mini|Die Brockhaus Enzyklopädie

Die Brockhaus Enzyklopädie ist ein mehrbändiges Nachschlagewerk in deutscher Sprache, das zuletzt von dem zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Wissen Media Verlag herausgegeben wurde. Bis Anfang 2009 wurde die Enzyklopädie von F. A. Brockhaus bzw. vom Mannheimer Verlag Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG herausgegeben. Seine ersten Vorläufer erschienen im 18. Jahrhundert bei Löbel und Franke als Conversations-Lexikon. Später wurde das Lexikon unter dem Namen Der Große Brockhaus bekannt (15., 16. und 18. Auflage). Der Name Brockhaus Enzyklopädie wurde ab der 17. Auflage verwendet.

Am 11. Juni 2013 wurde bekannt, Bertelsmann wolle den Verlag schließen und die Brockhaus Enzyklopädie solle zunächst nur noch als Onlinedienst erscheinen.Ende einer Ära: Brockhaus-Lexika droht das Aus. Spiegel Online, 11. Juni 2013.Einstellung der gedruckten Auflage. Brockhaus. In: FAZ, 12. Juni 2013 (Feuilleton) Brockhaus Der zuletzt als Herausgeber tätige Wissen Media Verlag stellte sein Buchgeschäft mit der Handelsmarke Brockhaus zum 1. Februar 2014 ein. Am 30. Juni 2014 wurde der Vertrieb der gedruckten Enzyklopädie eingestellt. Im Jahr 2015 übernahm der Verlag der Schwedischen Nationalenzyklopädie (NE Nationalencyklopedin AB) die Rechte an der Marke. Dessen deutsche Tochter NE GmbH entwickelt und vermarktet seitdem eine kostenpflichtige Onlineausgabe der Brockhaus Enzyklopädie.

Zielsetzung des Werkes mini|Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon, Titelblatt der 9. Auflage 1843

In der Vorrede der Redaktion und Verlagshandlung zum 15. Band der 11. Auflage des Brockhaus von 1868 wurde die Zielsetzung des Werkes beschrieben:

Chronik der Ausgaben Vorgänger-Lexikon von Löbel und Franke und die Anfänge des Brockhaus ab 1808 Das Conversationslexikon mit vorzüglicher Rücksicht auf die gegenwärtigen Zeiten war von dem Gelehrten Renatus Gotthelf Löbel und dem Juristen Christian Wilhelm Franke (1765–1831) begründet worden. Zwischen 1796 und 1806 erschienen 5 Bände und 1808 wurden Teile des sechsten Bandes fertiggestellt.

Friedrich Arnold Brockhaus (1772–1823), der 1805 mit seiner Verlagstätigkeit in Amsterdam begonnen hatte, erwarb am 25. Oktober 1808 auf der Leipziger Buchmesse das Verlagsrecht und die Vorräte des Löbel-Frankes Lexikons, indem er von dem Buchdrucker Friedrich Richter die Verlagsbuchhandlung der Begründer des Lexikons, die sie eigens für seinen Vertrieb gegründet hatten, für 1.800 Taler kaufte. Sie war nach dem Tod Löbels 1799 von Franke an den Leipziger Verleger Friedrich August Leupold, von diesem 1806 an Johann Karl Werther, 1808 dann weiter an Johann Gottfried Herzog und schließlich im selben Jahr an Richter veräußert worden. Ab 1809 nahm Brockhaus noch unter seiner damaligen Firma Kunst- und Industrie-Comptoir von Amsterdam die weitere Auslieferung des mit der Erarbeitung des abschließenden Bandes nun vollständig vorliegenden Lexikons vor, ließ jedoch vom Mitbegründer Franke zwei Ergänzungsbände erarbeiten, die zur Aktualisierung des Stoffs vor allem aufgrund der Französischen Revolution mit ihren Folgeereignissen dringend geboten waren.

Das Conversations-Lexikon (kurzgefaßtes Handwörterbuch für die in der gesellschaftlichen Unterhaltung aus den Wissenschaften und Künsten vorkommenden Gegenstände mit beständiger Rücksicht auf die Ereignisse der älteren und neueren Zeit) erschien 1809 in 6 Bänden.Das Titelblatt des Bandes „A bis L“ weist aus: „Amsterdam, 1809. Im Kunst= und Industrie=Comptoir“, und bei demjenigen für den Band „M bis Z“ ist „Leipzig“ als neuer Verlagsort genannt. Im Jahr 1811 wurden die zwei Ergänzungsbände veröffentlicht. Es stellte das Käufervertrauen in die Zuverlässigkeit des Lexikons wieder her, das durch die laufenden Verlegerwechsel bei dem Projekt bereits deutlich geschwunden war. Dadurch gelang es Brockhaus die 2.000 Exemplare der ersten Auflage des Konversationslexikons bis Anfang 1811 fast vollständig zu verkaufen.Heinrich Eduard Brockhaus: Die Firma F. A. Brockhaus von der Begründung bis zum hundertjährigen Jubiläum. 1805–1905. Heinrich Eduard Brockhaus, Friedrich. Anton. Brockhaus, Leipzig 1905, S. 23 ff.

Die 2. bis 4. Auflage (1812 bis 1820) Die Originalausgaben von Brockhaus mini|350px|Conversations-Lexicon oder Hand-Wörterbuch für die gebildeten Stände, F. A. Brockhaus, Titelblatt des 1. Bands, A bis Comparativ, der 2. Auflage von 1812 mini|175px|Conversations-Lexicon …, Titelblatt des 4. Bands, G und H (Hysterie), der 3. Auflage von 1815 2. Auflage Der erste Band der 2. Auflage, die vollständig von Friedrich Arnold Brockhaus erarbeitet und ausweislich des Titelblatts des 1. Bands zunächst nur achtbändig konzipiert worden war, erschien zur Leipziger Ostermesse 1812 unter dem Titel Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände …Der genaue Titel lautete: Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände über die in der gesellschaftlichen Unterhaltung und bei der Lectüre vorkommenden Gegenstände, Namen und Begriffe, in Beziehung auf Völker- und Menschengeschichte, Politik und Diplomatik, Mythologie und Archäologie, Erd-, Natur-, Gewerb- und Handlungs-Kunde, die schönen Künste und Wissenschaften: mit Einschluß der in die Umgangssprache übergegangenen ausländischen Wörter und mit besonderer Rücksicht auf die älteren und neuesten merkwürdigen Zeitereignisse. noch mit der Impressumsangabe „Zweite, ganz umgearbeitete Auflage. Leipzig 1812. Im Verlage des Kunst- und Industrie-Comptoirs von Amsterdam“. Sie sollte den Grundstock für den großen Erfolg des Brockhaus legen. Dem ersten Band folgten im gleichen Jahr der zweite und im Folgejahr der dritte und vierte Band. 3. Auflage Da die vier Bände der 2. Auflage bereits im Herbst 1813 vergriffen waren, wurden sie ab 1814 in umgearbeiteter, aktualisierter Fassung nachgedruckt – die 3. Auflage war damit auf dem Buchmarkt. Ihr Titel lautete nur noch Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände, als Verlag und Verlagsorte waren nun „F. A. Brockhaus“ bzw. „Leipzig und Altenburg“ angegeben. Brockhaus hatte dieses Werk dem österreichischen Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Fürst Metternich, gewidmet, wie aus einem Dedikationstext zu entnehmen ist, der dem Vorwort des ersten Bandes vorangestellt wurde.Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Dritte Auflage des ersten bis vierten Bandes. Erster Band. Anton bis Boyle. F. A. Brockhaus, Leipzig und Altenburg 1814, S. VII [o.P.] ff. Bis 1816 folgten dann der fünfte bis siebte Band, sie reichten bis zum Buchstaben „O“. Mit ihnen wurden sowohl die 2. als auch die 3. Auflage fortgeführt. 4. Auflage Erst in den Jahren 1817 bis 1819 folgten die letzten drei Bände für beide Auflagen, die nunmehr zehnbändig ausgelegt waren. Gleichzeitig waren diese aber auch schon die abschließenden Bände der 4. Auflage, die 1817 begonnen werden musste, um den Nachdruck des Stuttgarter Verlages A. F. Macklot abzuwehren. Somit hatten die 2. bis 4. Auflage drei gemeinsame abschließende Bände. Erst sechs Jahre nach dem Beginn der zweiten Brockhaus-Lexikonausgabe lag also das vollständige Werk für die Benutzer vor. Durch die Lieferung von verschiedenen Titelblättern konnten die, wie damals üblich, erst von den Lexikonkäufern mit der Einbindung beauftragten Buchbinder die Bände mit jeweils auflagenidentischen Titelblättern ausstatten. Supplementband zur 1. bis 3. Auflage 1818 folgte auch noch ein Supplementband, der die Bände eins bis sieben der 1. bis 3. Auflage auf den Stand der 4. Auflage brachte.

Nachdem Brockhaus die notwendigen Umarbeitungen und Aktualisierungen von Artikeln zunächst noch eigenhändig vorgenommen hatte, konnte er dafür schließlich Wissenschaftler der beiden Universitäten Leipzig und Halle-Wittenberg gewinnen, wobei die Redaktion der Bände unter Mitarbeit von Ludwig Hain und Georg Ludwig Peter Sievers erfolgte. Die Bände der 2. Auflage kosteten bei Gesamtabnahme insgesamt 12 Taler 12 Groschen sächsisch (22 Gulden rheinisch 30 Kreuzer).Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Zweite, ganz umgearbeitete Auflage. Neunter Band. Seetz bis Tiz. F. A. Brockhaus, Leipzig und Altenburg 1817, Schmutztitelrückseite „Nachricht“.Vergleiche insgesamt zur 2. bis 5. Auflage: Die Firma F. A. Brockhaus von der Begründung bis zum hundertjährigen Jubiläum. 1805–1905. Heinrich Eduard Brockhaus, Friedrich. Anton. Brockhaus, Leipzig 1905, S. 23 ff.

Supplementband zur Aktualisierung auf den Stand der 5. Auflage Um die an einem möglichst aktuellen Lexikon interessierten Nutzer, die seit Beginn der 2. Auflage so lange auf den Abschluss des Nachschlagewerks warten mussten, nicht sofort wieder mit den Kosten für die wiederum überarbeitete 5. Auflage zu belasten – auch sie erschien in zehn Bänden in den Jahren 1819 und 1820 –, wurden parallel zu ihrer Auslieferung für die vier vorangegangenen Auflagen zwei Supplementbände erarbeitet, die in vier Abteilungen die wesentlichen Verbesserungen und die neuen Artikel der 5. Auflage enthielten.

Die Nachdrucke von A. F. Macklot (1816 ff.) mini|175px|Conversations-Lexicon, (F. A. Brockhaus) Nachdruck von A. F. Macklot, Titelblatt des 4. Bands, G bis Hysterie, von 1817 Für die Qualität bereits der frühen Ausgabe der Enzyklopädie sprechen wohl auch zwei sogenannte Raubdrucke, die von dem Stuttgarter Verleger Carl Erhard mit dem von seinem Stiefvater August Friedrich Macklot (1770–1805) übernommenen Verlag unternommen wurden. Er druckte zunächst die 1814 begonnene 3. Auflage des Conversationslexikons ohne Genehmigung des Hauses Brockhaus nach. Möglich war diese Praxis durch die damals in Deutschland herrschende Zersplitterung des Rechts, dem es an einem einheitlichen, für die deutschen Bundesländer übergreifenden Urheberrecht mangelte. In Württemberg waren Nachdrucke für „ausländische“ Druckerzeugnisse nicht verboten. Ohne irgendwelche Honorare an wissenschaftliche Mitarbeiter des Lexikons zahlen zu müssen, konnte der Verlag A. F. Macklot mit „Königl. Württembergischer allergnädigster Genehmigung“ (Titelblatteindruck) ab 1816 eine preiswertere Ausgabe des Brockhaus’schen Lexikons insbesondere für den süddeutschen Raum anbieten. So kostete jeder der sogar separat angebotenen Nachdruck-Bände 2 Gulden,vgl. die Frontispiz-Seite zu: Conversations-Lexikon oder enzyklopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Erster Band. A bis Boyle. Stuttgart, bei A. F. Macklot 1816 wohingegen ein Band des Originalwerks bei Abnahme des Gesamtwerkes 1 Taler 6 Groschen sächsisch, was etwa 2½ Gulden entsprach, und im „ordinären Ladenpreise“ (Angabe auf dem Vorsatzblatt) sogar 2 Taler 12 Groschen kostete. Ein Einzelband war damit bei Brockhaus mehr als doppelt so teuer.