mini|Volle Pfeilerwertigkeit der Schneidezähne 11, 21 mini|Reduzierte Pfeilerwertigkeit der Schneidezähne 11, 21 durch parodontalen Abbau mini|250px|1. Zahn 2. Zahnschmelz 3. Dentin (Zahnbein) 4. Pulpencavum mit Pulpa 5. Kronenpulpa 6. Wurzelpulpa 7. Wurzelzement 8. Zahnkrone 9. Höcker 10. Fissur 11. Zahnhals 12. Zahnwurzel 13. Bifurkation 14. Wurzelspitze 15. Foramen apicale 16. Sulcus gingivae 17. Zahnhalteapparat 18. Zahnfleisch: 19. oral oder vestibulär 20. marginal 21. alveolar 22. Wurzelhaut mit Sharpey-Fasern 23. Alveolarknochen (Die feine gelbe Linie ist die Lamina dura.) 24. Gefäße und Nerven: 25. Pulpa 26. Parodontium 27. Canalis mandibulae. Unter Pfeilerwertigkeit wird die Verwendbarkeit von Zähnen als Pfeilerzähne für festsitzenden oder herausnehmbaren Zahnersatz verstanden. Pfeilerzähne sind Zähne, die die Belastung von ersetzten Zähnen mittragen müssen. Die Pfeilerwertigkeit ist ein Ausdruck der zahnbezogenen Prognose, vor dem Hintergrund einer geplanten Einbeziehung in verschiedene prothetische Restaurationen. Für die Planung von langfristig haltbarem Zahnersatz sind die vorgesehenen Pfeilerzähne zu bewerten. Die Grenzziehungen zwischen Verwertbarkeit und Nichtverwertbarkeit von Zähnen sind schwierig und oft nicht eindeutig. Im klinischen Alltag ist eine angemessene Risikobewertung bei der Zahnersatzplanung unverzichtbar. Sie gehört zu den wichtigsten zahnärztlichen Kompetenzen und hilft, Misserfolge zu reduzieren.M. H. Walter, Risiko Pfeilerwertigkeit, Quintessenz Verlag, Berlin (2011). Abgerufen am 30. Juli 2015.
Nomenklatur Neben der Bezeichnung Pfeilerzahn existieren noch weitere Begriffe für Zähne, die in Zahnersatzbehandlungen einbezogen werden. Dazu gehören neben dem Brückenpfeiler der Ankerzahn, der Zahnpfeiler, das Fixierelement (in der Zahntechnik), der Verankerungszahn (eher für Konstruktionselemente in der Kieferorthopädie) beziehungsweise der Stützzahn oder Klammerzahn (bei herausnehmbarem Zahnersatz für einen Zahn, an dem eine Klammer einer Klammerprothese angebracht wird).
Grundwertigkeit der Zähne Die Anzahl, die Länge und der Durchmesser der Wurzeln bestimmen zunächst die Grundwertigkeit eines gesunden Pfeilerzahnes. Die Grundwertigkeit wird in drei Klassen eingeteilt: Eingeschränkte Vorschau in Google Books. Abgerufen am 9. Februar 2017. mini|350px 1 = beste Wertigkeit
2 = mittlere Wertigkeit
3 = eingeschränkte Wertigkeit +Grundwertigkeit von Pfeilerzähnen oben rechts oben links 3 1 1 2 3 1 3 2 2 3 1 3 2 1 1 3Pfeilerwertigkeit 18 17 16 15 14 13 12 11 21 22 23 24 25 26 27 28Zahn- 48 47 46 45 44 43 42 41 31 32 33 34 35 36 37 38bezeichnung 3 1 1 2 2 1 3 3 3 3 1 2 2 1 1 3Pfeilerwertigkeit unten rechts unten links (Incisivi (Schneidezähne), Canini (Eckzähne), Prämolaren (kleine Backenzähne), Molaren (große Backenzähne)).
Beispielsweise sind die Zahnwurzeln der unteren Schneidezähne (32–42) sehr dünn und können deshalb keine so hohen Belastungen tragen wie vergleichsweise die unteren Eckzähne (33, 43), die längere und dickere Wurzeln aufweisen.
Belastungswert der Zähne Der Basler Hochschullehrer Gottlieb Vest hat eine eigene Einteilung der Pfeilerwertigkeit vorgenommen und hat diese als Belastungswert bezeichnet. Der niedrigste Wert liegt bei 1 (niedrigste Belastbarkeit), der höchste Wert bei 6 (größte Belastbarkeit).Gottlieb Vest, Lehrbuch der Zahnärztlichen Kronen- und Brückenprothetik: Band 2, Brückenprothetik, Springer Heidelberg, New York 2013, ISBN 978-3-0348-7073-3, S. 101–102. Eingeschränkte Vorschau in Google Books. Abgerufen am 9. Februar 2017. (Zahnschemata werden aus Sicht des Patienten geschrieben.)
+ Belastungswert nach Vest oben rechts oben links 4 6 6 4 4 5 3 4 4 3 5 4 4 6 6 4 Belastungswert 18 17 16 15 14 13 12 11 21 22 23 24 25 26 27 28Zahn- 48 47 46 45 44 43 42 41 31 32 33 34 35 36 37 38bezeichnung 4 6 6 4 4 5 2 1 1 2 5 4 4 6 6 4 Belastungswert unten rechts unten links (Incisivi, Canini, Prämolaren, Molaren).
Der Belastungswert der zu ersetzenden Zähne muss nach Vest dem Belastungswert der Pfeilerzähne entsprechen, also mindestens gleich oder größer als dieser sein, um eine ausreichende Langzeitprognose einer anzufertigenden Brücke zu gewährleisten. Fehlen beispielsweise die unteren vier Frontzähne 32–42, die einen Belastungswert von 2 + 1 + 1 + 2 = 6 aufweisen, so genügen die beiden unteren Eckzähne 33 und 43, die einen Belastungswert von 5 + 5 = 10 aufweisen, als Pfeilerzähne zum Ersatz dieser Zähne. Fehlen jedoch die beiden Molaren 26 und 27 (Belastungswert 6 + 6 = 12), so genügen nach Vest die beiden endständigen Zähne 25 und 28 als alleinige Pfeilerzähne nicht (Belastungswert 4 + 4 = 8). Es sollte deshalb der Zahn 24 in einen Brückenzahnersatz mit einbezogen werden (Belastungswert 4 + 4 + 4 = 12).
Kriterien für die Pfeilerwertigkeit Im zweiten Schritt werden hinsichtlich der individuellen Verwertbarkeit eines Zahnes zusätzliche Faktoren überprüft.P. Pospiech, Checkliste prothetische Versorgung. In: Die prophylaktisch orientierte Versorgung mit Teilprothesen, Thieme-Verlag (2001) ISBN 3-13-126941-3. Eingeschränkte Vorschau in Google Books, S. 144–149. Abgerufen am 3. Februar 2017.
Parodontaler Zustand mini|Röntgenaufnahme der Unterkieferfrontzähne: Die Zähne 31 und 42 sind hinsichtlich ihrer Pfeilerwertigkeit als Brückenanker zum Lückenschluss des Zahnes 41 auf Grund des parodontalen Knochenabbaus nicht mehr verwertbar.
Der parodontale Zustand eines Zahnes bestimmt in hohem Maße die Pfeilerwertigkeit. Parodontale Erkrankungen machen oft einen Zahn auf Grund des Knochenabbaus der Alveolen nicht verwertbar. Durch Fortschritte in der Parodontologie ist in vielen Fällen eine parodontale Sanierung möglich, die die Verwendbarkeit wiederherstellt. Zahnfleischtaschentiefen von mehr als 6 mm reduzieren die Pfeilerwertigkeit erheblich, weil der Zahn nur noch begrenzt im Kieferknochen verankert ist. Nach Eduard Mühlreiter und Theodore Emile de Jonge-Cohen beträgt die durchschnittliche Wurzellänge zwischen 12 mm (untere Frontzähne) und 16 mm (obere Eckzähne).Eduard Mühlreiter (Hrsg.), Theodore Emile de Jonge-Cohen, Anatomie des menschlichen Gebisses, Arthur Felix Leipzig 1870.
Oberfläche des Desmodonts Als Desmodont (Wurzelhaut) wird das Bindegewebe des Zahnhalteapparates (Parodontium) bezeichnet. Das Ante’sche Gesetz, aufgestellt 1926 durch den kanadischen Zahnarzt Irwin H. Ante, fordert, dass die Gesamtfläche des Desmodonts der im Knochen verankerten Wurzeln der Pfeilerzähne mindestens der (theoretischen) Gesamtfläche des Desmodonts der Wurzeln der zu ersetzenden Zähne entsprechen müsse. Ist dies nicht der Fall, würden die Pfeilerzähne überlastet und es käme in der Folge zu weiterem Knochenabbau an den Pfeilerzähnen.Irwin H. Ante, The fundamental principles of abutments, Michigan State Dental Society Bulletin 1926; Band 8, S. 14–23. Antes Aussagen sind jedoch nicht evidenzbasiert und daher nicht unbedingt verlässlich. Es wird heutzutage eher als Empfehlung und nicht als ein ‚Gesetz‘ angesehen.M. Lulic, U. Brägger u. a.: Ante’s (1926) law revisited: a systematic review on survival rates and complications of fixed dental prostheses (FDPs) on severely reduced periodontal tissue support. In: Clinical oral implants research. Band 18 Suppl 3, Juni 2007, S. 63–72, doi:10.1111/j.1600-0501.2007.01438.x, PMID 17594371 (Review).G. Greenstein, J. S. Cavallaro: Importance of crown to root and crown to implant ratios. In: Dentistry today. Band 30, Nummer 3, März 2011, S. 61–2, 64, 66 passim, PMID 21485881.
Eine vereinfachte Regel besagt, dass die Anzahl der Pfeilerzähne der Anzahl der zu ersetzenden Zähne entsprechen müsse. Diese vereinfachte Regel berücksichtigt aber einen eventuellen Knochenabbau an den Pfeilerzähnen nicht.
mini|Verschiedene Wurzelformen von Weisheitszähnen
Der Bonner Hochschullehrer Søren Jepsen hat die Durchschnittswerte der Wurzeloberflächen der Zähne bei gesundem Parodontium vermessen.Søren Jepsen, Wurzeloberfläche der Zähne. In: Bärbel Kahl-Nieke, Einführung in die Kieferorthopädie: Diagnostik, Behandlungsplanung, Therapie: mit 10 Tabellen. Deutscher Ärzteverlag 2010, ISBN 978-3-7691-3419-3. Eingeschränkte Vorschau in Google Books, S. 181–182. Abgerufen am 8. Februar 2017. Mit diesen Anhaltswerten lässt sich für die nach dem Anteschen Gesetz geforderte Summe der Wurzeloberflächen berechnen, ob sie derjenigen der zu ersetzenden Zähne entspricht. Der individuelle Fall muss anhand von Röntgenaufnahmen der noch vorhandenen Zähne mittels Halbwinkeltechnik beurteilt werden. Durch die vielen Wurzelvarianten der Weisheitszähne 18, 28, 38, 48 sind für sie keine Durchschnittswerte angegeben.
+ Wurzelhautoberfläche oben rechts oben links 431 433 220 234 273 179 204 204 179 273 234 220 433 431 in mm² 18 17 16 15 14 13 12 11 21 22 23 24 25 26 27 28Zahn- 48 47 46 45 44 43 42 41 31 32 33 34 35 36 37 38bezeichnung 431 433 207 180 268 168 154 154 168 268 180 207 433 431 in mm² unten rechts unten links (Incisivi, Canini, Prämolaren, Molaren).
Kronen-Wurzel-Relation Durch parodontale Erkrankungen oder durch Überlastung einzelner Zähne (okklusales Trauma) kommt es zu einem Abbau des Alveolarknochens, in dem die Zähne verankert sind. Gleichzeitig können die Zahnwurzeln durch den gleichzeitig erfolgenden Zahnfleischrückgang sichtbar werden. Als Faustregel gilt, dass die Länge des sichtbaren Teils des Zahnes die Länge der im Knochen verankerten Wurzel nicht überschreiten darf, weil sonst die Hebelkräfte, die auf die Wurzel wirken, zu groß würden, was zu einer Zahnlockerung führen könnte.E. Czochrowska, A. Stenvik, B. Bjercke, B. Zachrisson: Outcome of tooth transplantation: Survival and success rates 17-41 years posttreatment. In: American Journal of Orthodontics and Dentofacial Orthopedics. 121, Nr. 2, 2002, S. 110–119. Digitalisat (PDF)
Wurzelform mini|Wurzelformen in einem Plexiglasmodell Eine günstige Wurzelform weisen Zähne mit gespreizten Wurzeln auf, wie sie in der Abbildung an den Molaren zu sehen sind. Ebenso erhöht sich die Pfeilerwertigkeit durch die Form der einzelnen Wurzel, die im günstigen Fall eine zylindrische Form aufweist (in der Abbildung der zweite Zahn von links – Eckzahn 23). Ungünstig sind konisch zulaufende und kurze Wurzeln.
Furkationsgrad Als Bifurkation (bei zweiwurzligen Zähnen) oder Trifurkation (bei dreiwurzligen Zähnen) wird die Aufteilungsstelle der Zahnwurzeln bei mehrwurzeligen Zähnen bezeichnet. Beim parodontal gesunden Zahn liegen sie innerhalb des Kieferknochens und sind weder sicht- noch sondierbar. Bifurkation und Trifurkation werden in vier Furkationsgrade eingeteilt. Eine freiliegende Furkation, die durch parodontalen Knochenabbau entstanden ist, bildet einen potentiellen Entzündungsbereich, der oftmals schwer zu reinigen ist. Je nach Ausprägung kann eine freiliegende Furkation die Pfeilerwertigkeit reduzieren.Peter Kolling. Gerwalt Muhle, Kompromisse und Grenzen in der Parodontologie, Spitta Verlag Balingen 2003, ISBN 978-3-934211-62-9, Eingeschränkte Vorschau in Google Books, S. 101–107. mini|Röntgenbilder einer Prämolarisierung eines unteren rechten Molaren (Zahn 46):1) Freiliegende Bifurkation (Pfeil);2) Prämolarisierung und Wurzelkanalbehandlung; 3) Zustand nach Überkronungen mit Stiftaufbauten;(Darstellung durch Bildbearbeitung); +FurkationsgradeFurkationsgrad 0Furkation nicht tastbarFurkationsgrad 1 Furkationseingang palpabelFurkationsgrad 2Furkation deutlich, aber nicht durchgängig, sondierbarFurkationsgrad 3Furkation sondierbar und beidseitig durchgängig
Hemisezierte oder prämolarisierte Zähne mini|links|Keramikbrücke 43–46: Eckzahn (2) Brückenglieder (3) und (4), distale Hälfte des hemisezierten Zahns 46 (5) auf Gipsmodell (1)