Bierflaschen gehören zu den Behältnissen, in die Bier gefüllt wird, um die Flüssigkeit zu portionieren, die Absatzlogistik zu vereinfachen und es vor äußeren Einflüssen zu schützen.

Gebrauch Das Bier wird entweder direkt aus der Flasche getrunken oder zum Trinken in ein Trinkglas gefüllt. Mit Verschlüssen unterschiedlicher Ausprägung wird die Funktion eines Überdruckventils erreicht, da sich der Inhalt durch den CO2-Gehalt unter einem leichten Druck befindet. Manche Varianten des Flaschenverschlusses sind wiederverschließbar. Die Flaschen sind durchscheinend, um sie für die Sauberkeitskontrolle durchleuchten zu können. Zur Inhaltskennzeichnung werden sie mit Etiketten versehen. Für Bügelverschlüsse werden spezielle Halsetiketten genutzt, um damit ein vorzeitiges Öffnen zu kennzeichnen. Oft sind Bierflaschen auf der Zylinderoberfläche mit Stoßrippen versehen, um beim gegenseitigen Aneinanderreiben die Gefahr eines Bruches zu mindern. Der Flaschenboden ist nach innen gewölbt und weist mittig eine Volumenangabe auf. Er kann zudem Stehnoppen oder -stege aufweisen oder rundum Noppen als Produktionscode besitzen.

Geschichte Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde aufgrund geänderter Konsumgewohnheiten der bis dahin übliche Fassbier-Vertrieb nach und nach durch die Flaschenvermarktung abgelöst.

Noch am 12. Mai 1905 wurde im Deutschen Reichstag über Einschränkungen des Flaschenbierhandels diskutiert.https://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00002814/image_303 Franz Seraph von Pichler von der Zentrumspartei beklagte, dass „die schlechte wirtschaftliche Lage des Wirtsgewerbes“ durch den Flaschenbierhandel „außerordentlich verschärft“ werde. Auch sittliche Gründe sprächen für die Einschränkung des Flaschenbierhandels: „In einigen Gegenden hat sich der Missbrauch herausgestellt, dass mit dem Flaschenbier Hausierhandel getrieben wird, dass der Flaschenbierhändler sogar den Arbeitern auf das Feld nachgeht, sodass im bayerischen Landtage schon Klagen vorgebracht worden sind, dass manche Arbeiter in der Erntezeit bereits betrunken an die Arbeit kommen.“ Wolfgang Heine von der SPD sprach sich gegen Einschränkungen des Flaschenbierhandels aus: „Wir können nicht anerkennen, dass die Leute von Flaschenbier leichter betrunken werden als von Bier aus Gläsern und Tonnen“.https://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00002814/image_304 Das Thema wurde auch in der Presse aufgegriffen. Josef Wiemer schrieb: „Geringschätzig vom Flaschenbier zu sprechen ist wirtschaftlich unberechtigt. Denn es hat zur Popularisierung des Biergenusses nicht wenig beigetragen und der Aufschwung, den unsere Brauereiindustrie genommen, ist zu einem nicht geringen Teile auf den Konsum von Flaschenbier zurückzuführen.“J. Wiener: Flaschenbier und - Sittlichkeit, in: Der Tag, 14. Mai 1905, S. 3. Auch sittliche Gründe sprächen für das Flaschenbier: „Der Zusammenhang der Familie wird vor allem durch häusliches Leben und dieses nicht zum wenigsten durch das Flaschenbier gefördert, dadurch, dass der pater oder die mater familias das Bier mit den Ihrigen im Hause trinken.“J. Wiener: Flaschenbier und - Sittlichkeit, in: Der Tag, 14. Mai 1905, S. 3.

Mit der Einführung des Pfands auf Einweggetränkebehälter Anfang 2003 drängte die Bierflasche als Mehrwegflasche in Deutschland den Anteil der Bierdosen am Konsumvolumen wieder zurück. Die „Sixpacks“ (also sechs 0,33-l-Flaschen mit Kartonumverpackung) sind in Deutschland meist mit Mehrwegflaschen gefüllt und nicht mehr als Einweggebinde im Handel.

Seit 1960 hatte die Mehrweg-Bierflasche für 0,5 Liter in Österreich drei verschiedene Formen: mit besonders lang ausgebildetem Hals, der konkav konturiert war, überwiegend in grünem Glas, mit erhabenem Signet auf einer Seite des Halses. Schon in dieser Zeit kommt der Wechsel von Holz- zu Kunststoffkisten (seltener als „Steigen“ bezeichnet, in Österreich jedoch nie als (deutsch-deutsch:) „Kasten“). Euro-Flasche mit kurzem Hals, braun. NRW-Bierflasche mit wieder etwas längerem Hals, braun. Kisten für 20 Flaschen haben Fächer im 4x5-Raster und 30 × 40 cm Außenmaß der Grundfläche. Im 4x2-Raster passen acht Kästen auf eine Ebene einer Europalette. Es gibt Bierkisten mit vom Grund aufstehenden kleinen Zackensternen, die 0,5-L-Flaschen samt Sechsertragerl-Karton aufnehmen – drei Tragerl plus zwei lose Flaschen, in Summe 20 Stück im üblichen 4x5-er Raster.

Material, Verschluss und Ausstattung

mini|Deutlich sichtbares Embossing auf einer Bierflasche

Bierflaschen werden zum Großteil aus Glas hergestellt, insbesondere in Österreich dominiert die Mehrwegflasche mit 0,5 Liter Inhalt in etwa drei Ausformungen. Glasflaschen werden überwiegend mit Kronkorken verschlossen, der nach einem Öffner verlangt. Seltener sind spezielle Flaschen mit perfekt wiederverschließbarem Bügelverschluss (verwendet seit vor 1892 bei händischem Verschließen bei der Abfüllung), zumeist gegen höheres Pfand (österr.: Einsatz). Sehr selten sind Kronkorken mit Gewinde auf 0,33-Liter-Flaschen; diese lassen sich leicht von Hand aufschrauben; ein Wiederverschließen dichtet nicht zuverlässig. 0,33-Liter-Flaschen sind in Österreich fast durchwegs ohne Pfand und Einweg. Einwegflaschen können dünnwandiger und leichter sein.

Seit Anfang der 2000er Jahre stieg jedoch der Anteil der Kunststoffflaschen.

Bierflaschen aus Alu haben meist 0,33 Liter Inhalt und können mit Kronkorken oder Zipp-Off, einem dünneren Blechdeckel mit (Ring-)Lasche zum Ausreißer verschlossen werden.

Mit dem Aufkommen der Kronkorken konnte maschinell verschlossen werden. Schraubverschlüsse werden überwiegend für Bier-Kunststoffflaschen verwendet, seltener für Glasflaschen. Bierflaschen werden meist mit Pfand angeboten. Neben Mehrwegflaschen sind Einwegflaschen im Handel. Dabei gibt es für Bier Einwegflaschen mit einem durch Gewinde am Flaschenhals schraubbaren Kronkorken.

Laut einer Studie der Unternehmensberatung Deloitte sind in Deutschland mehr als 120 verschiedene Flaschentypen im Umlauf.Michael Gassmann: Deutsche Brauereien stecken in der Mehrwegfalle Welt, 22. Dezember 2013.

Teilweise sind Flaschen mit Embossings versehen, solche vorzugsweise aus dem gehobenen Preissegment sollen hochwertiger wirken. Zudem verleihen sie der Flasche eine Identifizierung mit der Brauerei. Häufig werden Etiketten zentriert zu diesen Embossings auf den Flaschen platziert, dafür müssen die Flaschen in der Etikettiermaschine vor dem Etikettiervorgang entsprechend ausgerichtet werden.

Gebinde Bierflaschen kommen einzeln oder kastenweise in den Einzelhandel. Es gibt die (ehemals ausschließlich) üblichen Holzkästen mit 12 oder 20 Flaschen. In den 1980er Jahren kamen kleinere Gebinde mit drei Sechserträgern („Sixpacks“) von 0,5-Liter-Flaschen oder vier „Sixpacks“ von 0,33-Liter-Flaschen in den Handel, mitunter Achtergebinde. Allgemein verbreitet sind 20er Kästen für 0,5-Liter-Flaschen und 24er oder 30er Kästen für 0,33-Liter-Flaschen. Daneben existieren noch zahlreiche Sonderformen mit unterschiedlichen Flaschenzahlen. Eine handelsübliche 0,5-Liter-Flasche wiegt 850 bis 900 g inklusive Kronkorken, Füllung und Etiketten.

Flaschenformen Anfangs besaßen die Flaschen einen zylindrischen Körper und einen verjüngten Hals, der im Bügelverschluss endete. Diese Form von Bierflaschen war der traditionellen Weinflasche nachgestaltet. Seit Beginn der 1960er-Jahre wurde diese Form durch die Steinieflaschen ergänzt, deren Form eine bessere Bruchsicherheit beim Fallen bedeutete. In Deutschland war seit 1966Getränke-News: Der Siegeszug der Euro-Flasche bis Ende der 1980er-Jahre weitgehend die Euro-Flasche Standard für 0,5 Liter im Einsatz. Seit 1990Granvogl: NRW Bierflasche wurde aus Designgründen weitgehend auf die „NRW-Flasche in Vichyform“ nach DIN 6075 Packmittel - Flaschen umgestellt. Der Begriff „NRW-Flasche“ für diesen Flaschentyp entstand, da die Flaschen zuerst von Bierbrauereien in Nordrhein-Westfalen verwendet und abgefüllt wurden.

Ende der 1990er-Jahre und in den 2000er-Jahren wurden aufgrund der Markenpositionierung oft Langhalsflaschen eingeführt. Mit der neuen Flaschenform war eine Erneuerung der formatabhängigen Flaschenführungsteile an den Abfüllmaschinen verbunden und einige Brauereien behielten aus Kostengründen die alte NRW-Flasche im Sortiment, kleinere Brauereien die Euro-Flasche. Für verschiedene überregional agierende Brauereien wie Augustiner, Schlenkerla oder das Tegernseer Brauhaus wurde die beibehaltene traditionelle Euro-Flasche zum Charakteristikum mit nicht unbeträchtlichem Identifikationswert. Mitunter füllen manche Großbrauereien wie Erdinger aus Nostalgiegründen eine ihrer Biersorten in Euro-Flaschen ab oder haben, wie Hasen-Bräu Augsburg aus der Radeberger Gruppe oder Ayinger, ihr überwiegendes oder gesamtes Sortiment wieder auf diese Flasche umgestellt. In: Brauwelt Marketing. Nr. 45, 6. November 2013, S. 1524–1528. Aus den gleichen Gründen führen eine Reihe mittelständischer Brauereien sie wieder ein. Außerdem bedingen die niedrigeren Euro-Kästen die korrekte Leergutbefüllung, da Fehlbefüllungen mit den anderen – höheren – 0,5-l-Mehrwegflaschen zu einem Verlust der Stapelbarkeit dieser Kastenform führt. NRW-Flaschen kommen mittlerweile aus Traditionsgründen und in Abgrenzung zu den Longneckflaschen wieder auf den Markt. Dadurch besteht Marktvielfalt in den Flaschenformen, die Ausrüstung der Abfüllanlagen bestimmt aus finanziellen Erwägungen die eingesetzten Formen.

Farbe Bier wird meist in eingefärbten Flaschen gehandelt, um den Lichtgeschmack durch die von Ultraviolettstrahlung beförderte Zersetzung der Hopfenbitterstoffe in 3-Methyl-2-buten-1-thiol zu vermeiden. Braunen Flaschen wird dabei eine messbar bessere Filterwirkung als grünen zugeschrieben, da das Braunglas insbesondere kurzwelliges Licht absorbiert. Bis in die 1970er Jahre waren beide Flaschenfarben gleichermaßen verbreitet; die Meinungsbildung unter Verbrauchern förderte die Ansicht, bei in Sonne gelagertem Bier ändere sich der Geschmack und werde durch braun, grün und transparent beeinflusst. Kann das Bier lichtgeschützt gelagert werden, so ist die Glasfarbe unbedeutend. Ungefärbte Bierflaschen werden nur sehr selten genutzt (so beispielsweise bei den 330-ml-Flaschen der Marken Reissdorf Kölsch und Corona). Durch Änderungen der Produktionsprozesse in der Glasindustrie kommen fast ausschließlich braune Bierflaschen in den Handel. Einige Marken wie Pilsner Urquell, Beck’s, Jever, Wicküler, Brinkhoff’s, Einbecker, DAB, Heineken oder Carlsberg nutzen die grüne Flaschenfarbe als zusätzliches Identitätsmerkmal.

Für Biermischgetränke werden neben grünen und braunen auch glasklare und blaue Flaschen eingesetzt. Dadurch soll die Flaschenfarbe als Alleinstellungsmerkmal des Bieres für die Marktstellung werbewirksam nutzbar gemacht werden.

Flaschengrößen und nationale Unterschiede mini|„Torgauer Maibock“ in einer 0,5-Liter-Bügelverschluss­flasche

Die üblichen Flaschengrößen änderten sich im Laufe der Zeit mehrfach und sind in verschiedenen Ländern mittlerweile der Nutzung angepasst. Anfangs waren in Deutschland Literflaschen üblich, die wiederverschließbare Bügelverschlüsse hatten. Als sich die Kronkorken vermehrt durchsetzten, wurden diese Flaschen zunehmend durch Halbliterflaschen ersetzt. Seit den 1950er Jahren sind außerdem Flaschen mit 0,33 Liter gebräuchlich. In der Schweiz waren bis in die 1990er Jahre Pfandflaschen von 0,58 Liter üblich. Seither dominieren die europaweit einheitlichen Pfandflaschen mit 0,33 und 0,5 Liter. Regional sind jedoch immer noch Literflaschen gebräuchlich. In Österreich sind hauptsächlich Pfandflaschen von 0,5 Liter – meist die „NRW-Flasche“ – in Verwendung. Einige Sorten werden in Einwegflaschen mit Viertel- und Drittel-Liter-Inhalt angeboten. In Belgien sind Flaschengrößen von 0,25 Liter und 0,33 Liter üblich. Flaschen von 0,375 Liter werden identitätsstiftend für Lambics verwendet. Es gibt Flaschen bis zur Größe von drei Litern (Chimay).