Ein Schibboleth (betont Schibbóleth oder Schíbboleth; Plural Schibboleths oder Schibbolethe, hergeleitet aus der Bibel) ist eine sprachliche Besonderheit, durch die sich ein Sprecher einer sozialen Gruppe oder einer Region zuordnen lässt. Die Besonderheiten leiten sich vom Dialekt oder Akzent des Sprechers her. Festgestellt werden soll oft, ob jemand diese Besonderheit beherrscht. Falls nicht, bedeutet das, dass er nicht zu der Gruppe oder Region gehört.
Damit sind Schibboleths Wörter oder Wortgruppen, an deren verschiedener Aussprache die Zugehörigkeit des Sprechers zu erkennen ist und die somit zu einem sozialen Code werden.
Auch festgelegte Kennworte werden als Schibboleth bezeichnet.
Zu unterscheiden sind Schibboleths von Zungenbrechern, die selbst für Muttersprachler schwer auszusprechen sind.
Bibel
Schibboleth (, punktiert , Plural schibbolimLangenscheidts Taschenwörterbuch Hebräisch, ISBN 3-468-10160-0, verzeichnet zwei feminine Wörter , eines (mit den Bedeutungen ‚Ähre‘ und ‚Schibboleth‘) hat den Plural (z. B. ), das andere (mit der Bedeutung ‚Wasserwirbel‘) hat den Plural .) ist ein hebräisches Wort und bedeutet wörtlich ‚Strömung‘, ‚Strom‘ oder ‚Flut‘, wird aber in der Bedeutung von ‚Kennwort‘ oder ‚Codewort‘ verwendet. Im jüdischen Tanach (dem christlichen Alten Testament) heißt es im Buch der Richter :
Beispiele Bei der „Jagd auf die Franzosen“ () während der Sizilianischen Vesper 1282 sollen einer Legende zufolge viele Franzosen versucht haben, sich als Italiener auszugeben, und durch ein Schibboleth enttarnt worden sein. Man hielt ihnen eine Handvoll Kichererbsen hin mit Aufforderung, zu sagen, was das sei. Wer das ci in dem sizilianischen Wort ciceri auf französische Weise (also als scisceri) aussprach, galt als Franzose und wurde umgebracht.Samuele Schirò: Quando un pugno di ceci fece la storia della Sicilia (deutsch: Als eine Handvoll Kichererbsen sizilianische Geschichte machte). Auch Leonardo Sciascia erwähnt diese Erzählung in Occhio di Capra, S. 147, Milano 1995, ISBN 88-459-0768-6.
Die flämischen Bürger sollen bei der Brügger Frühmette 1302 einen Schibboleth-Sprachtest durchgeführt haben, um die eigenen Leute von den Feinden zu sondern: Jeder wurde aufgefordert, die Worte schild en vriend (Schild und Freund) nachzusprechen; alle, denen dies nicht fehlerfrei gelang, galten als Franzosen und wurden getötet. Diese Episode wirkt bis heute fort: Eine 2017 gegründete rechtsextreme flämische Gruppierung hat sich danach „Schild & Vrienden“ benannt.
Im Oktober 1937 fielen zehntausende Haitianer und Dominikaner haitianischer Herkunft dem Petersilienmassaker zum Opfer. Ein nicht richtig gerolltes "R" entschied hierbei über Leben und Tod.
Verschiedene Sondervokabeln wie Pfinztag (für Donnerstag) oder tengg (für links) gelten als Schibboleth-Wörter des Bairischen.Lars Bülow: Bairisch. In: Helmut Glück, Michael Rödel (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 6. Auflage, J. B. Metzler, Heidelberg/Berlin 2024, ISBN 978-3-476-05984-0, S. 76. Das Wort Chuchichäschtli ist ein bekanntes schweizerdeutsches Schibboleth, da Personen, die des Hochalemannischen nicht mächtig sind, etwa das am Wortanfang nicht aussprechen können.
Literatur Till Dembeck: Schibboleth/Sibboleth: Phonographie und kulturelle Kommunikation um 1900. In: LiLi. Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik. Jg. 36, Nr. 142 (2006), , S. 43–68, doi:10.1007/BF03379532.
Weblinks
Migration und Mehrsprachigkeit. In: uni-dortmund.de
Einzelnachweise
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