Ujazd (deutsch: Moys) ist ein Stadtteil der Stadt Zgorzelec im Powiat Zgorzelecki in der Woiwodschaft Niederschlesien. Bis zur Eingemeindung 1929 zur Stadt Görlitz war Moys eine eigenständige Ortschaft, hatte aber schon einige Jahrzehnte vor der Eingemeindung durch eine starke wirtschaftliche Entwicklung und einen Straßenbahnanschluss einen vorstädtischen Charakter. Infolge des Zweiten Weltkrieges fielen die Oberlausitzer Gebiete östlich der Lausitzer Neiße und somit auch Moys an Polen. Auch unter der polnischen Verwaltung blieb das einstige Moys ein Stadtteil der ehemaligen Görlitzer Oststadt, die nach 1945 administrativ eine eigenständige polnische Stadt bildet.
Lage Der Stadtteil liegt südlich des Stadtzentrums von Zgorzelec am Rothwasser (Czerwona Woda), das in Moys in die Lausitzer Neiße mündet. Die Neiße bildet die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Polen und zu gleich die Westgrenze des Stadtteils. Im Norden wird der Stadtteil durch die Bahnlinie nach Lubań (Lauban) begrenzt. Im Osten bis im Süden schließen sich im Uhrzeigersinn folgende Ortschaften an: Jerzmanki (Hermsdorf), Tylice (Thielitz), Koźmin (Kosma) und Koźlice (Köslitz). Das einstige Posottendorf, Teil des späteren Posottendorf-Leschwitz (ab 1936: Weinhübel), im Südwesten von Moys existiert in seiner Form heute nicht mehr. Die Gemarkung heißt heute Lasowice und gehört zum Schulzenamt Koźlice.
Geschichte Eigenständige Ortschaft Moys Das Dorf Moys am rechten Ufer der Neiße wurde 1309 erstmals erwähnt. Um das Steueraufkommen zu erhöhen und das neugegründete Herzogtum Görlitz zu finanzieren, erwarb der Rat der Stadt Görlitz um 1380 das Dorf Moys von Albrecht von Griffstede, dem Erzieher des noch unmündigen Herzogs Johann. Moys war eines von 14 sogenannten Ratsdörfern der Stadt. Infolge des Oberlausitzer Pönfalls verlor die Stadt 1547 alle Ratsdörfer und somit auch Moys. Da sich im Oberlausitzer Adel jedoch keine Käufer für die einstigen Ratsdörfer fanden, wurde unter anderem Moys 1549 wieder an die Stadt zurückgegeben.
Während des Dreißigjährigen Krieges kam die Stadt in finanzielle Nöte, da sie die Zinsen für Darlehen nicht mehr bezahlen konnte. Daraufhin verkauft der Rat 1655 Moys für 11.270 Taler. mini|Winterfeldtdenkmal aus dem Jahr 1837 Etwa ein Jahrhundert später kam es am 7. September 1757 am Holzberg – später auch Jäckelsberg genannt – zur Schlacht von Moys im Siebenjährigen Krieg zwischen preußischem und habsburgischem Heer. Bei der Schlacht wurde der preußische General Hans Karl von Winterfeldt so schwer verwundet, dass er am Tag darauf auf dem Görlitzer Obermarkt verstarb. Ihm zu Ehren errichteten die Oberlausitzer Stände 1837 einen schlichten Granitwürfel am vermeintlichen Ort seiner tödlichen Verwundung – der Gabelung der Winterfeldt Straße (heute: Ulica Władysława Reymonta) und der Straße Am Jäckelsberg (heute: Ulica Widok). Die Inschrift lautete: „Hier fiel Winterfeldt am 7. September 1757“. Weitere 70 Jahre später wurde am 150. Todestag Winterfeldts unweit des anderen ein weiterer Gedenkstein mit der Inschrift „Winterfeldt fiel an dieser Stelle. 1907 G.M“ aufgestellt. mini|Bahnhofsansicht der Kohlfurter Seite, 1876 Um 1810 wurde das Gut Moys schließlich in die Güter Ober- und Nieder-Moys geteilt. Nach 1815 gehörte Moys zu dem Teil der Oberlausitz, den das Königreich Sachsen infolge des Wiener Kongresses an das Königreich Preußen abtreten musste. In der Mitte des 19. Jahrhunderts nahm Moys städtischen Charakter an. Ausschlaggebend war unter anderem die am 1. September 1847 aufgenommene Eisenbahnverbindung der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn (NME) von Kohlfurt nach Görlitz. Einen Haltepunkt erhielt der Ort jedoch erst 1865 mit der Eröffnung der Schlesischen Gebirgsbahn nach Lauban und Hirschberg im Riesengebirge, die in Moys von der Kohlfurter Bahn abzweigte. 1876 entstand das Bahnhofsgebäude in Fachwerkbauweise in Keillage.
Der in seiner jetzigen, barocken Form existierende Gutshof Nieder-Moys entstand 1730 unter dem Besitzer Daniel Friedrich Wilhelm Raschke, einem Mitglied des sächsischen Kriegsrates. Nachdem Raschke das Gut 1759 seinem Paten Salomon Friedrich Lingke vererbte, blieb es bis in das Jahr 1896 in Familienbesitz der Lingkes. Vor allem in der Zeit im Lingkschen Familienbesitz entstand westlich des Herrenhauses ein Park, später auch als Moyser Park bekannt. Im Jahr 1896 sollte das Gut an den preußischen Major Edmund von Witzleben verkauft werden, jedoch machte die Stadt Görlitz von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch und kaufte das Gut für 544.000 Mark, um es danach an von Witzleben zu verpachten.
Neben der Ansiedlung von Industrie erfolgte in Moys auch der Abbau von Braunkohle, Sand und Kies. Das bekannteste Bergwerk war die Grube Friedrich Anna. Hier wurden zwischen 1895 und 1928 über 1,8 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert. Die Grube schloss 1928. Einer der Gründe für die Schließung war auch die schlechte Qualität der geförderten Kohle. Weiterhin befanden sich an der Winterfeldtstraße zwei Tuchfabriken, die Tuchfabrik Krause und die Tuchfabrik Max Raupach (später Tuchfabrik Fritz Hermann). Die Tuchfabrik war in dem langgestreckten Bau untergebracht, der sich etwas zurückgesetzt, östlich der Einmündung der heutigen Ulica Słoneczna befindet. Das Geschäftshaus befand sich in der Elisabethstraße 43 in der Görlitzer Innenstadt. Hermann war Alleinhersteller der Feintuchmarke Aar Edel und einziger Lieferant der Handelsmarke Adler-Ring. Das wohl bekannteste Unternehmen war die Koffer- und Lederwarenfabrik Arnade, die sich an der später nach dem Unternehmensgründer benannten Julius-Arnade-Straße befand. Das Unternehmen wurde 1872 auf dem Grundstück Peterstraße 4 gegründet und produzierte anfangs mit zehn Mitarbeitern Lederwaren und Koffer. Nach einem Brand 1876 siedelte Arnade mit seiner Fabrik nach Moys über. Mit später 300 Mitarbeitern bot ein ausgedehntes Sortiment an, zu dem unter anderem Diamanthartplatten-, Hapag-Vulkanfiber-, Rohrplatten-, Holz- sowie Muster- und Schrankkoffer zählten. Weiterhin gehörten Schul- und Reisetaschen sowie Rucksäcke und Autozubehör zum Sortiment. mini|Einweihung der Johanneskirche am 15. Mai 1907 Die Moyser Bürger besaßen lange Zeit kein eigenes Gotteshaus. Moys war in die evangelische Kirchgemeinde Görlitz eingepfarrt und die meisten Moyser besuchten die Görlitzer Dreifaltigkeitskirche oder die Pfarrkirche St. Peter und Paul. In beiden Kirchen gab es eine sogenannte Moyser Empore. Seit 1894 wurde in den Wintermonaten von Geistlichen der Peterskirche je ein Abendgottesdienst in der alten Schule in Moys abgehalten. Später fanden diese auch im Saal des Gasthauses Stadt Brünn statt, das sich an der Seidenberger Straße (heute: Ulica Łużycka) in der Nähe der Einmündung der Johanneskirchstraße (heute: Ulica świętego Jana) befand. Am 11. Mai 1899 konstituierte sich in Moys ein Kirchbauverein mit dem Ziel, im Ort eine eigene Kirche zu errichten. Der Kofferfabrikant Julius Arnade schenkte dem Verein ein Grundstück an der Seidenberger Straße und die verwitwete Frau Davida vom Berge stiftete 10.000 Mark für den Bau, unter der Bedingung, dass der Bau binnen fünf Jahren ausgeführt wird. Am 24. November 1905 fand schließlich die Grundsteinlegung statt. Die Pläne für den neoromanischen Kirchbau stammten vom Architekten Arno Eugen Fritsche, der auch die Görlitzer Lutherkirche plante. Am 15. Mai 1907 fand die Kirchweihe der Johanneskirche statt, die einem Volksfest ähnelte. Am 26. September des gleichen Jahres erfolgte die Glockenweihe. Die drei Glocken mit der Disposition es-g-b wurden 1906 von der Gießerei Schilling gegossen.
Moys besaß ein eigenes Gaswerk am Langeweg, das allerdings seit den 1920er Jahren als Wohnhaus genutzt wurde. Mit der Eingemeindung nach Görlitz erfolgte die Gasversorgung vom städtischen Gaswerk. Die Wasserversorgung des Ortes sicherte der 1911 errichtete Wasserturm zwischen der Gablonzer Straße (heute: Ulica świętego Jana) und der Moyser Straße (heute: Ulica Krzysztofa Kamila Baczyńskiego). Doch bereits Mitte der 1920er Jahre war die Wasserversorgung unzureichend, und man schloss Moys an das Görlitzer Wasserwerk auf den Leschwitzer Wiesen an. Bis 1945 diente der Wasserturm noch zur Versorgung der Kofferfabrik. Auch ein eigenes Freibad gab es in Moys – das Kunze-Bad. Es befand sich zwischen der Ober-Dorfstraße (heute: Ulica Górnowiejska) und der Seidenberger Straße (heute: Ulica Łużycka) in unmittelbarer Nähe des Rothwassers, aus dem es auch gespeist wurde. Das Bad verfügte über Umkleidekabinen und eine Liegewiese. Im Winter wurde es auch als Schlittschuhlaufbahn genutzt.
Stadtteil Görlitz-Moys mini|Ein Straßenbahntriebwagen quert die Reichenberger Brücke in Richtung Moys. Die Ortschaft Moys wandelte sich im 19. Jahrhundert vom Bauerndorf zu einer wirtschaftlich florierenden Vorstadt von Görlitz. Bereits seit dem 18. Mai 1900 verkehrte die städtische Straßenbahnlinie III von der Rauschwalder Straße über den Demianiplatz quer durch die Oststadt vorbei an der einstigen Endhaltestelle am Gasthof Stadt Prag über die Schenkendorffstraße nach Moys. Die Endhaltestelle Am Rothwasser in Moys befand sich auf der Seidenberger Straße nördlich der Rothwasserbrücken an der gleichnamigen Gaststätte Zur Endstation. Am 1. Juli 1929 wurde der Ort schließlich nach Görlitz eingemeindet und damit der damals südlichste Stadtteil. Die offizielle Übergabe fand am 1. Juli um 8 Uhr statt. Die Stadt Görlitz übernahm mit der Eingemeindung die Pflichten der Befestigung der Bürgersteige, den Ausbau der Straßenbeleuchtung sowie der Schule und der Hauptstraße. Moys hatte zum Zeitpunkt der Eingemeindung 2752 Einwohner auf 784 Hektar Gemeindefläche.
Die Görlitzer Oststadt war bereits ein bedeutender Kasernenstandort. In den 1930er Jahren entstanden nach der Wiedereinführung der Wehrpflicht auch neue Kasernenanlagen. Zwischen 1935 und 1936 wurde an der Elsa-Brandström-Straße (heute: Ulica Elizy Orzeszkowej) die Winterfeldt-Kaserne gebaut. Im Oktober 1936 bezog die Beobachtungsabteilung 18 der 18. Infanterie-Division der Wehrmacht unter Kommandeur Major Ulbrich die Kasernenanlage. Nördlich der Kaserne befand sich das Heeresverpflegungsamt. Etwa 100 Meter westlich des Heeresverpflegungsamts befand sich das Heereszeugamt.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde der Gutshof Nieder-Moys erst als öffentliche Jugendherberge und später im Krieg als Lazarett genutzt. mini|Denkmal für die Opfer des Stalag VIII A im Süden des Stadtteils Im ersten Kriegsjahr 1939 entstand an der Leopoldshainer Straße ein Durchgangslager für polnische Kriegsgefangene. Im Jahr 1940 wurde das Stammlager VIII A südlich von Moys an der Seidenberger Straße (heute: Ulica Łużycka) auf dem Gelände des sich bis Posottendorf/Weinhübel erstreckenden Exerzierplatzes errichtet. Einer der bekanntesten Insassen des Lagers war der französische Komponist Olivier Messiaen, der hier sein Quatuor pour la fin du temps (deutsch: Quartett für das Ende der Zeit) fertigstellte und mit anderen Lagerinsassen uraufführte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg In der Nacht zum 7. Mai 1945 – dem letzten Kriegstag – sprengten Wehrmachtsverbände sämtliche Görlitzer Brücken über die Neiße, um den vorrückenden Verbänden der Roten Armee den Vormarsch zu erschweren. Auch der Neißeviadukt fiel den Sprengaktionen zum Opfer. Lediglich die stählernen Schienenstränge verbanden noch unbenutzbar beide Brückenfragmente. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Großteil der Moyser Bevölkerung aus ihren Häusern und Wohnungen in die Gebiete westlich der Lausitzer Neiße vertrieben. Einige der Flüchtlinge aus den östlichen Gebieten nutzten auf dem Weg in Richtung Westen auch die über dem Tal hängenden Gleise des Viadukts um über die Neiße zu gelangen. Auch sollen manche Görlitzer Bürger aus den östlichen Stadtteilen die Querungsmöglichkeit auf ihren Inspektionstouren in die Wohnung im Osten genutzt haben.