mädchenschule, während ihr Bruder eine konfessionell neutrale, angesehene Schule besuchte. Daneben erhielten die Mädchen weiterhin Koranunterricht. Diesen empfanden sie jedoch als langweilig, weshalb sie ihn eines Tages verweigerten. Bei der anschließenden körperlichen Züchtigung brach der Koranlehrer Ayaan den Schädel.

An der englisch orientierten Muslim Girls’ Secondary School erhielt sie eine orthodoxe islamische Erziehung. Eine im Iran ausgebildete Lehrerin namens Schwester Aziza lehrte sie und andere Mitschülerinnen, freiwillig die Ideologie eines radikalen Islams anzunehmen. Sie trug nun auch den Hidschab und war jahrelang Mitläuferin der Muslimbruderschaft. Zu den islamistischen Lehren gehörte auch die Akzeptanz diverser Ungleichbehandlungen und Einschränkungen der Frau, da diese durch ihre sexuelle Macht die Schuld habe an allen sündigen Gedanken der Männer. Zugleich stellte Ayaan in der religiösen Studiengruppe, deren Diskussionsrunden sie nun regelmäßig besuchte, kritische Fragen zu Aspekten des Islams, die ihr unlogisch erschienen. So etwa sollten Frauen sich verhüllen, um nicht die Männer zu verführen und vom rechten Weg abzulenken, während dasselbe nicht für Männer galt, obwohl auch sie die Frauen in Versuchung bringen könnten. Meist erhielt sie auf diese Fragen keine befriedigenden Antworten: „Don’t women also have desire for male bodies? Couldn’t they be tempted by the sight of men’s skin? It seemed logical to me, but the whole room fell about laughing.“ (Übersetzung: Haben nicht auch Frauen den Wunsch nach männlichen Körpern? Könnten sie nicht in Versuchung geraten beim Anblick von [unverhüllter] Männerhaut? Mir erschien das logisch, doch der ganze Raum brach in Gelächter aus.)Lee Randall: , The Scotsman, 17. Februar 2007.

Daneben hatte sie auch „westliche“ Bücher wie „die Geschichten von Enid Blyton und die Mädchenkrimis von Nancy Drewsiehe :en:Nancy Drew gelesen. Die waren voll von Heldinnen, die taten, was sie wollten, sie reisten und erlebten Abenteuer. Diese Bücher haben mir schon im Kindesalter gezeigt, dass es ein anderes Leben gibt als das meiner Mutter.“„Ich bin es gewohnt zu kämpfen“, Tagesspiegel, 9. Oktober 2006.

Nach Abschluss ihrer Schulbildung absolvierten Haweya und Ayaan eine Ausbildung als Sekretärinnen. Ihre Mutter verbot es ihnen jedoch, anschließend berufstätig zu werden, da Frauenarbeit außer Haus ihren Vorstellungen widersprach. Da sie in Nairobi keine Perspektiven sah und die Trostlosigkeit des dortigen Lebens ihrer Mutter zurücklassen wollte, kehrte Ayaan von März bis November 1990 nach Mogadischu zurück, wo sie bei Verwandten lebte. Aus Enttäuschung und wegen der Verschlechterung der Sicherheitslage in der Stadt – Monate vor dem Sturz der Barre-Regierung, siehe Somalischer Bürgerkrieg – verließ sie Somalia aber bald wieder.

Im April 1991 kehrte der Vater zu Ayaans Familie zurück. 1992 nahm er ohne Rücksprache mit ihr einen Heiratsantrag für sie an; im Alter von 22 Jahren sollte sie an einen Cousin aus Kanada verheiratet werden, den sie nicht kannte.

Flucht nach Europa und Studium Auf ihrer Reise nach Kanada, die über Deutschland führte, blieb Hirsi Ali einige Tage bei Verwandten in Düsseldorf, wo sie auf ihr Visum nach Kanada warten sollte. Statt weiterzufliegen, reiste sie mit dem Zug in die Niederlande. Dort beantragte sie Asyl und erhielt es aus humanitären Gründen. Sie verschwieg dabei ihren kurzen Aufenthalt in Deutschland, der, wäre er den niederländischen Behörden bekannt gewesen, dazu geführt hätte, dass sie in Deutschland Asyl hätte beantragen müssen. Weiterhin verschwieg sie, dass sie mit ihrer Familie bereits seit mehreren Jahren in Kenia im Asyl gelebt hatte;Karsten Polke-Majewski: „Hirsi Ali verlässt Holland“, Die Zeit, 16. Mai 2006. angesichts von Bürgerkrieg und Hungersnot in Somalia erlaubten die Niederlande in jener Zeit die Aufnahme aller Flüchtlinge, die direkt aus Somalia flohen., Universität Münster, PDF-Datei, 2 S. Zudem gab sie – aus Angst vor Verfolgung durch Familienangehörige, wie sie später mehrfach erklärte – einen falschen Namen an, nämlich den Geburtsnamen ihres Großvaters Ali, der erst später den Namen Magan („Eroberer“) erhalten hatte. Als Fluchtgrund gab sie an, vor einer Zwangsehe zu fliehen, was von ihren Familienangehörigen bestritten wurde.Niclas Mika: „Somalia-born critic of Islam admits lying to gain asylum“, The Irish Times, 16. Mai 2006.

1997 wurde sie niederländische Staatsbürgerin. Zunächst arbeitete sie als Putzfrau, Postsortiererin,Andrea Naica-Loebell: »Ich will keine Märtyrerin werden«, Telepolis, 8. Dezember 2004. später sechs Jahre lang als Übersetzerin und Dolmetscherin für niederländische Justiz-, Sozial- und Einwanderungsbehörden.Jaffe Vink: „Die schwarze Voltaire“, Cicero, März 2005. Sie beherrscht Somali, Arabisch, Amharisch, Swahili, Niederländisch und Englisch. Während dieser Arbeit kam sie mit muslimischen Frauen in Kontakt, die von ihren Männern geschlagen wurden oder verstoßen worden waren.

Nach einer einjährigen Ausbildung an der Akademie für Sozialstudien „De Horst“ in Driebergen studierte sie vor 1995 bis 2000 Politikwissenschaft an der Universität Leiden. Danach arbeitete sie für einige Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Wiardi-Beckman-Stiftung, dem wissenschaftlichen Büro der Partij van de Arbeid (PvdA).

Kritik am Islam Im Laufe ihres Aufenthalts in den Niederlanden distanzierte sich Ayaan Hirsi Ali nach und nach vom Islam und wurde zunächst Atheistin. Ab 2002 kam sie mit ihrer oft als polemisch aufgefassten Kritik an der islamischen Orthodoxie häufiger in die Medien. Sie wechselte von der sozialdemokratischen PvdA zur rechtsliberalen VVD, über deren Liste sie 2003 als Kamerlid (Abgeordnete) in das niederländische Parlament gewählt wurde.

Sie war der Meinung, dass es innerhalb der PvdA zu wenig Raum und Unterstützung für Kritik an den negativen Folgen von bestimmten sozial-kulturellen Eigenschaften von Immigranten gab. In ihrem 2002 erschienenen Buch De zoontjesfabriek (Die Söhnefabrik) gab sie zu, dass auch die Chance, die sie von der VVD erhielt, ihre Ideen im Parlament einzubringen, eine Rolle gespielt hatte. 2003 äußerte sie heftige Kritik an den islamischen Schulen in den Niederlanden und vertrat die Meinung, dass die Integrationspolitik der Niederlande völlig missglückt sei. Damit attackierte sie den Artikel 23 des niederländischen Grundgesetzes, der die Freiheit des Unterrichts regelt. Besonders für die christlichen Parteien war es indes undenkbar, etwas an diesem Artikel zu verändern.

Seit September 2002 erhielt Hirsi Ali Morddrohungen aus islamistischen Kreisen. Sie wurde unter permanenten Polizeischutz gestellt und wohnte seitdem an einem unbekannten Ort.

In einem Beitrag der christlichen Tageszeitung Trouw vom 25. Januar 2003 sagte sie über Mohammed: „Gemessen an unseren westlichen Maßstäben ist er ein perverser Mann. Ein Tyrann.“ Mit dieser Äußerung spielte sie darauf an, dass Mohammed als älterer Mann seine spätere Lieblingsfrau Aischa bint Abi Bakr als sechsjähriges Mädchen geheiratet habe (als es neun Jahre alt gewesen sei, habe er die Ehe vollzogen), was in der orthodoxen Theologie als zuverlässig und authentisch anerkannten islamischen Überlieferungen entspricht.Eberhard Serauky: Geschichte des Islam. Berlin 1991, ISBN 3-326-00557-1, S. 104f.Ibn Saad: Das Klassenbuch. Hrsg. Carl Brockelmann, Brill, Leiden 1904, Band 8, S. 39, 25–40, 4; siehe auch ebd. 40, 8–13; 40, 25–27.Ibn Saad: Das Klassenbuch. Band 8, S. 41.Hadithe zum Heiratsalter aus dem Sahīh des Buchārī: , (englisch)Hadithe zum Heiratsalter aus dem Sahīh des Muslim: (englisch)

Verschiedene islamische Organisationen und Privatpersonen zeigten sie daraufhin wegen Diskriminierung an. Hirsi Ali wurde aufgrund ihrer Äußerungen nicht gerichtlich verfolgt. Dem Officier van justitie (Staatsanwalt) nach lagen ihrer Kritik „keine Schlussfolgerungen in Bezug auf das Ansehen von Moslems“ zugrunde und „wurde ihre Würde als Gruppe nicht angegriffen“.Dossier Ayaan Hirsi Ali, Trouw, 25. Januar 2003 (niederländisch) Hirsi Alis Angaben zu Mohammeds Ehe mit Aischa beschreiben die traditionelle Sichtweise orthodoxer Sunniten und Schiiten.

Ayaan Hirsi Ali gehört zu den Unterzeichnern des Manifestes der 12 gegen den Islamismus als eine neue totalitäre Bedrohung.

Ab- und Anerkennung der niederländischen Staatsbürgerschaft