mini|Wahrzeichen Insterburgs Die Lutherkirche (auch: Stadtkirche) in der ostpreußischen Stadt Insterburg (heute russisch: Tschernjachowsk) war ein chorloser verputzter Backsteinbau am ehemaligen Alten Markt. Sie wurde in den Jahren von 1610 bis 1612 errichtet. Bis 1945 war sie – ab 1911 neben der Melanchthonkirche – evangelisches Gotteshaus in der Dreiflüssestadt. Sie wurde 1972 gesprengt und ihre Mauerreste danach abgetragen. An sie erinnern noch einige Kellergewölbe und eine Arkadenwand an der Freitreppe, die zum Fluss hinabführt.Lutherkirche bei ostpreussen.net
Kirchengebäude Die Insterburger LutherkircheWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band II: Bilder ostpreußischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 102. wurde in den Jahren 1610 bis 1612 anstelle einer bereits 1537 erwähnten älteren Kirche erbaut. Es handelte sich bei ihr um einen chorlosen verputzten Backsteinbau mit vorgesetztem, im Oberbau später veränderten Westturm. mini|Der Kircheninnenraum Den Kircheninnenraum, der durch Stützpfeiler unterteilt war, überzog eine flache Decke. Diese war wie auch die Emporenbrüstungen in den Jahren zwischen 1644 und 1653 ausgemalt worden. Dabei wies die Decke biblische Motive zu den Themen Schöpfung, Sünde, Erlösung und Heiligung auf – nach niederländischen Vorlagen dargestellt durch die Maler Zeigermann und Menio. Die Emporen zeigten Köpfe der Apostel, Heiligen, Herrscher und verdienter Männer. Die Kanzel bemalte Philipp Westpahl, kurfürstlicher Maler aus Königsberg.
Der Altar der Kirche war zwischen 1622 und 1634 gefertigt worden und zeigte im Mittelbild eine Darstellung der Kreuzigung Christi, im Oberteil seine Grablegung. Von demselben Meister stammte auch die reich verzierte Kanzel. Teile des Altars befinden sich – jetzt neu zusammengesetzt – in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Morąg (Mohrungen) in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Anstelle einer alten Orgel von Johann Zickermann 1589 wurde 1764 vom Königsberger Orgelbauer Johann Preuß ein neues Werk erstellt. 1898 hat die Orgelbauwerkstatt Wilhelm Sauer in Frankfurt (Oder) ein neues Orgelwerk in das alte Gehäuse gesetzt. Schon 1912 wurde das Orgelwerk umgebaut von Sauer. Ein weiterer Umbau erfolgte 1935 durch die Firma E. Kemper & Sohn.Werner Renkewitz, Jan Janca, Hermann Fischer: Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen von 1333 bis 1944. Band II, 2. Von Johann Preuß bis E. Kemper & Sohn, Lübeck/Bartenstein. Siebenquart, Köln 2015. S. 51–60.
Im Turm der Kirche, dessen Helm 1912 in der ursprünglichen barocken Form wiederhergestellt wurde, befanden sich drei Glocken. Eine von ihnen, die 1942 für Rüstungszwecke eingezogen wurde, fand sich nach Kriegsende auf dem Glockenfriedhof wieder. Sie läutet seit 1952 in der St.-Nicolai-Kirche Hannover-Bothfeld.
Noch in den 1930er Jahren wurde die Lutherkirche einer grundlegenden Renovierung unterzogen. Beim Kriegsgeschehen 1945 wurde das Gotteshaus beschädigt. Im Jahre 1972 wurde sie gesprengt und der Standort eingeebnet.
Kirchengemeinde Bereits in vorreformatorischer Zeit bestand in Insterburg eine Kirchengemeinde.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band III: Dokumente. Göttingen 1968, S. 481. Die Reformation fand hier bereits früh Eingang, denn schon 1525 war hier ein lutherischer Geistlicher im Amt. Anfangs gehörte Insterburg zum Bistum Samland, später wurde es Sitz einer eigenen Inspektion, zu der auch die Lutherkirchengemeinde gehörte. Der Kirchenkreis war dann bis 1945 Teil der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. In den Jahren 1909 bis 1911 wurde als Filialkirche die Melanchthonkirche errichtet als zweites Gotteshaus der 1925 bereits 42.000 Gemeindeglieder zählenden Pfarrei mit weitflächigem Kirchspiel. In ihr waren zuletzt vier Geistliche tätig, unterstützt von einem speziellen Pfarrer an der Strafanstalt.
Neben der lutherisch geprägten Gemeinde hatte sich seit 1701 – von Glaubensflüchtlingen aus der Schweiz und aus Frankreich initiiert – in Insterburg eine Gemeinde der Reformierten Kirche gebildet,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band III (wie oben), S. 508. deren zwischen 1886 und 1890 errichtetes Gotteshaus als Garnisonskirche genutzt wurde. Sie gehörte ebenfalls zur Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union, allerdings in einem gesonderten reformierten Kirchenkreis.
Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung sowie der restriktiven Kirchenpolitik der Sowjetunion brach das kirchliche Leben in Insterburg fast bis auf den Nullpunkt ein. Erst in den 1990er Jahren entstand eine neue evangelisch-lutherische Gemeinde, die Pfarrsitz einer weitflächigen Kirchenregion ist und zur Propstei KaliningradEvangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland gehört.
Kirchspiel Zum Kirchspiel der Lutherkirche gehörte das gesamte Stadtgebiet Insterburg, außerdem waren 44 Ortschaften bzw. Wohnplätze der Umgebung in das Kirchspiel Insterburg-Land eingebunden (* = Schulorte): Deutscher Name Russischer Name Deutscher Name Russischer Name Abschruten,1938–1946: Lindenwalde Lenkeningken,1938–1946: Georgenhorst Alt Kamswicken,1938–1946: Kamswiken Louisenthal Nachimowo *Althof Kunskoje Nausseden Birkenfeld Krasnowka Neu Kamswicken *Friedrichshof Neu Stobingen,1939–1946: Stobingen Gussewka Dwarischken,1928–1946: Eichenberg Lesnoje Neue Welt Eichwald Petrosawodskoje *Neuendorf Sagorodnoje Erdmannsruh Pakalehnen,1938–1946: Schweizersdorf Lenskoje *Gaitzuhnen Nowaja Derewnja Pieragienen *Groß Siegmuntinnen,1928–1946: Siegmundsfelde Baikal Powehlischken,1938–1946: Hoffnungsglück Groß Stobingen,1939–1946: Stobingen Gussewka Sandeshöfchen Irrmuntinnen Nachimowo Siegmanten Jessen Solowjowo Siegmundshof,1928–1946: Siegmundsfelde Baikal Karalene,1938–1946: Luisenberg Seljony Bor Siemonischken,1938–1946: Siegmanten Makowo Klein Bubainen Szameitkehmen,1936–1938: Schameitkehmen1938–1946: Walkenau Schosseinoje Klein Siegmuntinnen,1928–1946: Siegmundsfelde Baikal *Tammowischken,1938–1946: Tammau Timofejewka Klein Stobingen,1939–1946: Stobingen Gussewka *Tarpupöhnen,1928–1946: Bergfriede Kosacken Kosakowo *Tarpupp,1938–1946: Angermoor Kraupischkehmen,1938–1946: Erdmannsruh Saliwnoje Trakinnen,1938–1946: Tannenschlucht Krusinn Uranienhof Kummetschen Wengerin *Lenkeitschen,1938–1946: Angerbrück Aistowo Zaupern
Pfarrer Von der Zeit der Reformation bis zum Kriegsende 1945 amtierten an der Stadtkirche in Insterburg als evangelische Geistliche die Pfarrer:Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 56–57. rechts|mini|Preuß-Orgel von 1764 in der Insterburger Lutherkirche mini|Lutherkirche Insterburg Einsegnungsurkunde 1935 J. Tortilovitz von Batocki, 1525–1537 Ulrich Bingelstedt, 1537–1575 Peter Artopäus, ab 1568 Johann Sperber, 1575–1594 Johann Höpner, 1581/1590 Leonhard Antonick, 1593–1610 Georg Rasch, ab 1595 Thimoteus Fabricius, 1608–1617 Christoph von Stein, 1610–1625 Peter Nicolai, 1617–1640 Valentin Feuerstock, 1626–1653 Matthias Sethus, 1640–1654 Abraham Hafner, 1653–1687 Johann Pedanus, 1654–1657 Sebastian Möller, 1657–1674 Melchior Becker, 1674–1694 Friedrich Portatius, der Sohn von Ännchen von Tharau, 1675–1687 Heinrich Pusch, 1688–1694 Johann Friedrich Fock, 1694–1729 Georg Funck, 1694–1695 Christ. Gottfr. Tilesius, 1695–1699 Joh. Matthäus Grünmüller, 1699–1706 Jacob Perkuhn, 1707–1711 Johann Behrendt, 1711–1737 Adam Heinrich Pilgrim, 1727–1757 Benedict Friedrich Hahn, 1737–1767 Jacob Heinrich Gartz, 1757–1762 Friedrich Sperling, 1762–1802 Samuel Müller, 1768–1792 August Friedrich Heydemann, 1792–1842 Karl Gottlieb Bauer, 1803–1810 Karl Albrecht Sperling, 1803–1818 Andreas Friedrich Zippel, 1818–1831 Karl Friedrich Wilhelm Geßner, 1832–1847 Casimir Iwan Weber, 1842–1882 Louis Kalau vom Hofe, 1847–1850 Samuel Louis Porsch, 1850–1873Angehöriger des Corps Littuania Friedrich Oskar Meder, 1873–1876 Eduard O. David Em. Köhler, 1877–1892 Franz Carl Hermann Pötz, 1883–1890 Emanuel Carl Fr. Eschenbach, 1891–1901 Louis Adolf Emil Sternberg, 1893–1901 Otto Friedrich J. Kolbe, 1893–1907 Hans K. H. Leidreiter, 1901–1926 Gustav Fedtke, ab 1907 Friedrich Johann Rathke, 1907–1935 Ernst Hecht, 1921–1931 Hermann Federmann, 1926–1938 Emil Nitz, 1929–1945 Kurt Schalaster, 1935–1945 Gerhard Bolz, 1937–1945 Ernst Johann Füg, 1940–1945
Literatur Gustav Fedtke: Die Lutherkirche zu Insterburg, Ostpr. – Ein Führer. Insterburg 1940.
Einzelnachweise
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