Die Festung Kongsvinger () wurde in den Jahren 1673 bis 1784 angelegt und befindet sich auf der Westseite des Flusses Glomma im Stadtteil Tårstadt von Kongsvinger in der ostnorwegischen Provinz Innlandet. Vorläufer der Festung war die Vingersund Schanze (norw.: Vingersundet skanse), die später auch als Tråstad Schanze bezeichnet wurde. Die Festung ist heute im Besitz von Forsvarsbygg nasjonale festningsverk und steht seit den 1920er Jahren unter Denkmalschutz. Seit 1971 steht auch ein Großteil des umliegenden Geländes durch den Beschluss der norwegischen Denkmalbehörde unter Schutz.
Geschichte mini|Festung Kongsvinger und Fluss Glomma, Kupferstich von 1733 mini|Von links: Arsenal (1737), Die neue Kaserne (1788) und Die alte Kaserne (1702). mini|Haupttor mini|Auffahrt zur Wedels Batterie, darunter Kasematte im Ravelin mini|Äußere Festungsmauern, «Prinzessinnen Bastion» und Kurtine; von links: Provianthaus mit Bäckerei, kleiner Pulverturm (Zeltdach) Stallgebäude (gelbes Haus). Im 17. Jahrhundert, als sich Kongsvinger noch nicht entwickelt hatte, verlief über das Sogn Vinger eine von drei Handelsstraßen, die von Värmland in Schweden nach Christiania (Oslo) führten. Darüber hinaus verfügte Vinger über eine strategisch wichtige Fährverbindung zum Tråstad Hof, da sie über viele Kilometer die Einzige entlang der Glomma war und auch den Weg ins Zentrum Südnorwegens bereitete. Dänemark-Norwegen führte mehrere Kriege mit Schweden, darunter den Dreikronenkrieg von 1563–1570, den Kalmarkrieg von 1611–1613 und den Torstenssonkrieg von 1643–1645. Somit war eine Verteidigung der Fährverbindung essentiell, um das Vorrücken schwedischer Truppen weiter ins Zentrum Norwegens zu verhindern. Oberst G. Reichenwein, Kommandant in Vinger, schrieb 1647 erstmals eine Bitte für die Errichtung einer Schanze in Vinger. Er schlug die Errichtung zweier Schanzen vor, die auf beiden Seiten der Glomma liegen sollten. Er revidierte den Vorschlag jedoch und beantragte stattdessen die Errichtung einer Schanze auf dem Hügel und einer am Fluss. Zwei Jahre später schrieb er wieder einen Brief und erwähnte, dass ein Ingenieur das Gelände vermessen hätte. Ein weiterer Brief forderte eine Schanze an der Kirche auf dem Tråstadhof. 1657 besetzte Schweden das dänische Jütland. Daraufhin wurde eine einfache, fünfeckige Redoute auf der Westseite der Glomma angelegt und im Sommer 1658 war die Tråstad Schanze fertig. Karten belegen eine weitere sternförmige Schanze an der Stelle, an der später (1697) die Kirche erbaut wurde. Es wurde allerdings nicht überliefert, wann die Schanze angelegt wurde. Eine Karte aus den 1720er Jahren beschreibt sie als verfallene Schanze aus dem Krabbenkrieg (1657–1658). Wahrscheinlich ist jedoch, dass sie zur selben Zeit wie die Tråstad Schanze gebaut wurde. Der Krieg dauerte drei Jahre und brachte die Erkenntnis, dass die Schanze keiner längeren Belagerung standhalten würde. Der im Jahr 1661 ernannte Generalinspektor Henrik Ruse wollte die Festungen entlang der Küste und der schwedischen Grenze verstärken.
Vinger Schanze Im August 1673 wird die Vinger Schanze auf dem Tråstadberg, erstmals vom Statthalter Ulrik Fredrik Gyldenløve erwähnt. In seinem Brief an den Kriegsrat schrieb er, dass sich in Vinger eine fast von allen Seiten unzugängliche Klippe befindet, auf der er eine acht Fuß hohe Brustwehr bauen würde, die die Tråstad Schanze und den Fluss beherrsche. Zudem würde eine Besatzung von 300 Mann ausreichen um 10.000 Feinde abzuwehren. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits angefangen die Stellung und ein Magazin zu errichten. Weiterhin baute er ein Donjon, der einen Grundriss von 19 × 22 Alen maß. Die unteren zwei Geschosse waren gemauert, darüber war eine Batterie angelegt. Die übrigen Geschosse besaßen eine Holzkonstruktion. Die Anlage war umgeben von einer viereckigen Mauer mit Batterien in drei der vier Ecken. Sie bekam den Spitznamen Festung Gyldenborg. Weitere Gebäude wie etwa eine Bäckerei – die heute jedoch nicht mehr existiert – sowie Proviant- und Munitionslager kamen in den folgenden Jahren hinzu. Der Leutnant Anthony Coucheron bekam 25 Reichstaler für den Entwurf der Pläne. Einzelne Quellen behaupten, dass sich im Jahr 1658 eine Festung auf dem Berg befunden hatte, doch spätere Beurteilungen deuten darauf hin, dass es sich hierbei um mehrere Missverständnisse handelte. Erster Kommandant der Vinger Kompanie war Ole Elingson.
Die Schanze wird zur Festung Um einer Belagerung besser standhalten zu können, begann 1681 der Ausbau der Vinger Schanze zur Festung. Johan Caspar de Cicignon legte den ersten Plan vor, der Entwurf war allerdings zu teuer und umfassend. So bekam Anthony Coucheron den Auftrag, einen neuen Entwurf auszuarbeiten, der von König Christian V. am 8. Oktober 1681 genehmigt wurde. Coucherons Plan sah ein Donjon mit drei großzügigen Außenwerken im Norden, Süden und Westen vor, die in die vorhandene Anlage integriert werden sollte. Hauptsächlich wurde sie als Tenaillenform entworfen, integrierte aber die Halbbastionen Prinz Georg und Prinzessinnen, zwischen denen sich die gerade Kurtine im Osten befand. Die Form weist Merkmale des französischen Festungsbauingenieurs Vauban aus dem 17. Jahrhundert auf, doch die Anlage in Kongsvinger passt sich stark an die Gegebenheiten des Geländes an. Im Frühjahr 1682 starteten die Bauarbeiten. Der Turm der Schanze blieb, da er ein wichtiges Element der Festung war. Die Festungsmauern wurden aber durch stärkere und höhere ersetzt. Des Weiteren kamen innerhalb der Festung das Provianthaus, das Kommandantenhaus, sowie der kleine Pulverturm und ein Kalklager hinzu. In den Außenwerken entstanden viele weitere Gebäude, unter anderem das Offiziershaus, Werkstätten für Maurer und Kalkbrenner und eine Schmiede. Das Haupttor der Festung war lange Zeit ungeschützt bis 1691 der Ravelin gebaut wurde. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde der gedeckte Weg teilweise mit Kontreeskarpe und einem Glacis vor den Festungsmauern angelegt. Dabei riss man einen Teil der Außenwerke wieder ab. Um den Glacis besser zu schützen, setzte man auch auf das Verteidigungssystem der Palisaden. Sie waren ca. 5–6 Alen lang und hatten einen Durchmesser von 7–8 Hölzern und waren auf beiden Seiten angespitzt. Um sie gegen Fäule zu schützen, flämmte man sie, bevor sie lotrecht in die Erde gebracht wurden. Ein wichtiger Schritt für die Festung wurde auch der Bau der Brunnen, da sie die Festung nun unabhängig in der Wasserversorgung machten. Vorher musste man Wasser von außerhalb herbeischaffen, was sich im Falle einer Belagerung sehr schwierig gestalten konnte. Der Hauptteil der Festung war im Jahr 1684 fertiggestellt, wenn auch die Bauarbeiten noch einige Jahre andauerten.
Im Januar 1683 bestimmte Gustav Wilhelm von Wedel, dass die Festung von nun an Kongens Vinger heißen soll. Später wurde der Name zu Kongsvinger zusammengezogen. Als König Christian V. 1685 eine Reise durch Norwegen unternahm, besuchte er auch die Festung. Seine Initialen sind noch heute auf der Festungsmauer zu sehen. Durch den Ausbau der Vinger Schanze siedeln sich am Hang südlich der Festung Soldaten mit ihren Familien an. Händler und Handwerker versorgten die Festung mit Gütern und Diensten. Mit dem Bau der neuen Kirche etablierte sich Kongsvinger zu einer Festungsstadt. Als die Festung im Jahr 1823 jedoch außer Dienst gestellt wurde und anderen militärischen Zwecken diente, erlebte die Stadt, die hauptsächlich von den Soldaten lebte, einen Kollaps. Erst mit Erhalt der Kjøpestad-Rechte (Handelsrechte) bekam die Stadt neuen Aufschwung.
Koalitionskriege und Unionzeit mit Schweden Mit dem Angriff der Briten auf Kopenhagen im Jahr 1807 zogen die Napoleonischen Kriege ihre Kreise bis nach Dänemark-Norwegen und Norwegen und Schweden standen sich wieder als Feinde gegenüber. Im Jahr 1808 legte man die Skjær Schanze westlich der Festung an und alle Batterien wurden in Stand gesetzt und kampffertig gemacht. Kurze Zeit später fanden zwischen 1808 und 1809 Kämpfe mit den Schweden statt, auch an der Lier Schanze, sechs Kilometer östlich der Festung. Daraufhin baute man im Nordwesten die Schanzen Norske løve und Prinz Fredrik und ein Jahr später die Schanze Se til høyre im Südwesten. Mit dem Sturz Napoleons 1814 trat Dänemark Norwegen an Schweden ab, worauf hin Norwegen seine Unabhängigkeit proklamierte. Diese konnte jedoch nur kurze Zeit bestehen und Norwegen ging mit Schweden eine Union ein. Dadurch waren die Grenzbefestigungen an der schwedischen Grenze nicht mehr notwendig und die Festung Kongsvinger wurde geräumt. Viele der Gebäude, die nicht mehr gebraucht wurden, wurden abgerissen oder verkauft. Als im Jahr 1846 eine Ingenieursbrigade nach Kongsvinger kam, hob sie die große Bedeutung der Festung hervor und verlangte die Erhaltung. Die Akershuskommission von 1855 behauptete jedoch, dass die Festung wertlos sei, solange sie keine weiteren Außenwerke besäße. Sie würden auch keine bauen, da dem Reich schlichtweg das Geld fehle. Somit wurde die Festung geschlossen und ging ins Staatseigentum über. Die zweite Akershuskommission kam zu dem Schluss, dass die Anlage eine wichtige Bedeutung innehabe und diese durch die Eisenbahnstrecke Solørbanen besser zur Geltung kommen solle. Mit Bestrebungen der Gleichberechtigung Norwegens in der Union wurden Spannungen mit Schweden zur Jahrhundertwende immer größer. Daraufhin modernisierte Norwegen seine Grenzbefestigungen entlang der Glomma. Da die Kongsvingerbrücke weiterhin eine wichtige Wegverbindung darstellte, war man der Meinung, dass die Festung nicht allein in der Lage war einen neuen möglichen Krieg standzuhalten. Alle Gebäude die dem direkten Beschuss ausgesetzt sein könnten sollten abgerissen werden. Auf den obersten Wällen wurden Stellungen für zwölf Kanonen eingerichtet, die Festungsmauern wurden verstärkt und die Kasematten wurden gebaut. Des Weiteren wurden die Zwillingsforts Vardårsen und Gullbekkåsen im Jahr 1901 bis 1902 angelegt. Sie verfügten über je zwei Kanonen mit zwölf Zentimetern Durchmesser. Lange unterirdische Tunneln wurden in die Erde gesprengt, in den Schlafräume, Munitionslager, Latrinen und Trinkwassertanks installiert waren. Rundherum wurde ein gedeckter Weg für die Infanterie angelegt und auch für die Besatzungen außerhalb der Festung wurden einige Gebäude errichtet. Die Festung selbst diente lediglich zur Unterbringung der Soldaten und als Lager. Ein Vorschlag, Schießscharten für Kanonen in die Kasematte zu machen, wurde nicht umgesetzt.
Mit der friedlichen Unionsauflösung zwischen Norwegen und Schweden im Jahr 1905 sollten alle Grenzfestungen abgerissen werden und eine entmilitarisierte Grenzzone von 3 norwegischen Meilen, rund 34 Kilometern, wurde eingerichtet. Die Festung Kongsvinger galt als zu alt und nicht mehr nutzbar und wurde deshalb nicht zerstört. Auch die Forts Vardåsen und Gullbekkåsen blieben bestehen. Die entmilitarisierte Zone wurde erst in den 1990er Jahren aufgehoben.
Zweiter Weltkrieg Im Jahr 1939 wurde die Mannschaft der Deutschland, die die City of Flint enterte, auf der Festung interniert. Des Weiteren wurden auch acht Piloten gefangen genommen. So sah die Bevölkerung Kongsvingers deutsche Offiziere in Uniform vor vielen anderen.
Im April 1940 kapitulierte der Kommandant der Festung kampflos und die Festung kam unter deutsches Kommando. Man richtete dort eine Ausbildungsstätte für die norwegische SS ein, die sich dort einige Monate aufhielt. Die Kurse wurden fortgesetzt doch danach waren die Kurse hauptsächlich für die deutsche SS, die dem direkten Befehl Quislings unterstand. Die Festung wurde umfassend restauriert. Ab 1943 wurden in der Festung Gefangene aus dem Polizeihäftlingslager Grini aufgenommen. Sie sollten verschiedene Arbeiten verrichten, darunter Reparaturarbeiten und Kartoffelschälen.