Die Innenstadt ist ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Schweinfurt. Sie wird für amtlich-statistische Zwecke als Bezirk 12 Innenstadt-West und Bezirk 13 Innenstadt-Nord geführt. Die Zuordnung der Altstadt (Bezirk 11) bleibt unklar. Da sie völlig anders strukturiert ist als die statistischen Bezirke 12 und 13, wird sie in einem eigenen Artikel behandelt.
Der Bezirk 12 hat mit einer Ausländerquote von 40,4 % einen deutschen Spitzenwert (z. Vgl.: Berliner Bezirk Neukölln 27,6 %; alle Werte vom 31. Dezember 2022). Bei diesen Werten sind Doppelstaatler mit deutschem und ausländischem Pass und Deutsche mit Migrationshintergrund nicht eingerechnet. Die Innenstadt ist sowohl mit als auch ohne Hinzurechnung der Altstadt der am zweitdichtesten besiedelte Stadtteil Unterfrankens (nach der Sanderau in Würzburg).
Lage und Begrifflichkeit Die Innenstadt wird im Süden vom Main, im Westen durch die Friedrich-, Georg-Schäfer-, Moritz-Fischer- und Nikolaus-Hofmann-Straße, im Norden durch die Friedhofstraße und im Osten durch den Marienbach begrenzt.
In neuerer Zeit werden zur Innenstadt, insbesondere im Immobilienmarkt, nur die Bezirke 12 und 13 gezählt, da der Bezirk 11 Altstadt baulich völlig anders strukturiert ist. Die Innenstadt in diesem engeren Sinn wird im Osten durch die teilweise noch erhaltene Stadtmauer und die Wallanlagen begrenzt.
Im Süden der Innenstadt liegt der DB-Haltepunkt Schweinfurt Mitte.
mini|hochkant=1.8|links|Lage der Innenstadt am Maintal
Sozialstruktur Status31. Dez. 2022Melderegisterbasierte Bevölkerung Innenstadt-WestStatistischer Bezirk 12 GesamtgebietSchweinfurt Deutsche 59,6 % 77,4 % Ausländer 40,4 % 22,6 % Anteil Doppelstaatleran der deutschen Bevölkerung 14,3 % 17,1 %
Status31. Dez. 2022Melderegisterbasierte Bevölkerung Innenstadt-NordStatistischer Bezirk 13 GesamtgebietSchweinfurt Deutsche 67,6 % 77,4 % Ausländer 32,4 % 22,6 % Anteil Doppelstaatleran der deutschen Bevölkerung 13,9 % 17,1 %
Die Innenstadt war bis in die Nachkriegsjahrzehnte vorwiegend ein Arbeiterviertel. Seit den 1960er Jahren zogen Gastarbeiter zu, insbesondere aus der Türkei,Jugendhilfeplan der Stadt Schweinfurt, Bezirke 22 und 31 später aus vielen anderen Ländern, weshalb die Innenstadt einen hohen Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund besitzt. In der Friedrich-Rückert-Grundschule, in der Innenstadt-West, haben 90 % der Kinder Migrationshintergrund.
In neuerer Zeit nahm die Einwohnerzahl vorwiegend durch den Zuzug von Migranten deutlich zu, wodurch sich die Ausländerquote, insbesondere in der Innenstadt-West, weiter erhöhte. Die Einwohnerzahl stieg in der gesamten Innenstadt (einschließlich Altstadt, Bezirke 11–13) von 2015 bis 2022 um 12,1 % von 10.814 auf 12.122 Einwohner. Andererseits kam es in einigen Bereichen der Innenstadt-West infolge neuer Wohnanlagen im gehobenen Segment zur Gentrifizierung. Wodurch hier der für das frühe 21. Jahrhundert typische soziale Mix großstädtisch geprägter Gründerzeitviertel entstand (siehe auch: Nachverdichtung und Gentrifizierung).
Innenstadt-West Statistischer Bezirk 12
Chaussee nach Werneck mini|Ehemalige Oberrealschule (Rundbogenstil, 1855).Heute Friedrich-Rückert-Grundschule
Südlich der späteren Ludwigsvorstadt entstand entlang des Mainufers, an der Chaussee nach Werneck (heutige Gunnar-Wester-Straße), die erste Bebauung Schweinfurts außerhalb der Stadtmauer. Noch vor dem Bau der Eisenbahn im Jahre 1854 vom Stadtbahnhof nach Würzburg wurden hier zunächst etwa zehn Bürgerhäuser errichtet. Der vorgründerzeitliche Häuserblock an der Ecke zum Schillerplatz ist weitgehend erhalten, mit den aus dieser Zeit typischen, kleinen Häusern in zweitklassiger Vorstadtlage, mit Lokalen in den Erdgeschossen.
1855 wurde an der Südseite der Chaussee die Oberrealschule (heute: Friedrich-Rückert-Grundschule) im Bayerischen Klassizismus (Rundbogenstil) fertiggestellt. An der Nordseite wurde 1862 das nicht mehr erhaltene Bezirksamt eröffnet.
Schillerplatz Geschichte mini|Katasterplan von 1868, noch ohne Ludwigsvorstadt. Spital (an Stelle des heutigen Justizpalastes) mit Garten (an Stelle des heutigen Schillerplatzes) und Stadttheater südlich des Gartens
Südlich des heutigen Schillerplatzes wurde 1850 das Versammlungshaus der Freien Christlichen Gemeinde eröffnet, das 1858/59 zum Stadttheater umgebaut wurde;Paul Ultsch: Damals in Schweinfurt, Bd. 2, S. 55 es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Heute befindet sich dort das Landratsamt.
Von 1845 bis 1902 befand sich an der heutigen Rüfferstraße das Spital der Hospitalstiftung Schweinfurt mit einem Garten (siehe Katasterplan). Auf diesem Areal wurde 1905 der heutige Justizpalast errichtet. Unmittelbar nach seiner Fertigstellung wurden zusammen mit seinen Außenanlagen die Rüfferstraße als Allee und der dreieckige Schillerplatz angelegt. Er erhielt seinen Namen am hundertsten Todestag Friedrich Schillers am 9. Mai 1905,Peter Hofmann: Schweinfurtführer/Schillerplatz in Anlehnung an das Theater.
Das Theater stand am Anfang des Geldersheimer Wegs, der das heute nicht mehr bestehende Spitaltor auf direktem Weg mit dem Vorort Geldersheim verband. Der Anfang der Wegtrasse ist noch sichtbar, als Diagonale des dreieckigen Schillerplatzes, der nach Abbruch des Spitals angelegt und wegen des Theaters so benannt wurde. Der Geldersheiner Weg besteht heute noch, unter gleichem Namen, 1,5 km westlich des Schillerplatzes als Rad- und Fußweg bis zur Stadtgrenze. Die Flur nordwestlich des Theaters hieß Am Geldersheimer Weg.
Gegenwart Der Stadtumbau-West wurde 2009 abgeschlossen (siehe: Umbau der Innenstadt-West). Am Schillerplatz wurde zunächst ein Unterirdisches Regenrückhaltebecken eingebaut. Danach wurde der dreieckige Platz in strenger Geometrie umgestaltet. Zu einem neuen Springbrunnen vor der neubarocken Fassade des Justizgebäudes wurden sternförmig verlaufende, metallene Bänder mit Worten von Friedrich Schiller im Pflaster verlegt.
Rüfferstraße mini|hochkant|Detail (Fahnenmast) am Justizgebäude
Die Rüfferstraße trennt die Ludwigsvorstadt von den einstigen Befestigungsanlagen und der teilweise noch erhaltenen Stadtmauer (siehe: Schweinfurter Stadtbefestigung und Ringanlagen, Westwall). Sie wurde im Zuge des Aufbaus der Ludwigsvorstadt als Ringstraße und Flaniermeile angelegt.
Die Straße wurde nach Balthasar Rüffer benannt. Er wurde 1585 zum Oberbürgermeister von Würzburg ernannt. In der Gegenreformation wollte er „sich nicht dem päpstlichen Tand und Irrtum unterwerfen“ und wurde, wie alle evangelischen Ratsherren, die den Übertritt zur katholischen Konfession ablehnten, aller seiner Ämter enthoben. Er emigrierte 1588 in die protestantische Reichsstadt Schweinfurt.
Ludwigsvorstadt (Westliches Gründerzeitviertel) Etymologie mini|hochkant|Ludwig I., König von Bayern 1825–1848. Namensgeber der Ludwigsvorstadt
Für die Ludwigsvorstadt war der bayerische König Ludwig I. namensgebend. Die Vorstadt wird heute Gründerzeitviertel oder auch Westliches Gründerzeitviertel genannt, um Verwechslungen mit einem weiteren Gründerzeitviertel zu vermeiden (siehe Innenstadt-Nord). In städtischen Statistiken wird sie Innenstadt–West und im Zuge des Stadtumbaus West wurde sie Weststadt genannt (siehe: Stadtumbau West 2009).
Während in Großstädten die historischen Namen der Vorstädte aus mehreren Gründen heute mehr denn je gepflegt werden (Hilfe für die Orientierung und Stadtgliederung, Förderung der Identität und des Zusammenhalts der Bewohner, Anreiz für Investoren) geriet der Name Ludwigsvorstadt bei der Stadt Schweinfurt in Vergessenheit.
Der Name der Vorstadt, wie auch die in ihr liegende Ludwigstraße und Luitpoldstraße, bezieht sich auf die Anlage des Quartiers zur Zeit, als die vormalige Reichsstadt Schweinfurt zum Königreich Bayern gehörte (siehe: Schweinfurt, Königreich Bayern). Die Ludwigsvorstadt in München liegt an ähnlicher Stelle, südwestlich der Altstadt, am Hauptbahnhof.
Geschichte Aufbau des Quartiers 1891 beschloss der Magistrat im Vorfeld der westlichen Stadtbefestigung die Ludwigsvorstadt anzulegen; aber erst 1897 gab es erste Bauherren. Am Eingang der Vorstadt entstand als eines der ersten Häuser an der Ecke Luitpold-/Rüfferstraße ein repräsentatives Wohnhaus des Malers Karl Fischer, das im letzten Krieg zerstört wurde (siehe: Rüfferstraße, mittleres Bild).
Zweiter Weltkrieg Im Zweiten Weltkrieg blieb das Schweinfurter Stadtgebiet außerhalb der Industrie, trotz 22 Bombenangriffen, infolge der starken Luftverteidigung der Stadt zu 60 % erhalten (siehe: Schweinfurt, Nationalsozialismus). Das Westliche Gründerzeitviertel wurde jedoch wegen der Nähe zur Großindustrie etwa zur Hälfte zerstört.
Beschreibung Das Quartier ist ein typisches Gründerzeitviertel und klassisches Westend. Es hat einen schachbrettförmigen Grundriss mit Blockrandbebauung, mit und ohne Vorgartenzone und die charakteristischen Eckkneipen. Die Bebauung erfolgte mit bis zu vier Geschossen und in einem im letzten Krieg zerstörten Block (Schrammstraße/Cramerstraße) mit fünfgeschossiger Bebauung im Stil Berliner Gründerzeitviertel. An der Luitpoldstraße und im südlichen Abschnitt der Friedenstraße entstanden repräsentative Wohnungen für das gehobene Bürgertum. Ansonsten wurden vorwiegend Wohnungen einfachen Standards für Beschäftigte der Industrie errichtet.
Neben dem Schillerplatz wurden auch im nordöstlichen Bereich der Ludwigsvorstadt mehrere öffentliche Gebäude errichtet:
mini|Friedenschule (früher: Ludwigschule; reduzierter Historismus, 1908) von Paul Bonatz
Friedenschule Ludwigschule (1908) heute in die Friedenschule integriert,vom Architekten des Stuttgarter Hauptbahnhofs Paul Bonatz Gustav-Adolf-Gedächtniskirche (1920er Jahre) Evangelische Gemeindehaus (1920er Jahre) im Krieg zerstört und wieder aufgebaut Krankenhaus St. Josef (1931) von der Kongregation der Schwestern des Erlösers,im Krieg teilweise zerstört und danach, in Teilen höher, wieder aufgebaut
Der Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg teilzerstörten Vorstadt erfolgte Anfang der 1950er Jahre rasch. Einige größere Baulücken nördlich der Luitpoldstraße blieben und wurden gewerblich genutzt. In den 1960er und 1970er Jahren führten die Gründerzeitviertel in Westdeutschland und Westberlin ein Schattendasein (in der DDR die gesamte Zeit) da sie als baulich wertlos betrachtet wurden. Und so kam es auch in Schweinfurt dort zu einem baulichen Stillstand, bis seit den 1980er Jahren in der Ludwigsvorstadt mehrere Großprojekte ausgeführt wurden (siehe auch: Umbau der Innenstadt-West).
Soziale Entwicklung Das Westliche Gründerzeitviertel ist, abgesehen von der seit langem nicht mehr bestehenden türkischen Kolonie von Fichtel & Sachs in Oberndorf, das älteste und traditionsreichste türkische Viertel der Stadt, mit einer Moschee, türkischen Geschäften, Lokalen und Vereinen. Die Ludwigsvorstadt ist ein typisches Kiez. Die Bürger türkischer Wurzeln leben hier schon in der dritten Generation, bei niedriger Arbeitslosigkeit und relativ gutem Einkommen, im Gegensatz zu zahlreichen anderen deutschen türkisch geprägten Vierteln, wie z. B. Berlin-Neukölln. Ein Grund hierfür ist, dass in Schweinfurt im Gegensatz zu vielen anderen Industrie- und Großstädten keine Deindustrialisierung stattfand. Deshalb entstand hier trotz einer rekordverdächtigen deutschen Ausländerquote von 40 % keine Parallelgesellschaft hoher Ausprägung.
In neuerer Zeit wurde das Quartier infolge von Flüchtlingen, vorwiegend aus dem Nahen- und Mittleren Osten, Wohnort von Neubürgern aus vielen weiteren Ländern und zu einem großstädtisch strukturierten Schmelztiegel im ansonsten weithin provinziellen Unterfranken.
Luitpoldstraße