120px|alt=|FC Bayern München 120px|alt=|FC Chelsea
Das UEFA-Champions-League-Finale 2012 war die Endspiel-Begegnung der UEFA Champions League 2011/12, die zwischen dem FC Bayern München und dem FC Chelsea aus London am 19. Mai 2012 in der Münchner Allianz Arena ausgetragen wurde. Nach dem Ende der regulären Spielzeit stand es 1:1, in der Verlängerung fielen keine Tore mehr, so dass die Entscheidung durch Elfmeterschießen herbeigeführt werden musste. Hierbei bezwang der FC Chelsea Bayern München mit 4:3 und errang damit seinen ersten Champions-League-Titel. Das Spiel, welches von Seiten des FC Bayern München auch als „Finale dahoam“ (bairisch für „Finale zu Hause“) und im Nachhinein auch hämisch als "Fiasko dahoam" tituliert wurde, ging wegen der unglücklichen Niederlage für die Bayern auch als „Drama dahoam“ in die Geschichte ein.
Die Allianz Arena diente erstmals als Austragungsort des Champions-League-Endspiels. In München wurde zum vierten Mal das Endspiel des höchsten europäischen Fußballwettbewerbs ausgetragen, wobei die vorherigen Spiele im Olympiastadion stattfanden. Zum ersten Mal seit 1984 trug mit dem FC Bayern ein Verein das Fußballfinale des höchsten europäischen Vereinswettbewerbs im eigenen Stadion aus. Ein Sieg vor heimischer Kulisse ist in der Geschichte des Wettbewerbs bis heute lediglich Real Madrid 1956/57 und Inter Mailand 1964/65 gelungen. Das Ereignis wurde von 62.500 Zuschauern in der Allianz Arena und von circa 300 Millionen Menschen weltweit im Fernsehen live verfolgt. Das übertrug Sky Deutschland.
Austragungsort mini|Die Allianz Arena in der Beleuchtung zum Champions-League-Finale 2012
Im Januar 2009 gab das Exekutivkomitee der UEFA in Nyon die Allianz Arena in München als Austragungsort des Endspiels der Champions-League-Saison 2011/12 bekannt. Wie bei allen internationalen Spielen wurde auch bei diesem Finale das Stadion seitens der UEFA als Fußball Arena München bezeichnet, da der Verband als Mieter und Veranstalter und die Allianz keine Werbepartner waren.
Mit dem Vorgängerwettbewerb Europapokal der Landesmeister wurde das Champions-League-Finale nach 1979, 1993, sowie 1997 insgesamt zum vierten Mal in der bayerischen Landeshauptstadt ausgetragen, wobei die vorherigen Spiele im Olympiastadion stattfanden. Dort wurde zwei Tage vor dem Männer-Finale, am 17. Mai 2012 auch das Endspiel der Women’s Champions League ausgetragen, das Olympique Lyon mit 2:0 gegen den 1. FFC Frankfurt gewann.
Der Münchner Stadtrat und die UEFA einigten sich, dass sich München bei Organisationskosten von rund 1,3 Million Euro an 76,9 % der Kosten beteiligen wird, sodass die UEFA lediglich 300.000 Euro Ausgaben hatte. Weitere 300.000 Euro mussten später zusätzlich für Sicherheitsmaßnahmen von der Stadt München investiert werden.
Für das Spiel wurden 62.500 Karten verkauft, wovon pro Mannschaft 17.500 Tickets an die eigenen Fans verkauft wurden. 7.000 weitere Karten wurden von der UEFA selbst an neutrale Fans verkauft. Paul Breitner wurde von der UEFA zum Spielbotschafter ernannt. Nachdem sich der FC Bayern als Mannschaft für das Champions-League-Endspiel qualifiziert hatte, wurde vereinzelt Kritik am Vergabesystem laut, da sich ein Heimvorteil zu Gunsten einer Mannschaft ergab.
Mannschaftssituation FC Bayern: Das „Finale dahoam“ mini|links|hochkant|Jupp Heynckes trainierte den FC Bayern
Uli Hoeneß, Vereinspräsident des FC Bayern, kündigte bereits zur Jahreshauptversammlung im November 2010 an, am Champions-League-Finale 2012 unbedingt teilnehmen zu wollen, da dieses im heimischen Stadion stattfinden würde. In der Vorsaison hatten die Münchner das Finale gegen Inter Mailand mit 0:2 verloren. In der Folgesaison scheiterte der FC Bayern bereits im Achtelfinale erneut an demselben Gegner.
In der Saison 2011/12 qualifizierte sich der FC Bayern über die Play-off-Spiele gegen den FC Zürich für die Champions League, nachdem der Verein in der Vorsaison in der Bundesliga hinter Borussia Dortmund und Bayer 04 Leverkusen den dritten Tabellenplatz erzielt hatte. Vor dem ersten Spiel der Saison wurde Jupp Heynckes neuer Trainer der Mannschaft. In der Gruppe A setzte sich seine Mannschaft gegen den SSC Neapel, Manchester City sowie den FC Villarreal souverän durch. Das Achtelfinalhinspiel beim FC Basel wurde mit 0:1 verloren. Allerdings gewann der FC Bayern das Rückspiel mit 7:0. Im Viertelfinale siegte die Mannschaft in beiden Spielen jeweils mit 2:0 gegen Olympique Marseille und traf im Halbfinale auf Real Madrid. Diese Spiele mündeten nach einem 2:1-Sieg in München und einer 1:2-Niederlage im Madrider Stadion Santiago Bernabéu im Elfmeterschießen, das der FC Bayern mit 3:1 gewann.
Aufgrund von Gelbsperren musste der FC Bayern mit David Alaba, Holger Badstuber und Luiz Gustavo mehrere Defensivspieler im Finale ersetzen.
Bayern beendete die Meisterschaft auf Platz zwei und verlor in der Woche vor dem Champions-League-Endspiel das Pokalfinale mit 2:5. Beide Titel gingen an Borussia Dortmund. Im Vorfeld sagte Mannschaftskapitän Philipp Lahm: „Eine Saison ohne Titel ist bei Bayern eine verlorene Saison, auch wenn man in zwei Endspielen und Zweiter in der Meisterschaft war.“
FC Chelsea: Die „alte Garde“ mini|hochkant|Roberto Di Matteo trainierte den FC Chelsea
Der FC Chelsea hatte vor diesem Spiel noch nie den wichtigsten europäischen Wettbewerb gewonnen. Die Mannschaft, die wegen der gealterten Spieler inzwischen auch als die „alte Garde“ bezeichnet wurde, kam 2004, 2005, 2007, 2008 und 2009 stets ins Halbfinale der Champions League, wobei das Team 2008 den Finaleinzug erreichte, dort jedoch im Elfmeterschießen am Ligakonkurrenten Manchester United scheiterte. 2009 wurde das Halbfinalspiel gegen den FC Barcelona durch umstrittene Entscheidungen des Schiedsrichters geprägt.
Der FC Chelsea gab vor der Saison die Verpflichtung des Trainers André Villas-Boas bekannt, der Carlo Ancelotti ersetzte. Er wurde jedoch am 4. März 2012 entlassen, nachdem seine Mannschaft aus den letzten 16 Spielen nur fünf Siege errungen hatte, in der Meisterschaft 20 Punkte Rückstand auf den Erstplatzierten Manchester City hatte und in der Champions League nach einer 1:3-Niederlage im Achtelfinalhinspiel gegen den SSC Neapel vom Ausscheiden bedroht war. Villas-Boas wurde interimsweise durch seinen Assistenztrainer Roberto Di Matteo ersetzt.
Als Zweitplatzierter der Premier-League-Saison 2010/11 hatte sich der FC Chelsea direkt für die Champions-League qualifiziert. Dort wurde die Mannschaft Gruppenerster vor Bayer 04 Leverkusen, dem FC Valencia und dem KRC Genk, nachdem sie alle Heimspiele gewonnen, auswärts zweimal unentschieden gespielt hatte und Bayer 04 Leverkusen mit 1:2 unterlegen war. Im Achtelfinale gewann der FC Chelsea gegen den SSC Neapel nach einer 1:3-Niederlage im Hinspiel das Rückspiel mit dem neuen Trainer mit 4:1 nach Verlängerung. Im Viertelfinale setzten sich die Londoner gegen Benfica Lissabon mit 1:0 im Hinspiel durch und besiegten den Gegner auch im Rückspiel mit 2:1. Das Halbfinale wurde gegen den Vorjahressieger der Champions League, den FC Barcelona, ausgetragen. Vielfach wurde an das kontroverse letzte Aufeinandertreffen 2009 erinnert, als Chelsea den Finaleinzug kurz vor Schluss verpasst hatte. Der FC Chelsea gewann das Heimspiel an der Stamford Bridge mit einem Treffer nach der einzigen Torchance 1:0 und ging dennoch eher als Außenseiter in das Rückspiel. In Barcelona konnte die Mannschaft sich nach 0:2-Rückstand trotz eines Platzverweises und zahlreicher Torchancen des Gegners, darunter ein Strafstoß, mit einer defensiv orientierten Taktik ein 2:2 erkämpfen.
In der Premier League 2011/12 wurde der Verein mit 64 Punkten lediglich Sechstplatzierter und erreichte damit die schlechteste Tabellenplatzierung seit dem Vereinsaufkauf des Investors Roman Abramowitsch im Jahr 2003. Einzige Möglichkeit, sich für die nächste Saison der Champions League zu qualifizieren, war der Gewinn des Champions-League-Titels. Zwei Wochen vor dem Münchner Endspiel setzte sich der Verein im FA-Cup-Finale 2012 gegen den FC Liverpool mit 2:1 durch.
Beim FC Chelsea fielen der Verteidiger Branislav Ivanović und die Offensivspieler Raúl Meireles und Ramires, der gegen Barcelona ein Tor vorbereitet und eines erzielt hatte, durch Gelbsperren sowie der Mannschaftskapitän John Terry, der im vorangegangenen Champions-League-Spiel gegen den FC Barcelona des Platzes verwiesen wurde, rotgesperrt aus.
Spielverlauf + Statistischer Vergleich FC Bayern FC Chelsea 1 Tore 1 35 Schüsse 9 7 Schüsse aufs Tor 3 14 Fouls 26 1 Elfmeter 0 1 Gelbe Karten 4 0 Rote Karten 0 20 Ecken 1 1 Abseits 2 2 Auswechslungen 2 56 Ballbesitz in % 44
Durch ein 1:1-Unentschieden nach der regulären Spielzeit von 90 Minuten ging das Spiel in die Verlängerung. Nachdem dort keine Tore gefallen waren, gewann der FC Chelsea das Elfmeterschießen.
Erste Halbzeit Der FC Bayern dominierte das Spiel von Beginn an und hatte zahlreiche Torchancen. Einen Schuss von Bastian Schweinsteiger in der fünften Minute aus 18 Metern Entfernung konnte Gary Cahill zur Ecke klären. Aus gleicher Distanz schoss daraufhin Toni Kroos links am Tor vorbei. In der 21. Minute lenkte Chelsea-Torwart Petr Čech einen Schuss von Arjen Robben aus acht Metern an den Pfosten. In den ersten 24 Minuten hatte der FC Bayern 64 % Ballbesitz, ein Eckenverhältnis von 7:0 und ein Torschussverhältnis von 6:0.
In der 34. Spielminute verbuchte der FC Chelsea durch Juan Mata den ersten Torschuss. Nachdem Thomas Müller zwei Minuten später mit einem Volleyschuss das Tor des FC Chelsea verfehlt hatte, musste wenige Augenblicke danach bei einem 18-Meter-Schuss von Salomon Kalou erstmals Torhüter Manuel Neuer eingreifen.
Mario Gómez vergab kurz vor der Halbzeit zwei Torchancen: Er verdribbelte in der 39. Spielminute den Ball im gegnerischen Strafraum und schoss in der 42. Spielminute über das Tor.
Zweite Halbzeit mini|hochkant|Didier Drogba, Man of the Match, erzielte den Ausgleich
Die zweite Halbzeit begann ähnlich wie die vorhergegangene mit Dominanz des FC Bayern. Dabei erzielte Ribéry zwar in der 54. Spielminute ein Tor, Schiedsrichter Pedro Proença sah den Spieler jedoch im Abseits. Bis zur 70. Minute hatte der FC Bayern bereits 26 Torschüsse absolviert (was einen Rekord für ein Champions-League-Finale darstellt), aber kein Tor geschossen. In der 83. Spielminute gelang Thomas Müller mit einem Kopfballaufsetzer das 1:0, nachdem Toni Kroos vom linken Strafraumeck zu seinem Mitspieler geflankt hatte. Wenig später wurde der Torschütze wegen Krämpfen von Daniel Van Buyten ersetzt. In der 88. Minute erzielte Didier Drogba nach einem von Juan Mata hereingebrachten Eckstoß das 1:1 mit dem Kopf vom kurzen Pfosten. Manuel Neuer kam mit der Hand noch an den Ball, konnte ihn aber nicht abwehren.
Insgesamt gab es bis Ende der zweiten Halbzeit 27:7 Schüsse und ein Eckenverhältnis von 17:1 zugunsten des FC Bayern.
Verlängerung In der dritten Minute der Verlängerung wurde Franck Ribéry im Strafraum des FC Chelsea von Drogba gefoult. Den Elfmeter trat Arjen Robben, der einige Wochen zuvor in der Bundesliga bei einem entscheidenden Strafstoß an dem Dortmunder Torwart Roman Weidenfeller gescheitert war. Čech konnte ebenfalls parieren. Ribéry wurde in der 97. Minute verletzt ausgewechselt.
Auch nach dem Seitenwechsel der Verlängerung dominierte der FC Bayern das Spiel, blieb aber torlos. So endete die Partie nach Verlängerung mit 1:1. Damit blieben alle Verlängerungen von Champions-League-Endspielen bis zu diesem Zeitpunkt torlos.
Elfmeterschießen mini|links|Philipp Lahm schoss den ersten Elfmeter