mini|Außenansicht der sanierten Hyparschale Die Hyparschale ist eine Mehrzweckhalle, die 1969 nach den Plänen des Bauingenieurs Ulrich Müther als eine vierfache hyperbolische Paraboloidschale errichtet wurde. Sie befindet sich im Magdeburger Stadtpark Rotehornpark. Dort liegt sie in einer Achse zwischen der Stadthalle Magdeburg und dem Landesfunkhaus des MDR. 1998 wurde das Schalenbau­werk in die Landesdenkmalliste aufgenommenSeeböck, Hyparschale Magdeburg, S. 246. und steht damit unter Denkmalschutz.Faltblatt: Die Hyparschale von Magdeburg – 6. Henselmann-Kolloquium. In: Rosa-Luxemburg-Stiftung, 22. Februar 2011, (PDF; 800 kB). Die Sanierung begann am 3. Dezember 2019. Nach mehreren Verzögerungen wurde am 20. Juni 2024 die Hyparschale wiedereröffnet. Der Betreiber der Hyparschale ist die stadteigene Messe- und Veranstaltungsgesellschaft Magdeburg GmbH (MVGM).vs: Stadtratsbeschluss in Magdeburg. „Hyparspannend“: MVGM übernimmt Betrieb der Hyparschale. In: Volksstimme, 8. Dezember 2023, aufgerufen am 9. Juli 2024. Heute dient das Gebäude als ein moderner Veranstaltungsort für Tagungen, Kongresse, Ausstellungen, Produktpräsentationen und Galas.

Konstruktion Die Stahlbetondecke der Hyparschale ist selbsttragend. Sie besteht aus vier hyperbolischen Paraboloiden und überspannt eine quadratische Fläche von 48 Meter × 48 Meter. Mit einer Grundfläche von rund 2.300 m² ist die Halle nach dem Abriss der ehemaligen Großgaststätte Ahornblatt in Berlin das größte noch existierende Schalenbauwerk Müthers.Seeböck, Hyparschale Magdeburg, ISBN 978-3-944033-02-0, S. 254. Auf der mit Baustahl bewehrten Lehrschalung der Teildächer wurde Spritzbeton aufgetragen und oberflächlich geglättet; die Schalen waren nur 7 cm dünn. Nach der Sanierung der Dachdecke im Juli 2021 mit Carbonbetonmisst die Dachdicke immer noch nur 7 cm.Gebäude-Porträt: #Kap. Verstärkung mit Carbonbeton. In: gmp Architekten, 17. Juli 2024, aufgerufen am 9. November 2024: „Nur 70 Milimeter beträgt die ursprüngliche Schalendicke, die durch die Sanierung mit Carbonbeton wieder erreicht werden konnte. “ Die Lasten der vier Dachschalen werden über die (Dach-)RandträgerInternetlexikon Baunetz_Wissen: Gitterschalen #Kap. Hyparschalen: Tragverhalten und Besonderheiten. In: baunetzwissen.de, aufgerufen am 3. August 2024. in Form von Schrägstützen (60 cm × 90 cm) in Zuganker im Erdboden geführt, daher ist die Fassade fast stützenfrei und nahezu vollständig aus Glas. Architekturkenner belegen diese Bauweise mit den Attributen „filigran“,Baukunst statt Plattenbau. Müther-Ausstellung in Templin. In: BauNetz, 8. November 2006. „leicht“ und „schwerelos“.Carmen Böker: Die Utopie vom Ahornblatt. In: Berliner Zeitung, 24. August 2007.

Die Grundlage der Magdeburger Konstruktion gründet auf dem Konzept für das Restaurant Ostseeperle in Glowe auf Rügen als einzelne Hyparschale (1968).Seeböck, Hyparschale Magdeburg, S. 243. Dem selben Bautyp mit vier angekippten Hyparschalen entsprechen die Mehrzweckhalle in Rostock-Lütten Klein, die Stadthalle Neubrandenburg und das Ruderzentrum Dresden am Elbufer mit jeweils verschiedenen Dachneigungen und -größen.Seeböck, Hyparschale Magdeburg, S. 253–254.

In Magdeburg hat Müther vier quadratische Hyparschalen von jeweils 24 Meter × 24 Meter zusammengesetzt und im Zentrum leicht nach unten gekippt, um so mehr Tageslicht durch eine größere Fensterfläche hereinzulassen. Die Verglasung bestand ursprünglich aus halbtransparentem Copilit-Profilglas, welches „das Tageslicht auf eine spezielle Art filtert und für gleichmäßig mildes, diffuses Licht im Raum sorgt“.Seeböck, Hyparschale Magdeburg, S. 245. An den Nahtstellen der vier Schalen befanden sich vier Oberlichtbänder, die aus Glasprismenbetonplatten bestanden. Wegen des undicht gewordenen Dachs wurden diese Lichtbänder später mit Teerpappe zugeklebt.Seeböck, Hyparschale Magdeburg, S. 255. An ihren höchsten Stellen erreicht das Dach eine Höhe von 15 Metern, der Tiefpunkt im Zentrum des Innenraums liegt bei 12 Metern.Seeböck, Hyparschale Magdeburg, S. 328.

Der Parkettfußboden in einer Grösse von rd. 40 Meter × 20 Meter bestand aus einem Schwingfußboden.Seeböck, Hyparschale Magdeburg, S. 244. Die Tribünenanlage mit einem hellbraunen Klinkersockel im Märkischen Verband und die Innenraumausstattung befanden sich zuletzt aufgrund von Vandalismus in einem schlechtem Zustand.Bilderstrecke: . In: MDR, 5. Dezember 2019.

Rettungsinitiativen Seit 1997 war die Halle baupolizeilich gesperrt. Ein Abriss konnte in den 2000er Jahren durch zwei Gutachten abgewendet werden. In: BauNetz, 2004. In den Jahren 2005 und 2008 war die mögliche Wiederbelebung der Halle ein Seminarthema für den Fachbereich Immobilienwirtschaft an der Hochschule Anhalt unter Leitung von Robert Off.Martin Rieß: Hyparschale: Der Kran reckt sich übers Dach. In: Volksstimme, 7. September 2013. Das Gebäude hatte in den 2010er Jahren einen erheblichen Sanierungsbedarf, für die Sanierung des Daches wurden 2 Millionen Euro veranschlagt.Karl-Heinz Kaiser: Beschlossen: Hyparschale wird gerettet. In: Volksstimme, 7. September 2013.

mini|Wassersportzentrum Dresden, gleicher Bautyp wie die Hyparschale Anfang 2010 gründete der Bauingenieur Siegfried Enkelmann eine Bürgerinitiative für den Erhalt der Hyparschale. Enkelmann schlug vor, dass ein Förderverein das Denkmal erwerben und die Sanierung und deren Finanzierung schrittweise koordinieren solle. Die Stadtverwaltung zeigte sich offen für seine Vorschläge und forderte ein „schlüssiges Finanzierungs- und Betreiberkonzept“, was jedoch nicht nachgewiesen werden konnte.Seeböck, Hyparschale Magdeburg, S. 248. Am 22. Februar 2011 fand in der benachbarten Stadthalle Magdeburg ein Kolloquium der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit Fachvertretern und Stadträten zur Hyparschale und zu anderen Bauten Müthers statt, den Hauptvortrag hielt die Architekturhistorikerin und Müther-Expertin Tanja Seeböck.6. Henselmann-Kolloquium – Die Hyparschale von Magdeburg. In: rosalux.de, Juni 2011, aufgerufen am 2. April 2024. Eine Delegation der Magdeburger Gesellschaft für Wirtschaftsservice (GWM) besuchte im Juli 2011 das Dresdner Ruderzentrum, um sich an diesem bauähnlichen Objekt ein Bild über dessen Sanierung zu machen.Seeböck, Hyparschale Magdeburg, S. 250.

Am 3. Juli 2012 gründete sich ein überparteilicher Magdeburger Verein, der sich die Rettung und eine weitere Nutzung der Hyparschale zum Ziel gesetzt hatte.Robert Richter: Kuratorium will Baudenkmal retten: „Die Hyparschale darf nicht verfallen!“ In: Volksstimme, 5. Juli 2012, aufgerufen am 2. April 2024. Im November 2012 schlug der Verein Kreativwirtschaft Sachsen-Anhalt (KWSA) die Hyparschale als Gründerzentrum für junge Unternehmer im Industriedesign, aus der Film- und Werbewirtschaft sowie Softwareprogrammierung vor. Die benachbarten Messehallen könnten ebenfalls genutzt werden. In: Volksstimme, 15. November 2012.

Im September 2013 beschloss der Magdeburger Stadtrat eine Sanierung des Dachs und der Dachstützen für 1,8 Mio. Euro. Eine Suche nach Investoren sollte wieder aufgenommen werden.Robert Richter: Stadtrat stimmt Sanierung für 1,8 Millionen Euro zu. Beschlossen: Hyparschale wird gerettet. In: Volksstimme, 7. September 2013.

Studierende der Magdeburger Universität und der bayerischen Hochschule Rosenheim entwickelten im Wintersemester 2013/14 neue Nutzungskonzepte und Geschäftspläne für die Hyparschale.Pressemitteilung des Kuratoriums Hyparschale: In: hyparschale-md.de, 2. November 2013. Neben einer sportlichen Nutzung wurden vor allem zwei kulturelle Konzepte als Kunst- und Designzentrum für Kreative oder als wissenschaftliches Museum und Experimentierfeld ähnlich dem phæno intensiv diskutiert. Im Februar 2014 wurden die Ergebnisse in der Ausstellung „HyparAktiv“ im City-Carre Magdeburg vorgestellt. In: Volksstimme, 12. Februar 2014.

Bei einer neuen Ausschreibung im Frühjahr 2016 war die AOC Immobilien AG aus Magdeburg der einzige Bieter und plante für 7,8 Millionen Euro die Sanierung, den Ein- und Anbau von Büros sowie eine öffentliche Nutzung mit Café. Martin Rieß: Präsentation: Magdeburger sind zu Hyparschalen-Idee gefragt. In: Volksstimme, 16. Oktober 2016. Am Ende wies der Geschäftsplan eine Finanzierungslücke über 1,6 Millionen Euro auf. Daher lehnte im Oktober 2016 der Stadtrat den Verkauf der Hyparschale an die Bieterfirma ab.Katja Tessnow: Finanzierung: Rettung der Hyparschale gescheitert. In: Volksstimme, 29. Oktober 2016.

Oberbürgermeister Lutz Trümper gab am 8. Juni 2017 auf einer Stadtratssitzung bekannt, dass er sich nun für eine Übernahme der Sanierung durch die Stadt Magdeburg einsetze. Die dazu bereitgestellten Mittel in Höhe von 1,7 Mio. € würden für die Reparatur des Dachs und für die Sicherung der Statik verwendet werden.Martin Rieß: Magdeburg saniert Hyparschale. In: Volksstimme, 8. Juni 2017. Nach der Sommerpause sollte eine Vorlage erarbeitet und dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt werden. Die Bauarbeiten hätten dann 2018 beginnen können.jw: . In: MDR Sachsen-Anhalt, 9. Juni 2017. Trümper äußerte sich zuversichtlich, dass nach der Sanierung neue Nutzungsmöglichkeiten gefunden werden. Im Zuge einer allgemeinen Verbesserung der Qualität des Rotehornparks als Naherholungsgebiet planen Stadtverwaltung und Stadtrat eine Reihe weiterer Maßnahmen,Michaela Schröder: Stadtumbau Ost. Schönheitskur für Stadtpark Magdeburg. In: Volksstimme, 2. Mai 2017. darunter die Sanierung der Stadthalle.Rainer Schweingel: Stadthalle Magdeburg. 65 Millionen Euro teurer Umbau. In: Volksstimme, 4. Mai 2017.

Sanierung mini|hochkant=0.7|Fensterfassade, 2015 Am 8. August 2018 stellten OB Trümper und Heinz Ulrich, Leiter des Kommunalen Gebäudemanagements (KGM) der Stadt Magdeburg, den Sanierungsplan für die Magdeburger Hyparschale der Öffentlichkeit vor. Demnach war vorgesehen, insgesamt 16,9 Millionen Euro für die vollständige Sanierung und den Innenausbau aufzuwenden. Das Ziel war, eine moderne Veranstaltungsstätte für Tagungen, Kongresse und kulturelle Ereignisse für 200 bis 500 Teilnehmer anbieten zu können.OB stellt Pläne zur Modernisierung und Instandsetzung der Hyparschale vor. In: Stadt Magdeburg, 8. August 2018. Bauplaner war das Hamburger Architekturbüro gmp mit dessen Berliner Niederlassung.da: Magdeburg will Ostmoderne retten. gmp sollen Hyparschale von Ulrich Müther sanieren. In: BauNetz, 21. August 2018, mit Bildergalerie, Grundrisse.

Da zunächst nur rund 5 Millionen Euro dafür zur Verfügung standen, musste der Baubeginn zuerst auf das Frühjahr 2019 verschoben und die Bauzeit bis zum Herbst 2021 ausgedehnt werden, um in die Möglichkeit weiterer, jedoch begrenzter Fördermittel zu gelangen.Heute in Magdeburg: OB stellt Pläne zur Modernisierung und Instandsetzung der Hyparschale vor. In: magdeburger-news.de, 8. August 2018, aufgerufen am 2. April 2024, mit Konzeptfotos und Nutzungsplänen.

Die Halle hat ein zweites Geschoss mit einem großen Atrium erhaltenKonzeptbild: Hyparschale, 1. Geschoss und Lichtbänder in der Dachdecke. In: magdeburger-news.de / gmp, 8. August 2018, aufgerufen am 2. April 2024. sowie einen Hochwasserschutz. Ein optimiertes Beleuchtungskonzept erhöht die Attraktivität des Gebäudes. Außerdem erhielt das weitere Umfeld der Hyparschale und der gesamte Stadtpark Rotehorn 285 Bäume noch im Jahr 2018, um die Baumverluste der letzten Jahre auszugleichen.