Leo Connard (* 28. August 1860 als Isak Leopold Kohn in Fünfkirchen,Der häufig zu lesende Geburtsort Wien ist ebenso falsch wie ganz offensichtlich das Geburtsjahr 1869, da Connard bereits 1879 als erwachsener Profischauspieler Theater zu spielen begann. Kaisertum Österreich, heute Ungarn; † 21. Juni 1931 in BerlinLandesarchiv Berlin, Sterberegister Standesamt Berlin-Zehlendorf, Nr. 299/1931 (online bei Ancestry, kostenpflichtig).) war ein österreichischer Stummfilm- und Theaterschauspieler mit gelegentlichen Ausflügen zur Regie.
Leben und Wirken Der Sohn des Realschulleiters Siegmund Kohn und seiner Frau Marie, geb. Duschnitz, erhielt seine künstlerische Ausbildung 1877 bei Friedrich Mitterwurzer am Konservatorium in Wien. Seine Karriere startete Connard 1879 in Marburg an der Drau. Es folgten Theaterstationen in Reichenberg, Chemnitz, Köln, Meiningen, Mainz, Prag (1888–1891) und in Stuttgart (1891–1895). Tourneen führten ihn in das zaristische Russland (St. Petersburg, Moskau, Warschau).
Seit 1895 in Berlin, folgte Leo Connard einem Ruf an das Lessingtheater. Bereits im Jahr darauf nahm er ein Engagement an das Berliner Theater an. Noch vor der Jahrhundertwende nahm Connard auch an Theaterfestspielen in Wiesbaden teil. Im neuen Jahrhundert spielte Leo Connard unter anderem an Wiens Raimundtheater sowie, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, am deutschen Theater im (damals) russischen Riga. Hier ließ man ihn auch Regie führen. 1906 hatte er seinen Nachnamen offiziell in Connard ändern lassen.Wiener Stadt- und Landesarchiv, Heiratsregister der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (1. Bezirk/Innere Stadt), Nr. 749/1891 (online bei FamilySearch, anmeldepflichtig).
In seiner Theaterarbeit deckte Connard quasi die gesamte Palette großer Heldenfiguren ab: Er verkörperte unter anderem Richard III., den Jago in Othello, den Franz Moor, den Mephisto, den Narziss und den Harpagon. „Seine Leistungen fesseln durch Natürlichkeit und Ungezwungenheit der Bewegung und Temperament. Seine Rede ist reich an Farbe, er spricht klar und zwingend, in allen Lagen und Stärkegraden gleich gut und beherrscht trefflich Mimik und Gestik. Der Künstler appelliert nicht an den Beifall der Menge, sondern erzielt die größte Wirkung mit der ihm eigenen Intelligenz.“Eisenberg 1903.
Inmitten des Krieges begann Leo Connard intensiv zu filmen. Meist erhielt er Nebenrollen als Honoratior vom Dienst und Großbürger. Connard verkörperte Väter, Ärzte, Reeder, Marschälle, Großbauern, Hofräte, Polizeichefs und Großgrundbesitzer. Mehrfach wirkte er in Inszenierungen Richard Oswalds mit, drehte aber auch mit E. A. Dupont, Friedrich Zelnik, Friedrich Fehér und zuletzt Hans Kyser. 1918 führte er bei dem Hella-Moja-Film Wundersam ist das Märchen der Liebe das einzige Mal auch Filmregie. Er verstarb 1931 in Berlin.
Connard war ab 1891 mit der Berufskollegin Marie „Mizzi“ Lettau verheiratet, die als Maria Connard auch in seiner einzigen Filminszenierung mitgewirkt hatte.
Filmografie 1916: Der Thug 1916: Der Tod des Erasmus 1916: Das Geheimnis des Sees 1916: Das Lied des Lebens 1916: Ein Schwerenöter 1916: Der Schwur der Renate Rabenau 1917: Zwei blaue Jungen 1917: Der Schatz im Berge 1917: Das Spiel vom Tode 1917: Die Spinne 1917: Das Defizit 1917: Der Weg ins Freie 1917: Die zweite Frau 1917: Zwei blaue Jungen 1918: Robin Morris 1918: Es werde Licht!, 3. Teil 1918: Wundersam ist das Märchen der Liebe (auch Regie) 1918: Das Kainszeichen 1918: Der lebende Leichnam 1918: Emilia Galotti 1918: Jettchen Geberts Geschichte (2 Teile) 1919: Anders als die Anderen 1919: Die Arche 1919: Die letzten Menschen 1919: Das Derby. Ein Detektivroman auf dem grünen Rasen 1919: Der Würger der Welt 1920: Whitechapel. Eine Kette von Perlen und Abenteuern 1920/22: Louise de Lavallière – Am Liebeshof des Sonnenkönigs 1921: Der Kampf um Liebe 1921: Der Wahn des Philip Morris 1925: Wallenstein (2 Teile) 1925: Frauen, die man oft nicht grüßt 1927: Mata Hari 1927: Luther – Ein Film der deutschen Reformation
Literatur
Hans Richter (Hrsg.): Filmstern. Richters Handbuch der Schauspieler, Regisseure und Schriftsteller des Films (= Kinojahrbuch. Band 4). Hans Hermann Richter Verlag, Berlin-Wilmersdorf 1921/1922, , S. 19. Wilhelm Kosch: Deutsches Theater-Lexikon. Biographisches und bibliographisches Handbuch. Band 1: A–Hurka. Verlag Ferdinand Kleinmayr, Klagenfurt/Wien 1953, , S. 275 (online bei De Gruyter).
Weblinks
Anmerkungen und Einzelnachweise
Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Stummfilmschauspieler Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Theaterregisseur Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Person (Österreich-Ungarn) Kategorie:Geboren 1860 Kategorie:Gestorben 1931 Kategorie:Mann