mini|Überreste des Grabes von Maussolos (2009)
Ein Mausoleum ist ein monumentales Grabmal in Gebäudeform. Der Ausdruck leitet sich ab von Maussoleion, dem zu den antiken sieben Weltwundern gehörenden Grab von Maussolos in Halikarnassos (heute Bodrum), gewidmet dem Statthalter von Karien an der Westküste der heutigen Türkei zwischen 377 und 353 v. Chr.
Belegt ist das Wort Mausoleum im deutschsprachigen Schrifttum seit dem 16. Jahrhundert. Im Klassizismus wurde diese Art von Sakralbau der Antike reaktiviert, wenn auch in kleinerer Form.Helke Kammerer-Grothaus: Antikenrezeption und Grabkunst. In: Vom Kirchhof zum Friedhof. Wandlungsprozesse zwischen 1750 und 1850. Symposion vom 11. – 13. Mai 1981 in Mülheim/Ruhr zum Forschungsprojekt Erfassung und Dokumentation der Sepulkralkultur des Klassizismus, der Romantik und des Biedermeier, Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal in Kassel. Kassel 1984, ISBN 3-924447-04-7, S. 125–136, S. 125. (Kasseler Studien zur Sepulkralkultur, Band 2) Es handelt sich um oft doppelgeschossig angelegte Kleinarchitekturen, bestehend aus einem Andachtsraum und einer darunter liegenden Gruft, wobei Gruft und Kapelle oberirdisch in einem Raum vereint sein können. Funktional bilden diese neuzeitlichen Mausoleen eine Mischform von Gebäude und Denkmal und erfüllen innerhalb der Sepulkralkultur die Aspekte Totengedenken, Repräsentation als auch Appell an die Nachwelt.Norbert Fischer: Vom Gottesacker zum Krematorium: eine Sozialgeschichte der Friedhöfe in Deutschland seit dem 18. Jahrhundert. Diss. Phil. Hamburg 1996. Böhlau, Köln / Weimar / Wien 1996, ISBN 3-412-11195-3, S. 66.
Mausoleen im Islam mini|Schrein von Hazrat Ali in Mazar-i-Sharif, Afghanistan, eine der angeblichen Begräbnisstätten von Ali, dem Cousin und Schwiegersohn von Mohammed. Mazar-i-Sharif bedeutet „Grab des Erhabenen“. mini|Sayyeda Ruqayya Mashhad in Kairo Mazār ()Vgl. H. Wehr: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart, Wiesbaden 1968, S. 350. ist ein Mausoleum oder Schrein, vornehmlich ein Begräbnisplatz einer berühmten, beziehungsweise „heiligen“ muslimischen Persönlichkeit. Im Mittelarabischen werden auch Begriffe wie mašhad, maqām oder ḍarīḥ analog verwendet.Sandouby 2008: 14. In Palästina und in der wissenschaftlichen Literatur werden diese Stätten auch als wali oder weli bezeichnet. Sie sind oft mit einem gewissen Volksglauben, aber auch mit synkretistischen Elementen verbunden. Die Anhänger der strengen Sekte der Wahhabiten, die Salafisten (von ),Vgl. H. Wehr: Arabisches Wörterbuch, S. 385 und 474. legen großen Wert darauf, dass kein Mensch zwischen Mann und Gott vermitteln kann. Sie halten Muslime, die „heilige Persönlichkeiten“ () und deren Schreine verehren, für Häretiker. 1802 eroberten Wahhabitische Truppen Kerbela und zerstörten teilweise den Schrein von Imam Husayn.Vali Nasr: The Shia Revival: How Conflicts within Islam Will Shape the Future. W. W. Norton & Company, 2007, ISBN 978-0-393-06640-1, S. 97. 1925 zerstörte der Kommandant und spätere König von Saudi-Arabien, Saud I. ibn Abd al-Aziz, die Mausoleen der Baqīʿ al-Gharqad () in Medina, den Begräbnisplatz von vier der Imame der Schia sowie von Fatima bint Muhammad.Vali Nasr: The Shia Revival: How Conflicts within Islam Will Shape the Future. W. W. Norton & Company, 2007, ISBN 978-0-393-06640-1, S. 97; Der Friedhof wurde 1926 unter Abd al-Aziz ibn Saud vollständig zerstört, dient jedoch noch immer als Friedhof. mini|Al-Askari Shrine in Samarra vor dem Bombenanschlag 2006 Es gibt keine spezifischen architektonischen Typen für mazārat, die große Unterschiede in Größe und Ausführung aufweisen. Allen gemeinsam ist eine turba (), ein Grab im Zentrum, welches gewöhnlich rechteckig angelegt ist.Houtsma 1993: 425.
Etymologie Mazār (Plural mazārāt) geht zurück auf das Wort Ziyāra () mit der Bedeutung „(andächtig) besuchen“. Es bezieht sich auf bestimmte Plätze und Zeiten.Sandouby 2008: 16.
Unterscheidungen Maschhad (, Plural ) bezeichnet oft auch ein Grabmal eines Heiligen oder den Ort, wo eine religiöse Erfahrung (z. B. Martyrium) stattfand. Mit dieser Bezeichnung sind die Worte und verwandt.Sandouby 2008. S. 14. Die Stadt Maschhad im Iran erhielt ihren Namen von Mašhad mit der Bedeutung „Ort des Martyriums“, da an diesem Ort der achte Imam Ali Al-Ridha zum Märtyrer geworden sein soll.Heinz Halm: The shiites: a short history. Markus Wiener Publishers, 2007, ISBN 978-1-55876-436-1, S. 26. Ein Maschhad verfügt oft über einen Baldachin oder eine Kuppel über dem Begräbnisplatz im Gebäude. Manchmal verfügt er auch über ein Minaret.Sandouby 2008: 17. Maqām (, Plural , wörtlich übersetzt „Ort, auf dem etwas errichtet ist“, auch „Standort“) ist die Bezeichnung, die oft für Ahl al-bait-Schreine (Gedenkstätten für Mitglieder der Familie Mohammeds) verwendet wird.Sandouby 2008: 15. Ibn Taymiyya schreibt, dass die Maqāmāt Orte seien, wo die verehrte Person lebte, starb oder religiös aktiv war, und die Maschāhid seien Gebäude über den Maqāmāt oder über Reliquien der Person.Sandouby 2008: 16. Darīh (, Plural )Vgl. H. Wehr: Arabisches Wörterbuch, Wiesbaden 1968, S. 490. ist eine Vertiefung in der Mitte des Grabes, bezeichnet aber auch das Grab selbst.Sandouby 2008: 15.
Regionale Bezeichnungen Mazār wurde als arabisches Lehnwort auch ins Persische und ins Urdu übernommen. Daher wird es in Iran und weiteren Ländern mit persischer Kultur verwendet, so vor allem in Afghanistan, Pakistan und Indien. Walī (Singular von ): In Palästina wird diese Bezeichnung sowohl für einen Heiligen als auch für seine Gedenkstätte oder sein Grabmal benutzt. Die Gedenkstätte eines Propheten heißt auch (zugleich Anrede für eine höhergestellte Persönlichkeit), während die eines gewöhnlichen Heiligen ein Maqām und die eines berühmten Heiligen ein Maschhad ist. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde die Bezeichnung walī, auch über als „Weli“ oder „Welli“, in die westliche Literatur übernommen.Guérin, 1880: 488 Qubba (, Plural und ,Vgl. H. Wehr: Arabisches Wörterbuch, Wiesbaden 1968, S. 658. ) Grabbau oder Verehrungsort eines Heiligen. Im Volksislam gibt es die Vorstellung, dass ein heiliger Mann seine Baraka („Segenskraft“) auch nach dem Tod durch sein Grab weitergibt. Dadurch wird das Grab zu einer Quelle der Baraka und damit auch ein Platz der Ziyāra (Wallfahrt). Ein heiliger Mann wird im Sudan als Walī, Faki oder Schaich bezeichnet. Aramgah () ist im persischsprachigen Bereich ein üblicher Begriff für ein Mausoleum oder Grabmal. In Iran heißen kleinere Heiligtümer in Form einer Moschee Imamzadeh (, auch „Grabmal eines Imam-Nachkommen“). Vereinzelt werden in Iran Schreine sufistischer Meister auch als dargāh bezeichnet. In Nordwest-China werden gongbei („Dome“) über dem Grab von Sufi-Meistern der Hui-Chinesen errichtet. In Südafrika (besonders in der Region Westkap) ist ein kramat (von )Vgl. H. Wehr: Arabisches Wörterbuch, Wiesbaden 1968, S. 732. das Grab eines spirituellen Führers oder „Freund Gottes“ (Walī Allāh), oft innerhalb eines rechteckigen Gebäudes, welches als Mausoleum dient (meist für Kapmalaien). In Indonesien bezeichnen die Worte makam und kuburan die Gräber der frühen Missionare, vor allem die der Walisongo (neun Heilige) von Java.
Bekannte Mausoleen mini|hochkant|links|Das Taj Mahal wird zu den sieben Weltwundern der Moderne gezählt Da Mausoleen nicht in der Bestattungskultur aller Kulturen und Völker üblich sind, sind sie ungleichmäßig verteilt und in manchen Regionen überhaupt nicht anzutreffen, während sie andernorts eine häufige Form des Grabmals sind.
Zu den wohl berühmtesten Mausoleen, die den Status eines Weltwunders erlangten, und bis heute als Weltkulturerbe zählen das Mausoleum von Halikarnassos (Türkei) sowie die Pyramiden von Gizeh (Ägypten), die beide zu den sieben Weltwundern der Antike gezählt wurden, sowie das indische Taj Mahal, welches als eins der modernen sieben Weltwundern gilt.Andreas Raub: Das Mausoleum von Halikarnassos in den Zeichnungen Antonio da Sangallos des Jüngeren: ein zerstörtes Weltwunder und der Beginn seiner Rekonstruktion Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 9. September 2024Taj Mahal: Wie der Staub auf das Weltwunder kommt vom 19. Oktober 2016 Süddeutsche Zeitung, abgerufen am 9. September 2024 mini|hochkant|links|Mausoleum von Fariduddin Attar in Nischapur mini|Mausoleum in Dierdorf mini|Die Grabkapelle auf dem Württemberg in Stuttgart-Rotenberg mini|links|Die Grabkultur der alten Ägypter wurde mit relativ viel Aufwand betrieben. mini|Mausoleum der Großherzöge von Oldenburg in Oldenburg mini|Mausoleum der Goldburg in Murstetten mini|hochkant|Mausoleum der Grafen Yorck von Wartenburg im Schlosspark von Klein Oels Asien
Aserbaidschan Mammadbajli-Mausoleum in Zəngilan Imamzadeh in Gəncə (aserbaidschanisch İmamzadə türbəsi), Moschee und Mausoleum von Imam Ibrahim, dem Sohn des fünften Imams der Schiiten, Muhammad al-Bāqir
China Mausoleum des ersten Kaisers von China, Qin Shihuangdi, in Xi’an mit seiner Terrakottaarmee (UNESCO-Weltkulturerbe) Mausoleum von Mao Zedong in Peking Sun-Yat-sen-Mausoleum in Nanjing Mausoleum von Dschingis Khan in Ordos
Taiwan Mausoleum von Chiang Kai-shek und Chiang Ching-kuo in Daxi, Taoyuan Nationale Chiang-Kai-shek-Gedächtnishalle in Taipei
Indien Humayun-Mausoleum in Delhi (UNESCO-Weltkulturerbe) Akbar-Mausoleum in Sikandra Itimad-ud-Daula-Mausoleum in Agra Taj Mahal (UNESCO-Weltkulturerbe) in Agra Bibi-Ka-Maqbara in Aurangabad Safdarjung-Mausoleum in Delhi Gol Gumbaz, Mausoleum des Sultans Mohammed Adil Schah, in Bijapur (Vijayapura) Dargah Nizamuddin, Grab des Gründers des Chisti Nizami-Ordens in Delhi Laila Majnu Ki Mazar, bei Anupgarh, Rajasthan. Lokale Legenden erzählen, dass Laila und Majnun dort starben. Mausoleum von Fakhruddin Shaheed in Galiakot, Rajasthan
Irak Imam-Husain-Schrein in Kerbela Sardāb von Kalif al-Mahdi (≈ 775–785) in Samarra. Der goldene Dom wurde von Nāser ad-Din Schāh gestiftet und 1905 vollendet von Mozaffar ad-Din Schah.M. Th Houtsma: First Encyclopaedia of Islam: 1913-1936. BRILL, 1993, ISBN 978-90-04-09796-4, S. 488. Das eigentliche Grab liegt in der Al-Askari Moschee und ist einer der wichtigsten Schreine der Schia. Die Moschee wurde im Februar 2006 schwer beschädigt.Rabasa, Chalk, Cragin 2006: 51.
Iran Mausoleum von Fariduddin Attar in Nischapur Mausoleum für den König Kabus in der Provinz Golestan Charaghan-Zwillingsgrabtürme, in der Provinz Qazvin Grabmal der Poeten, in der Provinz Täbris Imam-Reza-Schrein, in Maschhad, Razavi-Chorasan zieht jedes Jahr 11 Millionen Gläubige an Schrein der Prinzessin Shahrbanu, südlich von Teheran, ist ausschließlich für Frauen offen. Shahrbanu war Tochter von Yazdegerd III., dem letzten Sassanidenherrscher. Sie heiratete Imam al-Husain ibn ʿAlī und ist die Mutter des vierten Imam, Ali ibn al-Husayn.Vali Nasr: The Shia Revival: How Conflicts within Islam Will Shape the Future. W. W. Norton & Company, 2007, ISBN 978-0-393-06640-1, S. 63. Mausoleum für Avicenna in HamadanB. Tayefeh-Mahmoudi: Der persische Arzt und Philosoph Avicenna (Ibn Sina). Medizinische Dissertation Düsseldorf 1964, S. 70–79.
Pakistan Mazar-E-Quaid für den Staatsgründer Mohammed Ali Jinnah in Karachi/Pakistan Schrein von Abdol-Ghazi Sahab in Karatschi, ein Verwandter von Dschaʿfar as-Sādiq, dem sechsten Imam. Er war vor den Abbasiden in Baghdad nach Sindh geflohen.Vali Nasr: The Shia Revival: How Conflicts within Islam Will Shape the Future. W. W. Norton & Company, 2007, ISBN 978-0-393-06640-1, S. 58. Einer der wenigen Schreine die zugleich von Schias und Sunnis verehrt werden. Jahangir-Mausoleum bei Lahore / Pakistan Bibi Pak Daman, der Schrein gilt als Grabstätte von sechs Damen aus dem Hause des Propheten. Der Sufi-Meister Hudschwīrī meditierte dort einige Zeit.Vali Nasr: The Shia Revival: How Conflicts within Islam Will Shape the Future. W. W. Norton & Company, 2007, ISBN 978-0-393-06640-1, S. 58–59.